Lenovo Smart Clock im Test: Weckerfunktion, Google Assistant und Fazit

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Frank Hüber 28 Kommentare

Die Lenovo Smart Clock als Wecker

Ein Wecker kann wahlweise per Sprache oder über das Display der Smart Clock gestellt werden. Der Nutzer kann beim Weg über den Touchscreen aus sechs unterschiedlichen Alarmtönen wählen. Es ist derzeit nicht möglich, Musik von Google Music, Spotify oder anderen Diensten über den Touchscreen auszuwählen, die zum Wecken genutzt werden soll. Dies kann nur erreicht werden, indem der Wecker per Sprachbefehl gestellt wird, wobei die abzuspielende Musik oder Playlist in den Befehl integriert wird, oder eine Routine für den Google Assistant auf dem Smartphone erstellt wird.

Das Stellen des Weckers per Sprachbefehl ist jedoch nachteilig, wenn andere Personen bereits im Raum schlafen und hierdurch gestört werden, weshalb die Limitierung über den Touchscreen dann negativ ins Gewicht fällt.

Auch per Sprache sind aber erneut nicht alle Optionen möglich. Möchte man einen Wecker mit Tageslichtfunktion stellen, klappt dies wiederum nur über die Optionen des Weckers via Touchscreen und nicht über einen Sprachbefehl.

Draufhauen zum Schlummern

Wie bei klassischen Weckern auch, wird die Schlummerfunktion durch ein kräftiges Tippen auf die Smart Clock aktiviert und verschafft dem Nutzer ein paar zusätzliche ruhige Minuten am Morgen. Möchte man das Tippen statt für die zehnminütige Schlummerfunktion zum Ausschalten des Weckers nutzen, kann dies in den Einstellungen geändert werden. Alternativ kann auch auf den Touchscreen getippt werden, um das Schlummern zu aktivieren, oder per Sprache „Ok Google, schlummern“ gesagt werden. Das Intervall für das Schlummern kann in den Einstellungen manuell festgelegt werden. Soll der Alarm gänzlich ausgeschaltet werden, kann auch nur „Stop“ gesagt werden, ohne dabei vorher „Ok Google“ sagen zu müssen.

Wenn man daran gewöhnt ist, morgens das kleine Schlummernfeld auf dem liegenden Smartphone zu treffen, um den Alarm immer und immer wieder aufzuschieben, erweist es sich als Segen, dass bei Lenovos Smart Clock einfach irgendwo auf den Touchscreen getippt werden kann, um dies zu erzielen.

Es ist somit nicht zwingend notwendig, den Alarm per Sprache zu beenden, so dass weitere Personen im Schlafzimmer nicht zusätzlich gestört werden, wenn der Nutzer – völlig verschlafen und kaum fähig, sich verständlich zu artikulieren – versucht, den Wecker auszuschalten.

Zwei Wege führen zum Lichtwecker

Lenovo spricht im Zusammenhang mit der Smart Clock von der Funktionalität als Lichtwecker, auch als „Wake-up Light“ bekannt, wie sie beispielsweise Philips seit vielen Jahren anbietet. Bei diesen wird das Licht morgens nach und nach heller und ändert die Farbe von einem Rotton zu einem gelblichen Licht, um so den Schlafenden sanft aufzuwecken, anstatt ihn abrupt mit einem Alarmton zu wecken.

Lenovos Smart Clock kann dies ebenfalls auf zwei Wegen erzielen. Über eine spezielle Aufwachroutine wird die Helligkeit des Displays über einen Zeitraum von 30 Minuten bis zur eigentlichen Weckzeit immer heller, während gleichzeitig der Alarmton langsam lauter wird. Alternativ lässt sich dies über verbundene Lichter, etwa von Philips Hue, erreichen, die im Schlafzimmer morgens in ihrer Helligkeit gesteigert werden.

