Gears Tactics im Test: Rundenstrategie auf technisch hohem Niveau

Wolfgang Andermahr et al.
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Gears Tactics im Test: Rundenstrategie auf technisch hohem Niveau

tl;dr: Nach Gears 5 kommt nicht etwa Gears 6, sondern Gears Tactics. Die bekannte Action-Serie wird zum Rundenstrategiespiel, das seine Wurzeln aber nicht vergessen hat: Auch Gears Tactics ist äußerst brutal und technisch gut umgesetzt. Die Grafik liegt auf einem hohen Niveau und bietet viel Interessantes.

Update 29.04.2020 13:49 Uhr

ComputerBase hat Benchmarks mit acht verschiedenen Prozessoren in Gears Tactics angefertigt. Im Rundenstrategie-Ableger hat die CPU durchaus einen Einfluss auf die Performance des Spiels, anders als die Grafikkarte entscheidet sie aber nicht, ob Gears Tactics flüssig läuft oder nicht.

Der April des Jahres 2020 bietet richtige Highlights für Fans von Rundenstrategie: Nach dem aus dem Nichts erschienenen Spin-Off XCOM: Chimera Squad (Test) folgt mit Gears Tactics ein Ableger aus dem bekannten Gears-Universum.

Auf XCOM folgt Rundenstrategie bei Gears

Während XCOM: Chimera Squad als Überbrückung zu XCOM 3 technisch ein Sparprogramm auffährt, geht Gears Tactics als zunächst PC-exklusives Spiel in die Vollen. Das Spiel nimmt optisch zahlreiche Anleihen beim großen Bruder Gears 5 (Test), auch wenn es allein schon aufgrund der Kameraperspektive große Unterschiede gibt. Aber das ändert nichts daran, dass Gears Tactics nicht nur für ein Rundenstrategiespiel, sondern auch generell schlicht gut aussieht.

Das fängt bei den vielen hochwertig produzierten Zwischensequenzen an und hört bei der stimmigen Beleuchtung mitsamt der schicken Schatten auf. Die Animationen sowie die Texturen sind gelungen, es gibt nett anzusehende Partikeleffekte und es ist immer etwas auf dem Bildschirm los. Auch die spielbekannte Kettensäge mitsamt der Flüssigkeitssimulation macht optisch viel her, deutet aber auch an: Rundenstrategie hin oder her, Gears Tactics ist wie die großen Brüder sehr brutal.

Um die hohe optische Qualität zu erreichen, setzen Entwickler Splash Damage und The Coalition auf dasselbe Technik-Grundgerüst wie bei Gears 5 und damit die Unreal Engine 4. Anders als fast alle Vertreter seiner Art nutzt Gears Tactics jedoch ausschließlich die Low-Level-API DirectX 12 – zum Glück erneut als Win-32-Applikation und nicht als unsägliche UWP-App und das unabhängig davon, ob das Spiel im Microsoft Store oder auf Steam gekauft wird.

Eine Premiere: Variable Rate Shading

Gears Tactics bietet auf dem PC ein quasi komplett neues Feature, das auch Teil von DirectX 12 Ultimate ist. Dabei handelt es sich nicht um Raytracing, sondern um Variable Rate Shading, das auf Nvidias Turing-Grafikkarten eine bessere Performance bei optisch kaum oder gar nicht schlechterer Bildqualität ermöglichen soll. Ob das gelingt und wie sich unter anderem Async Compute auf die Leistung auswirkt, klärt der Technik-Test.

Ein umfangreiches Grafikmenü mit viel Luxus

Gears 5 bietet bereits ein hervorragendes Grafik-Menü und Gears Tactics steht dem in Nichts nach. Ganz im Gegenteil, denn neben Beschreibungen der einzelnen Optionen gibt es nun auch Beispielscreenshots, die Gears 5 noch fehlen. Darüber hinaus wird bei jedem Menüpunkt aufgelistet, ob er sich auf die CPU-, die GPU-Leistung oder den Speicherverbrauch der Grafikkarte auswirkt.

Das Spiel bietet gleich zwei FPS-Limiter. Einen normalen, der sich auf 30, 60, 90, 120 oder 144 FPS konfigurieren lässt. Und einen zweiten, der nur in den zahlreichen In-Game-Zwischensequenzen greift. Mehr als „aus“ oder „30 FPS“ bietet dieser aber nicht. Eigenes Down- und Upsampling ist natürlich mit von der Partie, die interne Auflösung kann zwischen 33 und 200 Prozent frei eingestellt werden. Alternativ gibt es auch eine dynamische Auflösung. Dort muss eine Framerate eingestellt werden (30, 60 oder 90 FPS) und das Spiel versucht dann mit Hilfe der Auflösung als Variable zu erreichen, dass dieser Wert nicht unterschritten wird.

