P10 und P10 Plus: Huawei setzt auf neue Leica-Kamera für Portraitfotografie

Nicolas La Rocco 77 Kommentare
P10 und P10 Plus: Huawei setzt auf neue Leica-Kamera für Portraitfotografie
Bild: Huawei

Das P10 und P10 Plus sind die neuen Fotografie-Flaggschiffe von Huawei. Der Smartphone-Hersteller setzt die Kooperation mit Leica fort und verbaut eine neue Generation der aus dem P9 bekannten Dual-Kamera. Für Käufer des P10 Plus gibt es jetzt sogar eine noch bessere Kamera. Die weitere Ausstattung ist auf Top-Niveau.

Die Leica-Kamera der zweiten Generation setzt wieder auf zwei Sensoren von Sony. Der Aufbau ist vergleichbar mit der Leica-Kamera des Huawei Mate 9. Ein Sensor arbeitet mit 12 Megapixel und Bayer-Matrix für die Farbabbildung, der andere Sensor arbeitet monochrom ohne Bayer-Matrix und bietet 20 Megapixel. Huawei erklärt die monochrome Variante zum Hauptsensor. Ohne Bayer-Matrix und mit mehr Megapixel soll eine höhere Schärfe erreicht werden, der 12-MP-Sensor legt nachträglich die Farben über das Bild. Beide P10-Varianten besitzen einen optischen Bildstabilisator für den Farbsensor.

Neue Summilux-Linsen für das P10 Plus

Unterschiede gibt es bei den verbauten Linsen: Beim P10 kommen wie bisher Summarit-Linsen von Leica für beide Sensoren zum Einsatz, die Blende liegt bei f/2.2. Das P10 Plus hat bei den Linsen ein Upgrade auf Leicas lichtstärkere Summilux-Serie erhalten, deren Blende bei f/1.8 liegt. Leica übernimmt die Qualitätssicherung der Linsen, produziert werden diese aber nicht im hessischen Wetzlar, da Leica laut Huawei nicht über die benötigten Produktionskapazitäten verfüge. Der Ausschuss bei der Produktion in Asien ist hoch: Huawei musste für das P9 rund 100 bis 150 Millionen Linsen produzieren, um 20 Millionen einsatzfähige Linsen zu erhalten.

Neuer Portrait-Modus

Das neue Software-Feature der Dual-Kamera ist der Portrait-Modus, der für monochrome und Farbaufnahmen eingesetzt werden kann. Laut Huawei arbeitet die Kamera im aktivierten Portrait-Modus mit 190 Erkennungspunkten für das Gesicht, um über den Bildprozessor verschiedene Algorithmen für die Belichtungskorrektur und Farbkorrektur anzuwenden. Auch Berechnungen für das Bokeh werden während der Bildanalyse durchgeführt, um den Hintergrund sauber getrennt vom Motiv verschwimmen zu lassen. Im Portrait-Modus stehen nachträgliche Anpassungen wie Make-Up-Effekte oder Anpassungen der Intensität der Hautfarbe zur Auswahl.

Leica auch für die Selfie-Kamera

Auf der Vorderseite des P10 sitzt jetzt ebenso eine zusammen mit Leica entwickelte Selfie-Kamera. Von Leica stammen die nach der Aufnahme vom Bildprozessor durchgeführten Anpassungen für Belichtung, Schärfe, Kontrast und Farben. Die vordere Leica-Kamera arbeitet mit 8 Megapixel und ist mit einer Linse mit f/1.9-Blende ausgerüstet. In Verbindung mit den im Vergleich zum P9 größeren Pixeln spricht Huawei von einem zweimal helleren Sensor. Auch mit der Selfie-Kamera lassen sich Portrait-Aufnahmen mit Bokeh-Effekt schießen. Ein adaptiver Selfie-Modus soll zudem automatisch Gruppenfotos erkennen und einen Weitwinkel anwenden. Das bedeutet aber auch, dass bei Aufnahmen nur einer Person nur ein Ausschnitt des Sensors verwendet wird. Exklusives Feature des P10 Plus ist ein Autofokus für die Frontkamera.

