Geduze in Firmen und Restaurants

rallyco schrieb:
Im Normalfall ist das für mich das "Sie". Das hält erstmal eine gesunde Distanz, bis die Fronten einigermaßen geklärt sind und man abgeklopft hat, wie das Gegenüber drauf ist.
Dazu braucht man aber das "Sie" nicht. Herr Schmidt kannst du, funktioniert wunderbar auch im Ausland. Ein "Du" bedeutet nicht gleich man müsste nur noch Vornamen verwenden und einen auf Buddy machen.

Wir machen es uns schlichtweg kompliziert, wo es auch einfacher geht. EIn gutes Beispiel ist das schwachsinnige Gendern, im Englischen gibt es dann halt weibliche und männliche Fußballer, wenn man unbedingt das Geschlecht nennen möchte.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: DeadEternity
"Guten Tag, Herr Schmidt, wie geht es dir?"
Ach komm, jetzt wird's albern.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Moritz Velten und Whetstone
Dann hat man die Unterscheidung nach Höflichkeitsform durch die Verwendung von "Herr" und des Nachnamens. Kommt an dieser Stelle auf effektiv das selbe raus, das Sie als grammatikalisches Konstrukt wäre dann reine Redundanz (die zur Fehlerkorrektur und besserem Verständnis in Sprachen ja häufig vorkommt. Braucht denn das Französische zu jedem "ne ..." ein "pas"?)

xexex schrieb:
EIn gutes Beispiel ist das schwachsinnige Gendern, im Englischen gibt es dann halt weibliche und männliche Fußballer, wenn man unbedingt das Geschlecht nennen möchte.
Was ja, wie dein in Deutsch verfasster Satz zeigt, im Deutschen ebenso der Fall ist. "Ein Autofahrer" in Deutschland bezeichnet jawohl absolut selbstverständlich einen "Autofahrer beliebigen Geschlechts". Jeder, der behauptet, man würde damit ausschließlich Männer meinen, ist das Problem. Aber das gehört nicht in diesen Thread, sorry für OT.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Whetstone
In Firmen meiner Erfahrung nach nicht unüblich.
In Restaurants würde ich es mir verbitten.
Wer in irgendwelchen Spelunken diniert, der muß sich wohl auch duzen lassen...
 
simpsonsfan schrieb:
Dann hat man die Unterscheidung nach Höflichkeitsform durch die Verwendung von "Herr" und des Nachnamens.
Richtig! Deshalb ist eben die Behauptung man bräuchte ein "Sie" schlichtweg falsch. Ein höflicher Umgang benötigt es nicht, es ist bestenfalls eine Sache der Gewohnheit, die sich über die Jahre so entwickelt hat.

Vor vielen Jahren ist "möchte er" und "möchte der Herr" zusammen mit dem Adel untergegangen, wenn es nach mir geht können wir das "Sie" ebenfalls direkt begraben. Letztendlich scheint sich die Sprache aber schlichtweg genau in die Richtung zu entwickeln, diesmal unter anderem deshalb, weil diese Form in der englischen Sprache so nicht vorhanden ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
M-X schrieb:
klingt total bekloppt.
Wohl nur dann, wenn man sich rein auf deutscher Ebene bewegt. Für jeden der im internationalen Geschäft tätig ist praktisch Normalität. "Macht Sinn" hat sich in der deutschen Sprache bereits fest eingebürgert, obwohl es diese Kombination nur gibt, weil es aus dem englischen "makes sense" 1zu1 übersetzt wird.

Sprache entwickelt sich, ein "Du" in einem Unternehmen wäre früher undenkbar, weiße Turnschuhe zum Anzug übrigens ebenfalls. Bekloppt klingt es für dich nur, weil du es vermutlich nicht gewohnt bist, aber ein "Du" bedeutet nun mal nicht, man würde sich nur noch per Vornamen ansprechen. Mach das mal in einem Konzern, dann weiß niemand mehr um wen es geht, und in einem Restaurant kann man gerne per "Du" sein, die Reservierung läuft aber kaum auf "Thomas" oder "Sven", sondern nun mal auf einen Nachnamen.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: DeadEternity und KitKat::new()
Ich finde diese Unterscheidung Du/Sie per se überflüssig, der Ton macht die Musik, nicht das Personalpronomen und dass man dann auch noch groß oder klein schreiben kann macht es noch unsinniger.

