2/3 Motorola Moto G im Test : Kampfansage in der Mittelklasse

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Performance & Oberfläche

Die Kombination aus einem Qualcomm Snapdragon 400 mit vier Kernen und einer Taktrate von bis zu 1,2 Gigahertz, einer Adreno-305-Grafikeinheit mit einer Taktrate von 450 Megahertz sowie einem Arbeitsspeicher von einem Gigabyte reichen für eine flüssige Bedienung von Android 4.4.2 vollkommen aus. Natürlich lässt die Hardware keine Höchstleistungen zu, dies sollte für einen Preis von 169 Euro aber auch nicht erwartet werden. Verstecken muss sich das Moto G vor der höherpreisigen Konkurrenz allerdings nicht.

Alltagsaufgaben lassen sich mit dem Moto G gut bewerkstelligen, die Bedienung ist angenehm und geschmeidig. Dies gilt ebenfalls für den Wechsel zwischen den einzelnen Seiten des Homescreens, selbst wenn diese eine größere Anzahl an Widgets beinhalten. Auch das Scrollen in längeren Webseiten geht ohne Ruckler vonstatten. Im Spielebereich macht das Smartphone ebenso eine gute Figur, auch wenn der Nutzer bei aufwendigen 3D-Spielen der Hardware geschuldet mit Darstellungseinbußen rechnen muss.

Den ersten Schwachpunkt liefert das Moto G mit dem fehlenden SD-Karten-Slot. Von den in unserem Testgerät befindlichen acht Gigabyte des internen Speichers bleiben dem Nutzer nicht einmal fünf Gigabyte für eigene Daten. Bei multimedialer Nutzung sind diese schnell mit Spielen und Musik gefüllt. Auch die vorhandene Miracast-Funktion, mit der neben Bildschirminhalten auch Filme und Musik an externe Wiedergabegeräte weitergegeben werden kann, schreit geradezu nach einem größeren internen oder zumindest per SD-Karte erweiterbaren Speicher.

Motorola liefert das Moto G aktuell mit einem nahezu unveränderten Android 4.4.2 KitKat aus, welches es in die Nähe von Googles Nexus-Reihe bringt. Im Gegensatz zu den Smartphones anderer Hersteller hat Motorola das Moto G nicht mit unnützen Applikationen vollgestopft, sondern dem Smartphone einige durchaus nützliche Tools mit auf den Weg gegeben.

So beinhaltet das System einen praktischen Migrationsassistenten, welcher den Umstieg von einem bisher verwendeten Smartphone auf das Moto G komfortabel gestalten soll. Durch Installation der Applikation auf dem alten Smartphone oder Tablet können unter anderem Kontakte, Anrufverläufe, Nachrichten sowie Bilder, Musik und Videos auf das Moto G übertragen werden – auf Wunsch sogar per WLAN-Direktverbindung.

Über die Applikation „Assist“ können Tasks erstellt werden, welche bestimmte Aufgaben auf dem Gerät automatisieren. Zwar kann das Tool nicht mit dem Funktionsumfang anderer Applikationen wie zum Beispiel „Tasker“ mithalten, reicht jedoch aus, um unter anderem das Gerät zu bestimmten Zeiten leiser oder stumm zu schalten. Auf Wunsch werden dabei Kalendereinträge berücksichtigt oder nur bestimmte Kontakte durchgelassen.

Erfreulich ist zudem, dass sich alle Motorola-Applikationen über den Play Store aktualisieren lassen, was auch Apps wie die der Kamera oder des Radios mit einschließt. Der Motorola-Boot-Dienst ändert zudem zu bestimmten Anlässen die Startanimation.

Auch im Bereich Multimedia kann das Smartphone überzeugen: Videoclips werden in allen gängigen Formaten, Profilen und Levels selbst in 1080p-Quellmaterial ruckelfrei abgespielt. Ebenso spielt das Moto G Musik mit einem für Smartphones guten Klang ab.

Kamera

Die rückseitig verbaute Kamera nimmt Bilder in einer Auflösung von 2.560 × 1.920 Bildpunkten auf, Videos werden mit 1.280 × 720 Bildpunkten und mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet. Die vorderseitige Kamera erlaubt hingegen Bildaufnahmen mit lediglich 1.280 × 1.024 Bildpunkten und Videoaufnahmen mit ebenfalls 1.280 × 720 Bildpunkten.

