Alpenföhn Brocken 3 im Test: Leise ist 1. Priorität 2/2

Thomas Böhm 63 Kommentare

Messergebnisse

Im Testparcours muss sich der Alpenföhn Brocken 3 einem i7-3960X stellen. Das Testsystem sowie die Methodik der Kühlertests sind in einem separaten Artikel beschrieben.

Messungen mit Serienlüftern

Messungen werden sowohl mit Standardtakt des i7-3960X als auch mit Übertaktung auf 4 GHz durchgeführt. Mit übertaktetem System wurden in einem anderen Zusammenhang bereits Messungen mit einem Alpenföhn Brocken 2 sowie einem Noctua NH-D15 durchgeführt, so dass hier zwei weitere Vergleichswerte vorhanden sind. Leider stand für den Test des Brocken 3 kurzfristig kein Brocken 2 zur Verfügung, weshalb nicht alle Vergleichswerte des Vorgängers auf diesem Testsystem vorliegen.

Der Brocken 3 soll gut und leise kühlen – die absolute Leistungsspitze wird nicht anvisiert. Das zeigt sich auch auf dem Testsystem: Der Towerkühler schneidet bei fixen 800 U/min gut ab, fällt jedoch beim Test mit maximaler Drehzahl deutlich ab. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn ein Konkurrent wie der Reeven Ouranos hat von 800 U/min ausgehend noch eine große Drehzahlreserve (ganze 900 U/min mehr), wohingegen der Brocken 3 schon fast am Limit angelangt ist. Mit einer Maximaldrehzahl von knapp 1.000 U/min bleiben dem Kühler nur etwas weniger als 200 U/min zusätzlich für die Messung der höchsten Kühlleistung.

Dasselbe Ergebnis zeigt sich ebenfalls, wenn der Hexacore-Prozessor übertaktet wird. Mit erhöhter Frequenz und höherer Kernspannung steigt die abzuführende Wärme an – dennoch behauptet sich der Brocken 3 bei 800 U/min sehr gut. Erst der Vergleich bei maximaler Drehzahl offenbart die „Gipfelschwäche“ des neuen Brocken, denn hier wird der CPU-Kühler von den Kontrahenten sichtlich überboten.

Schallpegelmessungen

Um Einflüsse der Gehäusebelüftung bei den Schallpegelmessungen der CPU-Kühler auszuschließen, werden die Messungen bei angehaltenem Gehäuselüfter durchgeführt. Als Lärmquelle sind daher nur die Lüfter der jeweiligen CPU-Kühler vorhanden. Da jedes Gehäuse aufgrund seines Aufbaus, eventuell vorhandener schalldämmenden Maßnahmen und der Anzahl an Lüfteröffnungen einen Einfluss auf den nach außen dringenden Schall nimmt, werden die Schallpegel der Prozessorkühler bei geöffneter Seitenwand erfasst.

Beim Schallpegel des neuen Kühlers von Alpenföhn konkurrieren zwei Effekte miteinander. Zum einen agiert der Brocken 3 mit maximaler Drehzahl sehr leise, weil diese Drehzahl im Vergleich zur Konkurrenz sehr niedrig ist. Zum anderen erzeugt der Lüfter aber bei 800 U/min schon einen geringfügig lauteren Luftstrom als die Kontrahenten: Hier fordert vermutlich die Leistungsoptimierung des Ventilators mit dem Leitrad im Lüfterrahmen ihren Tribut.

Dennoch kann dem Brocken 3 insgesamt das Attribut „außergewöhnlich leise“ ausgestellt werden. Wer den Kühler einfach nur am Mainboard anschließt und die Steuerung der Automatik überlässt, wird sich sicherlich nicht über einen zu lauten Kühler ärgern müssen: Der Lüfter agiert bei unter 800 U/min sehr leise, da keine Lagergeräusche zu vernehmen sind. Die Drehzahl von 800 U/min liegt außerdem erst bei über 70 Prozent PWM-Leistung an, weshalb der Kühler bei einer temperaturabhängigen Lüfterkurve die meiste Zeit in einem sehr niedrigen Drehzahlbereich bleiben wird.

Messungen mit Referenzlüftern

Wie nahezu alle CPU-Kühler mit 140-Millimeter-Lüfter benötigt auch der Brocken 3 einen Lüfter mit einem Bohrloch-Abstand von 105 Millimetern. Dieses Format kommt bei quadratischen 120er-Ventilatoren zum Einsatz, weshalb auf dem Brocken 3 ebenso wie bei den getesteten Konkurrenten als Referenzlüfter ein Noctua NF-F12 PWM befestigt wird.

Die Messungen mit Referenzlüfter zeigen einmal mehr, in welchem Drehzahlbereich der neue Brocken zu Hause ist. Bei niedrigen 800 U/min behauptet sich der Brocken 3 sowohl beim Standardtakt als auch mit übertaktetem i7-3960X an der Spitze des Testfelds, nur um dann bei hohen 1.500 U/min zurückzufallen. Die Botschaft ist klar: Der Brocken steht für den Kompromiss aus leiser und leistungsstarker Kühlung und nimmt dafür Einbußen bei höherer Drehzahl in Kauf.

