Wahlrechtsreform

Dito schrieb:
brauchst du 0,2% der Stimmen. Das sind rund 250.000.
Wenn 0,2% 250.000 Stimmen entsprächen, dann wäre 1% 1,25Mio Stimmen.
Dann gäbe es bei 100% Wahlbeteiligung 125 Mio Wahlberechtigte. Soviel Einwohner hat D ja nicht einmal.
Wahlberechtigt waren 2025 60,51 Mio Menschen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_2025
Die Wahlbeteiligung lag bei 82,5% (49,92 Mio).
0,2% wären dann 99.840. Und das ist sicherlich deutlich einfacher zu erreichen.

15 Parteien haben 2025 mind. 0,2% erreicht. (https://bundeswahlleiterin.de/info/...agswahl-2025/29_25_endgueltiges-ergebnis.html)

Zusätzlich gehe ich davon aus, dass strategisches Wählen weniger würde und noch mehr Parteien 0,2% erreichen würden.
Ist ein Parlament mit 20 Parteien wirklich sinnvoll?
Ich glaube nicht!

Und ja, die 100 Wähler waren überspitzt gemeint.
 
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00Julius schrieb:
Ist ein Parlament mit 20 Parteien wirklich sinnvoll?
Ich glaube nicht!
Nicht nur das, dieses Parlament würde durch die Überhang- und Ausgleichsmandate irgendwann unendlich gross werden und die Regelgrösse von 630 Abgeordneten würde doch wieder weit überschritten. Was wir definitiv nicht brauchen, das ist ein Parlament der Splitterparteien und Splitterfraktionen, das sich gerade wegen dieser Zersplitterung in seiner Arbeitsfähigkeit selbst blockiert.

Man hat es doch sehen können, als im Bundestag CDU, SPD und FDP vertreten waren, arbeitete er sehr effektiv und brauchte nicht für jeden Furz buchstäblich Jahre bis er was auf den Weg gebracht hatte. Heute arbeiten sich die Fraktionen nur noch aneinander ab und bringen nichts sinnvolles mehr zustande.

In unserem Land siehts genau deshalb so aus wie es aussieht, weil die Herrschaften lieber ihre Animositäten pflegen, als mal effektive Arbeit zu machen. Mit jeder zusätzlichen Partei oder Fraktion wird das noch schlimmer. Nicht auszudenken, wie es aussähe, wenn auf einmal fünfzehn oder zwanzig Parteien in den Bundestag einziehen würden und sich dann Koalitionen aus zig Parteien bilden würden. Wie soll denn eine Regierungskoalition aus fünf, sechs oder sieben Partnern funktionieren, wenn nichtmal die jetzige Koalition wirklich funktioniert?

Genau deshalb macht die 5% Hürde einfach nur Sinn, weil die die Arbeitsfähigkeit des Bundestages sicherstellen soll.
 
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00Julius schrieb:
Zusätzlich gehe ich davon aus, dass strategisches Wählen weniger würde und noch mehr Parteien 0,2% erreichen würden.
Ist ein Parlament mit 20 Parteien wirklich sinnvoll?
Ich glaube nicht!
Das wären ja dann 20 Parteien, die dann nur jeweils einen Sitz haben. Bei 630 Sitzen sind das Gerade mal 3,2 % der Sitze. Bei der vorletzten Wahl, also der Ampel, wären diese auch mit 20 weniger Sitzen und dafür 20 mehr in der Opposition ebenfalls zu Stande gekommen. Bei der aktuellen wäre das kritischer gewesen. Kritischer sind da die Parteien, die es gegenwertig nur knapp nicht reinschaffen, wie das BSW.

Das Problem an der Diskussion ist aber auch, wir wissen nicht, wie die Menschen wählen würden, wenn es keine Hürde gäbe. Man kann es am ehesten noch bei der EU Wahl erahnen, wobei viele wohl trotzdem dort die Partei wählen, welche sie auch auf Bund und Land Ebene wählen würden, so lange es da diese Hürde gibt.
Die Frage lautet also: Würden die Menschen auch weiterhin so wählen wie jetzt und wir hätten dann 20 ein Sitzparteien? Auf lange Sicht wohl eher weniger. SPD, Grüne und LINKE würden sicherlich Stimmen an VOLT und Tierschutzpartei verlieren. CDU wahrscheinlich an Frei Wähler. Möglicherweise würden diese Parteien aber irgendwann dann als Vorabkoalition auftreten (Wie CDU und CSU jetzt schon), dass es diese nur im Bündel gibt und der Stimmanteil nur darüber entscheidet, welche Themen mehr Gewicht haben.

