50/54 Intel Sandy Bridge im Test : Fünf Modelle auf 54 Seiten untersucht

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Overclocking

Vor dem Start der neuen Prozessorfamilie wurden insbesondere in Richtung „Overclocking“ viele Gerüchte publiziert. Diese gingen von Behauptungen, dass sich eine herkömmliche Intel-CPU gar nicht übertakten lässt, bis zu „alles bleibt beim Alten“. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte und bedarf einer Differenzierung nach „K“-CPUs und den „normalen“ Ablegern.

„Unlocked“ Intel Core i5-2500K bei 4,5 GHz
„Unlocked“ Intel Core i5-2500K bei 4,5 GHz
Intel Core i7-2600K bei 5 GHz
Intel Core i7-2600K bei 5 GHz

Im letzten Jahr hat Intel die „K“-Modelle eingeführt. Diese besitzen einen frei bestimmbaren Multiplikator und im Falle der „Sandy Bridge“ die größere Grafikeinheit HD3000, dafür als Gegenpol aber ein beschnittenes Feature-Set. Namentlich sind dies die Modelle Core i7-2600K und Core i5-2500K, die wir in diesem Test bereits rundum beleuchtet haben.

Das Übertakten mit beiden gestaltet sich spielend. Der Core i7-2600K schafft 5 GHz, den Core i5-2500K haben wir auf 4,5 GHz gebracht. Den Turbo haben wir dafür bei beiden Modellen deaktiviert, SMT beim Core i7-2600K blieb jedoch aktiviert.

Overclocking mit dem Turbo
Overclocking mit dem Turbo

Richtig interessant wird das Übertakten allerdings erst mit den herkömmlichen Prozessoren. Gänzlich, wie im Vorfeld gemutmaßt, hat Intel dem Übertakten nicht den Riegel vorgeschoben, der Hersteller gibt nun jedoch einen festen Spielraum vor.

So kann der Takt dieser CPUs, der beim Hinzuschalten des Turbos anliegt, um maximal 400 MHz angehoben werden. Diese Übertaktung gilt nur beim Einsatz des Turbos, der Basis-Takt bleibt - entgegen der „K“-CPUs – immer gleich. Beispiel: Agiert der Intel Core i5-2500 von Haus aus mit dem Multiplikator 33, stehen ihm im normalen Betrieb vier Schritte im Turbo bis 3,7 GHz zur Verfügung. Beim Übertakten bleibt der Multiplikator von 33 bestehen, der Turbo setzt jedoch bis zu 400 MHz höher auf. Fortan agiert der Core i5-2500 bei Last auf einem Kern mit bis zu 4,1 GHz (3,3 GHz Basistakt + 400 MHz Übertaktung im Turbo + 400 MHz Turbo), bei Last auf allen vier Kernen sind es noch 3,8 GHz (3,3 GHz Basistakt + 400 MHz Übertaktung im Turbo + 100 MHz Turbo). Dieses funktioniert anhand unseres getesteten, im Handel erworbenen Modells eines gelockten Core i5-2500 tadellos, der Core i3-2300 bestätigt es.

Der BCLK bestimmt alle Takraten
Der BCLK bestimmt alle Takraten

Ein Weg, der bisher beim Übertakten in den meisten Fällen genutzt wurde, war die Steigerung des Frontside-Bus' beziehungsweise neuerdings des BCLK. Dies ist bei „Sandy Bridge“ aber so gut wie nicht mehr möglich, da Intel nahezu alle Funktionen der CPU an den BCLK gekoppelt hat. Nicht nur der Prozessor und Speicher hängen von nun an an diesem Basistakt, auch die Grafik, die Verbindung zu den PCI-Express-Slots sowie die Kommunikationsleitungen (DMI) zu dem Platform Controller Hub (PCH) a.k.a. Chipsatz und der Grafikausgabe (FDI) basieren darauf.