Doch damit noch nicht genug. Es gibt ein Overlay, das entweder nur die Framerate oder auch noch weitere Informationen wie die Frametimes anzeigen kann. Wie sich die zahlreichen gewöhnlichen Grafik-Optionen auswirken, kann mit einem integrierten Benchmark getestet werden. Auch wenn dies nach dem einmaligen Einstellen kaum noch eine Rolle spielen mag, das Grafik-Menü von Gears Tactics ist absolut vorbildlich. Davon kann und sollte sich jedes Spiel eine dicke Scheibe abschneiden.

Vier Grafik-Presets mit großen Unterschieden

Gears Tactics bietet mit „Niedrig“, „Mittel“, „Hoch“ und „Ultra“ vier verschiedene Grafik-Presets an. Ultra ist aber noch nicht ganz das Maximum, denn es lässt sich noch manuell die Option „Hochglanz-Reflexionen“ hinzuschalten.

Wer die Hochglanz-Reflexionen auslässt, muss nicht auf viel Grafikqualität verzichten. Nur wenige Oberflächen werden überhaupt von dieser erfasst und dann sind die Unterschiede gering. Ganz anders sieht es aber bei den vier Presets aus, hier sind die optischen Verluste mit jedem einzelnen Schritt groß.

Für die Screenshots wurde der volumetrische Nebel deaktiviert, weil sich die Bilder so besser vergleichen lassen.

Bereits mit dem Hoch-Preset sieht Gears Tactics ein gutes Stück schlechter aus, denn sämtliche Feuer- und Gluteffekte werden massiv zurückgefahren, was sichtbar an Atmosphäre kostet. Darüber hinaus sind die Schatten deutlich weicher, andere fehlen dagegen komplett und bei einigen Objekten wird die Detailstufe generell zurückgefahren. Aus optischen Gründen sollte vermieden werden, die Grafikdetails noch weiter zu reduzieren.

Denn ab dem Mittel-Preset ist das Spiel einfach nicht mehr schön. Viele Schatten verschwinden wie auch die Umgebungsverdeckung gänzlich, die Texturen werden unschärfer und manche Objekte werden gar nicht erst dargestellt. Auf niedrig passiert das ganze dann noch einmal, nur deutlich effektiver. Gears Tactics wird so von einem richtig schönen zu einem richtig hässlichen Spiel.

Das Tuningpotenzial ist sehr groß

Die maximale Detailstufe bringt optisch kaum etwas und kostet auch nicht allzu viel Leistung. Wer auf das Ultra-Preset zurückschaltet, beschleunigt eine GeForce RTX 2070 Super nur um sieben, eine Radeon RX 5700 XT nur um elf Prozent. Das Hoch-Preset sieht dann ein gutes Stück schlechter aus, bringt dafür aber auch deutlich mehr: Auf der Nvidia-Grafikkarte beträgt das Plus 37 Prozent, auf dem AMD-Gegenstück 24 Prozent. Nvidia gewinnt also mehr Leistung als AMD.

Grafik-Presets – 2.560 × 1.440
  • AMD Radeon RX 5700 XT:
    • Niedrig-Preset
      206,6
    • Mittel-Preset
      141,4
    • Hoch-Preset
      82,9
    • Ultra-Preset
      66,8
    • Maximale Details
      60,1
  • Nvidia GeForce RTX 2070 Super:
    • Niedrig-Preset
      217,9
    • Mittel-Preset
      157,0
    • Hoch-Preset
      98,7
    • Ultra-Preset
      71,8
    • Maximale Details
      67,4

Das gleicht sich mit dem Mittel-Preset wieder aus, denn mit diesem wird die GeForce um 59 Prozent schneller, die Radeon dagegen gleich um 71 Prozent. Bereits das Mittel-Preset hebt die Performance von Gears Tactics also um mehr als das Doppelte an.

Die Kantenglättung funktioniert ordentlich

Gears Tactics bietet eine ordentliche Kantenglättung. In niedrigen Auflösungen wie 1.920 × 1.080 werden zwar nicht alle Objekte gut geglättet und es legt sich eine leichte Unschärfe über das Bild. Das stört aber kaum und spielt ab 2.560 × 1.440 keine Rolle mehr. Darüber hinaus bietet das Spiel eine Schärfefunktion, mit der Bildruhe gegen Schärfe eingetauscht werden kann – oder eben anders herum.

Eine Grafikkarte mit 6 GB ist ausreichend

Gears Tactics hat keine allzu detaillierten Texturen, was für ein Rundenstrategiespiel aber auch nicht nötig ist. Allzu nahe kommt man an Objekte ohnehin nicht heran und für die in der Regel genutzte Kameraperspektive sind die Oberflächen mit absolut ausreichend Details ausgestattet.

Auch wenn Grafikkarten in Ultra HD bei maximaler Detailstufen knapp 8 GB Speicher adressieren, meldet das Spiel, dass nur 6 GB benötigt werden. Darauf lassen auch die Testreihen schließen, denn 8 GB bringen in dem Spiel gegenüber 6 GB keine Vorteile mehr. Für 1.920 × 1.080 ist auch eine Grafikkarte mit 4 GB ausreichend, ab 2.560 × 1.440 sollten es 6 GB sein.

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