Ryzen 3000 & Radeon RX 3000: Fantastische Gerüchte zu AMDs CPU- und GPU-Zukunft

Jan-Frederik Timm 766 Kommentare
Ryzen 3000 & Radeon RX 3000: Fantastische Gerüchte zu AMDs CPU- und GPU-Zukunft

Der zuletzt mit korrekten Vorhersagen zu AMD Epyc und GeForce RTX aufwartende YouTuber Jim Parker will umfangreiche Informationen zur nächsten Generation Ryzen-Prozessoren und ersten Grafikkarten mit Navi-GPU erhalten haben. Die lesen sich wie eine Wunschliste. Extreme Vorsicht ist trotz der letzten Treffer geboten.

Informationen aus einer einzigen unbekannten Quelle

Parker von AdoredTV erklärt, die Informationen von einer (und nur einer) ihm bisher unbekannten Quelle erhalten zu haben. Ganz so, wie es bei GeForce RTX der Fall gewesen ist und im starken Kontrast zum Fall Epyc, bei dem er sich durch die unabhängige Bestätigung aus mehreren Quellen absolut sicher gewesen sei. Eigene Recherchen und Abschätzungen hätten ihn bei GeForce RTX und jetzt auch bei Ryzen 3000 sowie Radeon RX 3000 aber dazu veranlasst, die Informationen öffentlich zu machen. Bei GeForce RTX lag Parker damit richtig, in diesem Fall ist der Ausgang noch offen.

Bis zu 16 Kerne im Sockel AM4

Sollten die Informationen der Quelle zutreffen, würde AMD mit der 3. Generation eine zweite Revolution statt Evolution auf dem Sockel AM4 ausrufen. Ryzen 3 würde auf 6 Kerne und 12 Threads (bisher 4/4), Ryzen 5 auf 8 Kerne und 16 Threads (bisher 4/8 oder 6/12), Ryzen 7 auf 12 Kerne und 24 Threads setzen (bisher 8/16). Doch dessen nicht genug: Über Ryzen 7 soll AMD – in Anlehnung an Core i9 – im nächsten Jahr den Ryzen 9 einführen, die 16 Kerne und 32 Threads bei bis zu 135 Watt TDP in den Sockel AM4 bringen – die maximale Anzahl der Kerne würde AMD also wie bei Rome verdoppeln. Damit würde Ryzen 9 bei den Kernen mit dem Ryzen Threadripper 2920X gleichziehen – und trotz höherer Taktraten würde die TDP mit 125/135 zu 180 Watt signifikant niedriger ausfallen.

Dass die Spezifikationen des Ryzen 9 schon aufgrund der gegenüber Ryzen 7 2700X um 30 Watt angehobenen TDP nur mit neuen Mainboards mit Chipsätzen vom Typ B550 und X570 möglich sein sollen, wird in Anbetracht der potentiell verdoppelten Anzahl an Kernen im Sockel AM4 da zum unbedeutenden Gerüchtedetail degradiert.

Der neue Ryzen 9 mit den zwei CPUs 3800X und 3850X soll dann auch endlich eine Erklärung dafür liefern, warum AMD bei Ryzen 2000 auf das Modell Ryzen 7 2800X verzichtet hat: Die x800er-Klasse sollte für den Aufstieg in die neue Ryzen-9-Serie vorbereitet werden.

I/O-Die verbindet CPU- und GPU-Chiplets

Möglich werden sollen 16 Kerne im vergleichsweise kleinen Sockel AM4 durch den Einsatz der winzigen 8-Kern-Dies aus der 7-nm-Fertigung, die zur Vorstellung der 64-Kern-Rome-CPU bereits offiziell zu sehen waren. Die beiden „Chiplets“ sollen allerdings nicht die einzige Parallele zur Serverarchitektur sein, auch der Ansatz mit dem I/O-Die aus der 14-nm-Fertigung sei übernommen worden, so Parker. Dabei müsste es sich allerdings zwangsläufig um einen deutlich kleineren Chip handeln, der zudem noch mehr können soll als nur CPU-Dies zu verbinden.

