Leserartikel Kolink Observatory Lite Mesh - Budget RGB Airflow Case im Test

Andyt1909

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Inhalt

Einleitung

Nachdem ich in meinem letzten Review zur RTX 3070 - Asus Dual vs. Nvidia Founders Edition bereits erwähnt hatte, dass ich einem Kollegen einen neuen PC zusammenstelle, war es dieses Wochenende endlich soweit und der PC konnte zusammen gebaut werden. In diesem Kurztest soll es, wie der Titel schon erahnen lässt, um das Gehäuse gehen.

Das Kolink Observatory Lite Mesh verspricht guten Airflow dank Mesh Front, wird direkt mit vier vormontierten Lüftern mit ARGB Beleuchtung ausgeliefert und bietet eine Echtglas Seitenscheibe (tempered glass). Kolink selbst scheut keine Superlative und verspricht sogar, das Kolink Observatory Lite Mesh sei "das perfekte Case für High-End Hardware". Das alles zu einem Preispunkt von aktuell knapp über 50€. Ob das Gehäuse diesem Anspruch Stand halten kann, klärt dieser Test.

Vorab noch einmal ein paar Daten im Überblick:

Lüfter vorne:2 x 140 mm / 3 x 120 mm (3 x 120 mm vormontiert)
Lüfter hinten:1 x 120 mm (vormontiert)
Lüfter oben:2 x 120 mm (optional)
Montagemöglichkeiten für Radiatoren:240 / 280 mm (vorne)
Mainboardgrößebis ATX
Abmessungen (BxHxT)190x440x400 mm
Volumen33,44 Liter
CPU-Kühlermax. 160mm Höhe
Grafikkartenmax. 335mm (ohne Radiator, 310mm mit Radiator[nicht getestet])

Weitere Daten können dem verlinkten Datenblatt auf Geizhals.de entnommen werden.

Testsystem & Testziel

Folgende Hardware wurde verbaut:

CPU: Ryzen 7 3700X
CPU Kühler: LC-Power Cosmo Cool LC-CC-120 ARGB-PRO
Mainboard: MSI B550 Gaming Edge Wifi
SSD: Samsung 970 Evo 1 TB
RAM: LC-Power LC-RAM RGB DIMM Kit 32GB, DDR4-3200, CL16
Grafikkarte: ASUS RTX 3070 DUAL OC
Netzteil: NZXT C Series C650, 650W, 80+ Gold, Vollmodular
Gehäuse: Kolink Observatory Lite Mesh

Ich habe das Case bisher immer gerne empfohlen, wenn nach einem Low-Budget Case mit brauchbarem Airflow und großzügiger RGB Beleuchtung gefragt wurde. Weil diese Anforderungen von meinem Kollegen auch gestellt wurden, habe ich für dieses Build ebenfalls das Kolink Observatory Lite Mesh ausgewählt und entschieden das Gehäuse mal auf den Prüfstand zu stellen. Da ich das Case bisher immer nur aufgrund seiner theoretischen Vorzüge, insbesondere in Verbindung mit dem für das Gebotene niedrigen Preises, empfehlen konnte, soll der Test klären, ob ich das Gehäuse weiterhin guten Gewissens empfehlen kann oder ob ich den Leuten, die ich bisher zum Kauf animiert habe, eine Entschuldigung schulde.

Äußerer Eindruck: Design / Verarbeitungsqualität

Insgesamt ist der erste äußere Eindruck grundsätzlich positiv. In den wenigen Reviews, die ich zu dem Gehäuse bisher finden konnte, wurde zum Teil eine schlechte Lackverarbeitung am Seitenteil bemängelt, das konnte ich bei meinem Testexemplar nicht feststellen. Äußerlich wirkt das Case solide verarbeitet und einigermaßen robust. Die Seitenscheibe ist leicht getönt.