Huawei P10
Huawei P10 (Bild: Huawei)

Neue Fotogalerie für Kurzgeschichten mit GoPro entstanden

Die P10-Serie wird mit Android 7.0 Nougat und dem neuen EMUI 5.1 von Huawei ausgeliefert. Gegenüber dem EMUI 5.0 des Huawei Mate 9 ist die Fotogalerie neu. Zusammen mit GoPro wurde ein Feature für automatisch erstellte Video-Kurzgeschichten entwickelt, die an einem Ort oder innerhalb eines bestimmten Zeitraumes geschossene Fotos und Videos zu Kurzgeschichten verbinden.

Schneller Kirin 960 und viel Speicher

Die Bildverarbeitung aller Aufnahmen findet über den in das System-on-a-Chip integrierten ISP statt. Als SoC setzt Huawei in beiden Varianten des P10 auf den HiSilicon Kirin 960, der erstmals im Mate 9 zum Einsatz kam. Das von TSMC gefertigte 16-nm-FinFET-SoC mit insgesamt acht CPU-Kernen nutzt ein Cluster aus vier Kernen des Typs ARM Cortex-A73 und vier Kerne des Typs ARM Cortex-A53. Das Performance-Cluster darf mit bis zu 2,4 GHz takten, das Power-Cluster erreicht bis zu 1,8 GHz. Bei der GPU vertraut HiSilicon ebenfalls auf ARM und verbaut die Vulkan-fähige Mali-G71 MP8. Wie leistungsfähig das SoC ist, zeigt der Test des Huawei Mate 9.

P10 und P10 Plus gibt es in verschiedenen Ausbaustufen für Arbeitsspeicher und internen Speicher. Nicht alle Varianten sind jedoch für den deutschen Markt vorgesehen. Das P10 ist immer mit 4 Gigabyte LPDDR4-RAM ausgestattet und bietet 32 oder 64 Gigabyte internen UFS-Speicher, der bei beiden Smartphones mittels microSD-Karte erweitert werden kann. Für den deutschen Markt ist das Modell mit 64 Gigabyte Speicher vorgesehen. Das P10 Plus gibt es mit 4 Gigabyte LPDDR4-RAM und 64 Gigabyte UFS-Speicher in der Basis, darüber sind zwei Modelle mit 6 Gigabyte Arbeitsspeicher und 128 oder 256 Gigabyte UFS-Speicher angesiedelt. Nach Deutschland kommt das P10 Plus mit 6 Gigabyte RAM und 128 Gigabyte Speicher.

Huawei P10
Huawei P10
Huawei P10
Huawei P10 (Bild: Huawei)

Displays mit 5,1 und 5,5 Zoll und bis zu WQHD

Das Plus im Namen trägt das P10 Plus nicht nur wegen der besseren Kamera, sondern auch abgeleitet von der Größe des Smartphones. Es ist mit einem 5,5 Zoll großen IPS-Display ausgestattet, das mit 2.560 × 1.440 Bildpunkten auflöst. Das normale P10 bietet ein 5,1 Zoll großes IPS-Display mit Full-HD-Auflösung. Beide Displays schützt Gorilla Glass 5 von Corning. Das P10 Plus ist mit 3.750 mAh zudem mit einem größeren Akku ausgestattet, das P10 kommt bei der Nennladung auf nicht weniger gute 3.200 mAh. Das soll laut Huawei selbst bei intensivem Gebrauch für eine Nutzungsdauer von 1,4 Tagen ausreichen. Bei normaler Alltagsnutzung, die aber nicht genauer spezifiziert wurde, sollen 1,87 Tage möglich sein. Für das P10 Plus hat Huawei keine Angaben gemacht. Vom Mate 9 erben P10 und P10 Plus das schnelle Aufladen über Huaweis Super Charge, das mit bis zu 22,5 Watt arbeitet. Das dafür benötigte Netzteil ist im Lieferumfang enthalten. Aufgeladen werden die Smartphones mittels USB 2.0 Typ C.

Besseres Antennen-Layout nur für das P10 Plus

Unterschiede bei der Ausstattung gibt es auch im Bereich Konnektivität. Das P10 Plus nutzt dank des größeren Gehäuses ein 4 × 4 MIMO Antennen-Layout für LTE, das eine bessere Abdeckung als das 2 × 2 MIMO Antennen-Layout des P10 gewährleisten soll. Hinsichtlich der theoretischen LTE-Maximalbandbreite gibt es mit 600 Mbit/s für den Downlink und 50 Mbit/s für den Uplink keine Unterschiede. Auch beim WLAN-ac mit 2 × 2 MIMO herrscht wieder Gleichstand. Unter dem Markennamen „HiGeo“ will Huawei zudem eine bessere Ortung per A-GPS, GLONASS und BeiDou sicherstellen. Beide P10-Modelle unterstützen Bluetooth 4.2 und NFC, nur das P10 Plus bietet einen Infrarotsender, um das Smartphone als Fernbedienung zu verwenden.

