Radeon RX Vega: Hohe Mining-Leistung ist Fluch und Segen zugleich

Jan-Frederik Timm 342 Kommentare
Radeon RX Vega: Hohe Mining-Leistung ist Fluch und Segen zugleich

tl;dr: Im am Montag veröffentlichten Test von Radeon RX Vega 64 und 56 wurde der Aspekt Mining nur kurz angesprochen. Wie weitere Tests bestätigen, ist nach Polaris allerdings auch Vega für Miner interessant. Und ein spezieller Treiber zum Minen von Kryptowährungen bringt noch mehr Leistung - insbesondere für die Zukunft.

RX Vega 64 und 56 im Mining-Benchmark

Warum ist die Radeon RX Vega 64 so teuer? Neben den hohen Kosten für Entwicklung, GPU, HBM2 und Kühlsystem könnte das Interesse von Minern von Kryptowährungen an der Grafikkartengeneration ein Grund dafür sein. Offiziell bestätigt hat das AMD zwar nicht und ob die für diesen Tag erwartete offizielle Aussage zur Diskussion um die gültige UVP von Vega darauf eingehen wird, bleibt zur Stunde noch offen. Auf Twitter vermeldet der Hersteller zumindest schon einmal, die Nachfrage sei unglaublich gewesen.

Dabei ist der von Spielern aktuell als zu hoch eingestufte Preis im Jahr 2017 in jedem Fall auch vor dem Hintergrund der Nutzung der GPU in einem System zum Minen von Ethereum zu bewerten. Und das soll in diesem Artikel geschehen.

Hohe Leistung bei gedrosseltem Verbrauch

Schon mit dem im Test am Wochenende genutzten Treiber „für Spieler“ erreichen RX Vega 64 und 56 hohe Leistungswerte. Ohne manuellen Eingriff sind es 31,8 respektive 29,3 MH/s. Eine Asus GeForce GTX 1080 Ti Strix erreicht ab Werk 32,4 MH/s, verbraucht mit 208 zu 295 respektive 219 Watt allerdings deutlich weniger Strom (Grafikkarten separat gemessen). Aber wie Polaris lässt sich auch Vega noch deutlich beschleunigen oder effizienter rechnen.

Die Radeon RX Vega 64 mit weniger Spannung bei 37,7 MH/s
Die Radeon RX Vega 64 mit weniger Spannung bei 37,7 MH/s

Wird das Power Target auf 150 Prozent angehoben und der Speichertakt von 945 auf 1.100 MHz erhöht, erzielt die Grafikkarte 37,7 MH/s und damit fast 20 Prozent mehr Leistung. Der Stromverbrauch steigt um weitere 40 Watt an. Dasselbe Ergebnis lässt sich allerdings auch mit einem unangepassten Power Target und deutlich reduzierter Spannung (im Diagramm „UV“) erreichen: 37,7 MH/s sind dann auch mit nur 244 Watt Verbrauch möglich. Mit 6,5 Watt pro MH/s wird die Effizienz der GeForce GTX 1080 Ti im Werkszustand erreicht. Das weitere Absenken der GPU-Taktrate hat hingegen keinen wesentlichen Effekt mehr, denn Leistungsaufnahme und Leistung fallen in diesem Fall annähernd gleich schnell, die Effizienz bleibt unverändert.

RX Vega 56 ist effizienter als Vega 64

Auch die Radeon RX Vega 56 lässt noch mehr Leistung zu. Mit geöffnetem Power Target und dem Speicher bei stabil 950 statt 800 MHz werden auch hier knapp 20 Prozent mehr Leistung bei gleichzeitig 32 Prozent mehr Stromverbrauch erzielt. Und auch hier ist mit 100 Prozent Power Target aber stark gesenkter Spannung fast dasselbe Ergebnis möglich. Mit 5,7 Watt pro MH/s fällt Vega 56 dabei effizienter als Vega 64 aus. Ein Absenken der GPU-Taktrate fördert erneut keinen weiteren Effizienzgewinn zu Tage.

Die Testergebnisse auf Basis der Werkseinstellungen sind im Diagramm fett gekennzeichnet.