In der Praxis ist die Helligkeit des Displays der Lenovo Smart Clock allerdings nicht ausreichend, um das Schlafzimmer in das Licht der aufgehenden Sonne zu hüllen. Es dient vielmehr dazu, den Nutzer schon vor dem Aufwachen langsam an Licht zu gewöhnen. Das reicht bei den meisten Anwendern aber wohl nicht für ein Wecken ohne Klingelton.

Ob die Methode des sanften Lichtweckers funktioniert, ist auch von jedem Nutzer selbst abhängig. Wer bei den ersten leisen Alarmgeräuschen senkrecht im Bett sitzt, dem hilft auch ein langsam heller werdendes Licht nichts mehr.

Kommt es während des Vorgangs des Lichtweckens zu einem Stromausfall, ist der Wecker an sich nach dem Wiederherstellen der Stromversorgung zwar weiterhin aktiv, der Lichtwecker setzt allerdings nicht erneut ein, sondern das Display bleibt in diesem Fall dunkel.

Einschränkungen: Keine Videos, kein YouTube und keine Fotos

Da die Lenovo Smart Clock auf Googles Smart-Display-Plattform Android Things setzt, gelten zunächst auch dieselben Möglichkeiten und Einschränkungen, die diese derzeit mit sich bringt. Per Sprache kann der Nutzer den Google Assistant bitten, sofern in der eigenen Wohnung vorhanden, smarte Lichter ein- oder auszuschalten, die Heizung zu regeln oder über eine smarte Steckdose angeschlossene Geräte zu schalten. Die Möglichkeiten in diesem Bereich sind von den unterstützten Geräten des Anwenders abhängig. Auch Routinen, über die beispielsweise zu festen Uhrzeiten Lichter geschaltet werden, werden von der Lenovo Smart Clock unterstützt.

Allerdings sind die Funktionen auf dem Display noch eingeschränkter als auf dem Google Nest Hub mit 7-Zoll-Display oder dem Lenovo Smart Display mit 10-Zoll-Display. Es kommt nicht das Menü im Kartenstil zum Einsatz, das die anderen Smart-Displays nutzen, sondern die Oberfläche ist sehr viel spartanischer und eingeschränkter. Durch Kalender, Erinnerungen oder Smart-Home-Steuerung zu wischen, ist auf dem kleinen Display nicht möglich. Lediglich Uhrzeit, Wecker und Wetter lassen sich durchwischen – kurz nach dem Abspielen von Musik zusätzlich das Fenster der Musikwiedergabe.

Häufig zeigt das Display keine Zusatzinformationen

Die Ausgabe vieler Anfragen, wie von Sportergebnissen oder über Personen, beschränkt sich auf eine Tonwiedergabe und ein pulsierendes Logo des Google Assistant auf dem Display. Gleiches gilt für die schrittweise Führung durch Rezepte beim Kochen, die Vorzeigefunktion der Hersteller für das Bewerben ihrer smarten Displays. Es werden keine weiteren Informationen auf dem Bildschirm angezeigt, obwohl doch gerade das Display zur visuellen Unterstützung und zur Abgrenzung von smarten Lautsprechern gedacht ist.

Wischt man von oben in den Touchscreen, kann auf die drei Funktionen „Wecker stellen“, „Guten Morgen“ und „Musik spielen“ zugegriffen werden, wobei „Guten Morgen“ die Guten-Morgen-Routine startet, die das Wetter, Termine, Erinnerungen und Nachrichten durchläuft. Ab der Mittagszeit wechselt die Funktion „Guten Morgen“ zu „Nickerchen“, wodurch ein 20-Minuten-Timer gestellt werden kann, wenn man tagsüber ein kurzes Schläfchen halten möchte.

Die Funktionalität der Lenovo Smart Clock ist aufgrund des Einsatzbereiches bewusst eingeschränkt, allerdings hätte Google als Plattform-Anbieter in diesem Fall dem Nutzer die Wahl lassen sollen, welche Funktionen er auf dem kleinen Display tatsächlich nutzen möchte, anstatt dies vorzugeben.