Bei uns in der Firma duzen sich alle, inkl. GF, ich empfinde das als angenehmer/natürlicher als dieses Gesieze. Privat nutze ich "Sie" auch sehr selten, im Prinzip wenn ich davon ausgehe, dass es mein Gegenüber so erwartet.

Die Höflichkeitsformen haben ihre Ursprünge darin, dass Standesunterschiede in der Sprache Einzug fanden und vermieden wurde den höheren Stand direkt anzusprechen (zuerst mit Plural "Ihr", später dann in der dritten Person "Er" und irgendwann dann in der Kombination aus dritter Person und Plural "Sie"). Eigentlich logisch dass sich das in einer Gesellschaft die ihre Individuen prinzipiell gleichberechtigt sieht auch wieder zurück entwickelt.

Edit: Ich empfinde "Sie" auch nicht als respektvoller, Respekt ist ja keine Einbahnstraße - ich bin der Abteilungsleiter und hier darf mich jeder Ferienarbeiter, jede Reinigungsfachkraft, jeder Azubi usw Duzen, das ist dann mein Respekt gegenüber Kollegen.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: DeadEternity und xexex
Wenn glaubt das Siezen irgendwas mit Respekt zu tun hat und mehr als eine Worthülse ist, der glaubt auch an echte Liebe zwischen deutschen Rentnern und jungen Frauen aus Thailand :p
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Hatecore und DeadEternity
xexex schrieb:
Funktioniert in den meisten anderen Sprachen genau so...
Und wir sollen anderen Sprachen jetzt nacheifern warum genau?
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Whetstone
xexex schrieb:
Deshalb ist eben die Behauptung man bräuchte ein "Sie" schlichtweg falsch.
Naja, die eigene Behauptung von @rallyco, das Sie zu brauchen, kann man so hinnehmen oder behaupten, das sei falsch. Meine Argumentation wäre in der Hinsicht, dass man (also bspw. rallyco und ich) das Sie in diesem Kontext aus Gewohnheit brauchen. Gerade die Tatsache, dass das sprachlich so gewachsen ist und wir eben nicht nur die Du-Form gelernt haben, lässt dann mMn diese Notwendigkeit entstehen. Sonst kann man nämlich die komplette Sprache direkt über den Haufen werfen. Hätten wir alle Japanisch als Muttersprache, bräuchten wir das Deutsche nicht.
Ich könnte genauso gut gegenfragen, ob du @xexex denn das Du benötigst. Warum machst du es nicht wie im Englischen und verwendest nur noch die Pluralform (welche you ggü. dem vorherig noch existenten thou darstellte)?
Sprache wandelt sich, aber nicht von heute auf morgen, sondern etwas langsamer, über mehrere Generationen.

Zum Thema Sinn machen möchte ich an der Stelle dann übrigens noch die Behauptung aufstellen, dass es das im Deutschen bereits vor verbreiteter Entlehnung aus dem Englischen gab. Laut diesem Link bspw. bereits bei Martin Luther und somit evtl. vor Entstehen der Neuenglischen Sprache. (Also kann es nicht aus dem Neuenglischen entlehnt sein.) Oder auch bei Goethe 1837 ("Sie sind theils als Solo, Duett, Chor gesetzt und unglaublich original, ob man gleich sich erst einen Sinn dazu machen muß."; ich hoffe, das ist authentisch, findet sich zumindest auch in Projekt Gutenberg ), damit also auch deutlich vor der heutigen Globalisierung.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Whetstone und rallyco
@rallyco : Danke.

Wobei mir auch hier sehr die Gewohnheit in deiner Erklärung herein spielt. Respektvoll geht in vielen anderen Sprachen auch ohne das Siezen. Und noch "spannender" wird es, wenn man die Entstehungsgeschichte dazu nimmt, die bei "Gewohnheiten" natürlich beachtet werden sollte. Warum möchtest du z.B. Jugendliche als "Herrscher" ansprechen? Das Siezen ist ja dafür erfunden worden, (alleine) den Respekt hat man zuvor über die indirekte Anrede erbracht.

xexex schrieb:
Wir machen es uns schlichtweg kompliziert, wo es auch einfacher geht. EIn gutes Beispiel ist das schwachsinnige Gendern, im Englischen gibt es dann halt weibliche und männliche Fußballer, wenn man unbedingt das Geschlecht nennen möchte.

