Corsair K83 im Test: Die HTPC-Tastatur mit Joystick ist kein Controller-Ersatz

Max Doll 36 Kommentare
Corsair K83 im Test: Die HTPC-Tastatur mit Joystick ist kein Controller-Ersatz

tl;dr: Ein Joystick und zwei Schultertasten machen aus einer Tastatur einen Gaming-Controller, verspricht Corsairs K83. Die Idee geht im Test aber nicht im suggerierten Umfang auf: Die Tastatur soll Dinge leisten, für die sie sich nicht eignet. Damit stellt sich der HTPC-Tastatur am Ende die Sinnfrage.

HTPC-Tastatur mit Extra

Für den Einsatz auf dem Schoß gelten grundsätzlich andere Anforderungen als im normalen Umfeld auf einer festen Unterlage. Für die ergonomische Bedienung helfen in diesem Umfeld flache und schmale Tastaturen, weshalb die K83 nur 77 statt 105 Tasten verwendet. Der eingesparte Raum wird in Teilen für das Touchpad verwendet. So ist die Tastatur nur etwas größer als „Tenkeyless“-Modelle und damit groß genug, um auf den Beinen liegen zu können, aber nicht zu groß, um sperrig zu werden.

Mit weißer Hintergrundbeleuchtung, Metall-Oberseite und ebenso leisen wie flachen Chiclet-Tasten auf Rubberdome-Basis trägt Corsair darüber hinaus dem Umfeld – einem Wohn-, nicht Hobbyzimmer – Rechnung. Dass nicht nur an Spiele(r) gedacht wurde, zeigen die Verbindungsmöglichkeiten. Möglich ist die Datenübertragung per Micro-USB-Kabel, 2,4-GHz-Funkadapter sowie mit zwei weiteren Geräten per Bluetooth-Schnittstelle, umgeschaltet werden kann on-the-fly. Wie bei allen Zusatzfunktionen, Medientasten etwa, stehen dafür aber keine separaten Tasten zur Verfügung.

Zusätzliche Hardware gibt es lediglich für die Lautstärkeregelung, die Hintergrundbeleuchtung und den Spiele-Modus, der für den Joystick von elementarer Bedeutung ist. Seine Aktivierung ändert die Konfiguration von „D-Pad“ zur Menünavigation zu echtem Joystick bzw. Zeigersteuerung. Zwei weitere Tasten, die an Rück- und Unterseite zu finden sind, ersetzen die Maus- respektive Schultertasten – das Ensemble soll, behauptet Corsair, die Tastatur spieletauglich machen.

Wie das funktionieren soll, erschließt sich quasi mit einem Griff. Die K83 wird am Rand gegriffen, sodass der Daumen auf dem Stick, Zeige- und Mittelfinger auf den „Maustasten“ liegen. Das Touchpad bleibt auf diese Weise außer Reichweite, die Gefahr von Interferenzen wird ausgeschlossen. Ein schneller Wechsel zum Pad ist hingegen jederzeit möglich.

Corsair K83
Größe (L × B × H): 38,1 × 12,5 × 2,8 cm
Layout: Sonstiges
Gewicht: 480 g
Kabel: Funk ?
Hub-Funktion:
Key-Rollover: 2-KRO
Schalter: Scissor
Tasten: Form: spherisch konkav
Material: ABS-Kunststoff
Beschriftung: laser cut
flache Tasten, Chiclet-Tasten
Zusatztasten: 4 × Extra
Scrollrad (Lautstärke)
Medienfunktionen: Lautstärke, Abspielen/Pause, Stopp, Vor/Zurück
Zusatzfunktionen: Helligkeit (regeln, ausschalten), Programmverknüpfungen, Office-Funktionen
Beleuchtung: Farbe: Weiß
Modi: Atmungseffekt
Sonstige: individuelle LED-Profile
Makros & Programmierung: vollständig programmierbar
Preis: ab 139 €

In Media-Zentralen und Spielen

Es sind diese zahlreichen Anlagen, die Vielseitigkeit der Anschlüsse, die flexible Bedienung mit Joystick-Add-On, die eine gute Tastatur für das Media-Center ausmachen. Auch das Layout, bei dem sichtbar Wert auf eine gute Erreichbarkeit der Medien-Funktionen geachtet wurde, erleichtert die Bedienung einer Medienzentrale.

