Red Dead Redemption 2 im Test: Opulentes PC-Spiel, dessen Technik begeistert und nervt

Wolfgang Andermahr et al. 508 Kommentare
Red Dead Redemption 2 im Test: Opulentes PC-Spiel, dessen Technik begeistert und nervt

tl;dr: Red Dead Redemption 2 für den PC ist da und lässt sich nach mehreren Updates auch endlich halbwegs verlässlich starten. Es zeigt sich: Der Titel sieht stellenweise wunderschön aus, benötigt dafür aber vor allem eine sehr schnelle Grafikkarte. Noch nervig sind die vielen Fehler.

Update 14.11.2019 14:42 Uhr

Es hat sich gezeigt, dass das maximale Grafik-Preset (Bildqualität Bevorzugen auf Stufe 7) unabhängig von der Grafikkarte und Auflösung immer die identischen Grafikoptionen setzt und daher vergleichbar ist. Das überfordert in der Testsequenz zwar quasi durchweg jede Grafikkarte, doch wäre es andernfalls nötig, jede einzelne Option manuell korrekt zu setzen – was alleine schon sehr fehleranfällig wäre.

Fünf verschiedene Grafikkarten mussten entsprechend Benchmarks in 3.840 × 2.160 über sich ergehen lassen und zeigen die zu erwartenden niedrigen Frameraten. Die Abstände sind im Vergleich zu Full HD mit denselben Einstellungen größer geworden, die Reihenfolge der Modelle ist mit einer Ausnahme gleich geblieben.

Update 14.11.2019 10:59 Uhr

ComputerBase wurde im Forum darauf aufmerksam gemacht, dass Red Dead Redemption 2 trotz gleicher Preset-Einstellung bei unterschiedlichen Grafikkarten ganz gerne andere Grafikoptionen setzt und dann entsprechend falsche Benchmark-Ergebnisse liefern kann. In den letzten Stunden hat sich die Redaktion dies genauer angesehen und kann das Verhalten bestätigen – allerdings ist dieses nicht so kritisch wie zuerst befürchtet.

Die gute Nachricht: Sämtliche Benchmarks in 1.920 × 1.080 sowie 2.560 × 1.440 sind völlig korrekt. Nachprüfungen auf einer GeForce GTX 1070, GeForce RTX 2070, GeForce RTX 2080 Ti, Radeon RX 580 und Radeon RX 5700 XT haben ergeben, dass das Spiel auf den genannten Grafikkarten in Full HD sowie WQHD bei gleichem Preset auch immer die gleichen Grafikoptionen setzt.

In 3.840 × 2.160 gibt es dagegen je nach Grafikkarte Unterschiede. Im Test betraf dies in Ultra HD zwar nur zwei einzelne Optionen. Da dadurch die Benchmarks aber nicht komplett vergleichbar gewesen sind, wurden die entsprechenden Diagramme und Textpassagen entfernt. Die Redaktion bittet den Fehler zu entschuldigen. Korrigierte Benchmarks werden so schnell wie möglich nachgereicht – allerdings will das Spiel seit heute Morgen auf keiner AMD-Grafikkarte mehr starten, was das Unterfangen verzögert. Weitere Hinweise zu dem Problem finden sich im Forum.

Lange herbeigesehnt, brachte die Freigabe der PC-Version von Red Dead Redemption 2 vielen Spielern und auch der Redaktion zum Start vor allem eins: Frust. Ja, das Spiel dürfte den holprigsten Start aller AAA-Produktionen der letzten Jahre hingelegt haben. Es startete auf vielen Konfigurationen zuerst nicht, oder stürzte an den immer gleichen Stellen ab. Auch Rockstars PC-Version von GTA V litt unter technischen Problemen, „RDR2“ stellt das aber noch einmal deutlich in den Schatten.

