Gigabyte 5700 XT Gaming OC im Test: Ein ganz knapper Sieg gegen Sapphire Pulse

Wolfgang Andermahr 113 Kommentare
Gigabyte 5700 XT Gaming OC im Test: Ein ganz knapper Sieg gegen Sapphire Pulse

tl;dr: Die Gigabyte Radeon RX 5700 XT Gaming OC kommt im für den Hersteller üblichen Design daher und auch das Kühlsystem ist bekannt. Im Test schlägt sich die Kreuzung mit Navi 10 gut. Echte technische Highlights gibt es allerdings keine. Dafür ist der Preis attraktiv.

Mit der Radeon RX 5700 und der Radeon RX 5700 XT (Test) hat AMD erfolgreich das eigene Grafikkarten-Portfolio in die nächste Generation geführt. RDNA arbeitet deutlich besser als das altgediente GCN. Eines ist allerdings gleich geblieben: der laute Referenzkühler. Und so ist das Interesse an den Custom-Designs sehr groß.

Die Gigabyte RX 5700 XT Gaming OC liegt in der Mitte

Die meisten Custom-Designs der Radeon RX 5700 XT orientieren sich entweder in Richtung „Topmodell“ oder „Referenzdesign-Ersatz“, die meisten Anbieter haben beides im Portfolio. Gigabyte geht mit der Radeon RX 5700 XT Gaming OC stattdessen einen Mittelweg. Das einzige Custom Design des Herstellers versucht gar nicht erst, sich mit den großen Ablegern von Asus, MSI, PowerColor und Sapphire anzulegen – sowohl was die Kühlung und Taktraten als auch die sonstigen Features betrifft. Um ein extrem auf Kosten optimiertes Modell handelt es sich mit der 2,5-Slots-Kühlung und der einfachen RGB-Beleuchtung aber auch nicht, der Preis ist trotzdem niedrig. Und so tritt die Radeon RX 5700 XT Gaming OC zum Beispiel gegen die THICC2- und RAW2-Modelle von XFX sowie die Sapphire Radeon RX 5700 XT Pulse an.

Die Gigabyte Radeon RX 5700 XT Gaming OC im Detail

Die Navi-10-Grafikkarte wirkt sofort vertraut. Gigabyte verwendet denselben 2,5-Slots-Kühler auf der GeForce RTX 2070 Super Gaming OC – und dort verrichtet er eine sehr gute Arbeit. Die Gigabyte Radeon RX 5700 XT Gaming OC ist aktuell ab 426 Euro lieferbar.

Der Windforce-Kühler ist in drei Elemente aufgeteilt. Der größte Alu-Kühlkörper ist über der Stromversorgung, das Mittelteil über der GPU und der kleinste Kühlkörper am vorderen Ende des PCBs angebracht. Verbunden werden die Elemente mittels fünf Heatpipes, die direkten Kontakt zur GPU haben, die beiden äußeren allerdings nur zum Teil. Drei im Durchmesser 75 mm große Lüfter sorgen für die nötige Frischluft. Bei niedrigen Temperaturen wie auf dem Windows-Desktop schalten sie sich ab.

Gigabyte verzichtet auf ein zweites BIOS

Das PCB wurde von Gigabyte eigens für die Radeon RX 5700 XT Gaming OC entwickelt. Als Stromversorgung gibt es sieben Spannungswandlerkreise. Für den Betrieb müssen ein Acht-Pin- und ein Sechs-Pin-Stromstecker angeschlossen sein. Einen zweiten BIOS-Baustein hat das PCB hingegen nicht. Damit ist die Gigabyte-Grafikkarte neben der MSI Radeon RX 5700 XT Gaming X die einzige getestete Navi-Custom-Karte, die nur über ein einziges BIOS verfügt. Es ist auf eine GPU-Power von 195 Watt konfiguriert (+20 Watt ggü. der Referenz).

Auf der Gigabyte-Homepage findet sich für die Grafikkarte ein optional installierbares BIOS, das eine aggressivere Lüftersteuerung bietet. Die Temperaturen sind damit auf Kosten der Lautstärke geringer. Da dies für die meisten Käufer hierzulande uninteressant ist, spielt das optionale BIOS im Artikel keine weitere Rolle.

So viel wiegen die Navi-Grafikkarten
Gewicht in Gramm
Radeon RX 5700 XT
AMD Radeon RX 5700 XT Referenz 1.103 g
Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC 1.434 g
Gigabyte Radeon RX 5700 XT Gaming OC 918 g
MSI Radeon RX 5700 XT Gaming X 1.407 g
PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil 1.274 g
Sapphire Radeon RX 5700 XT Pulse 925 g
Sapphire Radeon RX 5700 XT Nitro+ 1.143 g
XFX Radeon RX 5700 XT THICC2 1.162 g
XFX Radeon RX 5700 XT RAW2 1.064 g

Wie alle anderen aktuellen Gigabyte-Beschleuniger mit dem WindForce-Kühler hat auch die Radeon RX 5700 XT Gaming OC eine RGB-Beleuchtung. Allerdings beschränkt sich diese auf den Gigabyte-Schriftzug an der Seite, der bei eingebauter Karte im Gehäuse zu sehen ist. Die Beleuchtung ist damit aber nicht nur klein, auch die Farben wirken ziemlich schwach – viele können zudem nicht richtig dargestellt werden. Um mehr als ein Checklisten-Feature handelt es sich nicht.

