AMD Radeon RX 5700 (XT): Das sind die besten Custom-Designs mit Navi 10

Wolfgang Andermahr 265 Kommentare
AMD Radeon RX 5700 (XT): Das sind die besten Custom-Designs mit Navi 10

tl;dr: Zwölf verschiedene Custom-Designs der Radeon RX 5700 (XT) hat die Redaktion mittlerweile getestet. Dieser Artikel gibt einen kompakten Überblick, nennt Vor- sowie Nachteile verschiedener Varianten und kürt je Leistungsklasse einen Testsieger. Ein paar Verlierer gibt es allerdings auch.

Nachdem AMD jahrelang mehr oder weniger die gleiche Technik („Graphics Core Next“) in Grafikkarten eingesetzt hat, gibt es mit RDNA nun endlich eine neue Architektur. Die Radeon RX 5700 und die Radeon RX 5700 XT (Test) sind die ersten Grafikkarten mit Navi und das Interesse der ComputerBase-Leser an entsprechenden Modellen ist groß.

Empfehlungen und Testsieger zur Radeon RX 5700 (XT)

Neben dem Referenzdesign hat die Redaktion mittlerweile acht verschiedene Custom-Modelle der Radeon RX 5700 XT und vier Varianten der Radeon RX 5700 getestet. Jetzt ist es an der Zeit, noch mal einen Blick auf alle Testkandidaten sowie die Testergebnisse zu werfen, Empfehlungen auszusprechen und je Klasse einen Testsieger zu küren.

AMD Radeon RX 5700 XT Custom im Test
AMD Radeon RX 5700 XT Custom im Test
AMD Radeon RX 5700 Custom im Test
AMD Radeon RX 5700 Custom im Test

Die Zusammenfassung oder die Details in Einzeltests

Wer nicht nur die Zusammenfassung lesen, sondern sich die Details der einzelnen Grafikkarten anschauen möchte, dem seien die Tests der einzelnen Modelle zu empfehlen. Dort lassen sich auch genaue Details zu den genutzten BIOS-Versionen und deren Unterschiede finden. Folgende Custom-Designs hat sich ComputerBase genauer angesehen:

Radeon RX 5700
Radeon RX 5700 XT

Benchmarks der einzelnen Custom-Designs

Die Custom-Designs der Radeon RX 5700 XT unterscheiden sich um maximal 6 Prozent bei der Framerate und sind dabei nicht unbedingt schneller als das Referenzdesign. Erwischt man eine schlechte GPU, die mehr Spannung für den anvisierten Takt benötigt und daher früher ins Powerlimit gerät, kann es auch passieren, dass die Leistung minimal schlechter ausfällt. So arbeitet die getestete XFX Radeon RX 5700 XT THICC2 1 Prozent langsamer als die Referenz. Interessant ist ferner, dass die Performance-Unterschiede zwischen den auf den meisten Grafikkarten verfügbaren zwei BIOS-Versionen schwanken: Die Radeon RX 5700 XT Red Devil variiert so um 4 Prozent zwischen dem OC- und dem Silent-BIOS, die Sapphire Radeon RX 5700 XT Nitro+ liegt mit 2 Prozent enger zusammen.

Insgesamt lautet ein Fazit zur Leistung der Custom-Designs der größeren Variante allerdings, dass die Performance in der Regel nicht den Ausschlag für die Kaufentscheidung geben sollte. Und das gilt nicht nur für die Radeon RX 5700 XT.

Bei der Radeon RX 5700 rutschen die Custom-Designs noch etwas näher zusammen, dort liegt die Differenz bei nur 3 Prozent. Die PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil liegt mit einem Plus von 3 Prozent vorne, die Asus Radeon RX 5700 TUF ist dagegen nur gleich schnell wie die Referenzkarte.

Lautstärke, Temperatur und Leistungsaufnahme im Detail

Anders als bei der Performance spielt neben dem Kühlsystem auch das eingesetzte BIOS eine wichtige Rolle. So ist die PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil mit dem werkseitig aktiven OC-BIOS ziemlich laut und mit dem alternativen Silent-BIOS dagegen kaum noch zu hören. Es ist sogar die leiseste Radeon RX 5700 XT.

Dagegen ist die Sapphire Radeon RX 5700 XT Nitro+ mit dem Standard-BIOS deutlich leiser, sodass die Grafikkarte auch mit dem Werks-BIOS problemlos genutzt werden kann. Mit dem alternativen BIOS ist dann auch diese Grafikkarte nur leicht zu hören, erreicht aber nicht ganz so gute Messwerte wie das Konkurrenzmodell. Quasi gleich laut ist zudem die Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC, wenn das Quiet-BIOS aktiv ist. Alle anderen Custom-Modelle sind deutlich lauter.

