Nazrael schrieb:
Die USA sind die unabdingbare Schutzmacht Israels, ich kann mir kein Szenario vorstellen, in dem Netanjahu Trump wirklich bloßstellen würde
Es liegt zwar nicht im Interesse von Netanjahu Trump bloß zu stellen, der Angriff war ihm aber wichtiger und er hatte eben keine Unterstützung.
Trump hatte noch Tage vorher durchblicken lassen, dass er Netanjahu von einem Angriff abgehalten hatte. Die erste Reaktion auf den Angriff war auch ziemlich kühl. Rubio machte deutlich, dass man nicht daran beteiligt sei und die Sicherheit der amerikanischen Streitkräfte in der Region oberste Priorität habe verbunden mit einer Warnung an den Iran, keine amerikanischen Einrichtungen anzugreifen. Oder anders ausgedrückt, die hatten schon Schiss vor der Reaktion des Iran.
Trump hat dann, bevor er seine Sicherheitsleute im Weißen Haus versammelte, wie üblich, erst mal auf Truth Social gepostet. Lamentiert, dass alle Verhandlungen nichts gebracht hätten, bla bla. Daß man an der Seite seines engsten Verbündeten stünde kein Wort.
Das änderte sich erst als klar war, dass das ein militärischer Erfolg wird.
Man sollte auch ein wenig auf die Vorgeschichte schauen. Für Netanjahu war es ja zunächst ein Segen, Biden los zu sein, der ihm immer wieder Steine in den Weg gelegt hat. Bei ersten Besuch in Washington war denn auch noch eitel Sonnenschein zwischen den beiden. Das kühlte sich aber schnell ab. Trump hatte seinen Sicherheitsberater Waltz abgesetzt, u.a. weil dieser ein Befürworter eines gemeinsamen Angriffs der Amerikaner und Israelis auf den Iran war. Trump setzte auf Witkoff und dessen Verhandlungsstrategie.
Für Netanjahu war in dem Moment klar, dass er auf die Amis erst mal nicht zählen konnte und hat das dann eben alleine durchgezogen.
Der Sprecher des vormalige Außenminister Blinken nannte das dann auch "einen riesigen Stinkefinger" für das weiße Haus. Parteipolitisches beiseite gelassen, liegt er damit nicht verkehrt.
Wie die Unterstützung jetzt ausschaut wird man sehen. Aus den Reihen der Republikaner kamen ja schon Vorschläge, die iranische Ölindustrie bei der Gelegenheit mit zu zerstören.
Eine Konstante bei Trump ist aber von je her, dass er sich in der Region nicht in einen Krieg hinein ziehen lassen will. Dem stehen die geschäftlichen Interessen mit den arabischen Staaten im Weg. Diese konnten mit der bisherigen Situation gut leben mit beiden Seiten klar zu kommen, kommen zu müssen. Ein ungezügeltes Israel, das immer mächtiger wird auf Grund seiner militärischen Stärke ist aber garantiert nicht in ihrem Interesse.
Trump hat also die Kontrolle verloren, muss aber zwingend weiter zu Netanjahu stehen sonst kriegt er zu Hause noch mehr Ärger als er eh schon hat. Mit der mächtigen Jewish Community will er es sich garantiert nicht verderben.
Netanjahu hat ja kürzlich sinngemäß gesagt, 'wenn dir jemand ständig sagt, dass er dich vernichten will, dann solltest du ihm das glauben und verhindern dass er die Mittel dazu bekommt '. Trump hat diese Ernsthaftigkeit wohl unterschätzt und Netanjahu macht das was er immer macht. Er schlägt gnadenlos zu, ohne Rücksicht auf Freunde oder Verbündete. Ob er die dabei bloß stellt ist ihm wurscht bzw. kalkuliertes Risiko.