Re: Zuletzt gesehener Film
Meine Kritik zu: Der Untergang
Filme, die das Thema Zweiter Weltkrieg zum Inhalt haben, gibt es viele. In allen Filmen wird dem Zuschauer eine zerbombte (Städte)Landschaft und Menschen am Rande ihrer Leidensfähigkeit gezeigt. Und spätestens seit dem Film: "Der Soldat James Rayn" wissen wir auch um die brutale Blutigkeit eines Krieges. Daher zeigt einem der Film: "Der Untergang" soweit nichts neues. Doch noch nie gab es einen Film, indem die zentrale Figur dieser Epoche so detalliert dargestellt wurde: Adolf Hitler.
Sicher, die Bücher über ihn würden Bibliotheken füllen. Doch kein Buch dieser Welt wird in der Lage sein, so nah an diese Person heranzukommen wie der Film. Genau deshalb ist "Der Untergang" einzigartig. Der Zuschauer erhält einen tiefen und intensiven Einblick in die letzten Tage eines Mannes, der die Welt in einen bisher beispiellosen Vernichtungskrieg gezogen hat. Man wird Zeuge, welche Pläne der Diktator trotz oder gerade wegen dem sich unweigerlich nähernden Ende gefasst hat. Zunächst wird einem ein körperlich gebrochener Mann gezeigt. Beinahe empfindet man Mitleid mit dieser gramgebeugten Figur. Jedoch nur beinahe. Hinter dieser zerbrechlichen Fassade lauert ein Mensch, der den Endsieg immer lauter und stärker propagiert, je mehr Berlin unter Beschuss liegt. Wahnsinn? Es wäre wünschenswert, eine angenehme Entschuldigung, die den Film erträglicher macht. Doch je weiter der Film fortfährt so wird dem Zuschauer unerbittlich klar, dass der vermeintliche Wahnsinn von Adolf Hitler Methode hat: Obwohl er selber in den Dialogen mit seinen engsten Vertrauten um die aussichtslose Lage weiß; gegenüber seinen Generälen und Untergebenen hält er unnachgiebig an seinen Plänen für ein nationalsozialistisches Grossdeutsches Reich fest. Eine Aufgabe oder Kapitualtion ist für ihn undenkbar. Lieber nimmt er seine Pläne und das deutsche Volk mit ins Grab, als auch nur einen Schritt nachzugeben. Und so sieht man einen Adolf Hitler über Kultur und Weltherrschaftspläne philosophieren. Man sieht aber auch einen Adolf Hitler, gefangen von seinen Visionen, der zornerfüllt seinen Generälen Feigheit und Unfähigkeit vorwirft. Ein Mann, der mit Schaum vor dem Mund Kampf bis zum letzten Mann und letzten Patrone fordert. So ist man beinahe erleichtert, in den wenigen Szenen in den Strassen von Berlin unter Artilleriebeschuss zu liegen, während im Führerbunker zwischen Toten und Verwundeten gesungen, getanzt und gesoffen wird.
Das dieser Film so intensiv ist, ist dem Schauspieler Bruno Ganz zu verdanken. Er spielt Hitler nicht, er ist Hitler. Für etwas mehr als zwei Stunden wird man Zeitzeuge und stiller Beobachter eines der grössten geschichtlichen Ereignisse. Dabei schafft es der Film ohne Klischees und erhobenen Zeigefinger seine Geschichte zu erzählen.
Der Film nimmt keine Wertung der Ereignisse vorweg, darum muss sich der Zuschauer bemühen.
Möge er es begriffen haben.
Wertung: Pflichtfilm 10/10 Punkten