G2A vs Entwickler: Marktplatz stellt Betrug fest und entschädigt Entwickler

Max Doll 71 Kommentare
G2A vs Entwickler: Marktplatz stellt Betrug fest und entschädigt Entwickler
Bild: G2A

Im vergangenen Jahr hatten Indie-Studios dem Marktplatz G2A vorgeworfen, von Betrug mit gestohlenen Kreditkarten zu profitieren. Der Anbieter bot Entwicklern deshalb an, die anfallenden Unkosten in zehnfacher Höhe zu erstatten, um die eigene Seriosität zu belegen. Ein Studio erhält nun knapp 40.000 US-Dollar.

Selbst illegales Kopieren sei besser als ein Erwerb bei G2A und Co, hatten Entwickler letztes Jahr formuliert, denn das mangelnde Vorgehen gegen Betrug koste doppelt: Erstens durch die Zeit, die in den Schutz vor Betrügern investiert werden müsse, zweitens unter anderem durch Rückbuchungsgebühren von Kreditkarten-Anbietern. Diese Chargeback-Kosten werden üblicherweise dem Verkäufer in Rechnung gestellt.

Kein Audit aber ein Ergebnis

Nach aktuellem Stand hat derzeit lediglich einer der Kritiker tatsächlich das Angebot von G2A in Anspruch genommen: Gemeldet hat sich Wube Software, der Anbieter der Aufbausimulation Factorio. Laut Informationen von Games Industry wurde von beiden Parteien auf das ursprünglich von G2A vorgeschriebene Audit-Verfahren durch ein unabhängiges Unternehmen verzichtet. Potentielle Partner hätten nicht gewünscht, dass Ergebnisse publik gemacht würden, sagte G2A der Seite. Eine unabhängige Prüfinstanz sei zudem nur unter der Annahme angeboten worden, dass Entwickler sie gerne hinzugezogen hätten. Sie sollte demnach die Transparenz und Ernsthaftigkeit des Angebots unterstreichen.

Von 321 durch Wube Software Betrug zugeordneten Aktivierungsschlüsseln seien 198 über den G2A-Marktplatz verkauft worden. Das Studio hat deshalb 39.600 US-Dollar erhalten. Beide Parteien nehmen an, dass alle weiteren Schlüssel auf anderen Wegen veräußert wurden. Dies beweise, sagte ein Sprecher von G2A Games Industry, dass von über 10 Millionen jährlichen Transaktionen nur ein winziger Teil mit illegal erworbenen Schlüsseln abgewickelt werde. Die Logik ist bestechend: Da es ansonsten keine bestätigten Fälle gibt, gibt es auch keinerlei weitere betrügerische Aktivitäten. Aussagekräftiger wäre das Verhältnis zwischen „legalen“ und „illegalen“ Aktivierungsschlüsseln im Falle von Factorio. Wie viele Exemplare des Spiels G2A im gleichen Zeitraum insgesamt verkauft hat, wollte der Anbieter auf Nachfrage der Seite aber nicht verraten.

Fehler räumt G2A erst auf Nachfragen ein. In einer Stellungnahme, die unter anderem Polygon erhielt, heißt es, G2A habe zu lange gebraucht, um zu erkennen, dass eine „kleine Anzahl Individuen“ den Marktplatz missbraucht. In einen Blogeintrag wird die Aktion zudem als „Lektion“ dargestellt, die zeige, dass Betrug die gesamte Branche schädigt und ein ernstzunehmendes Problem sei.

The amount of time it takes and administrative dealings to get this refund, it's probably not worth the monetary compensation if it was not 10x.

Wube Software

Künftig werden Entwickler, die Betrug nachweisen können, die Chargeback-Gebühren nur noch in voller statt in zehnfacher Höhe erhalten. Wube Software machte allerdings deutlich, dass G2A nur kontaktiert worden sei, weil eine Erstattung in zehnfacher Höhe angeboten wurde. Ansonsten hätten sich Mühe und Zeit nicht gelohnt. Wenn andere Entwickler ähnliche Überlegungen anstellen, bleibt die Bilanz des Marktplatzes sauber: Keine bestätigten Fälle sind keine Fälle. Der bisherigen Kommunikationsstrategie bleibt G2A zudem treu: Der Anbieter stellt sich in eine Reihe mit Entwicklern als Geschädigter.

Entwickler sind die Quelle

Das eigentliche Problem ließe sich allerdings leicht unterbinden, das machen Äußerungen von Wube Software bei Games Industry deutlich. Das Angebot von G2A „behandle ein Symptom“, so das Studio, besser sei es deshalb, die Quelle auszuschalten. Und das sind oftmals Entwickler. Bei Wube wurden die Aktivierungsschlüssel über die eigene Webseite verkauft. Nach dem Wechsel auf ein Widget von Humble Bundle und den generellen Verzicht auf Giveaways, die teils von fiktiven Influencern, also Betrügern angefragt würden, habe sich das Problem vollständig erledigt.