Dann wäre der Schwachsinn aber die Artikel bei uns, die das ganze Problem ja erst erzeugen.

simpsonsfan schrieb:
Was ja, wie dein in Deutsch verfasster Satz zeigt, im Deutschen ebenso der Fall ist. "Ein Autofahrer" in Deutschland bezeichnet jawohl absolut selbstverständlich einen "Autofahrer beliebigen Geschlechts". Jeder, der behauptet, man würde damit ausschließlich Männer meinen, ist das Problem. Aber das gehört nicht in diesen Thread, sorry für OT.

Kurz zum OT: Wenn dem so wäre, warum gibt es denn dann die weibliche Form "Autofahrerin" und nicht einfach einen weiblichen Autofahrer? Also deine Erklärung hinkt daran, dass es eben auch eine weibliche Form gibt samt passenden Artikel dazu. Sonst wäre ein Artikel (Bspw. ein "De") ohne weibliche Form die logische Konsequenz in der Sprachentwicklung gewesen, wenn "Autofahrer" für alle gelten würde. Ansonsten gibt es mit deiner Erklärung eine Bezeichnung für alle und eine für weibliche Personen, aber gar keine für männliche? Oder gilt Autofahrerin auch für Menschen beliebigen Geschlechts? Wäre mit deiner Erklärung ja nur logisch.

Und noch mehr OT: Frauen dürfen übrigens erst seit 1958 ohne Erlaubnis Ihres Mannes / Vaters den Führerschein machen.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: KitKat::new()
@H3rby Hab darauf mal per PN geantwortet, weil meine Antwort zu lang und zu OT ist. :-)
 
Lt. Knigge hat jede volljährige Person ein Recht darauf mit „Sie“ angesprochen zu werden. Dies ist die Regel, das „Du“ demnach die Ausnahme.”

So halte ich das auch.

Wird mir das Du angeboten, nehme ich das natürlich an.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Whetstone
Ich mag es auch nicht von Patienten geduzt zu werden, toleriere es aber.
Ich wiederum bleibe beim Sie! Immer! Auch bei Patienten, die erst die Volljährigkeit frisch erreicht haben. Bei Kindern quäle ich mir das Du heraus (zum Glück nur selten Kinder).

Bei Kollegen und Ärzten ist das ganz anders. Vor allem auf ITS und in der Psychiatrie wird i.d.R. auch der Chefarzt samt Vornamen geduzt. Da habe ich auch keine Berührungsängste.

Frech finde ich es, wenn ich mal was online bestelle und ich von der Onlineseite geduzt werde. Oder von 'ner Bank.
Oder auch in 'nem Laden von 'nem Kassierer.
Da bin ich doch recht spießig.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: prh
Ich denke der Knigge hilft bei dem Thema nicht weiter, Veränderungen in der Sprache finden nunmal zuerst im Alltagsgebrauch statt und erst wenn sich etwas etabliert hat findet es nach und nach Einzug in Werke wie Duden oder gar Knigge, das liegt in der Natur der Sache.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: H3rby, KitKat::new(), mental.dIseASe und 2 andere
xexex schrieb:
Wohl nur dann, wenn man sich rein auf deutscher Ebene bewegt.

Bekloppt klingt es für dich nur, weil du es vermutlich nicht gewohnt bist
Ich arbeite in einem Internationalen Unternehmen, die Sprache in der Arbeit ist zu 95% English sowohl mit Kollegen/Kunden als auch in Schriftform. Das von dir genannt Konstrukt nutzt bei uns niemand. Man spricht sich mit dem Vornamen an.
 
Ich versteh nicht, wie ein Stock im Gesäss einiger Leute so tief stecken kann, dass man so hart auf Titel und "Sie"-Form besteht.

Klar verstehe ich es, dass man den Bundeskanzler nicht mit "Olaf, Abi" ansprechen soll, aber - insbesondere bei den Österreichern - in jeder Anrede die x-Titel zu nennen und am liebsten noch im Pluralis Majestatis ansprechen soll, ist auch nicht wirklich zielführend und auch nicht mehr zeitgemäss.

Daher bin ich froh, dass in der Schweiz weitgehend das "Professionelle Du" im kommen (bzw. oftmals sogar die Norm) ist.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: DeadEternity und Skaiy
Und ich verstehe nicht, warum man die Meinung und die Befindlichkeiten anderer Menschen so mit Füßen treten muss. Das passt natürlich dann ein wenig dazu, dass man respektvolle Umgangsformen für 'nicht mehr zeitgemäß' hält.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Optiki, h00bi, prh und eine weitere Person
Zurück
Oben