So fallen die MSI Radeon RX 5700 XT Gaming X, die Sapphire Radeon RX 5700 XT Pulse, die XFX Radeon RX 5700 XT THICC2 und die XFX Radeon RX 5700 XT RAW2 in die Kategorie „annehmbar beim Spielen“, aber keineswegs mehr in „leise“. Ebenfalls laut ist die Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC mit dem werkseitigen OC-BIOS. Hier sollte unbedingt die Quiet-Version genutzt werden.

Die Radeon RX 5700 gibt es von sehr leise bis unangenehm laut

Die PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil ist mit dem Silent-BIOS beim Spielen durchaus als unhörbar zu bezeichnen – leiser geht es kaum. Auch die PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon ist unabhängig vom BIOS sehr leise und in der Praxis ist der Unterschied zwischen beiden Versionen erstaunlich gering. Ja, die Red Devil ist leiser, doch auch die Red Dragon ist beim Spielen kaum zu hören.

Deutlich lauter, aber immer noch angenehm arbeitet die Sapphire Radeon RX 5700 Pulse. Die Karte ist hörbar beim Spielen, hält sich aber zurück und stört so zu keiner Zeit. Das gelingt nur der Asus Radeon RX 5700 TUF nicht: Kein Custom-Design mit Navi 10 war im Test lauter.

Die meisten Navi-Customs bleiben kühl

Bei der Temperaturentwicklung spielt auf den Navi-Customs neben der bekannten GPU-Temperatur die so genannte Junction-Temperatur eine wichtige Rolle. Das ist quasi ein Hotspot auf der GPU. Ist der Wert zu hoch, taktet die Grafikkarte herunter. Den kritischen Wert hat allerdings kein Custom-Modell erreicht. Manche waren aber gar nicht so weit davon entfernt.

110 °C ist der kritische Wert. Am nächsten daran kommt mit 105 °C die Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC bei aktivem Quiet-BIOS. Dreistellig werden zudem die Gigabyte Radeon RX 5700 XT Gaming OC mit 102 °C und noch mal die Radeon RX 5700 XT Strix mit dem OC-BIOS. Mit der Werks-Firmware lassen sich noch 100 °C messen. Alle anderen Testkandidaten bleiben darunter.

Die Radeon RX 5700 bleibt deutlich kühler

Die Partnerkarten der Radeon RX 5700 bleiben ein gutes Stück kühler. 91 °C ist der höchste gemessene Wert, den gleich drei Modelle erreichen: die Asus Radeon RX 5700 TUF, die PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon und die PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil.

Die Junction-Temperatur der Navi-Grafikkarten
Modell GPU-Junction
Radeon RX 5700 XT
AMD Radeon RX 5700 XT Referenzkarte 103 °C
Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC (Performance-BIOS) 100 °C
Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC (Quiet-BIOS) 105 °C
Gigabyte Radeon RX 5700 XT Gaming OC 102 °C
MSI Radeon RX 5700 XT Gaming X 99 °C
PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil (OC-BIOS) 96 °C
PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil (Silent-BIOS) 94 °C
Sapphire Radeon RX 5700 XT Pulse (Standard-BIOS) 91 °C
Sapphire Radeon RX 5700 XT Pulse (Alternativ-BIOS) 89 °C
Sapphire Radeon RX 5700 XT Nitro+ (Standard-BIOS) 90 °C
Sapphire Radeon RX 5700 XT Nitro+ (Alternativ-BIOS) 87 °C
XFX Radeon RX 5700 XT THICC2 88 °C
XFX Radeon RX 5700 XT RAW2 89 °C
Radeon RX 5700
AMD Radeon RX 5700 Referenzkarte 89 °C
Asus Radeon RX 5700 TUF 91 °C
PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon (OC-BIOS) 91 °C
PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon (Silent-BIOS) 88 °C
PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil (OC-BIOS) 91 °C
PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil (Silent-BIOS) 91 °C
Sapphire Radeon RX 5700 Pulse (Standard-BIOS) 81 °C
Sapphire Radeon RX 5700 Pulse (Alternativ-BIOS) 81 °C

Mehr Takt bedeutet deutlich mehr Verbrauch

Mehr Takt gibt es auf Navi 10 nur mit einem überproportional höheren Powerlimit und das bedeutet eine höhere Leistungsaufnahme. So ist die Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC das schnellste Custom-Design. Mit 267 Watt steigt die Leistungsaufnahme gegenüber dem Referenzdesign aber auch um 57 Watt an, die Energieeffizienz sinkt um 18 Prozent. Modelle ohne einen Leistungsschub können auch leicht weniger Energie benötigen. Die XFX Radeon RX 5700 XT THICC2 kommt zum Beispiel nur auf 201 Watt, also 9 Watt weniger als die Referenz.

Die Customs der Radeon RX 5700 arbeiten genügsamer. Am meisten elektrische Leistung benötigt die PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil mit 187 Watt, was aber auch nur 11 Watt mehr als beim Referenzdesign sind. Die PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon kommt mit dem Silent-BIOS auf einen Messwert von 168 Watt, 8 Watt weniger als beim Standardmodell.