Kühler der Gigabyte Radeon RX 5700 XT Gaming OC
Kühler der Gigabyte Radeon RX 5700 XT Gaming OC

Etwas mehr Takt als die Referenz

Bei Navi ist es schwerer als je zuvor, von festgelegten Taktraten zu sprechen. Aus diesem Grund sollten die Angaben von Sapphire nicht als gesetzt angesehen werden. Die anliegenden Frequenzen sollen laut Hersteller aber in den meisten Fällen gegenüber der Referenz steigen.

Gigabyte spricht bei der Radeon RX 5700 XT Gaming OC nur von marginal höheren Frequenzen. So soll der Basis-Takt der Grafikkarte gegenüber dem Referenzdesign um 45 auf 1.650 MHz ansteigen. Der Game-Takt ist mit 1.795 MHz angegeben, was einem Plus von ebenso 45 MHz entspricht. Der maximale Takt ist dagegen gleich wie beim Standardmodell. Gigabyte spricht von maximal 1.905 MHz.

Takt Gigabyte RX 5700 XT Gaming OC RX 5700 XT Referenz
Basis-Takt 1.650 MHz 1.605 MHz
Game-Takt 1.795 MHz 1.750 MHz
Turbo (bis zu) 1.905 MHz 1.905 MHz

Und wie unterscheidet sich die Gigabyte Radeon RX 5700 XT Gaming OC genau von der Radeon RX 5700 XT im Referenzdesign und den anderen Navi-Custom-Designs? Das zeigt die folgende Tabelle auf einen Blick.

Merkmal Sapphire RX 5700 XT
Nitro+
PowerColor RX 5700 XT
Red Devil
XFX RX 5700 XT
THICC2
Sapphire RX 5700 XT
Pulse
Asus RX 5700 XT
Strix OC
MSI RX 5700 XT
Gaming X
Gigabyte RX 5700 XT
Gaming OC
Karte PCB-Design Sapphire PowerColor XFX Sapphire Asus MSI Gigabyte
Länge, Breite 31,0 cm, 13,5 cm 30,5 cm, 13,0 cm 29,5 cm, 13,0 cm 25,5 cm, 13,5 cm 30,5 cm, 13,0 cm 29,5 cm, 14,0 cm 28,0 cm, 11,5 cm
Stromversorgung 2 × 8 Pin 2 × 8 Pin 1 × 6 Pin
1 × 8 Pin
1 × 6 Pin
1 × 8 Pin
2 × 8 Pin 2 × 8 Pin 1 × 6 Pin
1 × 8 Pin
Kühler Design Sapphire, 2,5 Slots PowerColor, 2,5 Slots XFX, 2,5 Slots Dual-X, 2,5 Slots Strix, 2,7 Slots MSI, 2,7 Slots Gigabyte, 2,5 Slots
Kühlkörper Kupferkern
5 Heatpipes
Alu-Kern
5 Heatpipes
Kupferkern
4 Heatpipes
Kupferkern
5 Heatpipes
Alu-Kern
6 Heatpipes
Kupferkern
6 Heatpipes
Alu-Kern
5 Heatpipes
Lüfter 1 × 85 mm (axial)
2 × 95 mm (axial)
3 × 85 mm (axial) 2 × 95 mm (axial) 2 × 95 mm (axial) 3 × 85 mm (axial) 2 × 95 mm (axial) 3 × 75 mm (axial)
Lüfter abgeschaltet (2D) Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Anlaufdrehzahl 900 RPM 900 RPM 900 RPM 300 RPM 900 RPM 900 RPM 1.100 RPM
Takt
(Stromsparmodus)
GPU-Basis 1.770 (6) MHz 1.770 (6) MHz ? 1.670 (6) MHz 1.770 (6) MHz 1.730 (6) MHz 1.650 (6) MHz
GPU-Durchschnitt 1.905 MHz 1.905 MHz 1.755 MHz 1.815 MHz 1.905 MHz 1.870 MHz 1.795 MHz
GPU-Maximum 2.010 MHz 2.010 MHz 1.905 MHz 1.925 MHz 2.010 MHz 1.980 MHz 1.905 MHz
Speicher 7.000 (100) MHz
Speichergröße 8.192 MB GDDR6
Leistungsaufnahme GPU-Power 225 Watt
200 Watt (Alternativ-BIOS)
225 Watt
185 Watt (Silent-BIOS)
185 Watt 200 Watt
185 Watt (Alternativ-BIOS)
225 Watt
215 Watt (Quiet-BIOS)
215 Watt 195 Watt
Maximales Powerlimit +50 % +30 % +50 %
Anschlüsse 2 × DisplayPort 1.4 DSC
2 × HDMI 2.0b
3 x DisplayPort 1.4 DSC
1 x HDMI 2.0b