Keine Videos und kein YouTube auf dem 4-Zoll-Display

Die Lenovo Smart Clock arbeitet zwar mit Chromecast zusammen, so dass Inhalte an diesen per Sprachbefehl von dem Wecker übertragen werden können. Auf der Smart Clock selbst können aber keine Videos wiedergegeben werden, auch nicht per Google Cast. Gerade in dieser Hinsicht erwies sich das Cast-Protokoll beim Lenovo Smart Display als äußerst hilfreich, um Inhalte auf das Display zu bringen, die über die Sprachsuche nur sehr umständlich gefunden werden können.

YouTube wird auf der Lenovo Smart Clock ebenfalls nicht unterstützt. Angesichts der Größe des Displays, das noch nicht mal so nahe am Nutzer ist, wie ein heutzutage meist größeres Smartphone-Display, ist das zwar ein zu verschmerzender Umstand, doch gibt es immer Anwender, die selbst beim Wecker auf dem Nachttisch nicht auf diese Funktion verzichten möchten. Hinzu kommt, dass Google mit der nativen Integration von YouTube einen Trumpf gegenüber Amazon und den Echo Show 5 in der Hand hatte, der so verspielt wird.

Die einzigen Videos, die auf dem Display dargestellt werden können, sind Videostreams von Smart-Home-Kameras.

Keine Fotos aus der Google-Cloud

Eine weitere Einschränkung betrifft die Darstellung von Fotos aus der Google-Cloud. Können auf dem Lenovo Smart Display und dem Google Nest Hub problemlos Fotos von Google Fotos angezeigt werden, ist auch diese Funktion auf der Lenovo Smart Clock nicht vorhanden. Mit den eigenen Urlaubsbildern als Hintergrundbild geweckt zu werden, wäre aber wohl nicht die schlechteste Möglichkeit, das morgendliche Aufstehen etwas zu versüßen. Selbst der 2,5 Zoll große Amazon Echo Spot kann auf dem runden Display eigene Bilder darstellen.

Keine Kartensicht für Routen

Auch eine Kartenansicht für eine Route lässt die Anzeige auf der Smart Clock vermissen. Es werden zwar die einzelnen Routenpunkte als Zeitstrahl dargestellt, doch fehlt die von Google Maps bekannte Kartenansicht, bei der zudem ersichtlich ist, an welchen Stellen viel oder wenig Verkehr ist. Gerade morgens wäre diese oft besonders hilfreich.

Dass die Lenovo Smart Clock keinen Browser bietet, ist angesichts der Tatsache, dass selbst der größere Google Nest Hub und das Lenovo Smart Display nicht über einen verfügen, selbstredend.

Preis und Verfügbarkeit

Die Lenovo Smart Clock wird ab 1. Juli 2019 in Deutschland erhältlich sein. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 99 Euro. Somit ist der kleine, smarte Wecker nicht nur 10 Euro teurer als der Amazon Echo Show 5, der 89 Euro kostet, sondern startet auch später in den Handel. Amazons Konkurrent kann nämlich seit fast einem Monat vorbestellt werden und die ersten Auslieferungen starten heute.

Während die Preise bei Amazon für die eigenen Geräte abseits des Echo Dot aber meist stabil bleiben, könnte Lenovos Smart Clock im Handel schnell etwas günstiger werden und so zumindest preislich bald gleichauf mit dem Echo Show 5 liegen.

Fazit

Als Wecker erfüllt die Lenovo Smart Clock ihren Dienst äußert gut und angesichts eines Preises von 99 Euro ist die Hürde für eine Anschaffung vergleichsweise gering. Das Format ist ansprechend klein und für einen Einsatz als Wecker auf dem Nachttisch optimal gewählt.