Aber wie alles hier, ist das jetzt ziemlich spekulativ von mir.

areiland schrieb:
Man hat es doch sehen können, als im Bundestag CDU, SPD und FDP vertreten waren,
Und ist dir Aufgefallen, das in den letzten 50 Jahre immer mehr Parteien dazu kamen, trotz 5 % Hürde? Und jetzt warte mal die nächsten 10, 15, 20 Jahre ab, bis die letzten Altwähler von CDU und SPD weg sind. Selbst mir 5 % Hürde wird das noch richtig Crazy.
 
CCIBS schrieb:
Und ist dir Aufgefallen, das in den letzten 50 Jahre immer mehr Parteien dazu kamen, trotz 5 % Hürde?
Nö, das ist gar nicht der Fall! Denn es kamen exakt drei dazu, in den achtzigern die Grünen, nach der Wiedervereinigung vereinigt mit dem Bündnis 90. Ausserdem die PDS - heute die Linke und nun die AFD. Das sind aber alles Parteien mit einem grossen Wählerpotential und keine Splitterparteien.

Ohne die 5% Hürde hätten wir viele Klein- und Kleinstparteien im Bundestag sitzen, darunter auch sehr exotische Parteien, die immer wieder das Zünglein an der Waage spielen würden.
 
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CCIBS schrieb:
Das wären ja dann 20 Parteien, die dann nur jeweils einen Sitz haben. Bei 630 Sitzen sind das Gerade mal 3,2 % der Sitze.
Die hätten aber ggf. die Macht zu blockieren oder sogar unliebsame Gesetze doch noch durchzuboxen.
Wieder das Beispiel Israel. Hier haben Regierung und Opposition je 120 Sitze. Da reicht 1 Stimme in die eine oder andere Richtung.
Und nicht nur in Israel oder auch in Italien wurden schon Neuwahlen nötig, weil der kleinste Partner mit nur einigen Abgeordneten aus der Koalition ausgetreten ist.

Es gibt in D kein Problem mit dem parlamentarischen System und dem Wahlrecht, sondern mit dem Verhältnis Politiker/Volk.
Ich glaube schon, dass Politiker im Grunde das Land gut regieren wollen. Allerdings gibt es zu viele unterschiedliche Interessen in der Bevölkerung. Um einige Gruppen zufrieden zu stellen, wurden andere Punkte vernachlässigt. Wenn man die einzelnen Gruppen betrachtet, macht jede Forderung auch Sinn. Allerdings kann die Politik nicht alles Recht machen. Die Punkte haben sich über die Jahrzehnte zwar verändert, aber die angegangenen Dinge wurden nie zu Ende geführt oder von der Nachfolgeregierung wieder einkassiert. Dabei ist es egal gewesen, welche Regierung wir hatten.

Momentan sind wir an dem Punkt angekommen, an dem die vernachlässigten Stellen überhand genommen haben. Wir können gar nicht mehr alle benötigten Gelder bereitstellen.
Es ist schlicht unmöglich gleichzeitig die Bahn, die Straßen, die Schulen, die Brücken, etc. zu sanieren, und zusätzlich die Rente & das Gesundheitswesen zu reformieren.

Und hier nimmt die Unzufriedenheit nun überhand. Jede Gruppe sagt, dass die Politik nichts für sie, sondern nur für andere tut.

Dann kommt eine Partei, die allen sagt, dass sie verstanden werden und dass die Schuld bei den bisherigen Parteien liegt. Man wird alles wieder so machen wie früher. Das ist das, was man hören will (Da verstehe ich nicht, warum junge Menschen und Frauen es so haben wollen wie früher).
Dass es im Ort wieder einen Tante Emma-Laden gibt, eine Kneipe in der man rauchen kann und wo ein guter Bürger wieder gute Arbeit hat (Hier frage ich mich allerdings, ob der guter Bürger gewillt ist, auf einem Gurkenflieger zu liegen, Spargel zu stechen, Müll abzutransportieren, Alte zu pflegen, etc.).
Allerdings sollte man das Parteiprogramm dieser Partei zumindest mal überfliegen, um festzustellen, dass gerade der „kleine Mann“ nicht besser gestellt sein wird (Ups).

