Reeven Ouranos im Test: Starke CPU-Kühlung hochwertig verpackt

Thomas Böhm 42 Kommentare
Reeven Ouranos im Test: Starke CPU-Kühlung hochwertig verpackt

tl;dr: Der in Deutschland als Exot einzustufende CPU-Kühler Reeven Ouranos zeigt im Test eine hohe Kühlleistung, gute Verarbeitung und einen leisen Serienlüfter. Die Ingenieure aus Taiwan haben ein insgesamt gelungenes Produkt geschaffen, das allerdings einen Haken hat: Vor dem Test noch verfügbar, sind die Regale jetzt leer.

Exoten in Deutschland

Der Markt für CPU-Kühler präsentiert in Deutschland ein erfreulich markenreiches Angebot: Im ComputerBase-Preisvergleich stehen an den ersten zehn Stellen der meistgesuchten Prozessorkühler zum Zeitpunkt dieses Artikels Produkte von Thermalright, EKL/Alpenföhn, be quiet!, LC-Power, Scythe und Noctua. Obwohl keine Gefahr eines Monopols besteht, lohnt es sich, den Blick ebenso auf Hersteller abseits der hierzulande bekannten Marken zu werfen.

Denn gerade die Entwicklung von Kühlern stagniert in den letzten Jahren: Seit der Etablierung von Tower-Kühlern und Heatpipes scheint die Entwicklung ihren Zenit erreicht zu haben – die meisten Neuerungen der letzten Monate folgen dem allgemeinen Beleuchtungstrend für PC-Hardware und wollen RGB-LEDs mit Prozessorkühlung als Zugabe an den Käufer bringen.

Kühlung aus Taiwan

Mit dem Reeven Ouranos landet der Kühler eines in Deutschland noch sehr unbekannten Herstellers auf dem ComputerBase-Prüfstand. Reeven ist eine asiatische Firma, die nach eigener Aussage im Jahr 2009 in einem kleinen Büro in Taiwan gegründet wurde. Der Ouranos ist ein Prozessorkühler der gehobenen Klasse, der auf einen einzelnen Kühlturm sowie einen großen 140-Millimeter-Lüfter zurückgreifen kann. Im Test wird geklärt, was die Konkurrenz aus Taiwan gegen die Platzhirsche im europäischen Raum auszurichten vermag und ob der Ouranos trotz seines Alters von etwa drei Jahren immer noch das Zeug zum Geheimtipp hat.

Reeven Ouranos
Bauform: Tower
Größe (L × B × H): 95 × 143 × 161 mm (mit Lüfter)
Gewicht: 1.030 g (mit Lüfter)
Heatpipes: Kupfer (vernickelt), 2 × 8 mm (Ø), 4 × 6 mm (Ø)
Kupferbasis (vernickelt)
Lamellen: Aluminium, ?
Abstand: ?
Kühler-Montage: Zweistufige Halterung mit Rückplatte
Lüfter (Modell 1): 1 × 140 × 140 × 25,0 mm
Gleitlager
300 – 1.700 U/min
27,7 – 157,0 m³/h
0,1 – 2,3 H²O
5,8 – 36,4 dBA
4-Pin-PWM
Lochabstand 105 mm (analog 120mm-Lüfter)
Lüfter (Modell 2):
Lüfter-Montage: Befestigung: Drahtbügel
Entkopplung: Keine
weitere Halterung beigelegt
Kompatibilität: AMD: Sockel FM2(+)/FM1/AM3(+)/AM2(+)/AM4(Zubehör erforderlich)
Intel: LGA 2011/1366/115x
Preis: 45 €

Reeven Ouranos im Detail

Reeven stattet den Ouranos mit dem nötigen Montage-Equipment für fast alle modernen Sockel aus. Nur fast alle, denn der Betrieb auf AMDs Sockel AM4 setzt ein Upgrade-Kit voraus, das der Hersteller allerdings gegen Vorlage eines Kaufbelegs (Foto oder Rechnung) sowohl des Kühlers als auch der AM4-Hardware kostenlos anbietet. Im Lieferumfang ist ein zweiter Satz Halteklammern enthalten, so dass Käufer die Leistung des CPU-Kühlers wahlweise mit einem zweiten Ventilator erhöhen können.

Der 140-Millimeter-Lüfter des Ouranos fällt durch seine ungewöhnliche Farbgebung in Schwarz und Gelb auf. Der Ventilator hat den Bohrlochabstand eines handelsüblichen 120-Millimeter-Lüfters (105 mm), um besser auf den 161 mm hohen Kühlturm zu passen. Reeven tauft das Modell „Coldwing 14“ und verspricht ein großes Drehzahlintervall von 300 bis 1.700 U/min. Die Drehzahl lässt sich mittels PWM einfach und ohne die Gefahr von Startschwierigkeiten wie bei 3-Pin-Lüftern regeln. Dennoch liegt im Lieferumfang ein sogenannter „Speed Switch Adapter“ bei, der die maximale Umdrehungsgeschwindigkeit auf 1.300 U/min begrenzt. Im Testsystem erreicht der Coldwing das vom Hersteller angegebene Drehzahlspektrum sehr präzise und dreht sich bei niedrigen Geschwindigkeiten erfreulich leise.