So testet ComputerBase Grafikkarten

Um dem Thema ausreichend Raum zu geben, hat die Redaktion einen separaten Artikel erstellt. Dieser widmet sich ausschließlich der Frage, wie ComputerBase Grafikkarten testet.

Der Artikel geht unter anderem ausführlich auf das genutzte Testsystem ein. Das betrifft sowohl das Gehäuse mitsamt der Lüfterbestückung – was entscheidend für Lautstärke und Temperatur ist – als auch die verbaute Hardware und wie diese konfiguriert ist. Es wird ebenfalls darauf eingegangen, welche Grafikkarten mit welchem Takt betrieben werden. Darüber hinaus wird genauer erläutert, wie sämtliche Messreihen, zum Beispiel für die Leistungsaufnahme, durchgeführt werden.

Videos und Spielstände zum Nachtesten

Der wichtigste Aspekt bei fast allen Grafikkarten-Tests sind die Spiele-Benchmarks. Der Methodik-Artikel beschäftigt sich mit den Spielen selbst, geht auf die möglichen Besonderheiten wie zum Beispiel DirectX 12 sowie Vulkan ein und beschreibt die genutzten Grafikdetails – denn nicht in jeder Auflösung testet die Redaktion mit der bestmöglichen Optik.

Darüber hinaus gibt es zu jedem Spiel die Testszene in einem Video zu sehen und – falls möglich – wird ein Spielstand bereitgestellt, sodass jeder Leser die Sequenz nachstellen und nachvollziehen kann. Abschließend klärt der Artikel, welche Tools ComputerBase für die Benchmarks einsetzt, und auch, wie die Ergebnisse in Form von Bildern pro Sekunde (FPS) und Frametimes dargestellt werden.

Die tatsächlichen Taktraten unter Last

Die Gigabyte Radeon RX 5700 XT Gaming OC taktet durchweg etwas höher als AMDs Referenzdesign. Je nach Spiel liegen zwischen 1.740 und 1.930 MHz an, im Schnitt sind es etwa 40 MHz mehr als beim Standardmodell. Damit taktet die Grafikkarte höher als die XFX Radeon RX 5700 XT THICC2. Auch die Sapphire Radeon RX 5700 XT Pulse schlägt man, wenn auch nur knapp. Zu den großen Modellen fehlen rund 100 MHz.

Die tatsächlichen Taktraten im Phanteks Enthoo Evolv X
Spiel (2.560 × 1.440) AMD RX 5700 XT Referenz Asus RX 5700 XT Strix OC Sapphire RX 5700 XT XFX RX 5700 XT THICC2 PowerColor RX 5700 XT
Red Devil
MSI RX 5700 XT
Gaming X
Sapphire RX 5700 XT
Nitro+
Gigabyte RX 5700 XT Gaming OC
Maximaler Takt in Spielen ~ 2.014 MHz ~ 2.020 MHz ~ 1.993 MHz ~ 2.023 MHz ~ 2.014 MHz ~ 2.013 MHz ~ 2.047 MHz ~ 2.007 MHz
Anno 1800 1.841–1.860 MHz 1.973–1.998 MHz 1.863–1.895 MHz 1.807–1.834 MHz 1.974–2.009 MHz 1.974–2.003 MHz 1.983–2.012 MHz 1.882–1.910 MHz
Battlefield V 1.774–1.811 MHz 1.940–1.968 MHz 1.785–1.805 MHz 1.757–1.792 MHz 1.908–1.970 MHz 1.937–1.972 MHz 1.942–1.974 MHz 1.814–1.851 MHz
Hitman 2 1.830–1.893 MHz 1.989–2.014 MHz 1.855–1.917 MHz 1.787–1.847 MHz 1.919–2.004 MHz 1.957–2.004 MHz 1.948–2.029 MHz 1.844–1.930 MHz
Metro: Exodus 1.708–1.777 MHz 1.842–1.909 MHz 1.740–1.790 MHz 1.662–1.741 MHz 1.866–1.940 MHz 1.868–1.924 MHz 1.852–1.927 MHz 1.740–1.810 MHz
Shadow of the Tomb Raider 1.799–1.853 MHz 1.979–2.014 MHz 1.848–1.907 MHz 1.786–1.841 MHz 1.923–2.004 MHz 1.963–2.005 MHz 1.974–2.010 MHz 1.863–1.918 MHz

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