Sorry, wenn ich jetzt ziemlich abgeschweift bin, aber die Abschaffung der 5%-Hürde ist unser kleinstes Problem.
 
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00Julius schrieb:
Zusätzlich gehe ich davon aus, dass strategisches Wählen weniger würde und noch mehr Parteien 0,2% erreichen würden.
Ist ein Parlament mit 20 Parteien wirklich sinnvoll?
Bitte nochmal meinen ersten Post lesen.

@Erkekjetter "Mehr Parteien spiegeln den Wählerwillen wieder." Das ist Mathematik. Zudem bezog sich dies nicht auf Umfragen etc. Man kann das auch verdrehen ;-)
 
areiland schrieb:
Nicht nur das, dieses Parlament würde durch die Überhang- und Ausgleichsmandate irgendwann unendlich gross werden und die Regelgrösse von 630 Abgeordneten würde doch wieder weit überschritten. Was wir definitiv nicht brauchen, das ist ein Parlament der Splitterparteien und Splitterfraktionen, das sich gerade wegen dieser Zersplitterung in seiner Arbeitsfähigkeit selbst blockiert.
Das jetzige Wahlrecht mit Überhang- Ausgleichsmandaten ist ja nicht unumstösslich, sondern da würde ich mir auch deutliche Änderungen wünschen.

Ich könnte mir gut einen Bundestag mit fest 615 Abgeordneten Vorstellen bei denen:

205 Abgeordnete (also ein Drittel) direkt in 205 Wahlkreisen per Mehrheitswahl gewählt werden

410 Abgeordnete (also zwei Drittel) per Verhältniswahl durch Landeslisten wählen, wobei aber jeder Wähler künftig 5 Stimmen haben sollte.

Diese 5 Stimmen sollten die Wähler dann weitgehend frei verteilen können, z.B.

- im einfachsten Fall z.B. 5 Stimmen für das BSW -> die ersten fünf Listenplätze des BSW bekommen je eine Stimme

aber auch:

- z.B. 3 Stimmen für das BSW, 1 Stimme für die Basis und 1 Stimme für die Linke

aber auch:

ganz konkret Listenplätze 2, 7 und 11 vom BSW, Listenplatz 3 von die Basis und Listenplatz 8 von der Linken
 
Mehr Stimmen, die einzelnen Personen statt der kompletten Liste zugeordnet werden, sind praktisch nur sehr kompliziert auszuwerten.
 
Dito schrieb:
@Erkekjetter "Mehr Parteien spiegeln den Wählerwillen wieder." Das ist Mathematik. Zudem bezog sich dies nicht auf Umfragen etc. Man kann das auch verdrehen ;-)
Die Mathematik erklär mir mal. Oder wir reden grundlegend aneinander vorbei. du schriebst das zitierte. Ich verstehe das mit deiner von dir gewählten Grammatik so, dass du aufzeigen willst, dass eine Mehrheit die 5% weghaben will, , das also dem Wählerwillen entsprechen würde. Was du vermutlich meinst mit diesem Satz: Mehr Parteien würden mehr Wählerstimmen abdecken. Das ist selbstredend korrekt. ABer was macht diese Stimmen relevanter als jene, die dann immer noch unter der Hürde verschwinden? Eine von dir aufgestellte Rechnung wurde schon als mathematisch falsch widerlegt. es gab 2025 zu letzten Bundestagswahl 60,49 Wahlberechtigte. Eine PArtei benötigte also bei einer 1% Hürde 604.900 Stimmen. Klingt viel, aber weshalb sollten diese relevanter sein als 600.000 stimmen einer anderer Partei? Du hast bisher nicht nachvollziehbar erklären können. Deine 1% ist genauso "willkürlich" wie die 5%, das Problem der ungleich Behandlung weiterhin da. Dafür hat man nur deutlich mehr Parteien im Bundestag, die in Relation kaum jemanden vertreten in der Bundesrepublik, die Koalitionsfindung und die Prozesse des Bundestages aber deutlich erschweren oder gar blockieren könnten. Es obliegt dir, diese Problematik aufzunehmen und darzulegen, welche Lösung es dafür gäbe. Nicht mir. ich will die 5% Hürde nicht weghaben. Vor allem nicht auf Basis polemischer Argumente wie aus deinem Startpost. Ich habe im Verlauf des Threads aufgezeigt, wieviele Parteien mit einer niedrigeren Hürde im Vergleich zu heute im Bundestag oder den Landtagen sitzen würden. Es sind so ziemlich die Zahlen, die wir hatten in der Weimarer Republik, in der genau das passierte: Blockade und erschwerte Konsensfindung, das führte zur weitgehenden Lähmung des Politikbetriebes, dies zu Verdruss beim Wähler und diesen VErdruss machten sich radikale Parteien propagandistsich zu nutzen und manipulierten den Wähler.

