3/4 Motorola Moto G (2015) im Test : Mehr Smartphone braucht kein Mensch

, 165 Kommentare

Kamera

Motorola will endlich in der Liga der guten Smartphone-Kameras mitspielen, das war ganz klar die Ansage im Rahmen der Präsentation des Moto G 3 sowie der beiden neuen Flaggschiffe Moto X Play und Style. Beim Moto G bedeutet dies in erster Linie mehr Megapixel. Von 8 hat Motorola die Anzahl derer auf 13 erhöht. Die maximal mögliche Videoauflösung ist von 720p auf 1.080p geklettert. Gleiches gilt für die Vorderseite: Für Selfies ist jetzt ein Sensor mit 5, statt vormals 2 Megapixel zuständig. Neu für die Hauptkamera ist zudem ein Dual-LED-Blitz, der seine Farbe dem Umgebungslicht anpassen kann. Gleich geblieben ist die Blende von f/2,0, womit das Moto G 3 zu den lichtstärkeren Smartphones zählt.

Kameravergleich
Motorola Moto G 3 Motorola Moto G 2 Apple iPhone 6 Plus Huawei P8
Hauptkamera Auflösung 13,0 MP 8,0 MP 13,0 MP
Sensorgröße Unbekannt 1/3" 1/3,06"
Sensorformat 4:3
Blendenzahl f/2,0 f/2,2 f/2,0
OIS ×
Video 1.080p 720p 1.080p
Frontkamera Auflösung 5,0 MP 2,0 MP 1,2 MP 8,0 MP
Video 1.080p 720p 1.080p

Tagsüber kann das neue Moto G 3 durch eine gute, sich über das gesamte Bild gleichmäßig erstreckende Bildschärfe punkten. Zwar produziert der Sensor wie auch beim Vorgänger eine leichte Artefaktbildung bei niedrigen Empfindlichkeiten, die durch die höhere Auflösung auch noch verstärkt wird – weiter störend wirkt sich diese aber erst einmal nicht auf die Fotos aus, zumal sie nur in der 100-%-Ansicht wirklich sichtbar wird.

Ein genauer Weißabgleich ist die halbe Miete für eine naturelle Farbwiedergabe. Wie die meisten Smartphones hat auch das Moto G 3 am Tag kaum bis gar keine Probleme mit der Temperaturanpassung. Verglichen mit dem Moto G 2 weist das neue Modell etwas mehr Fingerspitzengefühl beim korrekten Abgleich auf. Bei warmem Kunstlicht hat das Motorola Moto G 3 mit einer zu starken Tönung in den roten Farbbereich zu kämpfen. Die anderen Testkandidaten schneiden hier aber auch nicht besser ab.

Bei niedrigen Empfindlichkeiten ist der Dynamikumfang des Sensors mit einem Gut zu bewerten und gleichauf mit dem des Moto G 2. Die für den Vergleich herangezogenen Konkurrenzprodukte Apple iPhone 6 Plus und Huawei P8 legen aber noch eine Schippe mehr drauf. Zu sehen ist dies beispielsweise an der besseren Durchzeichnung des Himmels, wie auf den Bildstrecken 49 bis 52 oder 85 bis 88 deutlich zu erkennen ist.

Motorola Moto G (2015) im Test – Kamera

Wird die Lichtausbeute knapper, so muss unter anderem die Empfindlichkeit des Sensors erhöht werden, um das Motiv weiterhin korrekt belichten zu können. Das geht immer mit einer Erhöhung des Bildrauschens und dem Sinken des Dynamikumfangs einher. Bei leicht erhöhten Empfindlichkeiten wie ISO 400 nimmt das Rauschen beim Motorola Moto G 3 bereits deutlich stärker als bei allen anderen im Test beteiligten Smartphones zu. Bildschärfe und Dynamikumfang nehmen ebenfalls spürbar ab, sind aber nach wie vor gleichauf mit den Ergebnissen der anderen Testkandidaten.

Dies ist aber spätestens bei Anbruch der Dunkelheit nicht mehr der Fall. Starkes Rauschen und ein ebenso stark gesunkener Dynamikumfang sorgen für kaum ansehnliche Ergebnisse. Dem Huawei P8, aber vor allem dem Apple iPhone 6 Plus kann das Moto G 3 nicht einmal mehr ansatzweise das Wasser reichen.

