Das Thema ist in meinen Augen sehr vielschichtig. Von der Moral her betrachtet?
Wir sind inzwischen eine seeehr verwöhnte Gesellschaft. Es geht uns super gut. Und in den vergangenen Jahrzehnten wurden wir immer mehr dahin "getrimmt" unseren Individualismus zu leben. Und auch die "Ellbogen"- Mentalität wurde gefördert.
Die gleiche Situation 50 Jahre vorher und so ziemlich jeder würde sich aus voller Überzeugung impfen lassen. Auch schon aus einem Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Allgeminheit heraus.
Aber in einer Gesellschaft, die zu einem großen Teil aus Menschen besteht, denen der Individualismus sehr wichtig ist und denen stets ein "zuerst kommen meine Belange" vorgelebt wurde, darf man nichts anderes als das, was wir aktuell haben erwarten. Dafür läuft es sogar noch sehr gut.
Und ja, wir Menschen sind kaum in der Lage "abstrakt" zu lernen. Jeder Raucher weiß, was er sich mit dem Rauchen antut. Aufhören tun die meisten erst, wenn der Arzt Bluthochdruck und chronische Bronchitis festgetsellt hat und man kaum noch 2 Etagen ohne Pause schafft.
Und so auch im Großen und Ganzen bei Corona. Damit es es einen gesamtgesellschaftlichen Konsens dazu gibt, werden wir wahrscheinlich erstmal ein paar Leichenberge in Deutschland sehen müssen.
Das ist ja das Dilemma der Impferei insgesamt. Der Erfolg einer Impfung lässt sich von Skeptikern als "Siehste, is doch nix" benutzen.
Ist das moralisch verwerflich? Weiß ich nicht.
Ist das dumm? In meinen Augen auf jeden Fall.
Da werden u.U. mögliche vielleicht spätere Impfschäden, also Eventualitäten, als gewichtiger erklärt, als heute bestehende Fakten.
Aber eines ist auch sicher. Die Härte, mit der diese Diskussion hierzulande geführt wird, wird in keinem Fall zu einer Besserung der Situation beitragen.
Ich persönlich würde sogar eine Impfpflicht befürworten. Aber ich bin entschieden dagegen Leute, die sich nicht impfen lassen wollen zu stigmatisieren, zu beschimpfen oder als "Idioten" zu bezeichnen. Ich kann die Sorgen und Ängste nachvollziehen. Angst ist ein Gefühl. Und Gefühle sind nie falsch oder richtig. Gefühle sind einfach. Punkt. Fertig. Aus.
Ich kann also nur versuchen den Leuten immer wieder ihre Ängste zu spiegeln und versuchen ihnen ihre Ängste zu nehmen. Aber das erreiche ich sicher nicht durch Beschimpfen oder drohen.
Wir müssen als Gesellschaft aufpassen, dass wir unsere demokratischen Grundwerte nicht verlieren. Und dazu gehört auch andere Meiunungen zuzulassen. Ich muss das nicht gut finden, aber ich muss es akzeptieren und zulassen. Und im Weiteren ist es dann die Aufgabe des Staates hier zu regulieren. Z.B. mit einer Impfpflicht. Oder eben zu sagen, es bleribt jedem selbst überlassen, ob er sich impfen lässt. Aber das müssen wir dann so akzeptieren und können nur auf Augenhöhe und mit Respekt versuchen zu überzeugen.
Und bei der Frage nach der Moral sollten wir uns auch die Frage nach "Missbrauch" stellen. Denn in meinen Augen wird Coroana auch "missbraucht", bzw. instrumentalisiert. Und das ist gefährlich. Und diese Sorge geht bei mir in beide Richtungen. Einerseits DIE "Quer- Denker" , die da versuchen absurdeste Ideen und Wahn- Phantasien auf Corona zu übertragen. Leute, die hier eine Diktatur vermuten. (Nur mal so am Rande: Lebten wir wirklich in einer Diktatur, hätten wir aktuell mehr als 20.000 Vermisste plötzlich mehr

)
Auf der anderen Seite will ich aber auch unsreren Staatsapparat sehr gut im Auge behalten und unsere Politiker, die diese Situation vielleicht dazu ausnutzen wollen um noch ein bisserl mehr Überwachung und Gängelung einzuführen. Hier z.B. die überzogenen Ausgangssperren im vergangenen Jahr, bzw. in 2020.
Es wäre jetzt vielleicht insgesamt an der Zeit etwas weniger an die eigenen und grad aktuellen Befindlichekeiten zu schauen, sonder sich etwas mehr an den gesellschaftlichen Entwicklungen zu orientieren und diese als Prämisse zu sehen. Und das müssen wir aber erst einmal wieder ein Stück weit lernen.