Aber man auch gar nicht dazu in die VErgangenheit gehen um zu sehen, dass diese Probleme heute noch immer so wären wie damals, wenn die ZErsplitterung wieder an der Tagesordnung ist. UNter anderem Du hast aufs Ausland verwiesen, wo diese Hürden geringer sind. Und es würde "funktionieren". LEider bist du nicht wirklich weiter gegangen und hast dir angesehen, wie es funktioniert und was die direkten Folgen dort sind. BEispielsweise Niederlande ohne Hürde. Notorisch lange benötigen diese zur Regierungsbildung. Die Niederlande liegen unangefochten an der Spitze im europäischen Vergleich, wenn es darum geht, wie lang es dauert, bis nach einer Wahl eine neue Regierung steht. Im Schnitt 90 Tage, die Tendenz ist stark steigend, die letzten 3 Regierungebildungen dauernden über 200 Tage, 2021 mit 299 Tagen stellt den bisherigen Rekord auf. Europa Schnitt sind 28 Tage. Im europäischen VErgleich ist unmittelbar abzuleiten, dass je mehr Parteien vertreten sind, es umso länger dauert, eine Regierung zu bilden. Ebenso ist klar belegbar ist, dass eine Hürde wie Deutschlands 5% eine Zerrsplitterung der PArteienlandschaft verhindert. Somit lässt sich beobachten, das Länder mit einer Hürde im Schnitt merklich schneller eine Regierung bilden als Länder ohne. Genauso ist an den Daten belegbar, wenn auch nicht ganz so deutlich, das Länder mit einer Hürde auch in der allgemeinen GEstezgebung schneller sind als Länder ohne.

Das wurde auf Europa Ebene immer wieder durch Studien untersucht, die Datenlage ist relativ umfangreich. Auf diese Tatsache bist du nicht eingegangen bisher. Ganz im Gegenteil, du hast sie als "Standard-Antwort" geframt, welche aus der Luft gegriffen sei, gar es höchst polemisch als "Denkverbot" betitelt. Das ist so ziemlich einer der zentralsten Punkte deines Erstellungsposts. Tatsächlich ist er aber belegter und überprüfbarer Fakt, sofern man nicht von Chaos aber erheblich langsamerem Prozessen im Politikalltag spricht, was auch eher das tatsächliche Arguemnt als LEhre aus der Weimarer Republik war und nicht, dass "Chaos" entsteht.
Hast immer auf andere verwiesen, die die Hürde verteidigen, die doch bitte Lösungen präsentieren sollen. Warum? Du willst eine Änderung, du solltest darlegen, wie du die eindeutig und belegbaren negativen Punkte deiner Idee beseitigst bzw. angehen willst.
 
