Huawei MateBook X Pro (2020) im Test: Display, Leistung und Kühlung

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Nicolas La Rocco 67 Kommentare

Wer das MateBook X Pro nicht nur über die Tastatur und das Touchpad bedienen möchte, kann das Touchdisplay verwenden. Das 13,9 Zoll große LTPS-IPS-Panel wird durch eine Glasscheibe geschützt und weist besonders schmale Ränder auf, die 9 Prozent der Fläche einnehmen, sodass 91 Prozent für den Bildschirm zur Verfügung stehen.

13,9-Zoll-Display im 3:2-Format

Ja, Touch und die dafür benötigte Glasscheibe führen dazu, dass das MateBook X Pro anfälliger für Reflexionen und Fettschlieren ist, aber Huawei geht die Sache konsequent mit einer sehr hohen Helligkeit an, die zumindest die Reflexionen ausgleicht. Bis zu knapp 600 cd/m² bei vollständig weißem Bildschirm waren dauerhaft im Test möglich. Die Ausleuchtung fällt zum rechten Rand hin leicht ab, im Durchschnitt aus neun Messfeldern liegt die Homogenität aber bei guten 94 Prozent.

Mehr ins Gewicht für den positiven Gesamteindruck zum Display fällt aber dessen Format, das in 3:2 mehr Pixel in der Höhe zur Verfügung stellt, was vor allem im Office-Umfeld mehr Arbeitsfläche und weniger Scrollen bedeutet. 3.000 × 2.000 Pixel sorgen auf 13,9 Zoll für eine scharfe Darstellung mit 259 ppi. Mit seinem 3:2-Format überzeugte zuletzt auch das Acer Swift 3 in der Project-Athena-Ausführung (Test). Bekannt für dieses Format sind außerdem die verschiedenen Surface-Geräte von Microsoft.

Comet Lake-U auf gleicher Hardware-Basis

Für Leistung sorgen beim MateBook X Pro Prozessoren von Intel, die aus der Generation Comet Lake-U stammen, nachdem zuvor Whiskey Lake-U zum Einsatz kam. Im Vergleich zum 2019er-Modell hat Huawei lediglich einen Wechsel des Prozessors durchgeführt, die Hautplatine samt aufgelöteten Komponenten wie RAM aber aus dem Vorjahr übernommen. Die CPU paart der Hersteller deshalb weiterhin mit 8 GB oder 16 GB LPDDR-2133, obwohl Comet Lake-U auch LPDDR4-2933 unterstützen würde.

Sehr schnelle SSD von Samsung

Die SSD ist im Gegensatz zum RAM auswechselbar und nutzt einen gängigen M.2-Slot, sodass größere Varianten als die maximal von Huawei angebotenen 1 TB verbaut werden können. Auf die Geschwindigkeit bezogen wird ein Wechsel aber kaum notwendig sein, denn die ab Werk verbaute Samsung PM981a lieferte im Test beeindruckende 3.500 MB/s für das sequenzielle Lesen und beinahe 3.000 MB/s beim Schreiben – beides entspricht den Herstellerangaben. Dass immer die PM981a in der 1-TB-Konfiguration des MateBook X Pro verbaut sein wird, lässt sich aber nicht mit Gewissheit sagen.

Core i7-10510U mit 12 Watt unter Dauerlast

Wie schnell eine CPU im Notebook werkelt, hängt stark davon ab, welche Powerlimits der Hersteller dem Prozessor zutraut. Nur weil Intel gewisse Spezifikationen in der eigenen Produktdatenbank Ark nennt, müssen diese in der Praxis nicht zutreffen. Das ist genau genommen sogar eher selten der Fall, wie etwa beim Acer Swift 3 mit Project Athena, was angesichts der Einbeziehung von Intel aber auch nicht verwundert.

