Cyberpunk 2077: Spielerzahlen sagen gut, aber nicht überragend

Max Doll
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Cyberpunk 2077: Spielerzahlen sagen gut, aber nicht überragend

So groß die Erwartungen an Cyberpunk 2077 waren, so unrealistisch war anzunehmen, dass das Spiel tatsächlich als leibhaftiger Messias eine neue Zeitrechnung der Spielebranche einläutet. Spielerzahlen belegen dies: Das Interesse am Spiel nimmt viel zu zügig ab.

Vom Hype bleiben vor allem initiale Verkaufsrekorde und die Behauptung, dass alleine die Vorbestellungen die Entwicklungskosten bereits wieder eingespielt hätten. Zynisch ließe sich behaupten, dass diese in Anbetracht der unfertigen PS4- und Xbox-One-Fassungen so hoch nicht gewesen sein können: Auf der PlayStation 4 wurden das Spiel in einem äußerst seltenen Vorgang wegen grober Mängel aus dem PlayStation-Store entfernt.

Selbst auf dem PC nur gut

Selbst auf dem PC, der Premium-Plattform, auf der sich Leistungsdefizite mit leistungsstarker Hardware oder dem Optionsmenü kaschieren lassen, fallen die Wertungen mittlerweile nicht so aus, wie bei einem extrem guten Spiel zu erwarten wäre. Nutzer vergeben auf Metacritic für die technisch beste Fassung im Schnitt 7.2 von 10 Punkten, Wertungen auf Steam sind nur zu 79 Prozent positiv.

Neben Bugs, die CD Projekt zum größten Teil bis Ende Februar eliminieren möchte, werden KI, Balancing, Questbelohnungen, unzureichend integrierte Mechaniken und Gameplay-Elemente sowie die irrelevanten Entscheidungsoptionen bemängelt. Anders als vorab suggeriert ist Cyberpunk 2077 (Test) zwar ein extrem gut inszeniertes und erzähltes, aber auch ein völlig lineares Spiel, das eher an Telltale-Abenteuer als an die Freiheiten eines Witcher 3 (Test) erinnert. Denn dass Entscheidungen tatsächliche Konsequenzen haben, ist eine, wenn auch häufig solide Illusion.

Nicht überragend genug für dauerhaftes Interesse

All das zeugt von einem Projekt, das vor allem möglichst schnell fertig werden und irgendwie funktionieren musste, anstatt mit letzter Konsequenz zu Ende entwickelt zu werden. Ein solcher Ansatz produziert jedoch selten ein bahnbrechendes Spiel wegweisender Qualität. Der Unterschied fällt vor allem im Abgleich mit The Witcher 3 auf. Indikator sind Spielerzahlen, die sich über Steam Charts ermitteln lassen. Während der Hexer im ersten Monat nach Erscheinen noch mehr als die Hälfte seiner Peak-Spielerzahlen behalten konnte, sind diese bei Cyberpunk auf 20 Prozent des höchsten Dezember-Werts abgesackt.

Ein starkes Abfallen der gleichzeitig aktiven Spieler lässt sich bei Einzelspieler-Titeln auch mit großer Spieldauer beobachten, es ist in dieser Stärke aber eher ein Zeichen von ordentlichen bis guten Titeln. Fallout 4, solide, aber schwerlich das Spiel des Jahrzehnts, weist einen ähnlichen Verlauf mit stark abfallenden Zahlen auf. Lediglich die absolute Höhe unterscheidet sich, was Zeichen für gelungenes Marketing und große Hoffnungen sind – CD Projekt gilt aufgrund eines als kundenorientiert vermarkteten Auftretens als Liebling vieler Spieler und genoss einen Vertrauensvorschuss.

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