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RealMax123 schrieb:
205 Abgeordnete (also ein Drittel) direkt in 205 Wahlkreisen per Mehrheitswahl gewählt werden
Gehe ich mit aber hier liegt ja schon das nächste Problem. Dazu müssten die Wahlkreise von 299 auf 205 reduziert werden. Genau an diesem Punkt scheitert die Wahlreform seit Jahren, da die Parteien, die häufig mehr Direktmandate holen als sie Stimmprozente haben, sich weigern.
RealMax123 schrieb:
wobei aber jeder Wähler künftig 5 Stimmen haben sollte.
Also wie bei Kommunalwahlen in einigen Bundesländern.
Ist auch eine interessante Idee, zumal so auch Personen und nicht einfach nur Parteien gewählt werden.
Ob das allerdings bundesweit nicht zu kompliziert wird, kann ich nicht sagen. Mich stört bei der Kummunalwahl immer, dass der Wahlzettel kaum auf den Esstisch passt.
Ergänzung ()

Erkekjetter schrieb:
Die Mathematik erklär mir mal.
Das vermeidet @Dito .
Aus meinem Beitrag, in dem ich auf Rechenfehler hingewiesen habe, wurde ein andere Zitat herausgenommen (20 Parteien im Parlament wären mMn nicht gut) und einfach auf den Startpost verwiesen, in dem steht, dass dann halt 20 Parteien im Parlament wären.

Aus meiner Sicht findet eine Diskussion zwischen allen außer @Dito statt.
 
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Ich schreibe es zum letzen mal für dich @00Julius : Es sind 1% und nicht 0,2% die ich als Maßstab genommen habe. Wenn dir das nicht gefällt, ist das deine Sache. Genaus ist alles andere auch jedem seine Sache. Nur weil dir bestimmte Meinungen oder Überzeugungen nicht gefallen, muss das für andere gelten. Genauso argumentieren unsere Top-Politiker. Die sehen ihren Vorteil und das wars. Ich habe weiter oben erklärt um was es ging. Nochmal werde ich das nicht schreiben. Deine Meinung dazu kenne ich.
 
areiland schrieb:
Nö, das ist gar nicht der Fall! Denn es kamen exakt drei dazu, in den achtzigern die Grünen, nach der Wiedervereinigung vereinigt mit dem Bündnis 90.
Du schreibst "Nö" und bestätigst mich im selben Satz? Das wirkt zugegeben etwas seltsam.

00Julius schrieb:
Die hätten aber ggf. die Macht zu blockieren oder sogar unliebsame Gesetze doch noch durchzuboxen.
Wieder das Beispiel Israel. Hier haben Regierung und Opposition je 120 Sitze. Da reicht 1 Stimme in die eine oder andere Richtung.
Wenn eine Stimme entscheidend ist, lief schon vorab einiges schief. Aber im Grunde läuft jetzt schon einiges schief. Die 5 % Hürde kaschiert gerade noch etwas, was wahrscheinlich früher oder später sowieso kommen wird, und gewährt uns nur noch etwas Aufschub.

00Julius schrieb:
Es gibt in D kein Problem mit dem parlamentarischen System und dem Wahlrecht, sondern mit dem Verhältnis Politiker/Volk.
Das definitive. Nur befürchte ich, dass die 5 % Hürde uns davor auch nicht schützten wird. Das soll nicht heißen, dass man sie abschaffen soll. Aber die Diskussion zeigt, dass es ein "Störgefühl" in der Bevölkerung gibt.

00Julius schrieb:
Ich glaube schon, dass Politiker im Grunde das Land gut regieren wollen.
Selbst einem Merz spreche ich den Willen zu. Was mehr ist, was ich einem Spahn zusprechen würde. Ändert aber nichts daran, dass in seinem Arbeitszeugnis stehen würde "Er war bemüht, das Land zu regieren."

00Julius schrieb:
Dann kommt eine Partei, die allen sagt, dass sie verstanden werden und dass die Schuld bei den bisherigen Parteien liegt. Man wird alles wieder so machen wie früher. Das ist das, was man hören will (Da verstehe ich nicht, warum junge Menschen und Frauen es so haben wollen wie früher).
Früher gab es die Hoffnung auf ein besseres Morgen. Das gibt es heute nicht mehr. Vielleicht musst man ihnen mehr zeigen, dass das heute, nicht das erhoffte bessere Morgen von damals ist. (Ich bin mir selbst nicht sicher, was ich damit aussagen will).
 
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Dito schrieb:
Es sind 1% und nicht 0,2% die ich als Maßstab genommen habe.
Achso:
Dito schrieb:
wie soll jemand mit 100 Stimmen einziehen? Bei 500 Abgeordneten nach meinem Beispiel brauchst du 0,2% der Stimmen. Das sind rund 250.000.

