4/22 Intel Core 2 Extreme X6800 im Test : Sau schnell!

, 344 Kommentare

Stromverbrauch und Temperatur

Performance ist nicht alles, wie Halbleiterriese Intel mit der Vorstellung des in 90 nm gefertigten Pentium 4 „eindrucksvoll“ unter Beweis stellte. Der Prozessor machte gar solche Probleme, dass zwar ein 3,4 GHz schnelles Modell vorgestellt wurde, zum Testen jedoch nur die etwas sparsamere 3,2-GHz-Variante zur Verfügung stand. Vorbei waren die Zeiten eines schnellen und „stromsparenden“ Desktop-Prozessors aus dem Hause Intel.

Intel Developer Forum Fall 2005: Drastische Steigerung der Performance pro Watt
Intel Developer Forum Fall 2005: Drastische Steigerung der Performance pro Watt

Zusammen mit der Ankündigung der neuen Core-Mikroarchitektur wollte der Halbleiterriese den Weg zurück auf den stromsparenden Pfad finden. Eine Milliarde US-Dollar Energiekosten soll mit Hilfe der neuen Prozessoren weltweit jährlich eingespart werden, so die vielsprechende Ankündigung. Außerdem sollte die Leistung-pro-Watt im Vergleich zum „Smithfield“ (Pentium D 8xx) um den Faktor fünf erhöht werden. Was ist daraus geworden?

Zum Einstieg in die Thematik „Stromverbrauch“sollen uns die offiziellen Angaben der Hersteller dienen. Dabei ist zu beachten, dass Intel und AMD diese Zahlen auf unterschiedlichem Wege ermitteln. AMD gibt den maximalen Verbrauch an. Intel dagegen nennt Zahlen der „Thermal Design Power“, also die Leistung, die eine Kühllösung in gewöhnlichen Anwendungsszenarien zu bändigen hat. Der tatsächliche Maximalverbrauch kann höher liegen.

Thermal Design Power (Herstellerangabe)
Angaben in Watt (W)
    • Core Solo, Yonah SC
      27
    • Core Duo, Yonah DC
      31
    • Athlon 64 X2 3800+ EE SFF, Windsor
      35
    • Athlon 64 X2 4800+ EE, Windsor
      65
    • Core 2 Duo E6700, Conroe
      65
    • Core 2 Extreme X6800, Conroe
      75
    • Athlon 64 X2 5000+, Windsor
      89
    • Penitum D 900, Presler
      95
    • Athlon 64 FX-62, Windsor
      125
    • Pentium XE, Presler/Smithfield
      130

Mit 65 und 75 Watt Thermal Design Power (TDP) wollen die neuen Prozessoren überzeugen. Alle Modelle der „Core 2 Duo“-Familie liegen damit 30 Watt unter dem Verbrauch der sparsamsten Dual-Core-Pentium D-Prozessoren (mit dem D0-Stepping werden alle Pentium D900-Varianten der 95-Watt-Gruppe angehören). Der Unterschied zwischen neuer Extreme Edition und den alten Pentium-XE-Modellen fällt mit 55 Watt noch stärker aus. Die Voraussetzungen für ein stromsparendes, leises System auf Core-2-Basis sind gelegt.

Wie sich die Ergebnisse in der Praxis bestätigen, zeigen unsere nun folgenden Messungen mit einem handelsüblichen Voltcraft-Energy-Check-3000-Messgerät. Bei keinem der Prozessoren wurden besondere Einstellungen vorgenommen. Das Windows-XP-Powermanagement wurde auf das Profil „Desktop“ eingestellt. AMDs Cool'n'Quiet war damit nicht aktiv, da hierfür das Profil „Minimaler Energieverbrauch“ geladen werden müsste. Tests mit aktiviertem Cool'n'Quiet haben jedoch gezeigt, dass hierdurch der Stromverbrauch im Idle-Zustand um weitere 10 Watt gesenkt werden kann. Vereinzelt können hier je nach Mainboard jedoch Instabilitäten auftreten (z.B. Asus A8V).

Intels Stromsparfunktion C1E (nicht jedoch Enhanced Speedstep, EIST) war aktiv, da sie betriebssystemtransparent arbeitet, indem der Prozessortakt automatisch auf bis zu 2,8 GHz beim Pentium 4/D/XE und 1,6 GHz beim Core 2 Duo/Extreme herabgesenkt wird. Dies trifft in unserem Fall konkret auf den Pentium 4 670, Pentium XE 965 und alle Core 2 zu. Die Extreme Edition 840 bietet kein C1E oder EIST und beim XE 955 ist dieses Feature aufgrund eines Defekts nicht vorhanden.

Der Athlon 64 X2 5000+ wurde mit einer Default-Spannung von 1,35 Volt betrieben. Zur Simulation der „Energy Efficient“- und „Energy Efficient Small Form Factor“-Prozessoren wurde die Spannung auf 1,20 Volt und der Takt auf 2,4 GHz herabgesenkt (entspricht X2 4600+ EE). Auch die Spannung des X2 3800+ EE SFF von 1,025 konnten wir – zu unserer eigenen Überraschung – mit dem 5000+ problemlos einstellen und stabil betreiben. Der Prozessor wurde hier mit 2,0 GHz betrieben.

