Augmented Reality: HoloLens 2 ist ein großer Schritt in die Zukunft

Jan-Frederik Timm 33 Kommentare
Augmented Reality: HoloLens 2 ist ein großer Schritt in die Zukunft

Microsoft hat zur Präsentation der HoloLens 2 nicht zu viel versprochen: Die zweite Generation erweist sich im Erstkontakt auf dem MWC in der Tat als großer Schritt in Richtung Zukunft. Das liegt sowohl am größeren Sichtfeld als auch am Tragekomfort und der Interaktion mit den Hologrammen.

HoloLens 2 ohne Briefmarken-Sichtfeld

Bei der HoloLens der 1. Generation schränkte das Sichtfeld den Umgang mit den Hologrammen deutlich ein. Von den das menschliche Sichtfeld füllenden Hologrammen, wie sie Bilder und Videos von Microsoft aus dritter Perspektive suggerieren, war die Realität weit entfernt. HoloLens 2 mit dem doppelten Sichtfeld in Höhe und Breite kommt dem jetzt schon deutlich näher.

ComputerBase hat die HoloLens mit Holopatient von Pearson ausprobiert. In der Demo bekommt der Träger als Arzt Informationen zu einer ebenfalls als Hologramm dargestellten Patientin, die vor ihm auf einer Liege sitzt. Mit einem Abstand von etwa anderthalb Metern zur Liege erscheint diese Person fast vollständig im Raum. Generell fällt im Laufe der Demo auf: Dass das von der Brille abgedeckte Sichtfeld immer noch zu klein für das menschliche Auge ist, trübt das Eintauchen in die Augmented Reality kaum noch. In der Regel ist genug zu sehen.

Bevor das Behandlungszimmer von Holopatient betreten wird, muss HoloLens 2 allerdings noch kalibriert werden und zwar auf die Augen des Trägers. Denn HoloLens 2 kann jetzt nicht nur die Finger und Hände des Anwenders verfolgen, sondern auch die Augen. Auf dem MWC geschieht das durch das Verfolgen eines Holo-Würfels mit den Augen in gut 20 Sekunden. Danach kann der Anwender bereits einen holographischen Kolibri mit seiner Hand durch die Luft vor sich leiten.

Texte scrollen beim Lesen automatisch mit

In der Demo sorgt das Eye-Tracking dafür, dass ein Text beim Lesen im richtigen Tempo mitscrollt. Mit den Händen können wiederum bestimmte Arbeitsschritte durch das Drücken eines Knopfes bestätigt werden. Ohne haptisches Feedback wirkt das ungewohnt. Alternativ kann die Bestätigung auch als Sprachbefehl abgegeben werden.

Besser ist auch der vom Headset ausgegebene Sound. Er berücksichtigt, wie weit die Quelle des Tonsignals vom Anwender entfernt und wie der Kopf zur Quelle ausgerichtet ist. Und auch der Tragekomfort überzeugt.

Beeindruckend, aber noch nicht fehlerfrei

Die Demo wurde dann auch nicht aus ergonomischen, sondern auch technischen Gründen jäh unterbrochen: Nachdem der Holopatient auf die Liege gebettet worden war, liefen die Texturen für die Haut und das Krankenhaushemd willkürlich und schnell wechselnd auf dem Polygonkorpus ineinander. Auf dem iPad, das dem Instrukteur genau das Bild zeigt, das der Träger der Brille sieht, war das nicht der Fall. „Zu lange im Einsatz, die braucht eine Pause“, lautete sein Fazit. Und in der Tat, das Stirnteil mit der Recheneinheit war sehr heiß. Offensichtlich ist das kein unbekanntes Problem, denn der Microsoft-Mitarbeiter vor dem Demo-Raum war nicht überrascht.

HoloLens 2 erweist sich auf dem MWC 2019 damit als großer Schritt in die Augmented-Reality-Zukunft. Ganz marktreif ist er aber offensichtlich noch nicht. Mehr als „noch dieses Jahr“ hat Microsoft zum Veröffentlichungstermin der vor Steuern 3.500 US-Dollar teuren Augmented-Reality-Brille aber auch noch nicht gesagt.

HoloLens kann am Stand von Microsoft in Halle 3 in verschiedenen Szenarien ausprobiert werden, die Wartezeiten sind allerdings lang: Selbst mit „Fast Pass“ für die Presse war am Dienstag mit ein bis zwei Stunden Wartezeit zu rechnen.