Das Motorola Moto G3 bietet zwar eine höhere Auflösung als sein Vorgänger und ist damit wieder auf Höhe der Zeit, abseits davon sind aber keine signifikanten Verbesserungen erkennbar. Bei Tageslicht zieht das neue Motorola Moto G gleich mit aktuellen Smartphones, muss sich bei Anbruch der Dunkelheit aber geschlagen geben.

Konnektivität

Bisher musste beim Moto G stets zur LTE-Edition gegriffen werden, wenn der schnelle Mobilfunkstandard von Interesse war. Diese Zeiten sind mit dem Moto G 3 vorbei, LTE gehört immer zur Standardausstattung und ist nach Cat. 4 mit bis zu 150 Mbit/s im Downstream und bis zu 50 Mbit/s im Upstream möglich. Wie schon beim letztjährigen Moto G, sorgt die LTE-Funktionalität für den Wegfall der Dual-SIM-Unterstützung. Diese bot Motorola bisher nur für die 3G-Variante und beim aktuellen Moto G gar nicht an.

Motorola hat sich damit für den schnelleren Mobilfunk, anstatt den fliegenden Provider-Wechsel entschieden. Das Moto G ist in dieser Hinsicht schwierig zu positionieren. Es ist weder das sehr günstige Smartphone für Schwellenländer, in denen Dual-SIM stark gefragt ist, noch das klassische Smartphone, das mit LTE-Verträgen kombiniert wird. Die standardmäßige LTE-Unterstützung ist hierzulande allerdings mehr wert, als eine Dual-SIM-Funktion.

Fächer für Micro-SIM und microSD unter der Rückschale
Fächer für Micro-SIM und microSD unter der Rückschale

Noch mehr profitiert hätten aber Kunden durch das Hinzufügen von WLAN in 5-GHz-Netzwerken. Hier ist das SoC der limitierende Faktor, erst bei der 600er-Serie von Qualcomm wäre dies Bestandteil des Chips. Mit WLAN nach 802.11 b/g/n, Bluetooth 4.0 LE sowie A-GPS und GLONASS wird der übliche Standard an weiterer Konnektivität geboten. Die Verbindung zum Computer erfolgt über das etablierte Micro-USB 2.0. Der interne Speicher kann nach Abziehen der Rückschale mit bis zu 32 Gigabyte großen microSD-Karten erweitert werden. Dies ist auch dringend notwendig. Auf dem Testgerät von ComputerBase ist nach der Installation von rund 30 Apps und dem Schießen von rund 50 Bildern kein ganzes Gigabyte mehr frei.

Laufzeiten

Im neuen Moto G steckt ein noch größerer Akku als in der LTE-Variante des letztjährigen Modells. 2.470 mAh stehen 2.390 mAh gegenüber. Die normale 3G-Version des Moto G 2 kommt sogar nur auf 2.070 mAh. Die höhere Nennladung hat dem Smartphone gutgetan. Durch den Verzicht auf Stromfresser wie ein Full-HD-Display oder ein überdimensioniertes SoC wirkt sich der größere Akku voll auf die Laufzeiten aus.

Im Video-Dauertest hat sich die Laufzeit um 20 Prozent verbessert: statt sieben Stunden waren zum Ende des Tests achteinhalb Stunden auf der Uhr. Das ist nicht nur im Vergleich zum alten Moto G ein guter Wert, sondern auch mit Blick auf Geräte wie das Samsung Galaxy Note 3, Galaxy S5 oder LG G Flex 2. Im PCMark schneidet das neue Moto G sogar 40 Prozent besser ab als das alte Modell. Die Kombination aus vergleichsweise großem Akku und sparsamer Hardware führt das Moto G 3 an die Spitze der Wertung.

Einzig im Browser-Dauertest Peacekeeper wirkt sich der größere Akku mit einer Verlängerung der Laufzeit um drei Prozent nur geringfügig aus.

Auch auf die Nutzung im Alltag hat die Vergrößerung des Akkus bei quasi gleicher Hardware einen positiven Effekt. Selbst mit Casual-Games wie „Plants vs. Zombies 2“ zusätzlich zur regulären Nutzung von WhatsApp, Internet, E-Mail, Facebook und Konsorten trägt das Moto G 3 sicher über den ganzen Tag – auch in die späten Nachtstunden.

Auf der nächsten Seite: Fazit