Dito schrieb:
Nur weil dir bestimmte Meinungen oder Überzeugungen nicht gefallen, muss das für andere gelten
Nur weil dir meine Meinung nicht gefällt, lasse ich mir nicht den Mund verbieten.
Und wenn ich den Rest deines Beitrags lese, gehen dir die Argumente aus und du wirst persönlich.
 
Ich halte eine Absenkung der Prozent-Hürde auch für sinnvoll (wie war das noch? Mehr Demokratie wagen?). Aber ich würde nicht ganz so weit gehen. Ich denke eine Absenkung von der derzeit 5 % auf 3 oder 3,5 % wäre angebracht. Sonst hätten wir in meinen Augen zu viele Kleinstparteien in den Parlamenten. Das Land soll(te) ja auch regierbar bleiben - oder lieber doch nicht?:D Wenn ich mir dabei so die Politik der letzten Jahrzehnte so anschaue, die eigentlich immer nur darin bestand, die Reichen auf Kosten vom stetigen Abbaus unseres Sozialstaats nur immer noch reicher zu machen.:rolleyes:
 
Knergy schrieb:
Mehr Stimmen, die einzelnen Personen statt der kompletten Liste zugeordnet werden, sind praktisch nur sehr kompliziert auszuwerten.
Bei den Kommunalwahlen in Bayern hat man 3-6 Stimmzettel mit:

  • Kreistag mit 50-60 Stimmen
  • Stadtrat oder Gemeinderat mit 12-44 Stimmen
  • ggf. Landrat wenn keine ausserterminliche Wahl
  • ggf. Erster Bürgermeister wenn keine ausserterminliche Wahl
  • ggf. ein, zwei Bürgerbegehren auf Kreisebene
  • ggf. ein, zwei Bürgerbegehren auf Stadt- oder Gemeindeebene

Wenn das klappt dann sollten zwei Stimmzettel mit nur 1 und 5 Stimmen wirklich kein Problem sein.
 
Knergy schrieb:
Mehr Stimmen, die einzelnen Personen statt der kompletten Liste zugeordnet werden, sind praktisch nur sehr kompliziert auszuwerten.
Also hier bei der Kommunalwahl ist Kumulierten und Panaschieren schon länger Praxis. Man kann aber auch nach wie vor die ganze Liste wählen. Das Verhältnis ist grob 2/3 (Listenwahl) zu 1/3.
Typischerweise hat man auf dem Land einen höheren Anteil am Kumulieren und Panaschieren, da man die Kandidaten eher kennt als in den anonymen Großstädten. Gerade da sind die ungefähr Badetuch großen Stimmzettel (in Frankfurt mal 144 x 60 cm) auch eine echte Herausforderung, zumal für die Wahlkabine.

Nicht, dass ich das jetzt unbedingt für ein geeignetes Modell für Bund oder Land halte, auch der Aufwand bei der Auszählung ist gewaltig, aber grundsätzlich funktioniert es erst mal.
 
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Viele Dinge funktionieren. Die Frage ist halt immer wie gut. Welches Model gefällt dir besser: Einfach oder komlexer, eine Stimme/ein Kreuz oder mehrere Möglichkeiten, Giga-Wahlzettel?
 
Ich bin ja jemand, der gegen Direktwahlmandate, sprich die Erststimme, ist. Ich möchte nicht Politiker wählen, ich möchte die Politik wählen, die ich für richtig halte. Da spielt es keine Rolle, wer diese Politik durchsetzt. Daher würde ich auch nie eine Partei wie den BSW wählen, wo ja praktisch schon der Name auf eine einzelne Person ausgelegt ist. Was ist denn, wenn morgen Sara Wagenknecht bei einem Autounfall stirbt? Politiker müssen austauschbar bleiben. Sowas wie 16 Jahre Kohl o. 16 Jahre Merkel fand ich schon bedrückend.

Und wenn es nur noch "Zweitstimmen" gibt, erledigt sich auch der ganze Kram mit Überhangmandate etc. und man kann den Bundestag auch verkleinern.
 
@mo schrieb:
Nicht, dass ich das jetzt unbedingt für ein geeignetes Modell für Bund oder Land halte, auch der Aufwand bei der Auszählung ist gewaltig, aber grundsätzlich funktioniert es erst mal.
Das Auszählen ist eigentlich ganicht so aufwendung und erfolgt in zwei Stufen, zumindest war es früher so.

