4/6 Crysis Warhead im Test : Die bildhübsche Neuauslage aus Deutschland

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Inhaltliches

Plot

Mit „Crysis Warhead“ wagen die Entwickler von Crytek anstelle eines komplett neuen Settings die Eröffnung eines weiteren, parallel zu „Crysis“ stattfindenden Handlungsstranges. So wird nach Nomad nun Psycho, der zweite Überlebende der ursprünglichen Mission, begleitet, was storytechnisch sauber glückt – allerdings nur, wenn man den ersten Teil tatsächlich gespielt hat. Falls nicht, wird „Warhead“, am Ende der rund achtstündigen Kampagne angelangt, für alle Neulinge im Nano-Suit einige inhaltliche Fragen offenlassen.

Ob dieser Umstand in diesem Fall allzu schwer wiegt, darf aber bezweifelt werden. Denn „Warhead“ ist der aktuellste Beweis dafür, dass der Faktor „Action“ nicht etwa nur das Beiwerk zur sinnstiftenden Handlung ist, sondern das genau die umgekehrte Konstellation gegeben ist. So kommt es bei „Warhead“ wie schon beim Vorgänger schon nach ein paar Minuten Spielzeit überhaupt nicht mehr darauf an, wen man da gerade aus welchem Grund aus dem Weg räumt. Hauptsache, es kracht. Damit die ansehnliche Ballerei dann doch nicht in einer „Serious Sam“-mäßigen Orgie endet, hat man bei Crytek eine gewohnt simple aber in sich immerhin schlüssige Handlung integriert.

Nordkoreanischer Colonel: Bösewicht, wie er leibt und lebt
Nordkoreanischer Colonel: Bösewicht, wie er leibt und lebt

Und die geht so: Psycho wird ans andere Ende der Insel beordert und muss schnell feststellen, dass die Nord-Koreaner unter der Führung eines ebenso ausgefuchsten wie lässig-bösen Colonels einen teuflischen Plan ausgeheckt haben. Um den Lauf der Zeit zu verändern, planen die lupenreinen Antagonisten aus Pjöngjang nichts geringeres, als eines der eisigen Maschinen-Aliens in einem Container nach hause zu schaffen. Das ultimative Ziel von „Warhead“ ist damit von vornherein klar definiert, da natürlich genau dies verhindert werden muss. Bis zum großen Finale, bei dem man sowohl den garstigen Aliens als auch den nach Weltherrschaft strebenden Asiaten den Hintern versohlen muss, rennt Psycho dem blau-schimmernden Frachter hinterher, der mal auf Schienen und mal auf einem Luftkissenfahrzeug gen Nordkorea verfrachtet werden soll.

Mit Blick auf diese Simplizität, die auch im Spiel selbst durch keinerlei nennenswerte Wendung aufgebrochen wird, hinterlassen die vielen offenen Stellen, mit denen sich all jene eventuell konfrontiert sehen könnten, die „Crysis“ nicht gespielt haben, wahrscheinlich doch keinen faden Beigeschmack. Denn auf den Plot kommt es bei „Warhead“ nicht zwingend an. Ob dies für einen klassischen Shooter verwerflich ist, muss individuell beantwortet werden – immerhin ist auch dies eine der aktuell zentralen Fragen. Unterstellt man für sich jedoch, dass auch ein zünftiges Action-Spiel einen Hauch von spannendem, vielleicht sogar innovativem Inhalt bieten sollte, so muss an dieser Stelle die große Schwachstelle von „Warhead“ vermerkt werden, auch wenn sich die Handlung für „Crysis“-Veteranen immerhin etwas spannender ausnimmt, da das im ersten Teil gewonnene Bild vervollständigt wird.

Missionsdesign

In Sachen Missionsdesign hat sich bei „Warhead“ im Vergleich zum Vorgänger nichts getan, was aber auch völlig in Ordnung ist. Neben den ziemlich linearen aber sauber umgesetzten Hauptmissionen sorgen die dezent gestreuten, allerdings nicht sehr abwechslungsreichen optionalen Nebenmissionen dafür, dass der Spieler vordergründig ein kleines Stück mehr Freiheit gewinnt. De facto wird einem dies allerdings nur vorgegaukelt. Es besteht zwar in der Tat jederzeit die Möglichkeit, den konventionellen Weg zu verlassen und sich buchstäblich auf eigene Faust durch den wunderbar animierten Dschungel zu schlagen – doch gibt es hierfür nicht den Hauch einer Motivation. Da abseits der Hauptmission weder Ruhm, Reichtum noch viele Sehenswürdigkeiten locken, wird „Warhead“ von vornherein zu einem äußerst linearen, teils heftig gescripteten Spiel, wobei die Nebenmissionen lediglich für eine leichte Auflockerung sorgen.

Allerdings stellt diese Linearität kein großes Problem dar, da der Fokus bei „Warhead“, wie im Vorangegangenen beschrieben, klar auf der Action liegt. Deshalb wäre es wohl nicht sonderlich passend, eine Vielzahl von Vorgehensweisen anzubieten, da so aus einem Abschalt- ein strategisch etwas forderndes Spiel werden würde. Ob diese Logik tatsächlich sinnvoll ist, muss abermals individuell beantwortet werden.

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