Exzessive Überstunden und wiederholt gerissene Deadlines sind einzig und allein ein Zeichen von massiv gescheitertem Management. Die "Crunchtime"-Praktik in der Spielebranche ist zurecht massiv in Kritik geraten - und CDPR ist ja garantiert nicht am schlimmsten, da dort wenigstens noch Arbeitsgesetze die Bezahlung der Überstunden erzwingen.
Dass man jetzt trotz mehrmaliger Terminverschiebung wieder verpflichtende Mehrarbeit von einem ganzen Wochentag einführt, spricht nicht dafür, dass das Management bei CDPR viel dazugelernt hätte, obwohl man das vorher öffentlichkeitswirksam ausgeschlossen hat. Ausbaden tun es ja sowieso alle anderen. Und ich bin weiß Gott froh, dass ich nicht dort arbeite, wo das selbst betroffene Arbeitnehmer regulär verteidigen. Ich gönne allen Mitarbeitern, dass sie das Wochenende für sich nutzen können, und zum Beispiel Zeit mit ihren Kindern verbringen dürfen. Arbeit zu machen, die man gerne tut, ist gut, aber nicht jeder möchte dafür leben. Genauso wie ein Arbeitgeber sich auf den Arbeitsvertrag für die Erfüllung meiner Pflichten verlassen will, will ich das auch als Arbeitnehmer. Für mich gehört dazu auch die verlässliche Bezifferung der Arbeitszeiten.
Natürlich, es kann mal passieren, dass aus Not Überstunden nötig sind, wenn z.B. Personal ausfällt. Wenn es aber die Regel bei jedem Projekt wird - und viele Studios kalkulieren auf Gedeih und Verderb so - dann ist das Problem im Unternehmen systemisch und auf Kosten der anderen Beschäftigten. Und leider ist das nicht beschränkt auf die Spielebranche. Dass es andere auch tun, macht es für mich nicht normaler oder akzeptabler.