RGB erhöht im Idle die Leistungsaufnahme

Auf dem Windows-Desktop zeigt sich, dass alle Grafikkarten mit einer RGB-Beleuchtung mehr Energie im Idle-Modus benötigen, als die ohne. So hat die XFX Radeon RX 5700 XT THICC2 zum Beispiel keine Beleuchtung und benötigt 7 Watt. Die Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC und die PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil bieten dagegen RGB und genehmigen sich gleich 17 Watt.

Die besten getesteten Radeon RX 5700 XT

Der Titel „Testsieger“ bei den Custom-Modellen der Radeon RX 5700 XT ist heiß umkämpft. Die PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil und die Sapphire Radeon RX 5700 XT Nitro+ liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Duell, beide Grafikkarten haben ihre Vor- und Nachteile. Aber am Ende erhält den Titel mit einem hauchdünnen Vorsprung die Version von Sapphire.

Der Rote Teufel arbeitet mit dem Silent-BIOS zwar noch etwas leiser, doch die Sapphire ist kaum lauter und anders als bei der PowerColor auch die werkseitige Standard-Einstellung eine gute Wahl. Mit der etwas besseren Performance, dem effektiveren Kühler, der niedrigen Lautstärke, der RGB-Beleuchtung und den zwei brauchbaren BIOS-Varianten weiß sie am Ende so knapp mehr zu gefallen.

  1. Sapphire Radeon RX 5700 XT Nitro+ (Testsieger)
  2. PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil
  3. Gigabyte Radeon RX 5700 XT Gaming OC
Sapphire Radeon RX 5700 XT Nitro+
Produktgruppe Grafikkarten, 30.09.2019
  • hohe Performance
  • gutes Primär-BIOS
  • sehr leises Silent-BIOS
  • niedrige Temperaturentwicklung
  • schicke RGB-Beleuchtung
  • Ab Werk nicht das leiseste Custom-Modell
ComputerBase-Empfehlung für Sapphire Radeon RX 5700 XT Nitro+

Die PowerColor Radeon RX 5700 XT Red Devil liegt also auf dem zweiten Platz. Es handelt sich um ein sehr gutes Custom-Modell, das sich gegenüber dem Vorgänger aus der Vega-Generation deutlich verbessert zeigt. Wer unbedingt die leiseste Grafikkarte mit Navi 10 ab Werk haben möchte, findet in dem 3D-Beschleuniger mit seinem Silent-BIOS den Favoriten.

Der dritte Platz entscheidet sich dann zwischen der Sapphire Radeon RX 5700 XT Pulse und der Gigabyte Radeon RX 5700 XT Gaming OC – und damit einem günstigeren Modell. Zwar hat die MSI Radeon RX 5700 XT Gaming X mit dem großen Kühler deutlich mehr Tuning-Potenzial, doch wer ein Premium-Modell haben möchte, sollte lieber gleich zum Erst- oder Zweitplatzierten greifen.

Dritter wird schlussendlich mit einer erneut knappen Entscheidung die Gigabyte Radeon RX 5700 XT Gaming OC. Die Grafikkarte ist etwas leiser und günstiger als das Konkurrenzmodell. Auf der Gegenseite steht eine höhere Temperaturentwicklung, die ohne Übertaktung aber im grünen Bereich bleibt.

Die besten getesteten Radeon RX 5700

Bei der günstigeren Radeon RX 5700 ist am Ende der Preis das Zünglein an der Waage, die über den Titel „Testsieger“ entscheidet. Denn nicht die technisch beste Grafikkarte im Test, die PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil, erhält die Auszeichnung, sondern mit der Radeon RX 5700 Red Dragon die „Budgetvariante“ vom selben Hersteller. Der Drache steckt zwar in fast allen Belangen etwas hinter dem Teufel zurück, ist für sich genommen aber immer noch sehr gut und eben günstiger. Und beim Non-XT-Modell ist der Preis am Ende Trumpf.

  1. PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon (Testsieger)
  2. PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil
  3. Sapphire Radeon RX 5700 Pulse
PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon
Produktgruppe Grafikkarten, 30.09.2019
  • sehr leise beim Spielen
  • ordentliche Temperaturentwicklung
  • schicke Optik
  • gelungenes Rundumpaket
  • Kaum Mehrleistung gegenüber dem Referenzdesign
ComputerBase-Empfehlung für PowerColor Radeon RX 5700 Red Dragon

Auf den zweiten Platz landet dann wiederum wenig verwunderlich die PowerColor Radeon RX 5700 Red Devil, zu der an dieser Stelle nichts mehr gesagt werden muss. Dritter und immer noch gut ist die Sapphire Radeon RX 5700 Pulse. Die Grafikkarte macht nichts falsch, nur ist die Red Dragon eben in allen Belangen besser. Einen Vorteil könnte sich das Sapphire-Modell durch einen niedrigeren Preis erkämpfen. Das ist aber zumindest Stand jetzt nicht gegeben.

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