Bezahlen: Bargeldlos mit EC-Karte bis 25 Euro ist am schnellsten

Michael Schäfer 475 Kommentare
Bezahlen: Bargeldlos mit EC-Karte bis 25 Euro ist am schnellsten
Bild: stevepb | CC0 1.0

In der Werbung wird das Zahlen mit EC- oder Kreditkarte sowie die Bezahlung des letzten Einkaufs via Smartphone an der Ladenkasse immer als besonders schnell und einfach dargestellt. Die Realität sieht in Deutschland in vielen Bereichen jedoch anders aus – und ist vor allem von der jeweiligen Situation abhängig.

An der Ladenkasse ist die Barzahlung noch immer das schnellste und kostengünstigste Zahlungsmittel‟ – so einfach fasst Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann die verbrauchte Zeit beim Bezahlvorgang für den Einkauf im Rahmen der Vorstellung einer aktuellen Untersuchung der Deutschen Bundesbank und des Handelsinstitutes EHI zusammen. Dafür wurden an 17 Tagen in einem Zeitraum von Mai bis November 2017 in 15 ausgewählten Geschäften in sechs Branchen insgesamt 3.125 Zeitmessungen durchgeführt sowie 10 große und 20 kleinere Handelsunternehmen befragt.

Werbung verliert in der Realität

Das Ergebnis widerspricht in vielen Teilen den Versprechungen der Werbung: So nimmt laut der Studie ein normaler Bezahlvorgang bei Beträgen bis zu 50 Euro mittels Bargeld rund 22 Sekunden in Anspruch und verursacht Kosten in Höhe von 24 Cent. Bei Einkaufsbeträgen unter 10 Euro sinkt die Dauer noch einmal auf 18 Sekunden. Wird die Begleichung mittels EC- oder Kreditkarte und PIN-Eingabe durchgeführt, steigt die Dauer dagegen auf durchschnittlich 29 Sekunden, bei Authentifizierung über die Unterschrift sogar auf 38 Sekunden. Auch die Höhe der Kosten steigt mit 97 Cent beziehungsweise 1,04 Euro, zu den Gebühren für Kartenanbieter, Kosten für das Kassenpersonal, Geldtransporte oder Anschaffung und Wartung von Kartenterminals gerechnet werden.

Anteile der Transaktionsarten
Anteile der Transaktionsarten (Bild: Bundesbank)

Bargeld lacht bei Zeit und Kosten

Nach wie vor ist das Begleichen von Einkäufen im deutschen Einzelhandel mittels Bargeld auch die meistgenutzte Zahlungsmethode. Dabei wird bei den jährlich rund 20 Milliarden anfallenden Zahlvorgängen, was insgesamt 220 Einkäufen pro Kopf und damit knapp 470 Einkäufen pro Haushalt entspricht, in drei von vier Fällen auf Münzen oder Scheine zurückgegriffen. Die dadurch anfallenden Kosten belaufen sich in der Folge laut Erhebung auf insgesamt rund 5,4 Millionen Euro. Gemessen am Gesamtumsatz des Einzelhandels von 410 Milliarden Euro im Jahr 2018 liegen Barzahlungen mit einem Umsatzanteil von rund 51 Prozent ebenfalls vorne, was aber auch zeigt, dass bei höheren Beträgen schneller zur bargeldlosen Bezahlung gegriffen wird.

Google Pay, Apple Pay und kontaktlose EC-Karten im Aufwind

Die Erhebung zeigt aber auch ebenso deutlich, dass der Anteil an Kartenzahlungen sowie dem kontaktlosen Bezahlen stetig steigt. Das Smartphone als Zahlungsmittel besitzt in Deutschland noch eine geringe Relevanz und aussagekräftige Zahlen sind schwierig, da neben diversen Insellösungen unter anderem mit Google Pay und Apple Pay zwei große Anbieter erst seit Mitte 2018 beziehungsweise seit Anfang Dezember 2018 in Deutschland nutzbar sind und nicht in den Studienzeitraum fallen. Daher wurde sich für einen aussagekräftigen Vergleich innerhalb der Studie auch mit Simulationen beholfen und die Ergebnisse in die Gruppe des kontaktlosen Bezahlens eingeordnet.

Zeitaufwand der Zahlungsformen in Sekunden
Zeitaufwand der Zahlungsformen in Sekunden (Bild: Bundesbank)

Kontaktlos bis 25 Euro am schnellsten

Dabei erwies sich das kontaktlose Zahlen ohne PIN als effektivste Methode: Gerade einmal 15 Sekunden dauert hier ein Zahlungsvorgang, dieser ist jedoch meistens nur für Einkäufe bis zu 25 Euro möglich. Allerdings hat die Verbreitung der kontaktlosen EC-Karten seit Studienerhebung zugenommen.

Zukunft ungewiss

Die Art, wie in Deutschland zukünftig bezahlt wird, lässt sich hingegen nur schwer abschätzen. Laut dem Bundesbank-Vorstand entscheidet der Bürger, wie er zahlen will. Einer Ende Januar veröffentlichte Bitkom-Studie zufolge haben seit der Einführung des mobilen Zahlens 30 Prozent der Bundesbürger diese Form bereits genutzt, jedoch lediglich rund jeder Dritte gibt an, damit auch wirklich Zeit zu sparen. Von den Befragten 1.005 Personen gaben 60 Prozent der Nichtnutzer ihre Ablehnung mit Sicherheitsbedenken an.