Logitech G935 & G635 im Test: Solider Klang trifft auf schlechtes Mikrofon

Michael Schäfer 128 Kommentare
Logitech G935 & G635 im Test: Solider Klang trifft auf schlechtes Mikrofon

tl;dr: Logitech schickt mit dem G935 ein neues kabelloses und mit dem G635 ein neues USB-Headset speziell für Spieler ins Rennen. Sowohl die Verarbeitungsqualität als auch der Klang überzeugen zwar, das Mikrofon wird dem Werbeversprechen und dem verlangten Preis jedoch nicht im Geringsten gerecht.

Design und Verarbeitung

Die Veränderungen an beiden geschlossenen Headsets gegenüber ihren Vorgängern fallen recht marginal aus. Noch immer verwendet der Hersteller eine Designsprache, die auf Spieler zugeschnitten ist. Einer der wenigen wirklich erkennbaren Unterschiede: Während die x33-Modelle auf den seitlichen, nach wie vor leicht abnehmbaren und daher austauschbaren Seitenabdeckungen der Hörmuscheln drei Streifen aufweisen, findet der Nutzer nun eine geschwungene Linie vor. Gleiches gilt für den Bügel, der in seinem Aussehen ebenfalls nur leichten Veränderungen unterzogen wurde.

Logitech G935 und G635 im Vergleich
Logitech G935 und G635 im Vergleich

Äußerlich fast gleich geblieben

Die geringen äußerlichen Änderungen müssen dabei aber nicht unbedingt negativ gesehen werden, denn auch viele sinnvolle Umsetzungen wurden von den Vorgängern übernommen. So verfügen sowohl das schnurlose G935 wie auch das kabelgebundene G635 über üppige Bedienelemente an der linken Ohrmuschel, die nach wie vor neben dem Einschaltknopf, dem Lautstärkeregler und der Stummschaltung für das Mikrofon drei frei belegbare Tasten mit sich führen. Diese können im Normalfall mit drei verschiedenen Funktionen versehen werden, bei entsprechender Tastatur können über die n-Taste nochmals drei Aktionen abgerufen werden.

Viele Bedienelemente auf dem G635
Viele Bedienelemente auf dem G635

Bei den Ohrpolstern finden sich dann doch noch Unterschiede: Während das G933 noch raue Stoffbezüge mit sich trug, setzt der Hersteller bei der neuen Generation auf weicheres Kunstleder, was aber nicht jedem Nutzer gefallen dürfte. Hier erweist sich die gleich gebliebene Formgleichheit als Vorteil, denn so können die Ohrpolster der Vorgänger weiterverwendet werden. Das fest verbaute und nicht abtrennbare Mikrofon wird bei Nichtgebrauch einfach hochgeklappt und verschwindet komplett in der linken Ohrmuschel. Aber hierzu im Verlauf dieses Tests mehr.

Modell: Logitech G935 Logitech G635 Logitech G633 Lioncast LX55 LX55 USB HyperX Cloud Mix beyerdynamic
Custom Game
Typ: Over-Ear geschlossen
Treiber: Pro-G 50 mm Pro-G 40 mm 53 mm High-Performance-Neodym 40 mm Neodymium Unbekannt
Frequenzbereich: 20–20.000 Hz 10–20.000 Hz
Analog 10–40.000 Hz
5–35.000 Hz
Kabelanschluss: Funk, 3,5-mm-Klinke USB, 3,5-mm-Klinke 3,5-mm-Klinke USB, 3,5-mm-Klinke Bluetooth, 3,5-mm-Klinke 3,5-mm-Klinke
Kabel abnehmbar: Ja
Kabel-Fernbedienung: Nein Ja
Bedienelemente am Headset: Ja Nein Ja
Integrierte Soundkarte: Ja Nein Ja Nein
Frequenzbereich
Mikrofon
:
100–10.000 Hz 100–20.000 Hz 100–10.000 Hz 50–18.000 Hz
100–8.000 Hz
30–18.000 Hz
Mikrofon abnehmbar: Nein Ja
Gewicht (ohne Kabel): 379 g 344 g 336 g 305 g 325 g 275 g 282 g
RGB-Beleuchtung: Ja Nein
UVP: 189 Euro 149 Euro 169 Euro 59,95 Euro 79,95 Euro 199,99 Euro 229 Euro

Bequem, aber nicht stoßsicher

Der Tragekomfort ist dank der Ohrpolster gut, der Anpressdruck zunächst angenehm, kann aber manchem Nutzer nach einiger Zeit doch zu stark werden. Die beiden Ohrmuscheln lassen sich wie gewohnt seitlich drehen und passen sich damit optimal dem Ohr an.

Während das G635 auch bei schnellen und plötzlichen Kopfbewegungen keinen Millimeter verrutscht, kann das G935 dabei aufgrund seines höheren Gewichtes von 379 Gramm leicht vom Kopf fallen. Aber auch der kleinere Bruder ist mit 344 Gramm kein Leichtgewicht. Hier fordert die massive und stabile Bauweise ihren – wenn auch nur geringen – Tribut.

Logitech G633 (links) und G635 (rechts) im Vergleich
Logitech G633 (links) und G635 (rechts) im Vergleich

Für Logitech ist nach eigenen Angaben das äußere Erscheinungsbild der Headsets ebenso wichtig wie die klangliche Ausstattung. Dafür verfügen beide Ohrmuscheln rückseitig über einen schmalen Streifen, der für eine dynamische und anpassbare RGB-Beleuchtung sorgt. Gleiches gilt für das seitlich beleuchtete Logitech-Logo.