Mit geringem Gewicht und kompakten Dimensionen stört die Tastatur dabei auf dem Schoß nicht und auch die Scissor-Taster mit kurzem Hub, aber klarem Druckpunkt und weichem Anschlag sind auch für das Verfassen längerer Texte gut geeignet. Durch ihre geringe Lautstärke stören sie zudem nicht im Wohnzimmer. Als kabellose HTPC-Tastatur mit gediegener Verarbeitung gibt die K83 deshalb eine ausnehmend gute Figur ab.

Wechselt das Szenario aber vom Standard-Media-Center hin zum Spiele-Einsatz, ziehen Wolken am Horizont auf. Das hat viele Gründe, die alle letztlich auf dasselbe Problem zurückzuführen sind: Der Joystick mutet nicht wie eine optimale Lösung im Sinne eines geeigneten Werkzeuges an, sondern wie ein Behelf. Dieser Charakter kompromittiert zahlreiche Aspekte der Bedienung.

Ergonomische Kompromisse

Schon die Handhabung der Tastatur im Spieleeinsatz funktioniert nicht optimal. Um auf die Taste an der Unterseite zu kommen, ist das Kippen des Eingabegeräts nötig, wenn die Tastatur nicht auf den Fingern liegen soll – was wiederum Eingaben auf dem Tastenfeld wackelig werden lässt. Die K83 asymmetrisch auf den Beinen anzuordnen, zwingt schnell in weniger bequeme beziehungsweise in ihrer Anzahl stark eingeschränkte Sitzpositionen, weil die Beine nicht zu weit auseinander liegen dürfen; ohnehin dürfen sie höchsten überschlagen sein. Dauert die Nutzung der K83 mehr als ein paar Minuten an, machen sich diese Aspekte durchaus bemerkbar.

Ein solches Problem haben zwar auch andere Sofa-Tastaturen, sie kompensieren diese Nachteile aber mit präziser Spiele-Steuerung. Beim Wechsel durch Menüs oder der Steuerung des Rechners fällt die wiederum nicht ins Gewicht, weil Tastenfeld und Maus nie gleichzeitig genutzt werden, was die Bewertung ins Gegenteil verkehrt.

Der Joystick ist eine sinnvolle Ergänzung, erzeugt aber keinen Gaming-Controller
Der Joystick ist eine sinnvolle Ergänzung, erzeugt aber keinen Gaming-Controller

In Spielen gelingt es der K83 aber nicht, Komfort-Nachteile zu kompensieren. Der Joystick erreicht höchstens die Präzision eines Gamepads, nicht einer Maus, erfordert aber, die Arme zu spreizen und parallel zu legen. Ein Gamepad mit vergleichbarer Präzision lässt sich bequemer halten. Ohnehin erlaubt es mehr Spielraum bei der Positionierung – wie man sitzt, spielt keine Rolle, während die K83 Beine als Unterlage zur Systemvoraussetzung hat.

Der Hybrid wirkt klobig

Ansonsten gilt die alte Weisheit: Jedes Laptop zeigt, dass sich das Spielen mit einem Touchpad nicht als Krönung des Gamer-Lebens qualifiziert. Was also bleibt, das sind Szenarien, in denen eine Tastatur aufgrund vieler Tastenverknüpfungen oder Menüs hilft, die aber gleichzeitig auch mit einem Thumbstick gesteuert werden können. Tatsächlich ist das am ehesten im 4X-Strategiegenre der Fall. Ansonsten war der Hybrid aus Tastatur- und Thumbstick-Steuerung stehts eine suboptimale Lösung. In Plattformern etwa wirkte die Eingabe auf der Tastatur unbeholfen, in Shootern die des Joysticks – wenn die linke Hand eine Tastatur spürt, erwartet die rechte das Feedback einer Maus, keine schwerfällige Maus-Simulation in Verbindung mit einem sperrigen Eingabegerät.