Das Mesh Gitter an der Front ist relativ grob, was dem Airflow in der Theorie zu Gute kommt, allerdings auch das Einsaugen von Staub fördert, da sich zwischen dem Mesh Gitter und den Frontlüftern kein Staubfilter befindet. Damit werden die Lüfter mit der Zeit stark einstauben, zum Entstauben muss die gesamte Front gelöst werden. Das ist möglich, aber mit etwas Kraftaufwand verbunden und natürlich nicht besonders bequem. Am Deckel und am Boden des Gehäuses befinden sich zwei magnetische Staubfilter, die wohl ihren Job erledigen werden. Der Filter am Gehäuseboden wird zusätzlich von Metallnasen gehalten, das Befestigen ist etwas fummelig, aber in der Form üblich in der Preisklasse.

Die Proportionen des Gehäuses sind gewöhnungsbedürftig. Den Maßen und dem Volumen kann man bereits entnehmen, dass es sich für ein ATX Gehäuse um eine relativ kompakte Hardware Behausung handelt. Dadurch, dass das Gehäuse weniger tief als hoch ist, wirkt es sehr gestaucht. Die Proportionen wirken auf den Produktbildern harmonischer als der tatsächliche Eindruck, wenn man das Gehäuse vor sich hat. Wie man das ästhetisch bewertet ist natürlich Geschmackssache, von einem objektiven Betrachtungspunkt aus wäre etwas mehr Platz in der Tiefe und auch der Breite vorteilhaft gewesen. Dazu aber später mehr.

Innenraum: Platzverhältnisse / Verarbeitungsqualität

Kommen wir also zum Innenraum. Quasi die Königsdisziplin. In der Theorie muss ein Gehäuse ja nicht viel können, in der Praxis kann ein Gehäuse(hersteller) aber doch überraschend vieles falsch machen.

Wie sieht es also beim Kolink Observatory Lite Mesh aus? Nun, klar ist, dass man bei diesem Preispunkt auf vieles verzichten muss. Modularität ist quasi nicht gegeben. Die Slotblenden für PCIe Karten müssen rausgebrochen werden. Kabeldurchführungen sind selbstverständlich nicht gummiert und überhaupt sind nur die nötigsten Kabeldurchführungen seitlich des Mainboard Trays und auf der Netzteilabdeckung vorhanden. Oberhalb des Mainboard Trays findet sich nur eine Kabeldurchführung in der hinteren, oberen Ecke. Haltepunkte für Kabelbinder auf der Rückseite des Mainboard Trays sind ebenfalls recht spärlich gesät. Und natürlich lässt sich der Deckel auch nicht zur bequemen Montage der Lüfter entfernen.

Generell ist der Bereich hinter dem Mainboard Tray ziemlich verschwendet. Eine Montage von 2,5 Zoll SSDs hinter dem Mainboard ist weder möglich noch vorgesehen. Hier hätte mindestens ein Zentimeter mehr in der Breite des Gehäuses gut getan, da hier zwischen der Rückseite des Mainboard Trays und dem Seitenteil kaum Platz vorhanden ist. Eine SSD könnte man hier nicht montieren, selbst das Kabelmanagement in dem Bereich ist eingeschränkt. Generell lassen die Möglichkeiten zur Montage von 2,5 Zoll SSDs zu Wünschen übrig.

Zwei Montagepunkte befinden sich im Innenraum des Gehäuses auf der Netzteilabdeckung, ein weiterer Montagepunkt befindet sich im Bereich des standardmäßig installierten HDD Käfig unterhalb der Netzteilabdeckung. Die Montage von 3,5 Zoll HDDs kann man meiner Meinung nach nicht wirklich empfehlen, weil der HDD Käfig (Bis zu 2 x 3,5 Zoll HDD) den bereits sehr knappen Platz im Netzteiltunnel noch stärker einschränkt. Entfernt man den Käfig, kann am Boden des Gehäuses dann eine 2,5 Zoll SSD montiert werden, die beim Kabelmanagement auch nicht weiter stören sollte.

