Alpenföhn Brocken 3 im Test: Leise ist 1. Priorität

Thomas Böhm 63 Kommentare
Alpenföhn Brocken 3 im Test: Leise ist 1. Priorität

tl;dr: Im ComputerBase-Test zeigt der Brocken 3 von EKL/Alpenföhn, dass es auf Bergen nicht immer windig und laut sein muss, sondern im Gegenteil sogar sehr leise zugehen kann. Durch seine konsequente Abstimmung als besonders leiser CPU-Kühler bleibt dem Prozessorkühler allerdings ein Platz an der Leistungsspitze verwehrt.

Geographie für Anfänger

EKL hat mit seiner Tochter Alpenföhn ein Faible für Gebirge. Durch die gesamte Riege an CPU-Kühlern des Herstellers ziehen sich die Namen verschiedenster Berge. Vom kleinen Ben Nevis, benannt nach dem höchsten Berg Schottlands, über das in den Alpen beheimatete Matterhorn bis zum griechischen Göttergebirge Olymp ist alles vertreten. Um vor lauter Bergen nicht die Übersicht über die Kühler zu verlieren, erhält aber nicht jeder neue Kühler gleich den Namen eines anderen Gebirges.

Daher tritt der Brocken von Alpenföhn bereits in dritter Generation an, um Prozessoren zu kühlen. Auch wenn der Brocken nicht der größte Kühler im Sortiment des Herstellers ist, zählt er dennoch zu den größeren „Brocken“, die auf Prozessoren geschnallt werden können: knapp 900 Gramm bringt der neue CPU-Kühler auf die Waage. Traditionell richtet Alpenföhn die Brocken-CPU-Kühler allerdings nicht an die ambitioniertesten Übertakter, sondern will insbesondere eine sehr leise Prozessorkühlung bewerkstelligen.

Das zeigt sich schon in der Evolution der Brocken-Baureihe. Angefangen mit einem Kühlturm für einen 120-Millimeter-Lüfter, wurde mit dem Brocken 2 (Test) ein größerer Kühlturm eingeführt, der einen 140-Millimeter-Lüfter beherbergen kann. Um die Lautstärke trotz größeren Ventilators in Grenzen zu halten, wurde die maximale Drehzahl des Lüfters auf 1.150 U/min begrenzt. Beim Brocken 3 wurde die Lüftergröße beibehalten, die Umdrehungsgeschwindigkeit jedoch noch weiter eingeschränkt. Nur mehr mit 1.050 U/min darf der Wingboost 3 drehen. Im Test wird geklärt, ob dem Brocken diese geringe Drehzahl ausreicht, um mit schnelleren Konkurrenten mithalten zu können.

Alpenföhn Brocken 3
Bauform: Tower
Größe (L × B × H): 100 × 146 × 165 mm (ohne Lüfter)
125 × 146 × 165 mm (mit Lüfter)
Gewicht: 850 g (mit Lüfter)
Heatpipes: Kupfer (vernickelt), 5 × 6 mm (Ø)
Direct Touch/Contact
Lamellen: Aluminium, ?
Abstand: ?
Kühler-Montage: Zweistufige Halterung mit Rückplatte
Lüfter (Modell 1): 1 × 140 × 140 × 25,0 mm
Öldruck Lager
400 – 1.050 U/min
103,0 m³/h
19,0 dBA
4-Pin-PWM
Lochabstand 105 mm (analog 120mm-Lüfter)
Lüfter (Modell 2):
Lüfter-Montage: Befestigung: Drahtbügel
Entkopplung: Entkoppler-Pins
weitere Halterung beigelegt
Kompatibilität: AMD: Sockel FM2(+)/FM1/AM3(+)/AM2(+)/AM4
Intel: LGA 2066/2011/1366/115x/775
Preis: ab 43 €

Alpenföhn Brocken 3 im Detail

Der Brocken 3 nutzt wie sein Vorgänger einen asymmetrischen Kühlturm, um trotz ausladenden Radiators Platz für Arbeitsspeicher zu schaffen. Damit geht einher, dass es zum Problem werden kann, den Kühler auf dem Sockel zu verschrauben – denn auf der gegenüberliegenden Seite steht der Kühler über. Alpenföhn löst das Problem, indem dem Lieferumfang ein besonders langer Schraubendreher beigelegt wird, um den Kühler montieren zu können. Auch sonst kann sich das Zubehör sehen lassen: Wärmeleitpaste gibt es wiederverwendbar in einer verschließbaren Spritze, und ein zweites Paar Lüfterklammern für einen zweiten Lüfter ist ebenso vorhanden wie insgesamt acht Entkopplungsgummis für Ventilatoren.

