Gigabyte Aorus AD27QD im Test: Display-Messungen und Fazit

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Frank Hüber 128 Kommentare

Helligkeit und Farbraum

Am hellsten ist der Gigabyte Aorus AD27QD in der Bildmitte mit 432 cd/m². Die typischen 350 cd/m² erreicht der Hersteller somit problemlos und auch die erteilte DisplayHDR-400-Zertifizierung trägt der Monitor zu Recht. Gerade zu den Ecken hin fällt die Helligkeit aber deutlich ab, die Homogenität des Displays kann somit nicht gänzlich überzeugen. Nur noch 323 cd/m² werden in der linken oberen Ecke maximal erreicht, 25 Prozent weniger als in der Bildmitte. Insbesondere der Samsung C32HG70 hat eine bessere Homogenität, aber auch die andere 31,5-Zoll-Konkurrenz im Testfeld bietet eine (wenn auch nicht immer signifikant) bessere Homogenität.

Die Helligkeit wird übrigens nicht über PWM geregelt, so dass der Monitor bei jeder Helligkeitseinstellung tatsächlich flimmerfrei agiert. Kopfschmerzen durch ein kaum wahrnehmbares Flackern muss beim Gigabyte Aorus AD27QD somit niemand fürchten.

Zu inhomogenes Display mit Backlight-Bleeding

Der Schwarzwert des AD27QD liegt bei maximaler Display-Helligkeit bei durchschnittlich 0,428 cd/m², wobei die hellste Stelle links unten aber 0,622 cd/m² hell leuchtet und die dunkelste Stelle rechts mit 0,334 cd/m². Auch wenn der durchschnittliche Schwarzwert niedriger ausfallen könnte, ist es in diesem Fall die Inhomogenität, die in sehr dunklen Umgebungen und bei dunklen Bildinhalten sichtbar ist. Das nachfolgende erste Bild in absoluter Dunkelheit und mit langer Belichtungszeit zeigt diesen Umstand sehr deutlich. Das zweite Bild ist eine Aufnahme bei kürzerer Belichtungszeit, auf dem das Backlight-Bleeding unten und oben links ebenfalls zu sehen ist.

Liegt der resultierende maximale Kontrast noch bei 1.290:1, beträgt er durchschnittlich nur rund 863:1, was unter den Spezifikationen von 1.000:1 ist. Die Farbtemperatur des AD27QD wurde mit 7.000 Kelvin gemessen.

Bei minimaler Helligkeit leuchtet der Monitor von Gigabyte bei der Darstellung von Weiß mit mindestens 41,41 cd/m² (links oben) und maximal mit 59,27 cd/m² (Display-Mitte). Keine sehr guten Werte, allerdings akzeptabel. Die Inhomogenität zeigt sich aber auch hier.

Gute Farbtreue des IPS-Panels

ComputerBase testet die Farbwiedergabe des AD27QD mit Calman ColorMatch, das die dargestellte Farbe des Monitors mit der vom Programm angezeigten Farbe vergleicht. Interessant an dieser Stelle sind insbesondere der durchschnittliche und der maximale Delta-E-Wert und das Delta-E-2000-Diagramm, da diese angeben, wie stark die Farbwiedergabe von dem ausgewählten Farbstandard abweicht. Eine Abweichung von 1 dE ist für das menschliche Auge so gut wie nicht sichtbar. Ein kalibriertes Display sollte so eingestellt sein, dass die durchschnittliche Abweichung unter 3 dE und das maximale dE unter 5 liegt. Eine Abweichung über 3 dE wird als sichtbar für das menschliche Auge aufgefasst. Unkalibrierte Monitore liegen normalerweise weit darüber. Das Delta-E-2000-Diagramm zeigt die Abweichung für jeden gemessenen Farbwert an.