Insgesamt ist der Platz im Innenraum des Gehäuses sehr knapp bemessen. Ein ATX Mainboard passt quasi so gerade eben rein. Besonders negativ aufgefallen sind die Abstandshalter für das Mainboard. Die Abstandshalter sind in der Position für mATX Mainboards vormontiert, allerdings sind auch dafür zu wenige Abstandshalter montiert. So waren nur sechs Abstandshalter montiert, aufgeteilt in 3 Reihen. In jeder Reihe fehlte quasi der Abstandshalter für den rechten Teil des Mainboards. Was für einen Laien natürlich bedeutet, dass er das Mainboard bei der Montage oder dem Einstecken von z.B. dem 24-Pin ATX Stecker ungesund verbiegen kann.

Möchte man die Abstandshalter in den ATX Positionen installieren, muss man zwei Abstandshalter lösen und neu positionieren, sowie drei weitere Abstandshalter, die in zwei unterschiedlichen Schraubentütchen verteilt waren, einschrauben. Passendes Werkzeug zum bequemen Einschrauben der Abstandshalter (wie das z.B. bei Phanteks der Fall ist) war natürlich nicht dabei. So kann man die Abstandshalter dann entweder mit einer Zange eindrehen oder mit Hilfe einer in den Abstandshalter eingedrehten Schraube festschrauben, wonach man den Abstandshalter mit einer Zange fixieren musste um die eingedrehte Schraube wieder zu lösen. Unnötig erschwert wurde das ganze noch durch sehr grobschlächtig vorgeschnittene Schraublöcher, von denen mehrere schief waren, sodass die Stellung der Abstandshalter mit einer Zange zurechtgebogen werden musste.

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Der gesamte Vorgang war insgesamt eher anstrengend und hinterlässt zusammen mit den anderen Punkten im Bereich Verarbeitungsqualität im Innenraum eher einen getrübten Eindruck.

Bauprozess (aka Build Quality)

Nun wie sich vielleicht schon erahnen lässt, ließ die Build Quality eher zu wünschen übrig. Das lag zum einen daran, dass Gehäuse einfach sehr eng geschnitten ist. Ein bis zwei Zentimeter in jede Richtung hätten dem Gehäuse sehr gut getan. Und gemessen daran, dass sehr schlichtes Blech verwendet wurde, den Preis vermutlich auch nicht in unerträgliche Höhen getrieben. Die Abstandshalter neu zu positionieren und zurecht zu biegen hat Zeit gekostet und war nervig.

Nachdem das Mainboard außerhalb des Gehäuses vorbereitet wurde (Einsetzen von CPU und Ram, sowie Montage des Kühlers), musste der vormontierte Hecklüfter ausgebaut werden, weil der erforderliche Winkel zum Einsetzen des Mainboards zu steil war, da das I/O Shield des Mainboards so gerade eben unter den Hecklüfter passte. Apropos Lüfter: Neben den vormontierten Lüftern sollten zwei RGB Lüfter am Deckel montiert werden. Ganz normale 120x120x25mm Lüfter mit RGB Beleuchtung. Das war allerdings nicht möglich, weil das Gehäuse so eng geschnitten ist, dass die Lüfter am Deckel mit der Heatsink des Mainboards oberhalb des CPU Sockels kollidierten. Bestenfalls hätte man dort Slim Lüfter montieren können, die gegebenenfalls hinter die Heatsink hätten passen können. Und so außergewöhnlich massiv ist die obere Heatsink beim MSI B550 Gaming Edge Wifi nun auch wieder nicht.

Dazu kommt, dass das Kabelmanagement in dem Gehäuse sich ebenfalls als schwierig gestaltet hat. Direkt hinter dem Mainboard Tray ist so wenig Platz, das bereits das vom Netzteil nach oben geführte 8-Pin EPS Kabel für die Stromversorgung der CPU zu einer leichten Ausbeulung des recht dünnen Seitenteils geführt hat. Optisch nicht stark auffällig, aber man konnte es fühlen und beim Schließen des Seitenteils war deswegen auch etwas Quetschen notwendig. Vermeiden ließe sich das wohl nur, würde man das EPS Kabel durch den Innenraum über das Mainboard führen. Das wiederum würde aber grausig aussehen.

