StarCraft 2: Wings of Liberty im Test: Ein fast perfekter Auftakt

 6/6
Sasan Abdi
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Fazit

Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Test soll in diesem Fazit gleich zu Beginn formuliert werden: Der Start in die „StarCraft 2“-Trilogie ist mit „Wings of Liberty“ einwandfrei geglückt.

Dazu muss erwähnt werden, dass die Ausgangssituation zu dieser Feststellung keinesfalls euphorisch war. Im Gegenteil, hatten wir vorab aufgrund des riesigen Hypes um den „StarCraft 2“-Kickoff doch eher eine etwas trotzige Skepsis aufgebaut, die schon bei anderen irrsinnig in den Himmel gelobten, vermeintlichen Top-Titeln dazu geführt hat, dass das Ergebnis nicht so rosig ausfiel, wie vielleicht vorab vermutet.

Insofern ist umso verblüffender, dass „Wings of Liberty“ in diesem Test tatsächlich unter fast allen Gesichtspunkten überzeugen konnte. Dies setzt aber wie erwähnt voraus, dass man die Konzeption als Trilogie weitgehend annimmt und somit akzeptiert, dass die großen Zerg- und Protoss-Inhalte eben erst noch kommen werden und dass man sich stattdessen vornehmlich mit der Geschichte und den Inhalten der Terraner beschäftigt.

StarCraft 2 im Test

Lässt man sich auf diese sicherlich nicht unerhebliche aber doch zu verkraftende Beschneidung des Spielerlebnisses ein, so hat man es mit einem Titel zu tun, der an dieser Stelle trotz aller Gefahren, die mit dieser Aussage verbunden sind, als das derzeit beste Echtzeitstrategiespiel bezeichnet werden kann.

Möglich wird dies durch ein sehr stimmiges Gesamtbild, das sich aus den folgenden Komponenten zusammensetzt:

  • einem spannenden, wendungsreichen Plot
  • einer umfassenden Präsentation, wie man sie fast nur aus hochwertigen Rollenspielen kennt
  • einem abwechslungsreichen, gut durchdachten Missionsdesign
  • einer angemessenen technischen Umsetzung
  • und einem guten Multiplayer, der nach Stand der Dinge für viele weitere Stunden Spielspaß sorgen wird.

Auf der Soll-Seite stehen dagegen nur wenige Dinge, die den sehr guten Eindruck trüben könnten. Dazu gehören Punkte wie die manchmal mäßige Wegfindung, der lachhafte Zoom und die fehlende Ingame-AA-Aktivierung.

Da diese Aspekte in der diesem Test zugrundeliegenden Wahrnehmung jedoch nicht dazu ausreichen, um den sehr guten Eindruck effektiv zu schmälern, kann die abschließende Empfehlung nur lauten: Während „Wings of Liberty“ für alle Freunde des Genres einen Pflichtkauf darstellt, dürfen sich auch Neulinge und Gegelegenheitsspieler ohne Bedenken an Teil 1 der „StarCraft 2“-Trilogie heranwagen.

Persönliches Fazit von Volker Rißka

Als alter Strategieveteran einen Bogen um StarCraft 2 zu machen, ist eigentlich unmöglich. Und so gehen die ersten Missionen selbst auf höchstem Schwierigkeitsgrad locker von der Hand, denn alles was in StarCraft (Broodwar) jahrelang schon funktioniert hat, klappt auch hier wie in einer 1:1-Kopie. In diesem Sinne herrscht in der Kampagne deshalb eher Ideenarmut, denn die gute Mischung aus aufgewerteten Panzern, Marines, Medics und Raumjägern gewinnt doch fast jede Schlacht. StarCraft 2 ist hier einfach nur StarCraft. Erstaunt muss man dann aber feststellen, dass im Mehrspielermodus die besagten „besten alten Einheiten“ fehlen. Dort gibt es plötzlich bei den Terranern keine Medics mehr, der Adler-Rush ist unmöglich, das Forschungsschiff wurde gestrichen und Raumjäger sind ebenfalls auf die Kampagne beschränkt. Erst jetzt fängt StarCraft 2 richtig an, denn es müssen alternative Strategien gefunden werden.

Der Mehrspielermodus ist deshalb einmal mehr der Kern des neuen Ablegers. Aber genau dort kommen auch Probleme zum Vorschein. Die Wegfindung der KI auf hügligen Karten mit einem einzigen Aufgang zu den höher gelegenen Plateaus ist mitunter grausam. Zudem fehlt bei einem Spiel im Jahre 2010 eine Zoomfunktion, die diesen Namen auch verdient. In der Auflösung von 1.920 x 1.200 Pixel kommt man sich so vor wie vor zwölf Jahren in 640 x 480 Bildpunkten – dies ist eines aktuellen Strategiespiels nicht würdig. Zu diesem Kritikpunkt gesellt sich die Grafik höchstselbst, die auf den ersten Blick vielleicht detailverliebt erscheint, aber keinesfalls richtig gut ist. Fehlende Optionen für Anti-Aliasing & Co. direkt im Spiel sind ebenfalls nicht mehr zeitgemäß.

Doch diese negativen Punkte werden dem Erfolg von StarCraft 2 nicht im Weg stehen. Es ist und bleibt ein Multiplayerspiel mit aufgesetzter Solo-Kampagne – und im Multiplayer zählt in erster Linie die Balance als diverse technische Raffinessen. In diesem Bereich schließt StarCraft 2 nahtlos da an, wo der Vorgänger seit zwölf Jahren das Maß der Dinge ist.

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