Batman: Arkham City im Test: Willkommen in der Hölle!

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Sasan Abdi
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BAC auf einen Blick

Bemüht man gleich zu Beginn den Vergleich zum Vorgänger, so lässt sich sagen, dass „Batman: Arkham City“ (BAC) durchaus an diesen anschließt. Dementsprechend trifft man im Rahmen der Handlung auf altbekannte Persönlichkeiten, die sich seit den bald zwei Jahre zurückliegenden Geschehnissen von „Batman: Arkham Asylum“ weiterentwickelt haben.

Da ist beispielsweise Quincy Sharp, vormals Leiter des Arkham Asylums und mittlerweile Bürgermeister von Gotham, dem in BAC eine zentrale Rolle zukommt: Gemeinsam mit Batmans ewigem Widersacher Hugo Strange lässt er einen alten Bezirk von Gotham zu einem riesigen Freiluft-Gefängnis – Arkham City – umfunktionieren, in das in der Folge alle Verbrecher und Geisteskranke aus dem schwer demolierten Asylum eingeliefert werden, sodass eine verruchte Stadt in der Stadt entsteht. Innerhalb von Arkham City herrschen dabei nicht mal im Entferntesten Recht und Ordnung; stattdessen wird die Meute sich selbst überlassen, wobei das Recht des Stärkeren die Rechtsstaatlichkeit ersetzt.

Batman: Arkham City: Hugo Strange: Der BAC-Über-Antagonist
Batman: Arkham City: Hugo Strange: Der BAC-Über-Antagonist

Diese storytechnische Wendung erlaubt es, einen sehr interessanten Rahmen für das neue „Batman“ zu erschaffen, der in Umfang und Möglichkeiten über den Vorgänger hinausreicht. Denn als Spielwelt dient dadurch ein vergleichsweise großes, im weitesten Sinne als Open World angelegtes Areal, in dem sich jede Menge Schwerverbrecher und psychisch Kranke tummeln.

In dieses Szenario gerät Batman hinein, weil er in persona seines offiziellen Egos als Bruce Wayne vor den Toren von Arkham City – beabsichtigt? – einen Eklat provoziert, der ihm die Einweisung in das Giga-Gefängnis einbringt. In der sich von diesem Punkt ab entspinnenden Handlung geht es vornehmlich um die Ziele und Pläne von Hugo Strange, der mit der Aktivierung eines ominösen „Protokoll 10“ immer wieder für den roten Faden im Spiel sorgt und den Spieler in Kombination mit einer spannenden, wendungsreichen Erzählung bis zum Schluss bei der Fahnenstange hält.

Doch nicht nur der Kampf gegen das personifizierte Böse steht im Vordergrund, sondern auch andere Geschehnisse der düsteren BAC-Welt. So erlaubt es die Konzeption, dass sich in den Straßen von Arkham City nicht nur namenlose Gewalttäter herumtreiben, sondern auch einige bestens bekannte Oberschurken. Dementsprechend mutet es auch nicht komisch an, dass in der Stadt mit Two Face, Joker und Pinguin neben anderen bestens bekannten Charakteren gleich drei große Batman-Antagonisten samt großer Gang um die Vorherrschaft kämpfen, was im Verlauf des Spiels immer wieder eine wichtige Rolle spielt und clever mit der Haupthandlung um die Auseinandersetzung zwischen Batman und Hugo Strange verknüpft wird.

Videoeindruck aus „Batman: Arkham City“

Die mitunter wichtigste Weiterentwicklung betrifft somit die Spielwelt. „Batman: Arkham City“ ist größer, düsterer und authentischer als der Vorgänger und als die meisten Konkurrenten, die sich an einer ähnlichen Konzeption versuchen. Dies liegt vor allem an der Glaubwürdigkeit und dem Detail, mit dem Arkham City in Szene gesetzt wird: Es gibt offizielle Gebäude wie eine alte Polizeistation, eine Kirche, ein Gerichtsgebäude und eine Radiostation, aber auch zahlreiche Wohnblocks und verlassene, teils von Wasser umgebene Ruinen. Auf Dächern und in den dunklen Häuserschluchten patroullieren und bekriegen sich die rivalisierenden Gangs, sodass man stets den Eindruck hat, es mit einer lebendigen Umgebung zu tun zu haben, in der Moral und Menschlichkeit keinen Pfennig wert sind. Kurzum: Arkham City ist eine, nun ja, glaubwürdige Hölle auf Erden.

Neben der Kampagne findet man wie angedeutet auch einige Sekundärmissionen vor. Diese fallen häufig mehrstufig aus und können in Teilen sogar in einem relativ großzügigen Zeitfenster nach eigenem Dafürhalten früher oder später erledigt werden. Die Grundlage stellt dabei oftmals die Verknüpfung mit einem bekannten Batman-Charakter dar: Man jagt den psychopathischen Serienmörder Zsasz um das Schlimmste zu verhindern, sucht für den zwielichtigen Giganten Bane nach Titan-Fässern und geht – gezwungenermaßen – der Vergiftung von Joker auf den Grund. Die Varianz und die Erzählung sind auch in diesen Fällen wie bei der Haupthandlung fast immer erstklassig gelungen, was insbesondere für jene Missionen gilt, die obendrein auch noch geschickt mit Batmans Kampf gegen Hugo Strange verknüpft werden und so die Spieltiefe erhöhen. Ein weiterer positiver Effekt hiervon ist schließlich, dass man aufgrund der Sekundärmissionen gut und gerne an die 20 Stunden mit Arkham City verbringen kann – ein Wert, der sich in diesen Tagen durchaus sehen lassen kann.

Batman: Arkham City: Auflockerndes Gimmick: Der Detektivmodus
Batman: Arkham City: Auflockerndes Gimmick: Der Detektivmodus

Doch nicht nur inhaltlich, auch spielmechanisch hat das Missionsdesign eine ordentliche Varianz zu bieten, auch wenn sich Rätselfreunde auch im Falle von „Batman: Arkham City“ wie schon beim Vorgänger am Umfang der entsprechenden Anteile stoßen dürften. Diese sorgen aber weiterhin für eine angenehme Auflockerung des nach wie vor auf Faustkämpfe, Einschleichen und Retten ausgelegten Action-Teils: Per Tastendruck wechselt man in den sogenannten Detektivmodus, in dem man nicht nur Gegner und Interaktionsmöglichkeiten, sondern auch Flugbahnen von Kugeln, Patronenhülsen und Blutspritzer analysieren kann. Auch wenn es sich bei einigen dieser Tätigkeiten um Aktionen handelt, die spätestens nach dem dritten Mal langweilig werden, findet sich hier doch ein sinnvoller Zusatz, der dem Missionsdesign sehr zuträglich ist. Gleiches gilt übrigens auch für die Möglichkeit, von Zeit zu Zeit in die Haut von Catwoman zu schlüpfen (der entsprechende, auf den Konsolen optionale DLC ist in der PC-Version bereits integriert), was nicht nur inhaltlich sinnvoll eingebettet wird, sondern auch mit etwas anderen Bewegungsabläufen einhergeht. Und auch sammelwütige Spieler kommen dank der großzügig verteilten, häufig mit einem kleinen Rätsel verbundenen Riddler-Trophäen wieder auf ihre Kosten.