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(Bild wurde der offiziellen Anleitung entnommen und bearbeitet)

Der Rest des Kabelmanagements spielt sich hauptsächlich im Netzteiltunnel und im auf der Abbildung markierten Bereich ab. Im Bereich der Markierung verlaufen dann die Kabel für das Frontpanel, die Frontlüfter, außerdem ist das der einzige einigermaßen bequem erreichbare Bereich, in dem der Controller zu Steuerung der Lüfter unsichtbar montiert werden kann. Denn, wie bereits erwähnt, direkt hinter dem Mainboard ist kaum Platz.

Lüfter und Lüftersteuerung

Was die Lüfter angeht, so verfügen die Lüfter lediglich über einen proprietären Anschluss. Es handelt sich nicht um PWM-steuerbare Lüfter, der RGB Anschluss ist ebenfalls nicht universal. Zur Steuerung der Beleuchtung ist zwingend der Kolink Controller erforderlich. Die Steuerung der Beleuchtung kann dann über eine Fernbedienung erfolgen oder mittels Synchronisation mit der jeweiligen Mainboard Software. Zu diesem Zweck verfügt der Controller über einen 3-Pin ARGB Anschluss zum Mainboard.

Anders als auf der Kolink Produktseite behauptet, lässt sich die Lüfterdrehzahl jedoch nicht über das Mainboard regeln.
Alternative Steuerung der Lüftergeschwindigkeit und Beleuchtung per Mainboard
Wie bereits erwähnt, verfügen die Lüfter nicht über normale 4-Pin PWM Anschlüsse. Manche Hersteller umgehen das, indem man den Controller mit einem Lüfterkabel mit einem PWM Signal versorgt, welches vom Controller dann in eine entsprechende Spannungsregelung der angeschlossenen DC Lüfter umgewandelt wird.

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(Bild wurde der offiziellen Produktseite entnommen)

Das ist mit dem mitgelieferten Controller nicht möglich.

Der Controller bietet lediglich 10 proprietäre Anschlüsse für kompatible Lüfter von Kolink, zwei mit "LED" gelabelte Anschlüsse für kompatible LED Strips, einen SATA Stromanschluss und einen Anschluss für das 3-Pin ARGB Kabel zur Synchronisierung der Beleuchtung mit dem Mainboard. Damit ist eine Regelung der Lüfterdrehzahl nur über die Fernbedienung möglich, was ein sehr großer Minuspunkt ist, da die Produktbeschreibung mehrfach gegenteiliges verspricht.

Optisch können die Lüfter überzeugen. Die Beleuchtung ist gleichmäßig, ansehnlich und die Effekte über die Steuerung mittels Controller können sich sehen lassen. RGB Fans kommen hier voll auf ihre Kosten.

Performance & Lautstärke

Nachdem das Gehäuse in den bisherigen Bereichen nicht unbedingt vollends überzeugen konnte, bleibt natürlich die Frage offen, ob man all das verschmerzen kann, wenn die Leistung am Ende stimmt?

Da ich meinem Kollegen den PC nicht ewig vorenthalten wollte, habe ich mich beim Testen der Temperaturen und Lautstärke auf zwei Benchmarks beschränkt, Unigine Heaven und Unigine Valley Benchmark. Beide Benchmarks enthalten verschiedene Sequenzen, die sowohl die Grafikkarte als auch die CPU ausreichend fordern und können in einer Endlos-Schleife laufen.

Nachdem beide Benchmarks jeweils ca. eine halbe Stunde liefen, wurden folgende Temperaturen erreicht:

CPU: avg. 65°C, maximal 70°C.
GPU: avg. 70°C, maximal 76°C.