Allerdings sollte sich der Käufer darüber im Klaren sein, dass die Lenovo Smart Clock weitgehend auf diesen Einsatzzweck beschränkt ist. Nicht nur aufgrund des vergleichsweise kleinen Displays von nur 4 Zoll, sondern auch, weil Google sich dazu entschlossen hat, die Android Things mit Google Assistant auf diesen kleinen Display-Diagonalen noch weiter zu limitieren, als sie es selbst auf den größeren Smart-Displays sind, um den Nutzer nicht vom Schlafen abzuhalten. Allerdings sollte dieser über die Funktionen, die er schlussendlich nutzt, selbst entscheiden, gegebenenfalls über einen Expertenmodus. Ob auf einem 4-Zoll-Display sinnvoll oder nicht, sei dahingestellt, aber es gibt zweifellos Anwender, die auch auf diesem Display YouTube oder zumindest Nachrichten mit Videos betrachten würden.

Wüsste man nicht um das Potenzial, das mit der Software-seitig von Google limitierten Darstellung auf dem Display verschenkt wird, würde man es beim Einsatz als Wecker nicht vermissen. Denn diese Aufgabe meistert die Lenovo Smart Clock souverän und als „Wecker+“ überzeugt die Lenovo Smart Clock.

Google setzt den Rotstift noch weiter an

Gerade im Vergleich zu den größeren Smart-Displays wirken die Funktionen und die Anzeige der Smart Clock zu sehr beschnitten. Nicht nur, dass keine Videos über Cast auf das Display übertragen werden können und YouTube nicht zur Verfügung steht: Auch Google Fotos könne nicht angezeigt werden, es fehlt die Kartenansicht von Google Maps, zu vielen Anfragen werden gar keine zusätzlichen Informationen auf dem Display dargestellt und über den Touchscreen stehen nur die sechs integrierten Wecktöne zur Verfügung. Ein Zugriff auf Google Music oder Spotify ist hierüber nicht möglich. In vielerlei Hinsicht ist das Produkt so eben tatsächlich nur ein smarter Wecker.

So öffnet Google dem Konkurrenten Amazon wieder Tür und Tor für das bessere Smart-Home-Gerät. Denn der heute startende Amazon Echo Show 5 soll eine volle Alexa-Integration bieten und im Vergleich zu den anderen Smart-Displays nicht künstlich beschnitten sein. Wie sich der Echo Show 5 schlägt, wird er erst noch in einem Test beweisen müssen. Allerdings ist er mit 90 Euro trotz größeren Displays und einer Kamera mit Abdeckung günstiger als die Lenovo Smart Clock.

Wer mehr als nur einen Wecker für den Nachttisch sucht, ist mit dem Google Nest Hub (Test) für 129 Euro besser beraten, der mit 7-Zoll-Display ebenfalls vergleichsweise kompakte Abmessungen bietet. Ein Smart-Display ersetzt Lenovos Smart Clock schließlich keinesfalls. Aber als reiner Wecker hat gerade das Weglassen all dieser Funktionen wiederum einen eigenen Reiz.

Lenovos Hardware überzeugt erneut

Lenovo liefert bei der Hardware hingegen wieder eine überzeugende Arbeit ab. Das Display überzeugt und ist gut ablesbar, die Tasten bieten einen guten Druckpunkt und sind auch verschlafen eindeutig zu erfühlen. Die Verarbeitung gibt ebenso wenig Anlass für Kritik. Allein der USB-Anschluss zum Aufladen des Smartphones – ob dann per Kabel oder Wireless-Charging-Pad – verdient ein großes Lob, da so ein Netzteil am Bett eingespart wird. Der Klang als Lautsprecher ist zwar verbesserungswürdig, aber hier ist der Größe und dem Einsatzzweck Tribut gezollt – für diesen ist die Qualität wiederum in Ordnung. Wer sich morgens gerne von einer ausgewachsenen Stereoanlage wecken lässt, ist mit einem 11 × 8 × 8 Zentimeter großen Wecker falsch beraten.

ComputerBase hat die Smart Clock leihweise unter NDA von Lenovo zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Die einzige Vorgabe war der Veröffentlichungszeitpunkt.

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