Im dargestellten CIE-1976-Chart des Gigabyte Aorus AD27QD ist zu sehen, welche Farbpunkte wie stark vom angestrebten Farbwert abweichen. Bei einem optimal eingestellten Display sollten alle Punkte innerhalb der Quadrate liegen.

Sowohl im sRGB- als auch im deutlich helleren Standardmodus bietet der Gigabyte-Monitor gute Farbwerte, die für einen Gaming-Bildschirm überzeugend sind. Im sRGB-Modus liegt die durchschnittliche Farbabweichung bei 2,8 dE und die maximale Abweichung bei 5 dE. Im Modus „Standard“ fallen diese Werte mit 3,0 und 4,7 dE zwar fast identisch aus, bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass rote und blaue Farben für intensivere Farben mehr abweichen als im sRGB-Modus. In beiden Modi sind die Abweichungen aber noch im zulässigen Bereich.

Deutlich besser schneidet hier insbesondere Samsungs C32HG70 (Test) ab, der nur auf eine Abweichung von durchschnittlich 1,1 dE und maximal 2,9 dE kommt.

Display- und Input-Lag (Beta)

Die eingeführten Messungen zum Display- und Input-Lag befinden sich weiterhin im Betastadium und ComputerBase bittet sie auch als solche zu verstehen, da beide Messmethoden Vor- und Nachteile haben. Darüber hinaus wirken sich viele Faktoren bei den Display-Einstellungen auf das Ergebnis aus, die es noch näher zu analysieren gilt. Sie sind insbesondere als Vergleich der Displays unter gleichen Testbedingungen zu verstehen, statt als absolute Messwerte. Bei den Messungen wird immer die schnellste Display-Einstellung („Response Time“ oder „Overdrive“) im OSD gewählt, sofern in den Diagrammen nicht anders angegeben.

Display-Lag

Beim Display-Lag wird die reine Verzögerung durch die Bildverarbeitung und Ausgabe des Displays betrachtet. Sie ist vom Input-Lag, also der Verzögerung, bis eine Eingabe auf dem Bildschirm wahrnehmbar umgesetzt wird, zu unterscheiden. Den Display-Lag misst ComputerBase dabei mit der sogenannten CRT-Methode, bei der ein analoger CRT alias Röhrenmonitor als Basis und Referenzwert dient und anhand eines präzisen Millisekundenzählers auf dem CRT und LCD die Ausgabe durch zahlreiche Fotos mit sehr kurzer Verschlusszeit verglichen wird. In der Praxis muss einschränkend gesagt werden, dass auch diese Messungen nur als Näherungswerte betrachtet werden sollten, die nicht immer den tatsächlichen Wert darstellen müssen. Aufgrund immer gleicher Testbedingungen ermöglichen sie aber einen guten Vergleich verschiedener getesteter Monitore untereinander, weshalb einige bereits getestete und zukünftig im Test vertretene Displays als Vergleich dienen.

Display-Lag
Einheit: Millisekunden
    • Samsung S24F356FH
      0,00
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag an)
      0,50
    • ViewSonic VX3258-2KC (Ultra Fast/Low Input Lag an)
      0,50
    • ViewSonic XG240R (Standard)
      0,72
    • Asus ROG Strix XG35VQ (OverDrive 5)
      1,01
    • Asus ROG Strix XG35VQ (OverDrive 0)
      1,90
    • LG 32GK850F
      1,91
    • ViewSonic XG3240C
      2,05
    • BenQ EX3203R
      2,05
    • Gigabyte Aorus AD27QD (Speed)
      2,57
    • Gigabyte Aorus AD27QD (Picture Quality)
      2,70
    • Dell U3219Q (schnell)
      9,16
    • Dell U3219Q (normal)
      12,22
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag aus)
      17,00
    • ViewSonic XG2530
      17,24
    • ViewSonic VX3211-4K
      19,95
    • Dell U4919DW (normal)
      20,75
    • ViewSonic XG3220
      21,10
    • Eizo EV3285 (Standard)
      29,46

