5/6 Kommentar : Ist CineFX ein Fehlschlag oder gar Fiasko?

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Kanadische Kampfansage

Der erste DirectX9-Chip

Der Chip der Kanadier, die nun auch auf die Man-Power der geschluckten Firma ArtX zurückgreifen konnten, hatte, außer dem eigentlichen Design, welches mit erprobten Herstellungsverfahren hohe Taktraten erlaubte und eine hohe Shadergrundleistung bot, zwei entscheidendende Vorteile: Der Vorgängerchip, der unter anderem in der Radeon 8500 verbaute R200, war mindestens so halbgar auf den Markt gekommen, wie der nV30, so dass man hier kaum auf wirklich geleistete Pionierarbeit im Bereich des Developer-Support Rücksicht nehmen musste um eventuelle Optimierungen nicht verpuffen zu lassen und, noch wichtiger: Es war ATis letzte Chance, sich dem Quasi-Monopol nVidias entgegenzustemmen.

So warf man alles, was man hatte, in die Waagschale und erweiterte die schon immer intern mit hoher Genauigkeit rechnenden und Pixelshader 1.4-tauglichen Rechenwerke des R200 um die von DirectX 9 mindestens verlangten 24bit im Datenformat, reparierte das schon für den R200 geplante Multi-Sample Anti-Aliasing, verbesserte die Abtastraster auf eine Maske, die sehr nahe am Optimum ist, ermöglichte endlich anisotrope Filterung mit trilinearem Mip-Mapping zu kombinieren und verdoppelte kurzerhand die Anzahl der Pixelprozessoren und der Vertexshader, so dass nunmehr acht Pixel parallel bearbeitet werden konnten.

Sehr wirtschaftlich kann dieser Chip für ATi nicht gewesen sein, aber das war wohl von vornherein bekannt und man kalkulierte dies ein. Es war vielmehr der Beginn einer mittelfristigen Strategie, die damit begann, sich die Aufmerksamkeit der Hardware-Enthusiasten zu sichern und mehr als nur den Achtungserfolg der Radeon 8500 zu wiederholen. Im Bereich der Pixelpipelines teilweise defekte GPUs konnte man durch geschickt im voraus geplantes Design mittels Abschaltung der betroffenen Teile des Chips noch immer als lauffähiges Silizium mit halbierter Leistung verkaufen und so zumindest Teile der Unkosten decken. Weitaus wichtiger war dadurch (und durch die Streuung von echten R300-Cores unter dem Deckmantel der abgespeckten Radeon 9500) gewonnene Aufmerksamkeit und Marktanteile, die es der zu neuem Leben erwachten Treiberabteilung und dem Developersupport ermöglichten, den Interessen ATis bei den Spieleentwicklern ein gänzlich anderes Gewicht zu verleihen, als es noch vor zwei Jahren der Fall war.

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