Kommentar: Qualcomm setzt die Grätsche zum richtigen Zeitpunkt an

Nicolas La Rocco 40 Kommentare
Kommentar: Qualcomm setzt die Grätsche zum richtigen Zeitpunkt an
Nicolas La Rocco

Mit dem Verkauf von System-on-a-Chips und Modems für Smartphones hat Qualcomm lange Zeit gute Geschäfte gemacht. Die Top 3 der Smartphone-Anbieter ist aber nicht mehr auf Qualcomm angewiesen. Deshalb ist es eine gute Entscheidung gewesen, mit dem Snapdragon 8cx nun ernsthaft das Notebook-Segment und damit Intel anzugreifen.

Dass in einem Top-Smartphone automatisch ein Top-Prozessor von Qualcomm steckt, ist heutzutage bei weitem nicht mehr so in Stein gemeißelt wie vielleicht noch vor ein paar Jahren. Der Markt hat sich zu einem Dreigestirn dominiert von Samsung, Huawei und Apple entwickelt. In der genannten Reihenfolge sind sie laut IDC-Hochrechnung von November für die SoCs in 45 Prozent der weltweiten Smartphone-Verkäufe verantwortlich.

Samsung, Huawei und Apple bilden allerdings nicht nur die Speerspitze des Smartphone-Marktes, sie vereint auch die Unabhängigkeit von Qualcomm. Zwar bezieht Samsung für gewisse Märkte und Geräte wie Tablets noch Qualcomm-Chips, und Apple verbaut in älteren iPhones noch Qualcomm-Modems, mit Exynos-SoCs und Modems (Samsung), A-SoCs und Intel-Modems (Apple) sowie HiSilicon-SoCs und Modems (Huawei) sind die drei Firmen aber auch ohne Qualcomm gut aufgestellt.

Qualcomm entwickelt für Platz 4 und dahinter

Jedes Jahr im Dezember zeigt Qualcomm aufs Neue mit Produkten wie dem Snapdragon 835, 845 oder dem brandneuen 855 leistungsfähige Chips, die nicht nur auf dem Papier, sondern im Regelfall auch in der Praxis überzeugen. Das Problem von Qualcomm ist mittlerweile aber, dass die drei wichtigsten Smartphone-Anbieter diese Produkte überhaupt nicht mehr benötigen, da sie ihre eigenen Chips entwickeln.

Seit dem letzten Jahr hat Qualcomm deshalb den Notebook-Markt für sich entdeckt. Nach zwei Chips mit Ursprung im Smartphone-Segment folgt im Laufe des kommenden Jahres mit dem Snapdragon 8cx der erste von Grund auf speziell für Notebooks konzipierte Chip, der Intels 15-Watt-CPUs den Kampf ansagt. Angesichts der derzeit kleinen Sprünge oder eher Hüpfer bei Intel und der nach wie vor hadernden 10-nm-Fertigung, die einfach nicht vorwärts kommen will, setzt Qualcomm die Grätsche genau zum richtigen Zeitpunkt an.

Nicht wie AMD an Intel scheitern

Dass Qualcomm es trotz eines vielversprechenden Chips nicht einfach gegen Intel haben wird, beweist seit Jahren allerdings AMD. Das Unternehmen beißt sich gleichwohl teilweise guter Produkte die noch so spitzen Zähne an Intel aus. Vielleicht braucht es einen feuerspeienden Drachen, um für Panik bei Intel und Bewegung am Markt zu sorgen.

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