Intel gibt für den Core i7-10510U eine TDP (Powerlimit 1) von 15 Watt, eine konfigurierbare TDP-up (cTDP-up) von 25 Watt und eine cTDP-down von 10 Watt an. Im MateBook X Pro darf sich der Prozessor für Sekundenbruchteile bis zu 51 Watt (Powerlimit 2) gönnen, was vor allem bei kurzen Einzelbefehlen hilfreich ist. Das beschleunigt kurze Aufgaben wie das Aufrufen einer Website oder die Skalierung eines Fotos. Längere Aufgaben wie das Encoding eines Videos oder das Rendern in Blender profitieren kaum davon, da sich der kurzzeitige Vorteil mit teils stundenlangen Jobs amortisiert.

Beim MateBook X Pro pendelt sich der Core i7-10510U unter Dauerlast letztlich bei 12 Watt ein und erreicht einen wechselhaften Multi-Core-Takt von 2,0 GHz oder 2,1 GHz. Bei Single-Core-Last sind es zunächst 4,3 GHz, bevor im späteren Verlauf des Cinebench R15 4,2 GHz gemessen wurden. In den Benchmarks schneidet der Prozessor in diesem Notebook durch die Bank besser als im ExpertBook B9450FA ab, da Asus dem Core i7-10510U unter Dauerlast zugunsten eines extrem leisen Betriebs nicht mehr als 10 Watt erlauben wollte. Gleicher Prozessor in unterschiedlichen Notebooks bedeutet somit stets und teils nicht unerheblich abweichende Resultate.

Zwei Systemkühlungsrichtlinien

Darüber hinaus unterscheidet das MateBook X Pro bei der Leistungsentfaltung, ob es am Netzteil hängt oder nicht. Die Einstellungen des Energieprofils „Ausbalanciert“ sind in diesem Punkt umfangreich. Nutzer können einstellen, wie viel Leistung des Prozessors in Prozent gemessen beim Netz- und Akkubetrieb abgerufen werden dürfen. Ab Werk liegen Minimum und Maximum für beide Modi bei 5 respektive 100 Prozent.

Was zunächst nach Gleichstand aussieht, wird aber durch eine weitere Einstellung für die „Systemkühlungsrichtlinie“ beeinflusst, bei der der Akkubetrieb den Kürzeren hinsichtlich Leistung zieht. Denn die Zielvorgabe lautet, das Notebook im Akkubetrieb möglichst lange passiv zu kühlen, bevor der Lüfter möglichst leise anspringen darf. Das wiederum führt dazu, dass die 12 Watt bei dauerhafter Multi-Core-Last im Akkubetrieb auf 9 Watt abrutschen. Das kurzzeitig abrufbare Powerlimit 2 liegt nicht mehr bei 51 Watt, sondern 44 Watt.

Im Blender Benchmark pendelt der Multi-Core-Takt als Resultat der veränderten Kühlrichtlinie schwankend zwischen 1,4 und 1,8 GHz, am Netzteil waren es wohlgemerkt zwischen 2,0 und 2,1 GHz. Positiver Nebeneffekt ist die geringe Temperaturentwicklung, die das CPU-Package unterwegs nicht wärmer als 70 Grad Celsius werden lässt. Wirklich passiv ist die Kühlrichtlinie zwar nur am Anfang aufwendiger Jobs wie Blender, doch unter permanenter Dauerlast ist in direkter Nähe zum Notebook auch später nur ein leises Rauschen zu vernehmen. Am Netzteil genutzt dreht der einzelne Lüfter deutlich hörbar auf. Wer möchte, kann das allgemeine Verhalten am Netzteil auf den Akkubetrieb übertragen, indem der Schalter der Kühlrichtlinie in den Energieprofileinstellungen auf „Aktiv“ statt „Passiv“ gesetzt wird.

Huawei integriert Einstellungen in das Betriebssystem

Positiv anzumerken ist, dass Huawei zwar vergleichsweise viele Einstellungen für den Akku- oder Netzbetrieb liefert, diese aber sauber direkt in Windows 10 integriert, anstatt mit eigenen Steuerungsprogrammen für verschiedene Anlaufstellen der gleichen Einstellung zu sorgen. Immer wieder passiert es, dass Notebook-Hersteller diese Einstellungen in eigene Programme auslagern, was der Übersicht schadet. Zugegebenermaßen wird aber wohl auch beim MateBook X Pro kaum ein Anwender in die Menü-Ebenen vordringen, die ComputerBase für den Test bewusst gesucht hat.

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