Intel Core i3-2300 bei 3,47 GHz
Intel Core i3-2300 bei 3,47 GHz
„Locked“ Core i5-2500 bei 4,3 GHz
„Locked“ Core i5-2500 bei 4,3 GHz

Mit den normalen „Sandy Bridge“ ist Intel also quasi wieder dort angelangt, wo das Overclocking vor vielen Jahren seinen Ursprung nahm. Alles hängt an einem Takt, wird dieser stark verändert, werden alle weiteren Bauteile im System beeinflusst und es kommt dadurch schneller zu Instabilitäten und letztendlich zum Absturz.

Dank den hohen Multiplikatoren können sich allerdings auch kleine Schritte im BCLK schon deutlich auswirken. Der besagte Core i5-2500 macht bei maximalem Turbo, den zusätzlichen vier Multiplikatoren im Turbo und einem BCLK von 105 bei einem Kern stabile 4,3 GHz mit, vier Kerne laufen durchweg mit 4 GHz. Gleiches gilt für den Core i5-2300, dem man so einen stabilen Betrieb von 3,47 GHz für alle vier Kerne beibringen kann. Natürlich sind „nur“ 700 MHz mehr Takt nicht mehr ganz das, was man früher gewohnt war, für lediglich zwei Anpassungen im BIOS – und nicht zu verachten für lau – ist es aber immer noch keine völlig schlechte Angelegenheit.

Maximaler BCLK von 107,3 MHz
Maximaler BCLK von 107,3 MHz

Das Limit des BCLK auszuloten gestaltet sich allerdings schwierig, variiert nicht nur mit der CPU sondern auch von Board zu Board. Unser Asus P8P67 Deluxe lief stabil bis 107,3 MHz, ab 107,4 MHz blieb der Bildschirm schwarz. Eines der angeschlossenen Geräte verweigert durch den höheren Takt seinen Dienst und der Rechner funktioniert folglich nicht mehr.

Intel Core i7-2600K bei 5 GHz
Intel Core i7-2600K bei 5 GHz

Overclocking kostet natürlich auch mit neuen Prozessoren gehörig Energie. Da Intel den „Sandy Bridge“ aber Spielraum bis 1,525 Volt gibt, sind die Grenzen nach oben gerade für die Varianten mit frei bestimmbarem Multiplikator offen. Bei 57 soll der Multiplikator an der natürlichen Grenze angelangt sein, gepaart mit einem BCLK von 105 oder mehr – falls möglich – sind 6 GHz Takt drin. Wir haben uns unter Luftkühlung jedoch auf das „normale Overclocking“ beschränkt.

Leistungsaufnahme Overclocking
Angaben in Watt (W)
  • Volllast:
    • Intel Core i5-2500, 4C/4T, 3,30 GHz (default)
      154
    • Intel Core i5-2500K, 4C/4T, 3,30 GHz (default)
      154
    • Intel Core i7-2600K, 4C/8T, 3,40 GHz (default)
      168
    • Intel Core i5-2500, 4C/4T, 4,30 GHz (1,30 Volt)
      174
    • Intel Core i5-2500K, 4C/4T, 4,50 GHz (1,32 Volt)
      196
    • Intel Core i7-2600K, 4C/8T, 5,00 GHz (1,44 Volt)
      265

Übrigens: Das Übertakten wird nur mit dem P67-Chipsatz so einfach möglich sein. Die H67-Boards erlauben keine Verstellung des Multiplikators über den eigentlichen Turbo-Modus (im obrigen Fall drei oder vier Schritte) hinaus. Der bereits vor wenigen Wochen gemunkelte „Z68“-Chipsatz soll die Eigenschaften von P67 und H67 vereinen und dann dieses Problem beheben. Mit einer Markteinführung rechnet man in der Gerüchteküche zum Frühjahr 2011 – eine offizielle Bestätigung dafür gibt es aber noch nicht.

Z68-Chipsatz
Z68-Chipsatz

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