7/29 Intel Pentium 4 „Prescott“ im Test : Rückschritt dank Fortschritt?

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Kompatibilität

Die Kompatibilität aktueller Mainboards zum Prescott wird von mehreren Faktoren bestimmt. Zum einen muss natürlich die Hardware selbst stimmen. Hier sind es die Spannungswandler, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Die kleinen Prescotts mit 2,80 und 3,00 GHz verlangen diesen maximal 78 Ampere ab. Das ist der Strom, den eigentlich jedes Mainboard liefern müsste, das nach den ursprünglichen Prescott-Design-Spezifikationen (FMB1, VRM10.0) entworfen wurde. Die Varianten mit 3,20 und 3,40 GHz schreien nach maximal 91 Ampere, welche sicher von Mainboards nach der erweiterten Spezifikation (FMB1.5, VRM10.0) zur Verfügung gestellt werden können. Grundsätzlich ist dabei laut Intel eine 4-Phasen-Spannungswandlung Pflicht - das heißt jedoch nicht, dass der Prescott nicht auch mit weniger läuft.

Des Weiteren hat der Prescott bestimmte Anforderungen ans BIOS (Basic Input/Output System) eines jeden Mainboards. So muss der Prescott eben diesem überhaupt bekannt sein. Bei vielen Mainboards, so z.B. bei den Produkten von Asus, bleibt der Bildschirm einfach schwarz, wenn sich eine dem BIOS unbekannte CPU im Sockel befindet. Das ist insbesondere dann problematisch, wenn man die Komponenten im Handel einzeln erwirbt: Zu Hause stellt man fest, dass auf dem Mainboard noch ein älteres BIOS ist, welches den Prescott nicht kennt und somit den Bootvorgang komplett verweigert und dadurch natürlich auch ein Aktualisieren verhindert. Man sollte sich also im Laden vergewissern, ob der Prozessor erkannt wird oder nicht.

Ein "Prescott ready" Aufkleber ist dabei behilflich. Ein Mainboard darf sich nur dann "Prescott ready" schimpfen, wenn es sowohl die Hardware- als auch die Softwareanforderungen erfüllt. Dazu gehört ebenso die Unterstützung von SSE3 und den neuen Thermal Profilen im Zusammenspiel mit dem Tcontrol-Command.

Um die Suche eines Prescott-tauglichen Mainboards zu vereinfachen, haben wir uns nach der Kompatibilität einiger Produkte erkundigt:

Abit
AOpen
Asus
EPoX
MSI
QDI
Soyo


Vom Mainboard-Hersteller Gigabyte warten wir bisher leider vergeblich auf eine offizielle Stellungnahme. Hier kann man über den Support der Prescotts nur spekulieren - zumindest die Varianten mit DPS2 Karte sollten eigentlich keine Probleme bereiten. Leider sind aber auch die offiziellen Support-Listen der Konkurrenz zum Teil unvollständig. So wird bei Asus definitiv ein BIOS-Update benötigt, bei QDI soll der Prescott auch ohne dieses befeuert werden. Generell scheinen die genannten Mainboards (mit Ausnahme des MSI 848P Neo) alle Taktvarianten des Prescotts für den Sockel 478 zu unterstützen.

Die neuen Pentium 4 Prozessoren auf Basis des Northwood-Kerns mit 3,4 GHz sollten ohne Probleme auf aktuellen Mainboards betrieben werden können. Für den Extreme Edition beschränkt Intel den offiziellen Support auf i875 Chipsätze (Canterwood). Der neue Northwood wird vom i865 und i875P unterstützt - auch Produkte der Konkurrenz sollten damit keine Probleme haben.

Overclocking

Warum übertaktet man einen Prozessor? Zum einen natürlich, um einer bestehenden CPU ohne zusätzliche Kosten mehr Leistung zu entlocken, zum anderen lassen sich dadurch recht einfach die Möglichkeiten der Architektur aufzeigen. Als letzteres Instrument möchten wir auch unser Overclocking verstanden wissen. Es kam dabei eine handelsübliche Boxed-Pentium 4 Kühllösung zum Einsatz.

Der Prescott wurde entwickelt, damit Intel wieder an der Taktschraube drehen kann. Ziel ist es, den mit Hilfe der 90 nm Technologie gefertigten Prozessor bis Ende dieses Jahres auf 4,00 GHz zu beschleunigen. Da stellt sich natürlich die Frage: „Wie hoch kann man den Prescott schon jetzt takten?“. Folgende Taktraten konnten wir erzielen:

Bei leicht erhöhter Spannung sind über 3,70 GHz Prozessortakt schon ein sehr gutes Ergebnis. Wir möchten an dieser Stelle aber auch darauf hinweisen, dass wir bei diesem Takt keine Stabilitätstests durchgeführt haben. Schließlich ging es lediglich darum, zu zeigen, was ohne Probleme möglich ist. Stabilität in diesen Zustand zu bringen, wird in den kommenden Wochen und Monaten Intels Aufgabe sein.

Der Pentium 4 Extreme Edition 3,4 GHz ließ sich mit Luftkühlung unter vergleichbaren Bedingungen „nur“ mit 3,6 GHz betreiben. Ein Pentium 4 3,2 GHz mit Northwood-Kern erreichte ebenfalls die 3,70 GHz Schwelle. Somit bleibt dem Prescott zum aktuellen Zeitpunkt nur ein Taktvorsprung von mickrigen 10 MHz. Hier muss Intel noch etwas Feintuning vollziehen und gewisse Prozessor-Units anders organisieren.

Für den ersten Vertreter einer neuen Fertigungstechnologie ist das jedoch ein sehr gutes Ergebnis. So konnten wir bei der Einführung der in 130nm gefertigen Pentium 4 Northwood-Prozessoren ein Modell mit 2,2 GHz Standardtakt auch nur mit 2,5 GHz betreiben. Die prozentuale Taktsteigerung ist heute mit der von damals beinahe gleich - und wir alle wissen, wie weit es der Northwood bis heute getrieben hat.

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