Der AD27QD erlaubt über das OSD die Konfiguration des Overdrives in den Stufen „Picture Quality“, „Balance“ und „Speed“. Beim Display-Lag kommt der Monitor von Gigabyte auf sehr schnelle 2,57 ms mit der Einstellung „Speed“ und 2,70 ms mit der Einstellung „Picture Quality“. Optisch ist zwischen beiden Optionen subjektiv kein Unterschied wahrnehmbar. Mit diesen Werten liegt Gigabyte beim Monitordebüt zwar nicht an vorderster Front der schnellen Gaming-Bildschirme, liefert jedoch eine überzeugende Geschwindigkeit, die einem schnellen Spiel auch keinen Strich durch die Rechnung macht.

Input-Lag

Den Input-Lag misst ComputerBase hingegen mit Hilfe einer umgebauten Maus, an deren Schalter eine LED gelötet wurde, um die Verzögerung zwischen Knopfdruck und wahrnehmbarer Umsetzung auf dem Display optisch analysieren zu können. Diese Messung ist ebenfalls nicht als absoluter Wert zu betrachten, da der Input-Lag von den eingesetzten Komponenten des PCs abhängig ist und die Auswertung ebenso Toleranzen beinhaltet. Auch in diesem Fall ist das Ziel somit, vielmehr einen Vergleich unter getesteten Monitoren zu ermöglichen, als einen allgemein gültigen absoluten Wert zu ermitteln. Displays mit nur sehr geringem Unterschied sollten aufgrund der nicht zu verhindernden Messtoleranzen als ebenbürtig angesehen werden. Während die Monitore beim Display-Lag methodenbedingt alle mit 60 Hz, aber deaktiviertem V-Sync betrieben werden müssen, kommt bei der Messung des Input-Lags die maximale Bildwiederholfrequenz des Bildschirms bei deaktiviertem V-Sync zum Einsatz.

Input-Lag
Einheit: Millisekunden
    • BenQ EX3203R
      38,54
    • ViewSonic XG3240C
      38,88
    • LG 32GK850F
      39,16
    • Asus ROG Strix XG35VQ (OverDrive 5)
      39,58
    • ViewSonic VX3258-2KC (Ultra Fast/Low Input Lag an)
      39,58
    • Samsung S24F356FH
      41,17
    • ViewSonic XG240R (Fastest)
      41,20
    • ViewSonic XG240R (Standard)
      41,60
    • Dell U4919DW (schnell)
      41,67
    • Gigabyte Aorus AD27QD (Picture Quality)
      41,67
    • ViewSonic XG2530
      43,75
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag an)
      43,75
    • ViewSonic VX3211-4K
      44,79
    • Dell U4919DW (normal)
      44,79
    • Gigabyte Aorus AD27QD (Speed)
      45,01
    • Dell U3219Q (schnell)
      46,67
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag aus)
      50,00
    • Eizo EV3285 (Standard)
      60,42
    • ViewSonic XG3220
      66,70
    • Eizo EV3285 (Enhanced)
      77,50

Beim Input-Lag platziert sich der Gigabyte Aorus AD27QD ebenso knapp hinter der Spitze des Testfelds, der Modus „Picture Quality“ ist nun jedoch reproduzierbar minimal schneller als die Einstellung „Speed“. Somit bleibt der Proband auch nach diesen Messungen eine Option für Spieler.

Fazit

Gigabyte macht beim Monitordebüt mit dem Aorus AD27QD sehr vieles richtig und bedient die Zielgruppe sehr gut. Kann die Bezeichnung als „erster Active-Noise-Cancelling-Monitor der Welt“ noch als vergleichsweise unwichtiges Extra abgetan werden, überzeugen die technischen Daten des 27-Zoll-IPS-Displays mit 2.560 × 1.440 Pixeln, 144 Hz, FreeSync, uneingeschränkter G-Sync-Kompatibilität (ohne G-Sync-Modul) und DisplayHDR 400. Gleichzeitig weiß der Monitor auch in der Praxis in vielen Kernbereichen zu überzeugen.