Parker spricht davon, dass die neuen APUs der Serie aus einem CPU-Chiplet und einem GPU-Chiplet auf Basis von Navi basieren sollen, die beide über den I/O-Die miteinander verbunden sind. Einen eigenen „APU-Die“ mit integrierter GPU gäbe es damit in Zukunft nicht mehr.

Termine und Preise widersprechen Erwartungen

Vorgestellt werden sollen alle neuen Ryzen-3000-Prozessoren ohne Grafikeinheit bereits in vier Wochen zur CES in Las Vegas Anfang Januar 2019, die Modelle mit GPU würden im Spätsommer folgen. Der kurze Zeithorizont und die Tatsache, dass selbst für das Topmodell nur 500 US-Dollar (vor Steuern) als UVP angesetzt sind, also 400 US-Dollar weniger als beim Threadripper 2950X mit 16 Kernen, entsprechen allerdings nicht den Erwartungen.

AMD hat in der Vergangenheit wiederholt öffentlich betont, dass die 3. Generation Ryzen nach Rome erscheinen wird und das dürfte erst im 2. Quartal 2019 der Fall sein. Die neuen Chipsätze für Sockel AM4 wurden jüngst auf einer Roadmap von Gigabyte für den Zeitraum der Computex im Frühsommer vorhergesagt, das würde zur Präsentation von Ryzen 3000 im selben Zeitfenster nach Rome passen. Eine Vorstellung der neuen CPUs bereits zur CES 2019 käme da viel zu früh.

Navi 12 als Radeon RX 3000 bereits zur CES

Doch damit nicht genug: Auch neue Radeon-Grafikkarten soll AMD zur CES 2019, auf der CEO Lisa Su eine Keynote hält, vorstellen. Zwei sollen auf Navi 12 basieren, eine auf Navi 10. Auch hier klingen technische Eckdaten und Preise wie die Erfüllung der kühnsten Vorstellungen an die 7-nm-Fertigung.

So soll bereits eine mutmaßlich Radeon RX 3060 getaufte Grafikkarte mit (teildeaktivierter) Navi-12-GPU und 4 GB GDDR6 bei nur 75 Watt TDP und damit ohne PCIe-Anschluss die Leistung einer Radeon RX 580 erreichen – bei auf 130 US-Dollar UVP (vor Steuern) halbiertem Preis. Und mit Navi 10 wäre auf der Radeon RX 3080 das Leistungsniveau der Radeon RX Vega 64 zuzüglich 15 Prozent bei nur 150 Watt TDP drin – für 250 US-Dollar UVP (vor Steuern). Diese Kombination aus Leistungssprung und Kostensenkung kann zum aktuellen Zeitpunkt einzig und allein als absolut unrealistisch eingestuft werden. Und auch die erst vor Wochen erfolgte Vorstellung der Radeon RX 590 als weiterer Polaris-10-Polaris-20-Aufguss spricht eindeutig gegen die in Kürze bevorstehende Präsentation einer auf Navi basierenden Grafikkarte im selben Leistungssegment.

In eigener Sache

Rome verdoppelt die Anzahl der Kerne und setzt auf ein I/O-Die-Chiplet-Design, warum sollte Ryzen 3000 diesem Schritt nicht folgen? Und dass Navi im nächsten Jahr erscheinen wird, ohne das absolute High-End-Segment zu adressieren, ist schon länger in der Gerüchteküche gesetzt. Es gibt gute Gründe, den auf den ersten Blick kaum vorstellbaren Gerüchten einen Hauch Wahrheit abzugewinnen. Taktraten, TDP, Preise und Termine bei den CPUs sowie Preise, Termine und die kolportierte Leistung von Navi lassen aktuell allerdings noch erhebliche Zweifel aufkommen. So große Zweifel, dass die Redaktion intern lange diskutiert hat, ob das Thema überhaupt aufgegriffen werden sollte.

Am Ende ist die Entscheidung zugunsten einer öffentlichen kritischen Auseinandersetzung mit den durch das Netz gereichten Informationen gefallen. Feedback zu dieser Entscheidung ist in den Kommentaren gerne gesehen.