12,8 Mio. US-Dollar: Erste Strafe wegen Fake-Bewertungen auf Amazon

Frank Hüber 53 Kommentare
12,8 Mio. US-Dollar: Erste Strafe wegen Fake-Bewertungen auf Amazon
Bild: stevepb | CC0 1.0

Die Federal Trade Commission (FTC), die unabhängige Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde der USA, hat zum aller ersten Mal eine Strafe wegen gefälschter Produktbewertungen auf Amazon gegen einen Händler verhängt. Beschuldigt und nun verurteilt wurde das Unternehmen Cure Encapsulations.

Cure Encapsulations hatte einen Dienstleister damit beauftragt, eine Diät-Pille auf Amazon durch gefälschte positive Bewertungen bei einer Kundenbewertung von durchschnittlich mindestens 4,3 Sternen zu halten und gleichzeitig irreführende Aussagen über die gewichtsreduzierende Wirkung der Diät-Pille in den Rezensionen zu verbreiten, um den Verkauf des Produkts zu steigern. Da die Rezensionen auf Amazon ein wichtiger Faktor für den Erfolg eines Produktes sind, wird von Anbietern immer wieder versucht, diese künstlich nach oben zu treiben. Den hiermit beauftragten Anbieter AmazonVerifiedReviews.com gibt es mittlerweile schon nicht mehr.

Aus 12,8 Mio. werden wohl 50.000 US-Dollar Strafe

Die FTC hat gegen Cure Encapsulations eine Strafe in Höhe von 12,8 Millionen US-Dollar verhängt, die jedoch nur auf den ersten Blick abschreckend hoch ist. Die 12,8 Millionen US-Dollar wird das Unternehmen voraussichtlich nämlich nicht zahlen müssen, da diese Strafe nur dann tatsächlich greift, wenn Cure Encapsulations noch ausstehenden Steuerverpflichtungen nicht nachkommt. Sofern das Unternehmen diese jedoch begleicht, wird die Strafe auf die sofort fälligen 50.000 US-Dollar reduziert.

Unternehmen muss für Aufklärung sorgen

Cure Encapsulations wird es durch das Urteil der FTC zudem verboten, Aussagen über eine nachgewiesene Wirkung der Diät-Pille zu treffen, ohne diese mit klinischen Studien belegen zu können. Darüber hinaus muss das Unternehmen die Kunden der Pille über das Urteil und die falschen Behauptungen in Kenntnis setzen und Amazon gegenüber offenlegen, welche Rezensionen gefälscht sind. Amazon hat das Urteil der FTC ausdrücklich begrüßt, da bereits eine einzige gefälschte Rezension eine zu viel sei.

Amazon selbst verklagt tausende Händler

Amazon selbst ist die Problematik gefälschter Rezensionen bewusst und versucht inzwischen durch automatisierte und manuelle Prüfungen dem Problem Herr zu werden – bei hunderten von Millionen von Bewertungen. Dabei leitet Amazon auch selbst seit 2015 immer wieder rechtliche Schritte gegen Anbieter ein, so dass inzwischen mehr als 1.000 Klagen durch Amazon selbst eingereicht wurden.