Die Temperaturen gehen soweit in Ordnung, insbesondere bei der GPU, die ich ja auch in meinem System getestet habe, ist die erzielte Temperatur nur minimal höher als in meinem Fractal Design Meshify S2 mit sehr großzügiger Belüftung. Alle Tests wurden mit Stock Einstellungen und ohne besonderem OC, abgesehen von PBO (CPU) und dem normalen Boost Takt (GPU) vorgenommen.

Auch wenn es ärgerlich ist, dass die beiden Lüfter im Gehäusedeckel nicht montiert werden konnten, hatte das wenigstens keinen Einfluss auf die Temperaturen. Das war aber zu erwarten, weil vier Lüfter für einen brauchbaren Airflow in der Regel völlig ausreichend sind.

Die Lautstärke zu beurteilen fällt ohne Messgerät natürlich schon schwerer. Wie bereits erwähnt lässt sich die Drehzahl nur über die Fernbedienung des Controllers regeln. Für die Temperaturtests wurde die Drehzahl der Lüfter auf das Minimalniveau eingestellt. Die Temperaturen waren damit absolut im grünen Bereich während die Lautstärke in einem erträglichen Rahmen war. Sobald man die Lüfter weiter aufdreht, wird das Lüftergeräusch schnell störend.

Beim Zocken würde das Geräusch der Lüfter entweder von Lautsprecher Sound übertönt werden oder wäre alternativ durch ein Headset nicht wahrnehmbar. Beim normalen Desktop Betrieb würde mich das Geräusch der Lüfter allerdings doch stören, da man sie dann schon klar vernehmen kann. Allerdings kann man die Lüfter mit der Fernbedienung auch komplett abschalten. Da beim normalen Surfen o.ä. kein besonderer Airflow nötig ist, könnte das ein möglicher Kompromiss sein. Sieht dann natürlich gewöhnungsbedürftig aus, wenn die Lüfter völlig still stehen.

Soll der Rechner auch für produktive Zwecke genutzt werden, z.B. beim Rendern, sollte man die Lüfter natürlich einschalten, solange der Rechner werkelt und dann wären sie auch klar wahrnehmbar und für Leute, die diesbezüglich empfindlich sind, wäre das Case allein dadurch schon nicht empfehlenswert. Mein Kollege ist in dem Punkt zum Glück nicht besonders empfindlich und hat das so ohne Probleme angenommen.

Bevor wir zum Fazit und der Bewertung kommen, hier noch zwei Bilder des fertigen Builds:

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Fazit & Wertung

Am Ende des Tests verbleibe ich mit gemischten Gefühlen. Die Verarbeitungsqualität lässt zu wünschen übrig und auch die Build Quality konnte nicht vollends überzeugen. Das Gehäuse wirkt auf den ersten Blick verlockend, weil scheinbar viel geboten wird. Besonders gerne wurde das Gehäuse bisher im Low-Budget Bereich empfohlen. Ein Bereich, in dem sich überdurchschnittlich häufig Anfänger von ihrem Ersparten den ersten Gaming PC zusammen stellen und dabei nicht nur eine gute Performance möchten, sondern auch etwas für's Auge wüschen. Abgesehen von den gewöhnungsbedürftigen Proportionen kann das Kolink Observatory Lite Mesh in dem Bereich durchaus punkten.

Aufgrund der beengten Platzverhältnisse, der schlechten Verarbeitungsqualität und dem eingeschränkten Kabelmanagement würde ich den Bau eines Systems in diesem Gehäuse für Anfänger als unnötig herausfordernd, tendenziell sogar frustrierend erachten. Dazu kommt die irreführende Beschreibung bezüglich der Steuerung der Drehzahl der Lüfter, die de factor nicht mittels Mainboard gesteuert werden können und allgemein selbst auf niedrigster Stufe tendenziell zu laut sind. Jedem, der von sich aus sagen würde, dass er/sie tendenziell Lautstärke empfindlich ist, kann ich eigentlich nur von diesem Gehäuse abraten. Die Lüfter auszutauschen lohnt sich ebenfalls nicht, da man dann preislich auch gleich zu stärkeren Alternativen greifen kann.