Wer es ins Spiel schafft, sieht eine spektakuläre Grafik

Nach mehreren Updates des Rockstar Game Launchers und auch des Spiels startet Red Dead Redemption 2 (RDR2) auf den meisten PCs mittlerweile und Spieler haben die Chance das zu sehen, was sie erwartet haben: Die hauseigene sowie für die PC-Version aufgebohrte Rockstar Advanced Game Engine (RAGE) zaubert stellenweise eine wunderschöne Grafik auf den Bildschirm, sodass man gerne stehenbleibt und sich einfach nur die Umgebung anschaut. Die Kombination einer tollen Beleuchtung, einer üppigen Vegetation und den zahlreichen weiteren Details lässt einem die Kinnlade des öfteren herunterfallen.

Abgesehen von der Beleuchtung bietet das Spiel in den zahlreichen spiel- und nichtspielbaren Zwischensequenzen ein extrem hohes cineastisches Niveau, das dem von Call of Duty: Modern Warfare in nichts nachsteht. Die Atmosphäre in dem Spiel ist durchweg sehr dicht, egal ob man wie zu Beginn in einer stürmischen Schneelandschaft inklusive „Tessellation-Fußspuren“, oder später im dichten Dschungel unterwegs ist. Genügend optische Abwechslung ist gegeben.

Auch optisch schwache Passagen sind noch gut

Red Dead Redemption 2 kann das sehr hohe Niveau zwar nicht durchweg halten, sieht aber auch in den „schlechten Passagen“ immer noch gut aus. Die größten Problemstellen sind die Animationen, die nicht sonderlich schick, sondern ziemlich hölzern sind. Und ab und zu schleichen sich auch in der 2. Woche nach Freigabe noch kleinere Grafikfehler ins Spiel. Das ändert aber nichts daran, dass Red Dead Redemption 2 als Gesamtpaket das derzeit schönste PC-Spiel ist.

RDR2 bietet DirectX 12 und Vulkan an

Rockstar verzichtet bei Red Dead Redemption 2 auf DirectX 11. Stattdessen nutzt das Spiel auf dem PC ausschließlich eine Low-Level-API. DirectX 12, das in dem Fall ausschließlich unter Windows 10 läuft, und Vulkan, das auf allen modernen Betriebssystemen funktioniert, werden angeboten. Dabei gibt es einen ganz klaren Favoriten, der deutlich besser ist, vom Spiel standardmäßig aber nicht ausgewählt wird – auf der nächsten Seite wirft ComputerBase einen genauen Blick auf die zwei APIs und zeigt auch einen kleinen Trick auf.

Auch wenn RDR2 vermutlich das Highlight des Jahres auf dem PC ist, befindet sich das Spiel weder in AMDs, noch in Nvidias Spiele-Programm, beide werben dennoch mit dem Titel für den Kauf neuerer Hardware. Es gibt aber keine exklusiven Grafikfeatures und auch kein Raytracing.

Das Grafikmenü ist zu groß und komplex

Grafikmenüs in PC-Spielen haben in den letzten Jahren sowohl was Umfang und Features als auch Komfort angeht große Fortschritte gemacht. Red Dead Redemption 2 gehört leider nicht dazu. Denn das Menü ist schlicht zu umfangreich und dadurch reichlich unübersichtlich. Über 40 einzelne Optionen gibt es. Auch wenn es zu jedem Punkt eine kurze Beschreibung gibt, ist das viel zu viel. Da hilft es auch nicht, dass es „Grafik-Presets“ gibt, denn es gibt nicht vier, fünf oder sechs, sondern gleich deren 21. Da kann das Ausprobieren nach dem besten Kompromiss aus Qualität und Performance schon einmal eine Stunde dauern.

Auch wenn es viele Optionen gibt, sind die einzigen echten Besonderheiten ein spieleigenes Up- und Downsampling. Einen FPS-Limiter, eine dynamische Auflösung oder ein Leistungs-HUD sucht man vergebens. Das Up- und Downsampling lässt sich hingegen recht umfangreich, wenn auch nicht stufenlos konfigurieren. Die interne Rendering-Auflösung lässt sich auf 0,5× des eingestellten Wertes reduzieren oder auf 2,5× erhöhen um die Qualität zu verbessern.