In der ersten Stufe, noch am Wahlabend, wurde nur ausgezählt welche Liste wieviele Mandate erlangt hat.

Das machte man so das man die Stimmzettel in verschiedene Stapel sortiert hat:
  • Stapel 1: Stimmzettel mit ausschliesslich Stimmen für Liste 1
  • Stapel 2: Stimmzettel mit ausschliesslich Stimmen für Liste 2
  • Stapel 3: Stimmzettel mit ausschliesslich Stimmen für Liste 3
  • Stapel X: Stimmzettel mit Stimmen für mehrere Listen

Dann schaute man nur die Stimmzettel von Stapel X genauer an, schrieb die Zahlen er Stimmen für die jeweiligen Listen auf bunte (je eine Farbe für eine Liste) Post-Its die man dann neben die Stapel geklept hat.

Anschliessend zählte man nur die Stapel durch und hatte so recht schnell die Gesamtstimmen pro Liste.

Das ermitteln der gewälten Kandidaten wurde dann erst im Laufe der Woche gemacht.

Inzwischen gibt es aber Barcodes auf den Stimmzetteln und Lesestifte.

forum1174.jpg

Dito schrieb:
Viele Dinge funktionieren. Die Frage ist halt immer wie gut. Welches Model gefällt dir besser: Einfach oder komlexer, eine Stimme/ein Kreuz oder mehrere Möglichkeiten, Giga-Wahlzettel?
Hat man bisher nur eine Listenstimme weis man eben nie was man bewirkt.

Zum Beispiel in der SPD waren ja Kandidaten die relativ weit rechts sind wie zum Beispiel Thilo Sarrazin aber auch Kandidaten wie Kevin Kühnert. Und so ähnlich ist es bei vielen Parteien. Und da wäre es eben gut wenn die Wähler mehr Möglichkeiten hätten.

qiller schrieb:
Ich bin ja jemand, der gegen Direktwahlmandate, sprich die Erststimme, ist. Ich möchte nicht Politiker wählen, ich möchte die Politik wählen, die ich für richtig halte. Da spielt es keine Rolle, wer diese Politik durchsetzt. Daher würde ich auch nie eine Partei wie den BSW wählen, wo ja praktisch schon der Name auf eine einzelne Person ausgelegt ist. Was ist denn, wenn morgen Sara Wagenknecht bei einem Autounfall stirbt? Politiker müssen austauschbar bleiben. Sowas wie 16 Jahre Kohl o. 16 Jahre Merkel fand ich schon bedrückend.
Allerdings finde ich Direktmandate (50% finde ich aber zuviel, 25% bis 40% würde ich gut finden, aber würde der Einfachheit halber eben 205 von 615 als ein Drittel nehmen) schon nötig, damit sichergestellt das mehr oder weniger alle Regionen halbwegs im Bundestag vertreten sind.

Sonst könnte es nämlich passieren das in Bayern nur Kandidaten aus München, Augsburg, Ingolstadt und dem Dreieck dazwischen und in Brandenburg nur Kandidaten aus dem Berliner Speckgürtel in den Bundestag gewählt würden während Niederbayer, die Oberpfalz, ganz Franken, die Lausitz, die Prignitz und die Uckermark ganz ohne Vertretung dastehen könnten.

Die Vorstellung eine Politik statt Personen zu wählen kann ich zwar auch nachvollziehen, dürfte aber schwer umsetzbar sein.

Denn alle jüngeren Krisen komen so schnella aus heiterem Himmel das sie bei der letzten Wahl vor der Krise nicht vorstellbar wäre.

Wer hätte bei der Bundestagswahl 2009 an die PRISM-Krise 2013 gedacht?
Wer hätte bei der Bundestagwahl 2013 an die Massenzuwanderung ab 2015 gedacht?
Wer hätte bei der Bundestagswahl 2017 an den Lockdown 2020-2022 gedacht?
Wer hätte bei der Bundestagswahl 2021 an die Ukraine-Krise und den Gaza-Krieg gedacht?
Wer hätte bei der Bundestagwahl 2025 an den neuen Iran-Krieg gedacht?
 
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