Rückseite mit vier Oberflächenbehandlungen

Das Design der Geräte behält das ikonische Glaselement der Rückseite bei, indem die beiden Kameras samt Leica-Schriftzug untergebracht sind. Auch dieses Bauteil wird wie das Displayglas von Corning geliefert. Davon abgesehen setzt Huawei jetzt auf deutlich größere Radien für die vier abgerundeten Ecken des Smartphones. Der alten Leier zum Trotz: Die Formensprache des P10 kommt dadurch dem iPhone gefährlich nahe. Die Displayränder konnte Huawei verkleinern, eine polierte Fase als Übergang in die Seitenbereiche bleibt, zur Rückseite gibt es wieder eine große Rundung, die schließlich in die flache Rückseite übergeht. Dort werden Huawei-Kunden den Fingerabdrucksensor vermissen, der jetzt auf der Vorderseite unterhalb des Displays verbaut ist.

Interessant sind die vier verschiedenen Oberflächenbehandlungen, die Huawei für die Rückseite anbietet. Haptisches Highlight ist der sogenannte Diamond-Hyper-Cut, der stark vereinfacht ausgedrückt einem sehr feinen Riffelblech entspricht. Mit bloßem Auge ist das Muster kaum erkennbar, in der Hand ist aber eine Maserung spürbar, die einer sehr feinen Metallfeile gleichkommt. Dieses Finish gibt es in den Farben Blau und Gold. Darüber hinaus stehen eloxiertes Silber sowie sandgestrahltes Schwarz, Silber, Grün, Gold und Roségold zur Auswahl. Eine Hochglanz-Rückseite gibt es nur in Weiß.

Preise und Verfügbarkeit

Das Huawei P10 erscheint ab Mitte März in den Farben Schwarz, Silber, Blau und Gold für 599 Euro. Das größere P10 Plus kostet 749 Euro und kommt Anfang April in den gleichen Farben und einer grünen Variante auf den Markt. Vorbesteller erhalten zudem eine Sofort-Kamera von Leica inklusive Film kostenlos hinzu, die laut Huawei rund 300 Euro kostet.

Huawei P10 Huawei P10 Plus
Software:
(bei Erscheinen)
Android 7.0
Display: 5,10 Zoll
1.080 × 1.920, 432 ppi
IPS, Gorilla Glass 5
5,50 Zoll
1.440 × 2.560, 534 ppi
IPS, Gorilla Glass 5
Bedienung: Touch
Fingerabdrucksensor, Status-LED
SoC: HiSilicon Kirin 960
4 × Cortex-A73, 2,40 GHz
4 × Cortex-A53, 1,80 GHz
16 nm, 64-Bit
GPU: Mali-G71 MP8
RAM: 4.096 MB
LPDDR4
4.096 MB
LPDDR4
Variante
6.144 MB
LPDDR4
Speicher: 32 / 64 GB (+microSD) 64 / 128 / 256 GB (+microSD)
Kamera: 12,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/2,2, AF, OIS
12,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,8, AF, OIS
Sekundär-Kamera: 20,0 MP, f/2,2, AF 20,0 MP, f/1,8, AF
Frontkamera: 8,0 MP, 1080p
f/1,9
8,0 MP, 1080p
f/1,9, AF
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced
↓600 ↑100 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct
Bluetooth: 4.2
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo A-GPS, GLONASS, BeiDou
Weitere Standards: USB 2.0 Typ C, NFC USB 2.0 Typ C, NFC, Infrarot
SIM-Karte: Nano-SIM
Akku: 3.200 mAh
fest verbaut
3.750 mAh
fest verbaut
Größe (B×H×T): 69,3 × 145,3 × 6,98 mm 74,2 × 153,5 × 6,98 mm
Schutzart:
Gewicht: 145 g 165 g
Preis: – / ab 524 € – / ab 736 €