Fazit

Der neue Brocken 3 von Alpenföhn ist ein CPU-Kühler mit genau definierter Zielgruppe: Der Hersteller spricht mit dem Towerkühler Nutzer an, die keine Leistungsrekorde, sondern solide Kühlleistung bei niedriger Lautstärke wünschen. Der für langsame Lüfter optimierte Kühlkörper bietet in Verbindung mit dem langsam drehenden Lüfter auch genau dies. Die Verarbeitung ist zwar nicht perfekt, aber ordentlich – was in der Preiskategorie des Brocken 3 allerdings auch als Standard angesehen werden kann. Als sehr positives Merkmal ist der laufruhige Lüfter zu nennen, der diese Eigenschaft durch sein hydrodynamisches Gleitlager auch langfristig beibehalten sollte.

Alpenföhn Brocken 3
Alpenföhn Brocken 3

Jedoch hat der Brocken 3 harte Konkurrenz: Bei niedrigen Drehzahlen ist er zwar in seiner Größenklasse quasi ungeschlagen – doch absolut gesehen sind die Temperaturunterschiede zwischen den einzelnen Kühlern sehr gering. Mit anderen Worten: Wenn ein auf dem Testsystem bei fixierten 800 U/min minimal schwächerer Kühler wie der Thermalright True Spirit 140 Direct (Test) für unter 40 Euro nicht mehr ausreichend kühlen sollte, reicht der Brocken 3 auch nicht mehr. So hohe Temperaturen wird allerdings abgesehen von Intels neuen nicht verlöteten Skylake-X-Prozessoren für Sockel 2066 wohl keine CPU im Werkstakt erreichen, und auch bei leichtem Übertakten wird der Kühler noch nicht an seine Grenzen stoßen.

Doch sollte dieser Fall eintreten, wird es Zeit für höhere Drehzahlen. Und das ist für den neuen Alpenföhn schlicht nicht möglich. Umgekehrt haben Konkurrenten wie ein Reeven Ouranos (Test) mit bis zu 1.700 U/min aber die Möglichkeit, ihre Ventilatoren ebenso langsam drehen zu lassen wie der Brocken 3. Hier sollte der Käufer jedoch die Erstellung einer eigenen Lüfterkurve im UEFI nicht scheuen, um den Kühler nicht zum Orkan gedeihen zu lassen.

Vor allem der Lüfter kann punkten

Mit dem Wingboost 3 erhält der Brocken 3 einen Serienlüfter mit einem hochwertigen FDB-Lager, das keine wahrnehmbaren Nebengeräusche erzeugt. Damit übertrumpft er kurzlebigere Gleitlager-Lüfter ebenso wie Konkurrenten mit langlebigem, aber nicht Nebengeräusch-freiem Lager. In Verbindung mit der PWM-Elektronik des Lüfters entsteht so ein Kühler, dessen Lüfter auch ohne manuellen Eingriff in allen Lebenslagen ruhig bleiben sollte. Wer jedoch in dieser Größenkategorie mehr Leistungsreserven wünscht, sollte sich nach wie vor den Thermalright HR-02 Macho (Test) für 45 Euro genauer ansehen. Bei diesem Kühler gibt es zum gleichen Preis eine vollständige Kupferbodenplatte und einen Lüfter mit höherer Maximaldrehzahl – allerdings auch mit leichten Nebengeräuschen.

Ebenfalls schwierige Konkurrenz ist der Scythe Mugen 5 (Test), der zum Preis von aktuell 40 Euro kompakter ist, auf Quad-Channel-Systemen kompatibler zu hohem Arbeitsspeicher ausfällt und wie der HR-02 Macho ebenfalls eine kupferne Bodenplatte besitzt. Mit einer Preisempfehlung von 45 Euro ist der Brocken 3 für einen Kühler mit Heatpipe Direct Touch relativ teuer. Der gute Lüfter kann darüber zwar hinwegtrösten, doch das ist nur für sehr empfindliche Ohren relevant. Wer sich zu dieser Kategorie zählt und den idealen Kompromiss aus geringer Lautstärke und Kühlleistung sucht, ist beim Brocken 3 gut aufgehoben. Andernfalls gibt es leistungsfähigere und gleichzeitig kostengünstigere Prozessorkühler als Alternativen.

Alpenföhn Brocken 3
Produktgruppe Prozessorkühler, 23.08.2017
  • Kühlleistung
    O
  • Qualität Kühlkörper
    +
  • Qualität Lüfter
    ++
  • Montage
    O
  • Ausstattung
    +
  • Sehr leise abgestimmter CPU-Kühler
  • Laufruhiger Serienlüfter mit FDB-Lager
  • Keine Einschränkungen beim RAM (außer Quadchannel-Systeme)
  • Begrenzte maximale Kühlleistung

Weitere Informationen zum Thema PC-Kühlung bietet der große Übersichtsartikel „PC-Kühlung mit Luft und Wasser“. Das Archiv hält weitere Tests zu Kühlern im Bereich PC-Kühlung bereit.

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