Der Adapter zur Senkung der Maximaldrehzahl verhält sich jedoch eigenwillig. Zwar sinkt die höchste Umdrehungsgeschwindigkeit bei dessen Einsatz auf knapp über 1.200 U/min, doch gleichzeitig nimmt die minimale Drehzahl zu. Statt knapp über 300 U/min zeigt das Tachosignal etwa 450 U/min an. Kunden sollten daher nach Möglichkeit auf den Adapter verzichten und die gewünschte Drehzahlkurve selbst mittels PWM definieren, um sowohl von möglichst geringen Leerlaufdrehzahlen als auch höherer Leistungsfähigkeit zu profitieren.

Massiver Kühlturm mit hochwertiger Verarbeitung

Reeven gibt das Gewicht des Ouranos inklusive Lüfter mit stolzen 1.030 Gramm an. Das spiegelt sich in der Verarbeitung des Tower-Kühlers wider: Die Lamellen fallen erstaunlich massiv aus. Um sich optisch von der Konkurrenz abzusetzen, stattet Reeven den Ouranos mit einer Zierblende aus, welche die Enden der Heatpipes versteckt und gleichzeitig mit dem Schriftzug des Herstellers versehen wird. Die Abschlussplatte ist zwar nicht spiegelnd, sammelt aber dennoch Fingerabdrücke. Die leicht angeraute Oberfläche sorgt dafür, dass die Fingerabdrücke nur schwer wieder entfernt werden können.

Der Ouranos nutzt sechs vernickelte Heatpipes, die sich durch den Radiator des Kühlers ziehen. Bei der Gestaltung der Heatpipes geht Reeven einen ungewöhnlichen Weg: Anstelle der gängigen fünf oder sechs 6-mm-Wärmerohre, wie in diesem Segment üblich, werden vier 6-mm-Heatpipes mit zwei dickeren 8-mm-Exemplaren kombiniert. Die beiden größeren Heatpipes sorgen für die Wärmeabfuhr im Zentrum der Bodenplatte, während die kleineren Wärmerohre randständig untergebracht werden.

Als Kühler der gehobenen Mittelklasse kommt beim Ouranos kein Heatpipe-Direct-Touch, sondern eine massive Bodenplatte aus Kupfer zum Einsatz. Auf der vernickelten CPU-Auflagefläche zeigen sich leichte Spuren des Poliervorgangs, weshalb sie nicht ganz spiegelt. Reeven nutzt kein planes Design, sondern setzt beim Ouranos auf eine leicht konvexe Bodenplatte.

Montage auf Sockel 2011

Die Befestigung des gut 1 kg schweren Tower-Kühlers setzt selbstverständlich eine Backplate zur Stabilisierung voraus. Im Fall des Sockel-2011-Mainboards im ComputerBase-Testsystem ist diese bereits Teil der Hauptplatine, so dass nur Abstandshalter in die Sockelaufnahmen gedreht werden müssen. Auf diesen wird ein Montagerahmen mit vier Muttern befestigt, welcher wiederum den Kühlturm mittels einer Querstrebe fixiert. Die Befestigung des Kühlers ist etwas umständlich, denn die Muttern für den Halterahmen fallen sehr klein aus und müssen mit Werkzeug (Schlüssel im Lieferumfang) festgeschraubt werden.

Beim Anschrauben der Querstrebe setzt Reeven Fingerspitzengefühl beim Anwender voraus: Die Schrauben sind sehr nahe am Kühlturm; ein handelsüblicher Schraubendreher ist zu kurz, weshalb er nicht gerade aufgesetzt werden kann. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten spart Reeven außerdem am Lieferumfang und legt keinen besonders langen Schraubendreher bei. Die Montage geht zwar auch mit einem handelsüblichen Kreuz-Schraubendreher, fällt aber nicht ganz leicht. Der Scythe Mugen 5 (Test) mit seinem vorinstalliertem Montagesteg inklusive Schrauben zeigt, dass die Montage eines großen CPU-Kühlers nicht umständlicher als unbedingt notwendig ausfallen muss. An dieses Montagesystem reicht der Reeven Ouranos nicht heran.

Schließlich wird der Lüfter mit zwei Drahtbügeln auf dem Kühlturm befestigt und auf dem CPU-Lüfterstecker des Mainboards angeschlossen. Durch seinen versetzten Kühlturm überragt der Ouranos keine Speicherbänke: Einer Vollbestückung mit hohen Speicherriegeln steht also nichts im Wege. Wie bei anderen breiten Tower-Kühlern kann je nach Layout des Mainboards der erste Steckkarten-Erweiterungs-Slot überragt werden. In diesem Fall kann der Ouranos um 90° gedreht montiert werden, was allerdings wiederum die Speicherwahl auf Module ohne oder mit sehr niedrigen Heatspreadern beschränkt.

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