Die 21 Presets und die Kantenglättung im Detail

Die 21 „Presets“ in Red Dead Redemption 2 lassen sich mit einem Schieberegler einstellen. Allerdings hat sich Rockstar nicht für jede Einstellung einen eigenen Namen einfallen lassen, stattdessen gibt es nur „Leistung bevorzugen“, „Ausgewogen“ und „Grafikqualität bevorzugen“. Jede der drei Haupt-Presets unterteilt sich in 7 verschiedene Einstellungen.

Wem das noch nicht reicht, der kann die Grafikdetails trotz höchstem Preset übrigens weiter erhöhen. Die Optionen „Reflexionsqualität“, „Partikelqualität“, „Tessellierung“, „Partikelbeleuchtungsqualität“, „Wasserphysik“, „Dekorationsqualität“ und „Fellqualität“ sind dann noch nicht am Maximum angekommen und erlauben eine, teils sogar noch mehrere höhere Stufen.

Alle 21 Presets zu behandeln, würde den Umfang des Artikels sprengen. Die Redaktion beschränkt sich daher auf die minimalen Details (Leistung bevorzugen Stufe 1), das Ausgewogen-Preset (Stufe 1), Bildqualität bevorzugen (Stufe 1), Bildqualität bevorzugen (Stufe 7 = höchstes Preset) und die händisch maximierten Details. Dabei gibt es zu bedenken, dass das Spiel eine dynamische Wettersimulation nutzt, die zudem nach dem Laden eines Spielstandes eine andre Wolkendecke erzeugt – die Beleuchtung ändert sich bei den Screenshots also zwangsweise.

Die Unterschiede zwischen den Presets sind teils gering

Die Unterschiede zwischen den maximalen Details und dem höchsten Grafik-Presets sind sehr gering. Man muss schon sehr genau hinschauen, um überhaupt einen Unterschied auszumachen. Die Haare der Spielfigur sehen vor allem in Bewegung etwas besser aus, die Blätter der Bäume zeigen etwas mehr Details und auch die Reflexionen sind etwas schicker. Darauf sollte man aber verzichten können.

Wer vom höchsten auf den niedrigsten Qualitätsmodus zurückschaltet, muss bei der Umgebungsverdeckung Verluste in Kauf nehmen und die Vegetation ist weniger dicht. Doch auch hier sind die Unterschiede noch gering. Darunter werden die Unterschiede dagegen groß.

Schon mit dem ersten Ausgewogen-Preset sieht das Spiel deutlich schlechter aus. Schatten, Vegetation, Oberflächendetails, Sichtweite, Reflexionen, eigentlich alles sieht schlechter und damit das Spiel deutlich weniger eindrucksvoll aus. Mit dem Leistungs-Preset wird das Spiel dann regelrecht hässlich. Während das Qualitäts-Preset also über die gesamte Bandbreite mit kaum sichtbaren Grafikverlusten genutzt werden kann, ist eine weitere Reduzierung nicht sinnvoll, wenn man RDR2 denn auch mit Blick auf die Grafik erworben hat.

Maximale Details fressen die FPS weg

Händisch maximierte Details verbessern die Grafik zwar kaum, kosten aber massiv an Performance. Die Radeon RX 5700 XT verliert dadurch 31 Prozent ihrer Bilder in der Sekunde, die GeForce RTX 2070 gar 34 Prozent. Noch ein Grund, darauf zu verzichten.

Wer von dem höchsten auf das niedrigste Qualität-Preset zurückschaltet, erhält dagegen kaum mehr Leistung: Die GeForce wird vier Prozent schneller, die Radeon nur ein Prozent.