Auf meine eingangs gestellte Frage, ob ich das Gehäuse weiterhin guten Gewissens empfehlen kann, würde ich daher mit einem klaren Jein antworten. Ich würde nicht allgemein abraten, weil das Gehäuse in Ordnung ist, wenn man den Build Prozess einmal hinter sich gebracht hat und bei der Lautstärke nicht besonders empfindlich ist. Denn dann hat man für einen verhältnismäßig niedrigen Preispunkt ein Gehäuse mit reichhaltiger Beleuchtung und brauchbarem Airflow. Wenn man ein Build in einem niedrigeren Budget Bereich plant, ist ein günstiges RGB Gehäuse noch die einfachste Möglichkeit, wie man sein Build optisch aufwerten kann, ohne aufgrund des Preises allzu große Kompromisse bei der Leistung einzugehen.

Jedem, der nicht den letzten Euro umdrehen muss, würde ich grundsätzlich dazu raten eher 20€ mehr in die Hand zu nehmen, denn dann bekommt man bereits bessere Alternativen von namhaften Herstellern wie Lian Li oder Phanteks. Außerdem bietet mit BitFenix noch ein weiterer namhafter Hersteller mit dem Nova Mesh SE TG für nur 5€ mehr eine interessante Alternative. Während die Proportionen ähnlich gestaucht sind, ist das Case insgesamt etwas breiter und bietet auf den ersten Blick mehr Optionen für das Kabelmanagement in Form von z.B. weiteren Kabeldurchführungen. Die 5€ könnten hier den entscheidenden Unterschied machen.

Die Beschreibung des Gehäuses als "das perfekte Case für High-End Hardware" seitens des Herstellers würde ich nach dem Test so nicht unterschreiben. Sicherlich steckt in der Formulierung typische Marketing Sprache, aber wenn man das Testergebnis nüchtern betrachtet, so muss man feststellen, dass das Gehäuse für ein Highend System definitiv nicht die richtige Wahl ist.

Positiv
  • günstiger Preis für Mesh Airflow Case mit vier ARGB Lüftern
  • Echtglas Seitenscheibe
  • guter Airflow
  • überzeugende ARGB Beleuchtung
  • Beleuchtung kann mit dem Mainboard synchronisiert werden

Neutral
o kompakte Maße für ATX Gehäuse

Negativ
  • Verarbeitungsqualität lässt zu wünschen übrig (dünnes Blech, grob geschnittene Gewinde, durchdrehende Schrauben)
  • Wenig Platz für Kabelmanagement
  • Wenig Platz im Innenraum (dadurch u.U. Einschränkung bei der Montage von Lüftern im Deckel)
  • Lüfterdrehzahl anders als in der Produktbeschreibung nicht über das Mainboard steuerbar
  • Lüfter auch auf niedrigst-möglicher Drehzahl nicht leise
  • Wenig Platz zwischen Mainboard Tray und Seitenteil
  • Wenige Montagemöglichkeiten für 2,5 Zoll SSDs
Empfehlenswert?
Nur mit starken Einschränkungen. Lieber ein paar Euro mehr investieren.
 

H3llF15H

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Schon alleine weil Du Dir die Mühe gemacht hast, gibt`s nen Daumen ;)

...und nun wird gelesen ;)

@SV3N Ist das was für dich (CB) ? ;)
 

Andyt1909

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H3llF15H

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Weitere Daten können dem verlinkten Datenblatt auf Geizhals.de entnommen werden.
Das Datenblatt hättest du direkt verlinken können ;)

Und was ist dein Fazit nach der Lektüre? :)
Sorry, bin eben von einem Arbeitskollegen gestört worden :D

Mir gefällt persönlich sehr gut, dass Du ins Detail gegangen bist und einige wichtige Punkte angesprochen hast. Man kann sich das Gehäuse sehr gut vorstellen und ehrlich scheint es auch zu sein. Von daher alles bestens :)
 
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