Steelrising im Test: Spielkritik und Fazit

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Wolfgang Andermahr (+1)
128 Kommentare

Wie gut ist Steelrising?

Steampunk, Frankreich, 18. Jahrhundert, Französische Revolution, dort aber statt Demokratie Killer-Roboter, mit denen ganz Paris anstelle von lediglich König Ludwig eine Kopflänge gekürzt wird: Steelrising nutzt eine spannendes Setting für ein Soulslike. In einem wesentlichen Punkt unterscheidet es sich jedoch nicht von früheren Projekten seiner Erbauer.

Klingt gut, aber...

Insgesamt bewerten Tester Steelrising als durchschnittliches Spiel. Szenario und Ästhetik, insbesondere die Kostüme und Gegner, faszinieren laut Berichten zwar, ausgenommen dieses Highlights bewegt sich der Souls-Titel aber in gewohnten Bahnen seines Genres, ohne dabei besonders innovativ zu sein oder zu brillieren. Im Gegenteil: Schon die Story erscheint in mäßiges Licht getaucht, laut Twinfinite braucht es zudem Hintergrundwissen, um Figuren einordnen zu können.

Viel besser gerät auch das kumulierte Urteil über das Kampfsystem nicht. Fähigkeiten bis hin zum Blocken bindet Steelrising an Waffen und orientiert sich eher an einem Bloodborne, das aggressives Vorgehen fordert, schreibt Gamespot. Der Ablauf der Kämpfe wird jedoch oft als eintönig empfunden, weil sich Gegner leicht lesen lassen oder kaum gelesen werden müssen, die Schwierigkeit selbst der Bossbegegnungen sei zudem niedrig – ausgerechnet in einem Soulslike, das davon lebt. Dass dies vor allem in der zweiten Hälfte von Steelrising der Fall sein soll, erklärt die wenigen lobenden Wertungen: Es wird hier an Spielzeit fehlen. Schwer werden muss es aber gar nicht, denn Gegnerschaden, Lebenspunkte und Co können reduziert beziehungsweise erhöht werden, was das Soulslike so leicht wie gewünscht macht.

Gute Optik ist nicht alles

Bei allem Aussehen gelingt auch das Leveldesign nicht auf höchstem Niveau. In nahezu jedem Test findet sich eine Kante, sei es gelegentlich gleichförmig aussehende Areale, unklare Spielerführung, unsichtbare Wände oder langwieriges Backtracking, das punktuell den Spaß trübt. Destructoid befindet deshalb, dass Steelrising als lineares Actionspiel im Stil eines Batman: Arkham besser gelungen wäre. Im Grunde gilt auch hier, dass dem Spiel letztlich der Feinschiff zu fehlen scheint. Wohl auch deshalb bleiben viele Berichte eher kurz – was mehr gibt es noch zu sagen, außer, dass trotz mangelnder Perfektion noch ausreichend Spaß im Spiel steckt?

Am Ende nur ein Spiel unter vielen

Steelrising ist, wie IGN hervorhebt, am Ende ein Souls-Spiel unter vielen, dem es laut GamePro an Highlights fehlt und das die bekannte Formel nur passabel umsetzt. Das Prädikat „Lückenfüller“ trifft den Tenor vieler Rezensenten deshalb gut. Damit passt es perfekt zu anderen Spielen aus dem Hause Spider: Wie GreedFall, The Technomancer und Of Orcs and Men hat Steelrising eine ungewöhnliche, ambitionierte Idee, schöpft sein Potential aber nicht aus.

Wertungsüberblick für Steelrising
Publikation Wertung
Destructoid 7/10
Game Pro 68/100
Gamepressure 6.5/10
GameSpew 7/10
GameSpot 7/10
Rock, Paper, Shotgun
Screenrant 4/5
Twinfinite 3.5/5
Metacritic (PC) Presse: 70/100
Nutzer: -/10

Fazit

Inhaltlich hat Steelrising viele gute Ansätze zu bieten, aber sie bleiben auf der Strecke. Genauso sieht es auch mit der Technik der PC-Version aus. Das Art Work ist gelungen und auch wenn die Grafik nicht mit einer Großproduktion mithalten kann (dafür ist das Entwicklerteam ohnehin zu klein) macht die Optik Spaß.

Überhaupt keinen Spaß macht aber die Performance, denn die ist einfach nur schlecht. Die maximalen Grafikdetails sind auf einer AMD Radeon jenseits von Full HD auch auf einer Radeon RX 6950 XT nicht spielbar, während die schnellsten Nvidia-Grafikkarten gerade so noch WQHD packen, aber dann in Ultra HD aufgeben.

Doch auch mit reduzierten Grafikdetails sind die Anforderungen sehr hoch und Upsampling ist auch bei sehr schnellen Grafikkarten ein Muss. Das Spiel bietet Nvidia DLSS und AMD FSR 1.0.

GeForce RTX hat in Steelrising mit DLSS große und wichtige Vorteile

Damit sind GeForce-Grafikkarten in Steelrising den Radeon-Pendants auch abseits der generell höheren Frameraten klar voraus, denn DLSS ist qualitativ FSR 1.0 weit überlegen. Mit FSR 2.0 bietet AMD zwar bereits eine bessere Alternative an, doch die temporale neue Variante haben die Entwickler trotz Open-Source-Quellcode und DLSS-Implementierung noch nicht integriert.

Die Entwickler sollten die Performance des Spiels eigentlich kennen um daraus zu schließen: Ohne FSR 2 als Gegenstück zu DLSS hätte das Spiel auf dem PC einfach nicht erscheinen dürfen.

Auch bei Texturen und Raytracing gibt es Probleme

Abseits der FPS-Probleme ist es fraglich, warum es die höchste Texturstufe überhaupt in die finale Version geschafft hat. Denn wirklich fehlerfrei läuft diese nur auf der GeForce RTX 3090 sowie der RTX 3090 Ti, da diese über 24 GB VRAM verfügen. Selbst bei 16-GB-Grafikkarten gibt es leichte Problem, die bei noch weniger Speicher zu großen werden. Und die maximalen Texturen sehen zwar besser aus als die zweithöchste Stufe, doch steht der Speicherverbrauch in keinem Verhältnis zum optischen Gewinn.

Das kleinste Problem des Spiels ist da noch die Umsetzung von Raytracing, denn die implementierten RT-Reflexionen sind quasi nie zu sehen. Nur die Spielfigur reflektiert farblos in ausgewählten Fenstern. Immerhin kostet das Feature dafür auch nur wenig Leistung, wobei man jedes Quäntchen in Steelrising besser an anderer Stelle investieren sollte.

Steelrising im Technik-Test

Es liegt noch viel Arbeit vor den Entwicklern

Egal welche optischen Reize Steelrising hat, die PC-Version wirkt, als wäre sie noch lange nicht fertig und hätte noch einige Wochen oder gar Monate an Arbeit benötigt. Die Kombination aus schlechter Performance, massivem VRAM-Verbrauch, quasi nicht vorhandenem Raytracing und FSR-2.0-Verzicht sind am Ende zu viele Probleme, um mit gutem Gewissen aus technischer Perspektive schon Anfang September zum Kauf zu raten. Das ist schade, denn Potenzial hat das Spiel genug. Technisch sowie spielerisch.

ComputerBase hat Steelrising vom Publisher Nacon zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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