Dass sich „Spiele wie auf einem Gamepad spielen und Menüs problemlos navigieren“ lassen, stimmt in dieser Form also nicht, obwohl Corsair die selbst geweckten, hohen Erwartungen abseits der Produktseite einzufangen versucht. Der Hinweis auf „leichtes Gaming“ als Einsatzzweck und der Verweis auf „entspannte“ Spiele wie Minecraft, Surviving Mars, Hearthstone und Civilization VI, bei denen eine Maus nicht zwingend benötigt wird, werden jedoch vom Marketing-Material unterlaufen, das Bilder mit Monster Hunter World zeigt; wirklich klar wird der Sinn der K83 nicht beschrieben. Aber selbst in dem für Corsair einfachsten Szenario überzeugt die K83 nicht, sofern diese Art der Nutzung nicht einfach nur Spielen mit Kompromissen und Verrenkungen sein soll. Die K83 wirkt in Spielen schlicht klobig und schwerfällig.

Zu keinem Zeitpunkt hat das Spielen mit der K83 so den Wunsch verdrängen können, doch einfach ein Gamepad in die Hand zu nehmen, das immer gut funktioniert und sich bequemer halten lässt. Der Vorteil der K83 reduziert sich im Wesentlichen darauf, ein Eingabegerät für alle Szenarien zu haben – also die HTPC-Tastatur nicht ablegen und nach einem Controller greifen zu müssen, mit dem es sich dann gleichwohl entspannte Spiele am entspanntesten spielen lassen.

Fazit

Sie funktioniert, aber! Corsairs HTPC-Tastatur entpuppt sich als gediegene Lösung, um einen HTPC zu steuern. Das allerdings ist nicht ihr Anspruch, was dazu führt, dass das Marketing einem guten Produkt Fesseln anlegt. Der von Corsair erhobene Anspruch heißt „Gaming“. Dieses Label wirkt jedoch übergestülpt, es ist Fehl am Platz für ein Produkt, das in diesem Bereich fast nie wie die beste und zu oft wie eine Notlösung wirkt.

Die K83 entpuppt sich als gelungene HTPC-Tastatur. Ein Gaming-Eingabegerät ist sie nicht.
Die K83 entpuppt sich als gelungene HTPC-Tastatur. Ein Gaming-Eingabegerät ist sie nicht.

Am ehesten eignet sich die K83 noch für die rar gesäten Spiele, die von vielen Tasten profitieren, aber auch mit Gamepad gespielt werden können. Empfehlenswert wird die K83 trotzdem nicht, denn der Regelfall sieht anders aus. Es gibt zu viele Einschränkungen am Konzept und nahe liegende bessere Lösungen, als dass sich eine HTPC-Tastatur für das Couch-Gaming selbst im Casual-Bereich empfehlen kann.

Der Elefant im Raum hat einen Namen: 140 Euro. So viel verlangen Händler für ein Produkt, das nicht der Weisheit letzter Schluss für das Couch-Gaming ist. Eine Kombination aus günstigerer HTPC-Tastatur, etwa Logitechs K830, und Gamepad und/oder Steam-Controller kostet abhängig der Produktwahl sogar weniger und kann mehr. Wer wiederum wirklich auf dem Sofa spielen möchte, kann auch zur Roccats Sova oder dem Razer Turret greifen. Auch wenn es „die“ perfekte Lösung für Couch-Gaming nicht gibt, erscheint jede dieser Lösungen im Endeffekt vielseitiger und damit in der Breite sinnvoller.

Corsair K83
Produktgruppe Tastaturen, 17.04.2019
  • Gehäuse
    +
  • Tasten & Beschriftung
    +
  • Layout
    +
  • Ausstattung & Extras
    ++
  • Software
    ++
  • Flache, leise Taster
  • Vielseitige Verbindungsoptionen
  • Durchdachtes Layout
  • Gute HTPC-Tastatur
  • Ergonomie & Präzision in Spielen
  • Unpassende Produktbeschreibung

ComputerBase hat die Corsair K83 leihweise von Corsair zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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