Über die restlichen Aspekte der Verarbeitung der beiden neuen Headsets muss an dieser Stelle kein weiteres Wort verloren werden, sie ist über jeden Verdacht erhaben – etwas anderes hätte man aber beim von Logitech ausgerufenen unverbindlichen Verkaufspreis von 189 Euro für das G935 und 149 Euro für das G635 nicht erwarten können.

Anschlüsse

Logitech setzt beim G935 primär auf eine Funkübertragung im 2,4-GHz-Band, als Alternative kann auch eine Verbindung per Klinkekabel herangezogen werden. Praktisch: Der zur drahtlosen Nutzung benötigte Dongle lässt sich bequem hinter der Abdeckung der linken Ohrmuschel verstauen. Hinter der rechten Abdeckung verbirgt sich dagegen der Akku, der im Gegensatz zu den Funkmodellen vieler Mitbewerber bei Bedarf leicht ausgetauscht werden kann. Das ist erst mal löblich, dennoch hätte Logitech hier den Wechsel einfacher gestalten und den Energiespeicher nicht an ein kleines dünnes Kabel anschließen können.

Der USB-Dongle lässt sich beim G935 bequem in der Ohrmuschel verstauen
Der USB-Dongle lässt sich beim G935 bequem in der Ohrmuschel verstauen
Das G935 mit austauschbaren Akku
Das G935 mit austauschbaren Akku

Gute Laufzeiten, ausreichende Reichweite

Die Laufzeit gibt Logitech beim G935 mit bis zu 12 Stunden ohne Beleuchtung an, was den gemessenen Zeiten im Test recht nahe kommt. Eine verbindliche Aussage kann hier aber nur schwer getroffen werden, zu sehr ist der Stromverbrauch von verschiedenen Faktoren wie der Qualität der Funkverbindung, der Intensität der eventuell verwendeten RGB-Beleuchtung und der Lautstärke abhängig. Sogar die Art der ausgegebenen Inhalte spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Reichweite beträgt laut den Spezifikationen in Räumen 15 Meter (bei einem freien Feld werden sogar 20 Meter angegeben), wird aber nur selten wirklich erreicht. Im Test war meist nach 10 Metern Schluss, nämlich spätestens dann, wenn eine zweite Wand hinzukam. So dürfte die von Logitech angegebene Reichweite nur auf größeren LAN-Partys erreicht werden – wenn das viel benutzte 2,4-GHz-Band mitspielt. Daheim dürften nur die wenigsten Nutzer Räumlichkeiten besitzen, bei denen auf 15 Meter keine oder höchstens eine Wand vorhanden ist.

Beim G635 müssen die Nutzer unter anderem mit einer USB-Verbindung vorliebnehmen. Das Headset wird schnell am Rechner erkannt, eine zusätzliche Software ist für den rudimentären Gebrauch nicht nötig. Das von Logitech beigelegte Kabel ist zwar mit seiner Stoffummantelung sehr stabil, mit gerade einmal knapp zwei Metern Länge aber recht kurz bemessen. Zugutehalten muss man dem Hersteller, dass er den Micro-USB-Anschluss frei zugängig gelassen hat, sodass zur Not auch ein eigenes längeres Kabel angeschlossen werden kann.

Logitech G635
Logitech G635

Ohne Adapter analog nur bedingt verwendbar

Alternativ lassen sich beide Headsets auch per Klinkekabel anschließen. Doch hier macht Logitech keine gute Figur: Dass das Kabel dabei nur einen geringer ausfallenden Schutz aus Gummi und nicht aus Stoff erhält, ist noch zu akzeptieren, aber die Länge von gerade mal 1,60 Meter könnte für den einen oder anderen Spieler zum Problem werden. Darüber hinaus versieht der Hersteller das Kabel mit einem vierpoligen Stecker, legt aber keinen Adapter auf zwei dreipolige Anschlüsse bei, wie es bei den meisten Herstellern üblich ist. Unterstützt die eigene Soundkarte diese Stecker-Art nicht, muss man sich entweder selbst um einen Adapter kümmern oder diese Kabelverbindung scheidet als Alternative aus.

Das USB-Kabel dient beim G935, wie auch von anderen kabellosen Headsets gewohnt, lediglich für die Stromversorgung beim Aufladen des Akkus.

Software

Zur Steuerung der beiden Headsets stellt Logitech den kostenfreien G HUB zur Verfügung, der auf Systemen mit Windows 7 oder neuer, macOS 10.11 oder neuer sowie Chrome OS installiert werden kann.

Mit der Software können unter anderem die drei Tasten am Headset beliebig mit Funktionen belegt und in verschiedenen Profilen gespeichert werden, sodass zu jedem Anlass schnell die richtige Tastenbelegung geladen wird. Auch das Erstellen von Makros und Aktionen ist möglich.

Logitech G935 und G635 im Test Screenshots

Darüber hinaus kann mit dem G HUB die Ausrichtung der RGB-Beleuchtung für den dünnen Streifen auf der Rückseite der Ohrmuscheln sowie für das seitliche Logo getrennt in verschiedenen Effekten und in insgesamt 16,8 Millionen Farben eingestellt werden. Diese lassen sich über die sogenannte Lightsync-Technologie mit Spielen, Videos oder Musik synchronisieren.

Auch auf den Ton kann man mittels eines 10-Band-Equalizers Einfluss nehmen. Darüber hinaus kann der 7.1-Raumklang aktiviert sowie Feineinstellungen vorgenommen werden.

RGB-Lichtspiele beim G935 und G635
RGB-Lichtspiele beim G935 und G635

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