Den Serienlüfter stattet der Hersteller mit der mittlerweile bekannten Plus-Funktion aus: Am Stecker ist eine Y-Weiche vorhanden, so dass bei Bedarf zwei Ventilatoren über einen PWM-Anschluss mit Strom versorgt und geregelt werden können. Der Serienlüfter stammt aus der neuen Wingboost-3-Generation und kombiniert steile Lüfterschaufeln mit einem gegenläufig orientierten Leitrad im Lüfterrahmen. Damit will Alpenföhn die Leistung des Lüfters optimieren, weil für einen besonders gerichteten Luftstrom gesorgt wird.

Serienbelüftung besonders leise

Mit den Spezifikationen des Lüfters wird die Ausrichtung des Brocken 3 bereits deutlich. Gerade einmal 1.050 U/min werden als maximale Umdrehungsgeschwindigkeit für den 140-Millimeter-Lüfter angegeben. Verglichen mit Konkurrenten wie dem Reeven Ouranos (Test), dessen Ventilator im gleichen Format stolze 1.700 U/min erreicht, strebt er als Zielgruppe mehr Silent-Enthusiasten als Hardcore-Overclocker an. Das bestätigt sich auch im Realeinsatz: Der Wingboost 3 von Alpenföhn erreicht auf dem Brocken 3 im Testsystem ein Drehzahlintervall von gut 450 U/min bis knapp 1.000 U/min.

Auch wenn die Minimaldrehzahl nicht ganz so niedrig wie bei anderen Lüftern ist, macht sich das hochwertige FDB-Lager bezahlt. Die Serienbelüftung des Brocken 3 ist frei von wahrnehmbaren Nebengeräuschen, so dass der Lüfter bei niedrigen Drehzahlen subjektiv unhörbar ist. Erst mit zunehmender Geschwindigkeit ertönt ein Luftrauschen – das durch die geringe Maximaldrehzahl bereits bei moderater Lautstärke gekappt wird.

Heatpipe Direct Touch und große Lamellenabstände

Ein weiteres Zeichen dafür, dass der Brocken 3 keinen Angriff auf die Leistungsspitze darstellt, wird mit der CPU-Auflagefläche deutlich. Traditionell setzen Kühler im Oberklasse-Segment auf kupferne Bodenplatten, mit welchen die Wärmerohre verlötet werden. Alpenföhn bringt bei den Brocken-Kühlern jedoch das sogenannte Heatpipe Direct Touch (HDT) zum Einsatz: Die Heatpipes werden im Bereich des Heatspreaders der CPU angeschliffen und liegen dem Prozessor direkt auf. Als „gapless HDT“ bezeichnet der Hersteller die Technik beim Brocken 3, denn die Abstände der Wärmerohre zueinander sind besonders knapp gehalten.

Der versetzte Kühlturm des Brocken 3 besteht aus Aluminiumlamellen, welche in großzügigem Abstand von 3 mm zueinander gestapelt einen Radiator bilden. Damit wird noch einmal deutlich, dass leiser Betrieb vor Leistung kommt: Große Lamellenabstände harmonieren gut mit langsam drehenden Lüftern, wohingegen eine größere Anzahl an Lamellen mehr Reserven bei hohen Drehzahlen verspricht.

Ordentliche, aber nicht herausragende Verarbeitung

Die Verarbeitungsqualität des Brocken 3 ist gut, kann aber nicht mit Oberklasse-Prozessorkühlern mithalten. Die vernickelten Heatpipes wirken im Zusammenhang mit der Zierblende über dem Lamellenturm edel, jedoch fallen im Detail kleinere Makel auf. So zeigen etwa die angeschliffenen Heatpipes der CPU-Auflagefläche kleinere Kratzer, und die dünnen Aluminiumlamellen neigen zum Verbiegen.

