USB Typ C : Der Stecker ist Standard, der Rest viel Recherche

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USB Typ C: Der Stecker ist Standard, der Rest viel Recherche

Was kann der im Jahr 2014 angekündigte, verdrehsicher einsetzbare Stecker USB Typ C? Das kommt ganz darauf an! USB Typ C kann eine ganze Menge, gekennzeichnet ist das nur selten.

Doch die Befürchtung „Ein Stecker macht noch keinen Standard“ hat sich bewahrheitet: Was über den Anschluss übertragen werden kann, ist für Kunden oftmals nicht sofort ersichtlich. Der gebotene USB-Standard, das Angebot zusätzlicher Protokolle und die maximal übertragbare elektrische Leistung können variieren. Ein Überblick.

Typ C ist ein Stecker!

USB Typ C ist ein Steckerformat, so wie es zum Beispiel auch USB Typ A und Typ B sind. Und wie bei Typ A und Typ B kann das USB-Protokoll in verschiedenen Generationen zum Einsatz kommen. Wie USB Typ A kann also auch USB Typ C mit USB 2.0, USB 3.0 (umbenannt in USB 3.1 Gen1) oder USB 3.1 Gen2 Daten senden. „USB Typ C = USB 3.1“ ist ein Trugschluss.

Bei Smartphones oft noch USB 2.0

Bei Smartphones ist das besonders deutlich, selbst aktuellste Geräte wie das Sony Xperia XZ oder X Compact binden USB Typ C noch mit USB 2.0 an – der Datenaustausch wird damit zur Geduldsprobe. Beworben wird meistens hingegen nur das Format.

Auch bei Notebooks gibt es diese Vielfalt. Die im Preisvergleich gelisteten Modelle mit USB 3.1 (Typ C) setzen zwar in der Tat alle auf USB 3.1 Gen2, bei anderen Modellen beziehungsweise Ausstattungsvarianten ist das aber nicht der Fall.

Alternate Modes maximieren das Chaos

Weil der neue Stecker vom Typ C erstmals auch andere Protokolle mit einbinden kann („Alternate Modes“), bleibt die Beantwortung der Frage, was USB Typ C kann, selbst nach Klärung der USB-Thematik schwierig.

DisplayPort, HDMI, MHL, Thunderbolt 3

Sofern vom Hersteller durch zusätzliche Chips vorgesehen, können über einen USB-Typ-C-Stecker mit USB 2.0, USB 3.0 (USB 3.1 Gen1) und USB 3.1 Gen2 auch DisplayPort 1.3 für bis zu 5.120 × 2.880 Pixel bei 60 Hz, MHL und HDMI wiedergegeben werden. Hersteller sind angeraten, diese Möglichkeiten mit kleinen Piktogrammen direkt am Anschluss kenntlich zu machen, die Regel ist das aber nicht.

A USB Type-C device that supports USB Power Delivery and Alternate Modes is not required to support SuperSpeed USB (USB 3.1 Gen 1) or SuperSpeed USB 10Gbps (USB 3.1 Gen 2)

USB-IF zu Alternate Modes

Auch der oftmals hilfreiche Preisvergleich hilft hier nicht weiter, denn welches der zehn Smartphones mit USB Typ C in Kombination auch MHL unterstützt, diese Tiefe bietet die Plattform bisher nicht an. Nur der Hersteller kann hier weiterhelfen.

Die Theorie ist klarer, auch hier fehlt aber MHL
Die Theorie ist klarer, auch hier fehlt aber MHL (Bild: Intel)

Die nachfolgende Tabelle führt die möglichen Konfigurationen eines Steckers vom Typ C exemplarisch auf. Alles kann, nichts muss. Enthalten ist auch Thunderbolt 3 – der kleinste gemeinsame Nenner am neuen Stecker. Auch was die elektrische Leistung anbelangt.

Stecker USB-Geschwindigkeit DisplayPort MHL HDMI Thunderbolt 3
USB Typ A USB 2.0, USB 3.0 oder USB 3.1 nein nein nein nein
USB Typ C USB 2.0, USB 3.0 oder USB 3.1 optional optional optional optional*
* Wenn Thunderbolt 3, dann auch DisplayPort

Mehr elektrische Leistung, aber nicht immer

Während USB 3.1 Gen2 auch mit Steckern vom Typ A umgesetzt werden kann, sind die neuen Alternate Modes ein potentielles Alleinstellungsmerkmal des neuen Steckers vom Typ C. Ein weiteres betrifft die maximale Abgabe elektrischer Leistung, ohne dass auf die separate Spezifikation USB Power Delivery zurückgegriffen wird.

Maximale elektrische Leistung ohne USB Power Delivery
Stecker USB-Standard Kabel Elektrische Leistung (max.)
Typ A auf Typ A USB 2.0 Standard 5,0 Volt, 500 mA, 2,5 Watt
Typ A auf Typ A USB 3.0 (USB 3.1 Gen1) Standard 5,0 Volt, 900 mA, 4,5 Watt
Typ A auf Typ A USB 3.1 (USB 3.1 Gen2) Standard 5,0 Volt, 900 mA, 4,5 Watt
Typ C auf Typ C USB 2.0 Standard 5,0 Volt, 3.000 mA, 15,0 Watt
Typ C auf Typ C USB 2.0 Aktiv Typ C mit USB PD 5,0 Volt, 5.000 mA, 25,0 Watt
Typ C auf Typ C USB 3.0 (USB 3.1 Gen1) Aktiv Typ C mit USB PD 5,0 Volt, 5.000 mA, 25,0 Watt
Typ C auf Typ C USB 3.1 (USB 3.1 Gen2) Aktiv Typ C mit USB PD 5,0 Volt, 5.000 mA, 25,0 Watt

Der Stecker vom Typ A liefert mit USB offiziell maximal 2,5 Watt, mit USB 3.0 und USB 3.1 sind es 4,5 Watt. Alles, was darüber hinaus geht, verletzt die Spezifikationen. USB Typ C bietet ab sofort bis zu 25 Watt – vorausgesetzt, die Kabel sind die richtigen und die Gegenstelle ebenfalls dazu fähig.

Die alten 2,5 und 4,5 Watt sowie 7,5 Watt (5,0 Volt bei 1,5 Ampere, USB Battery Charging 1.2) bietet USB Typ C mit jedem USB-Standard und jedem Kabel. Auch 15 Watt (5,0 Volt bei 3 Ampere) sind über USB Typ C möglich, Voraussetzung ist lediglich, dass die Kabel sich als USB-Typ-C-Kabel zu erkennen geben. Eine Ausnahme bildet USB Typ C an USB Typ C mit USB 2.0 – hier bedarf es keiner Identifikation des Kabels („aktives Kabel“).

Mit dem richtigen Kabel sind bis zu 25 Watt möglich

Kommen Kabel, wie sie für USB Power Delivery (USB PD) benötigt werden, zum Einsatz, sind mit USB Typ C sogar bis zu 25 Watt (5,0 Volt bei 5 Ampere) möglich, ohne dass die Stecker selbst über die für USB Power Delivery benötigten Zusatzeinrichtungen verfügen.

Wird von USB Typ C auf USB Typ A oder Typ B übersetzt, sind unter Verwendung eines nach USB Power Delivery spezifizierten Gegenstücks weiterhin bis zu 25 Watt möglich. Bei Mini- und Micro-USB beschränkt die Gegenseite hingegen auf 500 mA respektive 3 Ampere.

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