Radeon RX 7600 MBA: AMD kündigt überarbeitetes Referenzdesign an

Update Fabian Vecellio del Monego
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Radeon RX 7600 MBA: AMD kündigt überarbeitetes Referenzdesign an

Gestern hat die Radeon RX 7600 (Test) für rund 300 Euro den Handel erreicht. Interessenten des Referenzdesigns von AMD sollten allerdings vor dem Kauf die eigenen Stromkabel prüfen: Unter Umständen lassen sich 6+2-Pin-Stecker nicht ordnungsgemäß mit der neuen Grafikkarte verbinden.

Zu wenig Platz für einige 2-Pin-Stecker

ComputerBase hatte das MBA-Modell („Made by AMD“) im Test. Und bei eben diesem Referenzdesign mit 8-Pin-Anschluss kann es zu einem Problem mit einigen Stromsteckern kommen. Denn bekanntlich gibt es nicht nur native 8-Pin-Stecker, sondern auch 6+2-Pin-Stecker, bei denen ein 6-Pin-Anschluss für gemäß Spezifikation maximal 75 Watt mit zwei weiteren Pins für insgesamt 150 Watt gerüstet wird. Und einige solche 6+2-Pin-Stecker lassen sich nicht ordnungsgemäß mit der Radeon RX 7600 MBA verbinden, wie zunächst TechPowerUp und Igor's Lab berichteten.

Enger 8-Pin-Anschluss der Radeon RX 7600 MBA
Enger 8-Pin-Anschluss der Radeon RX 7600 MBA (Bild: TechPowerUp)
2-Pin-Stecker mit ausladender Führungsschiene
2-Pin-Stecker mit ausladender Führungsschiene (Bild: TechPowerUp)
2-Pin-Stecker ohne ausladender Führungsschiene
2-Pin-Stecker ohne ausladender Führungsschiene (Bild: TechPowerUp)

Konkret geht es um 6+2-Pin-Stecker, deren 2-Pin-Modul mit einer eigenen Führung daherkommt. Betroffen sind damit unter anderem die Kabelstränge einiger Seasonic-Netzteile und diverse gesleevte Kabel von Drittanbietern. Ein Überblick, welche Hersteller die eigenen Kabel mit einer entsprechenden Führungsschiene versehen, fehlt bislang. Entsprechende Hinweise sind in den Kommentaren gerne gesehen.

Verfügen deine 2-Pin-Stecker über die in den Bildern gezeigte Führungsschiene?
  • Ja, bei einem Netzteil von Asus.
    0,7 %
  • Ja, bei einem Netzteil von be quiet!.
    19,2 %
  • Ja, bei einem Netzteil von Chieftec.
    0,5 %
  • Ja, bei einem Netzteil von Cooler Master.
    0,5 %
  • Ja, bei einem Netzteil von Corsair.
    8,6 %
  • Ja, bei einem Netzteil von EVGA.
    0,5 %
  • Ja, bei einem Netzteil von Seasonic.
    12,2 %
  • Ja, bei einem Netzteil von Silverstone.
    0,0 %
  • Ja, bei einem Netzteil von Thermaltake.
    1,8 %
  • Ja, bei einem Netzteil von Xilence.
    0,7 %
  • Ja, bei einem Netzteil eines anderen Herstellers.
    5,9 %
  • Ja, bei Modding-Kabeln eines Drittanbieters.
    0,9 %
  • Nein, meine 2-Pin-Stecker haben diese Führungsschiene nicht.
    45,1 %
  • Nein, ich habe keine Kabel mit 6+2-Pin-Stecker.
    8,6 %

ComputerBase kann die Probleme bei einigen 6+2-Pin-Kabeln reproduzieren. Kabel mit nativem 8-Pin-Stecker sind wiederum nach aktuellem Kenntnisstand nicht betroffen. Die Ursache findet sich bei der Backplate des MBA-Designs, die entsprechenden 6+2-Pin-Steckern zu wenig Platz lässt. Eine Lösung kann es daher sein, die Backplate zu entfernen oder aber einen Adapter mit passenden Stecker zu kaufen.

