Gears Tactics im Test: Spielkritik und das Fazit

 3/3
Wolfgang Andermahr et al.
81 Kommentare

Wie gut ist Gears Tactics?

Microsofts ewig unveränderter Deckungsshooter will nun auch im Rundentaktik-Genre funktionieren. Das Unterfangen gelingt nicht nur, es kann dem Genre sogar Impulse geben. Der Thron gehört dennoch den alten Königen, weil sich Gears zu sehr auf eine einzige Idee konzentriert.

Das erste, das Rezensionen ihren Ausführungen voranschicken, ist die Festellung, dass Gears nun auch als Rundentaktik-Spiel funktioniere, aber beileibe kein einfacher Reskin von XCOM sei. Ganz so umwerfend kommt die Erkenntnis nicht, denn schon vor Jahren hat Gearbox' Brothers in Arms demonstriert, wie gut sich Deckungs-Shooter von ihrem Stamm-Genre lösen können. Dabei haben die Entwickler Wert darauf gelegt, dass Spielgefühl und die Essenz eines Gears zu erhalten: Auch Tactics spielt sich schnell, aggressiv und dreckig, wird stets in schöner Gleichmäßigkeit formuliert.

Um das zu erreichen, modifiziert es die alte „XCOM-Formel“. Ausschlaggebend sind zwei Neuerungen: Charaktere bekommen drei beliebig verwendbare Aktionen pro Zug und können neue Aktionen für das gesamte Team generieren, wenn sie Feinde exekutieren. Dies sei nötig, um der Überzahl der Feinde irgendwie Herr zu werden und erzeuge herrlichste Momente des Erfolges, wenn mit dem letzten Aktionspunkt das gesamte Team zurück in den Kampf geholt werden könne und am Ende einer ganzen Handlungskette wie bei der Lösung eines Rätsels ein Sieg herausspringe, halten Eurogamer und Polygon fest. Durch diese beiden Änderungen fühle sich Tactics viel schneller als Konkurrenten im Genre an, es gehe nun nicht mehr darum, einen Zug optimal zu nutzen, sondern möglichst stark zu verlängern, erklärt PC Gamer.

Diese unterhaltsamen Momente tragen das gesamte Spiel, denn Schwächen beginnen dort, wo die Kämpfe enden. Gears konzentriert sich auf Action-Taktik, Basisbau und Forschung fehlen, neue Ausrüstung gibt es aus Kisten in Missionen, deren Inhalt auf Eurogamer zu zufällig wirkt, das System wird als eine Art Fremdkörper beschrieben. Darüber hinaus seien Missionen und Schauplätze zu ähnlich, bemängelt Games Radar stellvertretend für andere Tester, und funktioniere nur noch schlecht, wenn das Missionsdesign das aggressive Vorrücken nicht mehr möglich mache.

Unterschiedlich beurteilt werden Bosskämpfe. Im deutschsprachigen Raum kommen sie gut an, in englischsprachigen Publikationen wird ihnen vorgeworfen, sie seien zu sehr in die Länge gezogen. In dieser Kategorie findet sich darüber hinaus die Story wieder. Richtig gut kommt sie bei niemanden an: Mal kommt sie zu spät in Fahrt, mal wird ihr eine unplausible Charakterentwicklung, mal Belanglosigkeit vorgeworfen, was sie dann aber nicht großartig von der Hintergrundgeschichte anderer Produktionen der Marke unterscheidet.

Wie stark diese Aspekte ins Gewicht fallen, ist ganz unterschiedlich und abhängig von der Strahlkraft der Kernidee: Den anders ausgerichteten Gefechten. „Das beste Rundentaktikspiel seit XCOM 2“ titelt GameStar, andere Wertungen fallen verhaltener aus. Gut, aber nicht am besten, das ist die Essenz der Urteile, bei Polygon wird am anderen Ende des Spektrums von einem „Beinahe-Unfall“ gesprochen, der allerdings Vorfreude auf einen ausgeglicheneren Nachfolger wecke. Insgesamt lässt sich der Kritik entnehmen, dass Fans von Genre und Gears aber gut bedient werden.

Wertungsüberblick für Gears Tactics
Publikation Wertung
4Players 81/100
Eurogamer -
Game Informer 8.5/10
Games Radar 3.5/5
GameStar 87/100
Kotaku -
PC Gamer 83/100
Polygon -
US Gamer 4/5
Metacritic (PC) Presse: 81/100
Nutzer: 9.3/10 (24 Wertungen)

Fazit

Gears funktioniert überraschend gut als Rundenstrategiespiel. Gears Tactics macht richtig Spaß, ohne dabei das eigene, dreckige und brutale Szenario zu vergessen. In Kombination mit einer Prise Änderungen gegenüber bekannten Serienkollegen wie das zuletzt erschienene XCOM: Chimera Squad (Test) ist der Titel definitiv einen Blick wert.

Dabei hilft auch eine einwandfreie technische Umsetzung. Für ein Rundenstrategiespiel bietet Gears Tactics unglaublich viel fürs Auge. Ja, Gears 5 ist optisch zweifellos imposanter, doch ist Gears Tactics alleine durch die Art des Spieles limitiert und holt gefühlt das Maximum aus dem Möglichen heraus.

Der Fokus liegt auf der Grafikkarte

Dafür benötigt das Spiel aber auch eine halbwegs flotte Grafikkarte, wenn mit vollen Grafikdetails gespielt werden soll. Ein High-End-Produkt muss es zwar weder in Full HD, noch in WQHD sein, vor allem bei letzterem sollte es dann aber schon ein Modell aus der Mittelklasse sein. Ab Ultra HD muss es dann auch mit reduzierten Grafikdetails eine schnelle Variante sein.

Gears Tactics im Technik-Test

Wer Runden-Taktikstrategie mag und es auch mal etwas anderes als XCOM sein darf, für den führt an Gears Tactics kaum ein Weg vorbei. Umso praktischer ist es, dass Microsoft beziehungsweise Entwickler Splash Damage eine vorbildliche PC-Version abgeliefert haben, bei der mit Ausnahme einer Kleinigkeit beim Variable Rate Shading eigentlich alles stimmt. Davon können sich andere Entwickler gleich so einige Scheiben von Abschneiden.

ComputerBase hat Gears Tactics vom Publisher Microsoft zum Testen erhalten. Das Spiel wurde unter NDA zur Verfügung gestellt. Die einzige Vorgabe war der frühstmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Entwicklers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

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