Axion: Arm-CPU für die (AI-)Cloud wird laut Google sauschnell

Volker Rißka
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Axion: Arm-CPU für die (AI-)Cloud wird laut Google sauschnell
Bild: Google

Schon lange gemutmaßt, nun ist er da: Google Axion ist der erste eigene Server-Chip des Konzerns und markiert einen Meilenstein: Bis auf Apple hat jetzt quasi jeder Branchenriesen in dem Segment eine Eigenentwicklung zu bieten und ist nicht mehr per se auf AMD oder Intel angewiesen.

Google hält sich bedeckt

Das Problem an der Ankündigung von Google Axion: Es gibt überhaupt keine technischen Details, außer das, was sich an zwei Bildern ableiten lässt. Demnach handelt es sich um einen monolithischen Chip, der in einem BGA-Package sitzt. Das Pressebild zeigt den Einsatz von DDR5-Speicher über mehrere Kanäle, es könnten eventuell sechs pro Seite sein, möglich wären auch acht. Aber auch dies lässt am Ende Spielraum, so ist alles von einem Sechs-, Acht-, Zwölf- oder 16-Kanal-Speicherinterface möglich.

Google Axion
Google Axion (Bild: Google)

Lieber Arm dran, als Arm ab?

Natürlich gibt es auch keine Angaben zur Anzahl der Kerne, dem Takt, TDP, PCIe, unterstützten Protokollen oder der Skalierbarkeit – geht Dual-Sockel oder sogar noch (viel) mehr? Fakt ist jedoch, dass Google mit Axion vor allem erst einmal in Richtung x86-Server zielt und diese aus den eigenen Datacentern werfen will, aber auch fremde Arm-Chips sind dann vermutlich weniger gern gesehen.

Axion processors combine Google’s silicon expertise with Arm’s highest performing CPU cores to deliver instances with up to 30% better performance than the fastest general-purpose Arm-based instances available in the cloud today, up to 50% better performance and up to 60% better energy-efficiency than comparable current-generation x86-based instances1.

Google

Wie Google erklärt, will das Unternehmen mit dem eigenen Chip überall besser sein als das, was aktuell dort verfügbar ist. Auf Basis von Arm Neoverse v2 sollen die Kerne im Gesamtpaket andere Arm-Lösungen um 30 Prozent übertreffen, gegenüber x86-Chips sollen es sogar 50 Prozent mehr Leistung sein, auch eine 60 Prozent höhere Effizienz ist genannt – immer bezogen auf Googles Lasten, aber genau dafür ist Axion auch entwickelt worden.

Kein Alleingang in der Branche

Das ist eine klare Kampfansage an Intel und AMD, die nicht über Nacht aus der Cloud verschwinden werden, aber in speziellen Bereichen Konkurrenz bekommen – so wie es Amazon mit Millionen Graviton-Chips bereits vorgemacht hat. Microsoft geht mit Azure Maia 100 und Cobalt 100 denselben Weg. Dass Google diesem Vorbild folgt, war deshalb zu erwarten. Konsequenterweise sollte auch Apple in naher Zukunft Apple Silicon in der eigenen Cloud einsetzen.

Die vielen eigenen Chips auf Arm-Lizenz-Basis sind am Ende aber ein Problem für die Hersteller, die selbstständig Arm-Chips für den Profi-Markt bauen und so bisher das Glück hatten, aufgrund der Einzigartigkeit auch bei den großen Cloud-Anbietern zu landen. Ampere Computing, denen ComputerBase diese Woche zur embedded world 2024 einen Besuch abstattete, hat die Zeichen zum Teil bereits erkannt und sucht zusätzliche Märkte.

Was Googles Prozessor letztlich wirklich kann und bietet, wird erst in den kommenden Monaten bekannt. Vor Ende des Jahres soll das erste System jedoch stehen.