Das niedrigste Ausgewogen-Preset bringt dagegen einen massiven Schub: Beide Grafikkarte legen um 68 Prozent an Geschwindigkeit zu. Viele Spiele bieten maximal eine kleinere Spanne. In RDR2 bringen die niedrigsten Details wiederum einen weiteren Schub von 24 (Nvidia) beziehungsweise 25 Prozent (AMD). Damit lässt sich die Performance in dem Spiel verdreifachen. Die praktisch nutzbare Spanne bei immer noch guter Grafik liegt dagegen „nur“ bei 50 bis 60 Prozent.

Grafik-Presets in Red Dead Redemption 2
  • AMD Radeon RX 5700 XT:
    • Leistung bevorzugen Stufe 1
      112,2
    • Ausgewogen Stufe 1
      89,8
    • Bildqualität bevorzugen Stufe 1
      53,4
    • Bildqualität bevorzugen Stufe 7
      52,8
    • Maximale Details
      36,4
  • Nvidia GeForce RTX 2070:
    • Leistung bevorzugen Stufe 1
      103,6
    • Ausgewogen Stufe 1
      83,5
    • Bildqualität bevorzugen Stufe 1
      49,8
    • Bildqualität bevorzugen Stufe 7
      47,8
    • Maximale Details
      31,5

Die Kantenglättung ist gut, aber unscharf

Red Dead Redemption 2 bietet so einiges an Kantenglättung an. Neben den Post-Processing-Varianten FXAA sowie TAA gibt es noch klassisches MSAA in den Stufen 2×, 4× und 8×. Schlussendlich ist aber nur TAA empfehlenswert. FXAA und MSAA bearbeiten zu wenig Objekte. Zudem kostete Multi-Sampling-Anti-Aliasing wie gewohnt viel Leistung.

Das TAA bietet dagegen bereits in 1.920 × 1.080 eine sehr gute Glättung. Flimmernde Objekte gibt es kaum und ab 2.560 × 1.440 sind diese quasi völlig verschwunden. Darüber hinaus kostet TAA kaum Performance. Allerdings hat das TAA auch einen bekannten Haken: Es legt einen ziemlich heftigen Unschärfeeffekt über das Bild, der vor allem in Full HD sehr ausgeprägt ist, sich mit WQHD merklich reduziert und ab Ultra HD kaum noch auffällt. Das gilt allerdings nur bei voll ausgenutzter Nachschärfe-Funktion des TAA, das das Spiel selbst bietet.

AMD und Nvidia bieten (extreme) Abhilfe

Sowohl AMD als auch Nvidia bieten bezüglich der Unschärfe aber auch eigene Abhilfe an. Das treibereigene Radeon Image Sharpening beziehungsweise Nvidias Konkurrenztechnologie vertreiben bereits in Full HD die Unschärfe quasi gänzlich. Allerdings wirken die Schärfefilter in RDR2 deutlich intensiver als in den meisten anderen Spielen. Dadurch bringen die Filter zwar deutlich mehr, allerdings ändert sich der optische Stil vom Spiel sichtbar. Das gefällt so nicht jedermann. Und auch Nvidias variabel einstellbarer Schärfegrad ändert daran nichts. Es hilft also nur ausprobieren und schauen, was dem eigenen Geschmack an nächsten kommt. Die Performancekosten sind sowohl auf einer GeForce als auch einer Radeon gering.

Gute Texturen brauchen wenig Speicher

Red Dead Redemption 2 erhält nur die Texturen der Konsolenversion. Sie sehen nicht schlecht aus und fallen in der Spielwelt nicht negativ auf. Wer es aber darauf anlegt und sich die Oberflächendetails genauer ansehen möchte, wird schnell feststellen, dass es an Details fehlt.

Dafür sind die Anforderungen an den Grafikkartenspeicher niedrig. Für maximale Texturdetails benötigt es selbst in Ultra HD nicht mehr als 6 GB, dasselbe gilt für WQHD. Und in Full HD passen die Oberflächen auch in einen 4 GB großen Speicher.

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