Jolla : Sailfish OS in Russland als Alternative zu Android

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Jolla: Sailfish OS in Russland als Alternative zu Android
Bild: Kārlis Dambrāns (CC BY 2.0)

Sailfish OS des finnischen Herstellers Jolla wird Grundlage des offiziellen mobilen Betriebssystems der russischen Regierung. In einem 18 Monate dauernden Auswahlverfahren konnte es sich letztlich gegen Tizen durchsetzen.

Auf der Startup-Konferenz Slush 2016 in Helsinki verkündete Jolla eine Nachricht (PDF), die Anwender von Sailfish OS erfreuen wird. Demnach wird Sailfish OS künftig die Grundlage aller Entwicklungen im Bereich mobiler Betriebssysteme der russischen Regierung, der Verwaltung und bei von der Regierung kontrollierten Unternehmen sein.

Russland setzt auf freie Software

Russland strebt bereits seit geraumer Zeit eine Verringerung der Abhängigkeit von Produkten von Unternehmen wie Microsoft, Apple und Google an und erließ im Oktober ein Gesetz (PDF), das die Verwendung freier Software und die Beteiligung in den entsprechenden Software-Communities für die Regierungs-ICT vorschreibt und proprietäre Software nur noch in Ausnahmefällen zulässt. Dass es den Verantwortlichen damit ernst ist, belegt die Definition, dass entsprechende freie Software unbedingt die vier Freiheiten respektieren muss.

Wie Jolla dem Magazin TechCrunch mitteilte, habe die Zertifizierung von Sailfish OS für die russische Regierung bereits im Frühjahr 2015 begonnen. Im Jahresverlauf war schon bekannt geworden, dass Jolla Sailfish OS an das im April gegründete russische Unternehmen Open Mobile Platform (OMP) lizenzieren konnte.

Zusammenarbeit bei der Anpassung

Jolla betont, dies werde nicht zu einem Fork von Sailfish OS führen. Die beiden Unternehmen sollen vielmehr gemeinsam eine Version von Sailfish OS erstellen, die den Kern von Sailfish OS unangetastet lässt. Es soll an russische Verhältnisse und die Anforderungen der russischen Regierung angepasst werden. So werde derzeit an einer zusätzlichen Sicherheitsebene gearbeitet, auf deren Basis die Erfordernisse an Sicherheit der russischen Regierung realisiert werden sollen. Dieses kollaborative Entwicklungsmodell will Jolla auch anderen Ländern anbieten, mit denen Gespräche über eine Lizenzierung im Gange sind. Erwähnt werden dabei China und Südafrika.

Aufwind für Jolla

Jolla war Ende 2015 in finanzielle Schwierigkeiten geraten, die zum Teil durch grobe Fehler bei der Herstellung des Jolla-Tablets ausgelöst wurden. Als dann eine Finanzierungsrunde im November nicht zum Abschluss kam, musste Jolla Mitarbeiter zeitweise nach Hause schicken. Eine spätere Finanzierungsrunde im Dezember erbrachte 12 Millionen US-Dollar und ermöglichte eine Neuorientierung des Unternehmens. Die Geldgeber wurden damals nicht bekannt, heute ist jedoch klar, dass OMP Jolla nach eigenen Angaben eine Finanzspritze verpasst hat.