Nicht jeder 6+2-Pin-Stecker passt mit montierter Backplate (Bild: TechPowerUp)

Stecker sollten immer eingerastet sein

Grundsätzlich lässt sich eine Radeon RX 7600 MBA auch mit nicht ganz bündig eingestecktem 6+2-Pin-Stecker betreiben. Aus technischer Sicht ist das aber selbstredend nicht ideal, da die Verbindung der Kontakte auf diesem Wege kompromittiert wird. Bei einer TDP von 165 Watt im Fall der Radeon RX 7600 und der Spezifikation von 150 Watt Leistung für einen 8-Pin-Anschluss ist ein Durchschmoren der Steckverbindung, wie anfangs bei nicht korrekt eingerasteten 12VHPWR-Steckern und Leistungsaufnahmen jenseits der 450 Watt berichtet wurde, zwar wesentlich unwahrscheinlicher; nach Möglichkeit sollte ein Betrieb mit nicht vollständig eingerasteten Stecker aber immer vermieden werden.

Offen bleibt vorerst die Frage, wer an der Inkompatibilität einiger Stecker letztlich die Schuld trägt. Die PCIe-Spezifikationen (PDF zum Download, Abschnitt 8.3) sehen entsprechende 6+2-Pin-Stecker mit Führungsschiene am 2-Pin-Modul genaugenommen nicht vor; empfohlen wird lediglich, die Abmessungen eines nativen 8-Pin-Steckers zu übernehmen. Explizit untersagt sind abweichende Konstruktionen nicht und im Handel finden sich zahlreiche Netzteile mit solchen Kabelsträngen – und dessen hätte sich AMD bewusst sein müssen.

MBA-Modelle der Radeon RX 7900 XT(X) sind (nicht) betroffen

Die MBA-Modelle der Radeon RX 7900 XT und RX 7900 XTX (Test) sind von diesem konkreten Problem nicht betroffen, denn die je zwei 8-Pin-Anschlüsse sind bei den beiden Navi-31-Grafikkarten andersherum positioniert: Die „Arretierungsnase“ der Stecker befindet sich bei ihnen auf der Unterseite, also vom PCB weggerichtet und nicht, wie bei der Radeon RX 7600 MBA, auf der Rückseite der Platine. Allerdings konnte es auch bei den beiden High-End-Radeons schon zu ähnlichen Problemen mit den Referenzdesigns kommen. Dort lassen sich die Kabel aber in der Regel trotz enger Abmessungen bündig einstecken, wenn ein wenig kräftiger gedrückt wird.

Update

Gegenüber TechPowerUp gab AMD in einer Stellungnahme zu verstehen, dass die Radeon RX 7600 als MBA-Modell erst in den kommenden Wochen den Handel erreichen werde. Das dann verkäufliche Referenzdesign sei explizit für alle Arten von Stromkabeln geeignet. Dementsprechend ist von einem in Relation zu den Testmustern für die Presse leicht abgeänderten Design der Backplate auszugehen, das eventuellen Führungs­schienen an 2-Pin-Steckern nicht im Wege steht.

We are very pleased with the volume of Radeon RX 7600 cards available globally from our AIB partners. We expect RX 7600 reference design cards to be available over the coming weeks with a design that accommodates all power supply cables.

AMD

Die schnelle Reaktion und Ankündigung abgeänderter Grafikkarten legen nahe, dass sich AMD der Inkompatibilität zu einer Auswahl an Netzteilen bereits im Vorfeld der Berichterstattung bewusst war, den bereits organisierten Launch-Zeitplan aber dennoch einhalten und die Presse rechtzeitig mit Testmustern versorgen wollte. Da AMD aber auf weitere Erklärungen oder aber gar ein entsprechendes Schuldeingeständnis respektive Schuldzuweisungen verzichtet, bleibt das Spekulation.