Neben dem fehlenden SD-Karten-Slot bildet die Kamera den zweiten großen Schwachpunkt beim Moto G, denn hier macht sich der geringe Preis deutlich bemerkbar. Zwar reicht die Qualität der Frontkamera durchaus für Videotelefonie aus, die Hauptkamera gibt hingegen kein gutes Bild ab: Selbst unter optimalen Lichtverhältnissen wirken Farben oftmals blass und das Bild verrauscht, bei Verwendung des LED-Blitzes weisen die Bilder zudem einen deutlichen Blaustich auf. Auch der vorhandene HDR-Modus wird seinem Namen in keinster Weise gerecht. Zwar wirken die Farben bei diesem ein wenig kräftiger, vor unscharfen Bildern kann aber auch er nicht schützen. Ein Auslösen über die Hardware-Tasten ist zudem nicht möglich.

Nicht anders verhält es sich mit der Videofunktion. Auch bei Videos neigt die Kamera zu verwaschenen Bildern. Darüber hinaus stößt der verwendete Codec schnell an seine Grenzen, was sich in einer deutlichen Fragmentbildung äußert.

Motorola Moto G Videoqualität

Etwas gewöhnungsbedürftig sind zudem die Einstellungsmöglichkeiten der Kamera. Von links nach rechts gewischt kommt ein drehbarer Halbkreis hervor, auf welchem sich alle nötigen Einstellungen wie zum Beispiel für den LED-Blitz oder die Panoramafunktion befinden. Die Kamera verfügt über einen Zeitlupenmodus, bei dem ein aufgenommenes Video um das Vierfache gestreckt wird.

Motorola Moto G Kamera
Motorola Moto G Kamera

Eine gute Idee hätte hingegen der Modus „Fokuskontrolle und Belichtung“ sein können: Mit diesem wird der Fokus der Aufnahme durch Verschieben eines Kreises auf einen bestimmten Punkt des Motivs gelegt. Er sorgt jedoch nur für geringfügig bessere Bilder und kann die schlechte Kamera nicht ausgleichen.

Konnektivität

Das Moto G bringt alle nötigen Verbindungsstandards mit – nicht mehr, aber auch nicht weniger. GPRS und EDGE werden genauso unterstützt wie HSPA+ mit Raten von bis zu 21,6 Mbit/s im Download sowie 5,76 Mbit/s im Upload. Auf LTE muss jedoch verzichtet werden. Für die drahtlose Verbindung zu anderen Geräten sorgt WLAN im Standard 802.11 b/g/n mit Unterstützung für WiFi-Direct und Miracast sowie Bluetooth 4.0.

Zur Ortung stehen ein A-GPS-Modul mit GLONASS zur Verfügung. In unserem Navigationstest dauerte es zwar einen Moment, bis eine Satellitenverbindung vorhanden war, dieser Zeitraum hielt sich jedoch in Grenzen. Einmal verbunden, war die Verbindung stabil und lieferte auch innerhalb von Gebäuden gute Ergebnisse. Somit qualifiziert sich das Moto G auch als günstiges Navigationsgerät.

Die Sprachwiedergabe beim Telefonieren war durchgehend gut, wenn auch nicht so klar wie bei hochpreisigeren Geräten. Trotzdem konnten wir in unseren Tests unser Gegenüber immer gut verstehen – und dieser uns auch. Beim Freisprechen neigt der Lautsprecher aufgrund der Höhenlastigkeit bei hoher Lautstärke schnell zu Verzerrungen.

Laufzeiten

Motorola stattet das Moto G mit einem fest verbauten Akku mit einer Nennleistung von 2.070 mAh aus. In Kombination mit dem begnügsamen Prozessor ist das Smartphone bei einem normalen Mix aus Telefonie, Surfen, Musikhören und Spielen in der Lage, zwei Tage ohne Steckdose auszukommen. Im reinen Standby betrug der Verbrauch pro Tag zehn Prozent der Akkuladung.

Auch in unserem Akkutest konnte das Moto G mit Laufzeiten von über sieben Stunden überzeugen. Die Ladezeit des Akkus hält sich mit knapp über drei Stunden für eine Vollladung in Grenzen.

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