Die Messungen wurden beim Pentium XE 955 und Pentium XE 965 mit einer Betriebsspannung von 1,3375 Volt und 1,3000 Volt durchgeführt. Bei beiden handelt es sich um die Standardwerte der jeweiligen Prozessoren, die von unserem Mainboard erkannt wurden. Die Spannung der zum Vergleich eingetragenen „Athlon 64“-Prozessoren im Sockel 939 betrug 1,35 Volt. Der Core 2 Extreme X6800 wurde mit 1,275 Volt betrieben (im Hardware-Monitor wird 1,277 Volt angezeigt, was der Einstellung 1,275 Volt entspricht; das BIOS selbst gibt 1,325 Volt als Default-Spannungs-VID des X6800 an, setzt diese Einstellung jedoch nicht um), der Core 2 Duo E6700 vermutlich mit 1,225 Volt (das BIOS meldet im Hardware-Monitor 1,23 Volt, zeigt den Wert aufgrund eingeschränkter Option im Vergleich zum Extreme jedoch nicht an).

Stromverbrauch: Windows Desktop (Idle)
Angaben in Watt (W)
    • Core 2 Duo E6700, Conroe
      109
    • Athlon 64 X2 3800+ EE SFF, Windsor
      110
    • Core 2 Extreme X6800, Conroe
      111
    • Athlon 64 FX-60, Toledo
      115
    • Athlon 64 X2 4600+ EE, Windsor
      118
    • Athlon 64 X2 5000+, Windsor
      126
    • Pentium XE 965, Presler
      138
    • Pentium 4 670, Prescott 2M
      140
    • Pentium XE 840, Smithfield
      155
    • Pentium XE 955, Presler
      161
Stromverbrauch: Volllast (PCMark05)
Angaben in Watt (W)
    • Athlon 64 X2 3800+ EE SFF, Windsor
      134
    • Athlon 64 X2 4600+ EE, Windsor
      160
    • Core 2 Duo E6700, Conroe
      160
    • Core 2 Extreme X6800, Conroe
      160
    • Athlon 64 FX-60, Toledo
      181
    • Athlon 64 X2 5000+, Windsor
      194
    • Pentium XE 965, Presler
      226
    • Pentium XE 955, Presler
      258
    • Pentium 4 670, Prescott 2M
      266
    • Pentium XE 840, Smithfield
      312
Therma Power Specification des Core 2 Duo und Core 2 Extreme
Therma Power Specification des Core 2 Duo und Core 2 Extreme
Therma Power Specification des Core 2 Duo und Core 2 Extreme
Therma Power Specification des Core 2 Duo und Core 2 Extreme
Therma Power Specification des Core 2 Duo und Core 2 Extreme
Therma Power Specification des Core 2 Duo und Core 2 Extreme

Beim realen Stromverbrauch (ohne Belastung der Grafikkarte) ziehen Intels neue Prozessoren mit dem stromsparensten Athlon 64 X2 3800+ EE SSF mit einem maximalen Verbrauch von 35 Watt gleich, wenn man die Stromverbrauchsmessung auf einen nVidia nForce 590 SLI-Chipsatz durchführt. Unter Volllast verbraucht der kleine Athlon 64 X2 3800+ dagegen 25 Watt weniger und trägt damit in etwa den unterschiedlichen Verbrauchsangaben der Hersteller Rechnung. Der Athlon 64 X2 5000+ scheint auf den ersten Blick stromhungriger zu sein, diese Aussage trifft aber nur zum Teil zu. Kommt eine Platine mit „ATi Radeon Xpress 3200“-Chipsatz zum Einsatz, so verbraucht diese CPU nur noch 106 Watt im Idle, und 172 Watt unter Volllast (siehe Testbericht). Je nach eingesetztem Mainboard können bei AMD also 20 Watt Verlustleistung abgezogen werden, da diese auf das Konto des Chipsatzes gehen.

In Sachen Temperatur und damit Lautstärke zeigen sich die neue Boliden dagegen von einer wenig schönen Seite. So liegt die Idle-Temperatur beim E6700/X6800 im BIOS bei 56 °C zwar unter dem Pentium Extreme Edition 965 (ca. 60°C), kommt aber nicht an den 52 °C kühlen Athlon 64 FX-60 heran – der von Haus aus niedrigere Stromverbrauch wirkt sich auf die Temperaturen überraschenderweise nicht aus. Erschwerend kommt hinzu, dass Core 2 Duo (4 MB Cache: 60,1 °C; 2 MB Cache: 61,4 °C) und Core 2 Extreme (60,4 °C) bei Weitem nicht so heiß werden dürften, wie das 65-nm-Pentium D-Silizium (68,6 °C) der Netburst-Architektur oder bis zu 70 °C beim Athlon 64 X2. Bei Last arbeitet unser Kühler für den Core 2 damit immer unter Volllast und hält ihn dabei in der Sommerhitze auf ca. 66/67°C (Duo/Extreme).

Die Umstände der hohen Temperatur sind noch nicht vollständig geklärt, obwohl wir den Intel-Boxed-Kühler für den Pentium XE 965 als Fehlerquelle ausschließen möchten. Fragwürdig ist möglicherweise die Temperatur-Messung des Mainboards, obwohl das direkte Auslesen der nun digitalen Temperatur-Dioden die Messwerte bestätigt. Insofern bleibt das Temperaturverhalten ein bis zur Verfügbarkeit des Core 2 Ende Juli unbedingt zu klärendes Problem. Andere Mainboards sind bereits auf dem Weg in die Redaktion.

Auf der nächsten Seite: Overclocking