CPU-Jubiläum: 20 Jahre AMD Athlon

Sven Bauduin 75 Kommentare
CPU-Jubiläum: 20 Jahre AMD Athlon
Bild: Jacopo Werther | CC0 1.0

tl;dr: Gestern vor 20 Jahren am 23. Juni 1999 stellte AMD die K7-Mikroarchitektur vor und präsentierte mit dem darauf basierenden Athlon den zu dem Zeitpunkt schnellsten x86-Prozessor. Der Athlon war nicht nur der erste seiner Art, der die Grenze von einem Gigahertz durchbrach, er sollte auch das ganze Unternehmen retten.

Wie so oft in der damaligen Zeit war es eine Produktvorstellung ohne (käufliches) Produkt, als AMD am 23. Juni 1999 seinen prognostizierten „Pentium Killer“, den gemeinhin nur K7 genannten Athlon vorstellte. Für die Produktvorstellung selbst war der damalige Chefentwickler Dirk Meyer zuständig, der rund neun Jahre später AMD-CEO wurde. Im Handel war der Athlon erst im August.

Im dritten Anlauf als Athlon ein Erfolg

K7 war AMDs dritte eigene CPU-Architektur. Der erste von AMD selbst entwickelte x86-Prozessor, der AMD K5, kam zwei Jahre zuvor im Jahr 1996 auf den Markt. Der K5 (Sockel 5/7) konnte allerdings nicht mit den Pentium-Prozessoren von Intel konkurrieren, wirtschaftlich war der K5 ein Fehlschlag. Fehlendes Know-How wurde daraufhin durch den Kauf der Firma NexGen erworben. NexGen entwickelte ebenfalls Prozessoren und hatte mit dem Nx686 einen angemessenen Rivalen für Intels Pentium-Reihe parat, den AMD im Jahr 1997 als AMD K6 auf den Markt brachte – diese CPU für den Sockel 7 war ein Erfolg. Die Überarbeitung AMD K6-2 brachte mit 3DNow! als Antwort auf Intel MMX dann AMDs erste eigene Zusatzinstruktionen mit sich. Mit dem AMD K6-III gab es einen L2-Cache auf dem Die.

AMD K7, der Nachfolger des K6, bekam im Jahr 1999 einen griffigen Markennamen, der bis heute ein Begriff und in Verwendung ist: AMD Athlon. Dieser Prozessor bildete die Grundlage für technisch sehr erfolgreiche Jahre im CPU-Bereich und die Basis für die enorm potenten Prozessoren der Serien Athlon XP und später auch Athlon 64.

Ein neuer Slot als Unabhängigkeitserklärung

Mit der K7-Mikroarchitektur hielt auch der Slot A Einzug in AMD-Systeme und löste den Sockel 7 ab. Bis zu diesem Tag teilte sich AMD den Sockel mit Intel und war daher davon abhängig, was Intel einem Prozessor ermöglichte und was nicht.

AMD Athlon für den Slot A
AMD Athlon für den Slot A

Der neue Slot A hingegen unterschied sich deutlich vom Slot 1, den Intel ab 1997 unter anderem für den Pentium II, Pentium III und die Celeron (P6) Produktfamilie nutzte. Der Schritt zum eigenen Sockel war eine weitere Unabhängigkeitserklärung von AMD und das erste Zeichen eines neuen Selbstbewusstseins. Für AMD ging es im Jahre 1999 ums nackte Überleben und so setzte das Unternehmen mit der neuen Plattform, der K7-Mikroarchitektur und den Athlon-Prozessoren alles auf eine Karte.

Drei Modelle zum Marktstart

Als es schlussendlich soweit war, präsentierte AMD insgesamt drei Modelle auf Basis des Argon-Kerns mit 500, 550 und 600 MHz, die Intel fortan das Fürchten lehren sollten. Die neuen CPUs wurden im 250-nm-Fertigungsverfahren hergestellt und wiesen die folgenden Spezifikationen auf:

  • L1-Cache: 64 + 64 KiB (Daten + Instruktionen)
  • L2-Cache: 512 KiB (externe Chips auf CPU-Modul mit ½ CPU-Takt)
  • MMX, Extended 3DNow!
  • Slot A, EV6 mit 100 MHz Front Side Bus (FSB 200)
  • Betriebsspannung (VCore): 1,60 V
  • Erscheinungsdatum: 23. Juni 1999
  • Fertigungstechnik: 0,25 µm (250 nm)
  • Die-Größe: 184 mm² bei 22,0 Millionen Transistoren

Im August folgte eine Variante mit 650 MHz, im Oktober ein 700-MHz-Modell. Und schon im November wurde die Serie mit dem Pluto-Kern in 180-nm-Fertigung mit bis zu 750 MHz neu aufgelegt. Ein Jahr später erschien Thunderbird, den es dann auch im Sockel A gab. Mehr Details zu dieser Epoche liefert auch der AMD Überblick vom K5 bis zum Athlon XP aus dem Jahr 2002.

AMD Sockel A
AMD Sockel A

Erfolg auf ganzer Linie

Der Athlon wurde zum bis dato größten Erfolg des Unternehmens und konnte die Konkurrenz aus dem Hause Intel bei gleicher Taktfrequenz deutlich schlagen. Vor allem im Bereich der Gleitkomma-Berechnungen zog der Neuling Kreise um den Pentium III und lieferte teilweise die dreifache Leistung. Das mit dem Athlon XP eingeführte „XP-Rating“ sollte diesem Umstand Rechnung tragen, auch wenn es offiziell nie den Vergleich zu Intel zog.

Mit dem Athlon konnte AMD auch das prestigeträchtige Rennen um den ersten Gigahertz-Prozessor für sich entscheiden und veröffentlichte am 6. März 2000 den Athlon mit exakt 1.000 Megahertz. Intel versuchte mit dem Pentium III und 1,13 Gigahertz zu kontern, musste diesen aber kurz darauf wieder zurückrufen, während AMD bereits erfolgreich die nächste Ausbaustufe mit 1,1 Gigahertz zünden konnte. Schlussendlich war der Athlon der erhoffte Erfolg und konnte AMD in einer wirtschaftlich schwierigen Situation vor dem Bankrott retten.

Auch heute gibt es den Athlon noch

Die Marke Athlon nutzt AMD auch heute noch. Ganz aktuell bilden sie auf Basis der APUs mit Zen und Vega den Einstieg in das Desktop-CPU-Portfolio des Herstellers und treten damit in Konkurrenz zu einem alten Bekannten: dem Intel Pentium. Denn auch Intel verwendet die um die vormals so bekannte Marke noch heute für Prozessoren im Einstiegssegment. Einen würdigen Nachfolger im High-End-Bereich hat Athlon seit zwei Jahren mit Ryzen gefunden. Und am 7. Juli dürfte sich auch diese Architektur in 3. Generation anschicken, noch einmal einen beachtlichen Sprung hinzulegen, der Intel abermals arg in Bedrängnis bringt.

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