G-Sync Ultimate: Nvidia lockert offenbar Anforderungen an Monitore

Michael Günsch
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G-Sync Ultimate: Nvidia lockert offenbar Anforderungen an Monitore

Zur Einführung von G-Sync Ultimate vor zwei Jahren hatte Nvidia noch eine Spitzenhelligkeit von mindestens 1.000 cd/m² als eine Voraussetzung für entsprechend zertifizierte Monitore genannt. Jüngst tauchten aber Monitore mit G-Sync Ultimate auf, die dies nicht erfüllen. Es zeigt sich, dass Nvidia die Richtlinien geändert hat.

Diverse HDR-600-Monitore sind „Ultimate“

Indirekt hat Nvidia selbst auf die heimliche Änderung hingewiesen, denn im Zuge der Ankündigung von zwei Neuzugängen unter den Monitoren mit G-Sync Ultimate fiel der Website PC Monitors etwas auf: Angepriesen wurden MSI MEG381CQR und LG 34GP950G als neue Modelle mit G-Sync Ultimate, obwohl beide nur mit DisplayHDR 600 zertifiziert sind, was für eine Spitzenhelligkeit von mindestens 600 cd/m² und nicht für mindestens 1.000 cd/m² wie bei DisplayHDR 1000 steht. Sogar Monitore mit DisplayHDR 400, wofür bereits mindestens 400 cd/m² genügen, werden laut dem Hinweis inzwischen von Nvidia unter G-Sync Ultimate geführt.

Die Redaktion kann den Hinweis nach eigener Recherche zum Teil bestätigen, wie folgende Liste zeigt. Nicht immer lässt sich jedoch klar herausstellen, welche Zertifizierung wirklich vorliegt, da die Herstellerseiten diesbezüglich manchmal Lücken offenbaren und die Produktlisten bei der VESA nicht alle Modelle aufführen.

Von Nvidia unter G-Sync Ultimate geführte Monitore (Stand 18.01.2021)
Monitor mit „G-Sync Ultimate“ DisplayHDR-Standard
MSI MEG381CQR HDR 600
LG 34GP950G HDR 600
HP OMEN X Emperium 65 HDR 1000
Dell AW3821DW HDR 600
Dell AW2721D HDR 600
AOC AG274QG ?
AOC AG353UCG HDR 1000
Asus PG35VQ HDR 1000
Asus PG32UQX HDR 1400
Asus PG27UQ HDR 1000
Asus PG65UQ HDR 1000
Acer X35 HDR 1000
Acer X34S* HDR 400*
Acer X32 HDR 1400
Acer X27 HDR 1000
Acer CP7271K HDR 1000
*laut Hinweisen aus dem chinesischen Handel

Nvidia spricht nur noch von „Lifelike HDR“

Augenscheinlich wurden die Richtlinien von Nvidia für G-Sync Ultimate ohne Ankündigung und somit heimlich geändert. Auf der eigenen Webseite von Nvidia steht in der Beschreibung von G-Sync Ultimate sowie im Vergleich zu G-Sync und G-Sync Compatible nun nichts mehr von „1000 nits“ bezogen auf HDR, stattdessen findet sich dort die Floskel „Lifelike HDR“ wieder, die offenbar großen Spielraum bei der geforderten Helligkeit der Monitore lässt.

Warum Nvidia die Anforderungen demnach herabgesetzt hat und warum dies nicht öffentlich kommuniziert wurde, bleibt vorerst unbeantwortet. ComputerBase hat bei Nvidia nachgefragt, kurzfristig aber noch keine Antwort erhalten.

Update 19.01.2021 12:23 Uhr

Inzwischen liegt der Redaktion eine offizielle Stellungnahme (weiter unten im Original) von Nvidia zu der Thematik vor. Demnach habe Nvidia gegen Ende des vergangenen Jahres G-Sync Ultimate „um neue Display-Techniken wie OLED und Edge-Lit-LCDs erweitert“, heißt es im Wortlaut. Dass diese Anpassung heimlich geschah, wurde abseits des Statements dementiert, davon mitbekommen haben allerdings offensichtlich nur wenige. OLEDs mit technisch bedingt geringerer Leuchtkraft und Edge-Lit-LCDs mit mehreren Leuchtzonen sollten durch die Anpassung Berücksichtigung finden. Zudem sei G-Sync Ultimate nie allein durch die Helligkeit definiert worden, eine Zertifizierung nach DisplayHDR 1000 sei ebenso kein zwingendes Erfordernis gewesen.

Der Acer X34S mit DisplayHDR 400 sei fälschlicherweise auf der Nvidia-Liste für G-Sync Ultimate gelandet, was jetzt korrigiert werde.

In der Tat bieten OLED-Displays hervorragende HDR-Eigenschaften dank des sehr niedrigen Schwarzwertes, obwohl diese nicht so hell leuchten wie manche LCDs, sodass die Berücksichtigung dieser durch eine Anpassung bei G-Sync Ultimate durchaus nachvollziehbar erscheint. Letztendlich lässt sich die HDR-Tauglichkeit nicht allein an der Spitzenhelligkeit eines Displays festmachen. Bei herkömmlichen Edge-Lit-Displays mit wenigen Leuchtzonen lässt sich über einen „bemerkenswerten Kontrast“ und „Lifelike HDR“ aber sicherlich streiten.

Late last year we updated G-SYNC ULTIMATE to include new display technologies such as OLED and edge-lit LCDs.

All G-SYNC Ultimate displays are powered by advanced NVIDIA G-SYNC processors to deliver a fantastic gaming experience including lifelike HDR, stunning contract, cinematic color and ultra-low latency gameplay. While the original G-SYNC Ultimate displays were 1000 nits with FALD, the newest displays, like OLED, deliver infinite contrast with only 600-700 nits, and advanced multi-zone edge-lit displays offer remarkable contrast with 600-700 nits. G-SYNC Ultimate was never defined by nits alone nor did it require a VESA DisplayHDR1000 certification. Regular G-SYNC displays are also powered by NVIDIA G-SYNC processors as well.

The ACER X34 S monitor was erroneously listed as G-SYNC ULTIMATE on the NVIDIA web site. It should be listed as “G-SYNC” and the web page is being corrected.

Nvidia