Das ComputerBase-Testmuster kam mit zwei verbogenen Lamellen in der Redaktion an: Die beiden untersten Aluminiumlamellen waren nach oben gebogen. Laut Hersteller kann dies durch unsanften Umgang beim Transport vorkommen – in einem solchen Fall wird Kunden ein anstandsloser Umtausch gegen einen Brocken mit nicht verbogenen Lamellen versprochen. Im Zweifelsfall können die Aluminiumsegmente allerdings auch selbst mit sanfter Gewalt zurechtgebogen werden.

Erleichterte Montage und entkoppelte Belüftung

Als Neuerung gegenüber dem Brocken 2 wird beim neuen Brocken 3 der Montagebügel, welcher den Prozessorkühler auf der CPU befestigt, über eine Schraube am Kühler gehalten. Das macht die Montage angenehmer, denn dieser Steg kann nun nicht mehr vom Kühler rutschen und in den Tiefen der PC-Behausung verschwinden. Ebenfalls durchdacht ist die Lüfterbefestigung – wenn auch bereits bekannt vom Vorgänger: Der Serienlüfter trägt Entkopplungsgummis, mit welchen er Kontakt mit dem Kühlkörper aufnimmt. Die Drahtklammern, welche für die Fixierung des Ventilators sorgen, werden außerdem auch in Entkopplungsgummis eingehängt, so dass der Lüfterrahmen an keiner Stelle eine direkte Verbindung mit dem Kühlturm hat.

Alpenföhn Brocken 3: Vormontierter Montagesteg
Alpenföhn Brocken 3: Vormontierter Montagesteg
Alpenföhn Brocken 3
Alpenföhn Brocken 3

Die Montage des Kühlers selbst gestaltet sich einfach – fast. Die ersten Schritte der Befestigung auf Sockel 2011 sind wie üblich gestaltet. Vier Gewindestifte werden in die Sockelaufnahmen gedreht und zwei Haltebügel über Muttern verschraubt. Für AMD-Prozessoren liegt ein vollständiger Rahmen anstelle zweier Haltebügel bereit, so dass der Kühler auf CPUs beider Hersteller frei in 90°-Schritten gedreht befestigt werden kann. Etwas problematisch wird es im folgenden Schritt, nachdem Wärmeleitpaste auf dem Heatspreader der CPU verteilt wurde: Der Kühler wird aufgesetzt und mit den Haltebügeln verschraubt.

Es ist zwar hilfreich, dass der Montagesteg fix mit dem CPU-Kühler verschraubt ist, doch aufgrund des ausladenden Kühlturms des Brocken kann der Anwender von oben nicht erkennen, ob der Montagesteg gerade das Gewinde des Haltebügels trifft oder nicht. Hier hilft ein sehr offenes Gehäuse, das über eine Lüfteröffnung einen seitlichen Blick auf den Kühler während der Befestigung erlaubt – andernfalls wird es zum Geduldsspiel, den Montagesteg auf den Haltebügeln zu zentrieren und anschließend zu verschrauben.

Alpenföhn Brocken 3: keine Überschneidung beim ersten Teil des Arbeitsspeichers
Alpenföhn Brocken 3: keine Überschneidung beim ersten Teil des Arbeitsspeichers
Alpenföhn Brocken 3: Auf der gegenüberliegenden Seite hingegen schon
Alpenföhn Brocken 3: Auf der gegenüberliegenden Seite hingegen schon

Bei der RAM-Kompatibilität kann Besitzern von AMD- sowie von Intel-Prozessoren auf Sockel 115x Entwarnung gegeben werden. Der Brocken 3 ist so weit versetzt, dass bei der üblichen Montage (Luftstrom von vorne nach hinten) keine Speicherbänke überragt werden. Es gibt also keine Limitierungen für Arbeitsspeicher mit hohen Heatspreadern. Das gilt allerdings nicht für die High-End-Plattformen mit Quad-Channel-Arbeitsspeicher von Intel: Auf dem Sockel-2011-Mainboard des Testsystems wird die zweite Gruppe von Speicherriegeln so weit überragt, dass erst der vierte und letzte RAM-Slot wieder komplett frei verfügbar ist. AMD Ryzen Threadripper muss nicht extra erwähnt werden, denn der Brocken 3 ist nicht zum AMD-Sockel TR4 kompatibel.

Auf der nächsten Seite: Messergebnisse