OSD, RGB und Software stechen hervor

Denn Gigabyte macht den etablierten Herstellern vor, wie ein OSD und eine RGB-Beleuchtung inklusive Steuerung über die Software am PC aussehen müssen. Nicht nur das OSD selbst überzeugt, auch die Möglichkeit, alle Einstellungen alternativ unter Windows mit der Software „OSD Sidekick“ zu steuern, ist herausragend. Die RGB-Beleuchtung an der Rückseite des Displays und am Standfuß ist technisch ebenso sehr gut umgesetzt und kann per Windows-Software gesteuert werden. Eine Kopplung an die Peripherie von Razer über Chroma, wie ViewSonic es beim XG240R (Test) bietet, kann Gigabyte aber noch nicht auffahren. Zudem gilt wie bei anderen Monitoren auch beim Aorus AD27QD, dass der Beleuchtungseffekt nur in sehr dunklen Räumen für den Spieler vor dem Bildschirm selbst überhaupt zu sehen ist. Auf einer LAN würde der Spieler mit ihr aber Blicke auf sich ziehen.

Auch die Farbwiedergabe und die Reaktionszeiten des Gigabyte Aorus AD27QD überzeugen im Alltag. Firmware-Updates des Monitors direkt unter Windows ohne USB-Stick vornehmen zu können, sucht der Nutzer selbst im Jahr 2019 noch meist vergebens.

Backlight-Bleeding trübt den positiven Gesamteindruck

Doch bei all diesen positiven Aspekten gibt es auch Bereiche mit Verbesserungspotenzial. So ist das Display selbst mit einer Abweichung der Helligkeit von rund 25 Prozent von der Mitte zu den Ecken zu inhomogen ausgeleuchtet. Das Testmodell wies zudem ein sichtbares Backlight-Bleeding auf, das zu hellen Bereichen an den Rändern des Displays führt. Ob hiervon alle ausgelieferten Exemplare gleichermaßen betroffen sind, lässt sich immer nur schwer sagen, und wie sehr es dem Nutzer auffällt, hängt auch davon ab, wie hell die Umgebung ist und welche Bildschirminhalte vorrangig dargestellt werden. Bei dunkler Umgebung und dunklem Bildschirminhalt sind die hellen Bereiche wahrnehmbar. Die inhomogene Helligkeitsverteilung fällt beim Spielen allerdings nicht auf.

Im Vergleich derzeit zu teuer

Bleibt die Frage nach dem Preis des Aorus AD27QD und inwiefern Gigabyte auch in diesem Aspekt konkurrenzfähig ist. Im Handel wird der Bildschirm derzeit erst ab 600 Euro gelistet. Im Vergleich zu anderen Gaming-Monitoren ist dies trotz der gebotenen Funktionen wie RGB-Beleuchtung und Software zu viel. Die im Testfeld angeführte 32-Zoll-Konkurrenz (BenQ EX3203R, LG 32GK850F, Samsung C32HG70 und ViewSonic XG3240C) bietet mal mehr und mal weniger als Gigabytes Einstand, kostet aber mit rund 500 Euro weniger. Sofern der Preis des Aorus AD27QD noch etwas nachgibt, hat Gigabyte jedoch einen für Spieler interessanten Monitor auf dem Markt.

Selbst reduziert auf Gaming-Monitore mit 27 Zoll und 144 Hz Bildwiederholfrequenz ist das Modell von Gigabyte derzeit der teuerste Monitor auf dem Markt. Modelle von Acer starten bei unter 400 Euro, der Asus MG279Q kostet derzeit unter 500 Euro.

ComputerBase hat den Aorus AD27QD leihweise von Gigabyte zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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