Ether-Mining-Leistung
  • MH/s:
    • RX Vega 64 (1.560/1.100/PT150)
      37,7
    • RX Vega 64 (1.560/1.100/PT100/UV)
      37,7
    • RX Vega 64 (1.408/1.100/PT100)
      35,6
    • GTX 1080 Ti (1.949/5.500/PT120)
      35,6
    • GTX 1080 Ti (1.406/5.500/PT100)
      35,6
    • RX Vega 56 (1.560/950/PT150)
      34,6
    • RX Vega 56 (1.488/950/PT100/UV)
      33,6
    • RX Vega 56 (1.375/950/PT100)
      32,4
    • GTX 1080 Ti (1.949/5.000/PT100)
      32,4
    • RX Vega 64 (1.560/945/PT100)
      31,8
    • RX Vega 64 (844/1.100/PT100/UV)
      31,4
    • RX Vega 56 (1.425/800/PT100)
      29,3
    • RX Vega 56 (844/950/PT100/UV)
      27,4
    • RX Vega 56 (844/800/PT100/UV)
      26,2
    Angaben in Mhash/s
  • Stromverbrauch (Grafikkarte):
    • RX Vega 56 (844/800/PT100/UV)
      153,0
    • GTX 1080 Ti (1.406/5.500/PT100)
      154,0
    • RX Vega 56 (844/950/PT100/UV)
      155,0
    • RX Vega 56 (1.488/950/PT100/UV)
      192,0
    • RX Vega 64 (844/1.100/PT100/UV)
      202,0
    • GTX 1080 Ti (1.949/5.000/PT100)
      208,0
    • RX Vega 56 (1.425/800/PT100)
      219,0
    • RX Vega 56 (1.375/950/PT100)
      224,0
    • GTX 1080 Ti (1.949/5.500/PT120)
      230,0
    • RX Vega 64 (1.560/1.100/PT100/UV)
      244,0
    • RX Vega 64 (1.408/1.100/PT100)
      291,0
    • RX Vega 56 (1.560/950/PT150)
      295,0
    • RX Vega 64 (1.560/945/PT100)
      295,0
    • RX Vega 64 (1.560/1.100/PT150)
      336,0
    Angaben in Watt (W)
  • Effizienz in Watt/(MH/s):
    • GTX 1080 Ti (1.406/5.500/PT100)
      4,3
    • RX Vega 56 (1.488/950/PT100/UV)
      5,7
    • RX Vega 56 (844/950/PT100/UV)
      5,7
    • RX Vega 56 (844/800/PT100/UV)
      5,8
    • RX Vega 64 (844/1.100/PT100/UV)
      6,4
    • GTX 1080 Ti (1.949/5.000/PT100)
      6,4
    • RX Vega 64 (1.560/1.100/PT100/UV)
      6,5
    • GTX 1080 Ti (1.949/5.500/PT120)
      6,5
    • RX Vega 56 (1.375/950/PT100)
      6,9
    • RX Vega 56 (1.425/800/PT100)
      7,5
    • RX Vega 64 (1.408/1.100/PT100)
      8,2
    • RX Vega 56 (1.560/950/PT150)
      8,5
    • RX Vega 64 (1.560/1.100/PT150)
      8,9
    • RX Vega 64 (1.560/945/PT100)
      9,3
    Angaben in Watt (W)

Pascal bleibt effizienter, kostet aber auch mehr

Auch die GeForce GTX 1080 Ti lässt sich anpassen. Mit 500 MHz mehr GDDR5X-Speichertakt und 120 Prozent Power Target erzielt das Modell knapp 36 MH/s. Der Verbrauch liegt bei um die 230 Watt. Dasselbe Ergebnis kann aber auch hier erzielt werden, wenn der GPU-Takt signifikant gesenkt wird. Bei den Testreihen zum Artikel Mining mit Grafikkarten: Ethereum schürfen im Selbstversuch im Juli war das noch nicht der Fall gewesen. Ohne manuelle Anpassung der Spannung stehen mit dem aktuellsten GeForce-Treiber heute wiederum nur noch 154 Watt Verbrauch zu Buche - die Effizienz steigt auf 4,3 Watt pro MH/s.

Beta-Treiber nur für Blockchain-Mining

Mit einem von AMD explizit zum Einsatz in Mining-Rechnern freigegebenen Beta-Treiber für Blockchain-Berechnungen lässt sich bei Vega und älteren Grafikkarten bis zurück zur ersten Generation Graphics Core Next mit der Radeon HD 7700 seit Dienstag aber noch mehr Leistung gewinnen. Spieler sollen diesen Treiber ebenso wenig nutzen wie Anwender von Apple Boot Camp. Für diesen Test stand kurzfristig nur die Radeon RX Vega 56 zur Verfügung.

Die Testergebnisse auf Basis des neuen Blockchain-Treibers sind im Diagramm fett gekennzeichnet.

Ether-Mining-Leistung mit Blockchain-Treiber
  • MH/s:
    • RX Vega 64 (1.560/1.100/PT100/UV)
      37,7
    • RX Vega 56 (1.590/950/PT150)
      36,6
    • RX Vega 56 (1.560/950/PT150)
      34,6
    • RX Vega 64 (1.560/945/PT100)
      31,8
    • RX Vega 56 (1.474/800/PT100)
      31,4
    • RX Vega 56 (1.425/800/PT100)
      29,3
    Angaben in Mhash/s
  • Stromverbrauch (Grafikkarte):
    • RX Vega 56 (1.474/800/PT100)
      216,0
    • RX Vega 56 (1.425/800/PT100)
      219,0
    • RX Vega 64 (1.560/1.100/PT100/UV)
      244,0
    • RX Vega 56 (1.560/950/PT150)
      295,0
    • RX Vega 64 (1.560/945/PT100)
      295,0
    • RX Vega 56 (1.590/950/PT150)
      312,0
    Angaben in Watt (W)
  • Effizienz in Watt/(MH/s):
    • RX Vega 64 (1.560/1.100/PT100/UV)
      6,5
    • RX Vega 56 (1.474/800/PT100)
      6,9
    • RX Vega 56 (1.425/800/PT100)
      7,5
    • RX Vega 56 (1.560/950/PT150)
      8,5
    • RX Vega 56 (1.590/950/PT150)
      8,5
    • RX Vega 64 (1.560/945/PT100)
      9,3
    Angaben in Watt (W)

Mit dem neuen Treiber erzielt die kleinere Vega-Grafikkarte im Werkszustand 31,4 und damit knapp sieben Prozent mehr Leistung. Die Leistungsaufnahme bleibt annähernd gleich, der GPU-Takt fällt etwas höher aus. Die Leistung wird deutlich konstanter abgeliefert als bisher. Mit höherem Speichertakt und 150 Prozent Power Target werden 36,6 MH/s und damit fast die Leistung der mit altem Treiber rechnenden RX Vega 64 erreicht. Auch in diesem Zustand ist der Takt mit neuem Treiber etwas höher, aber auch die Leistungsaufnahme um weitere knapp 20 Watt gestiegen.

In Zukunft soll der Leistungsgewinn allerdings noch höher ausfallen. Auf Basis verfügbarer Treiber galten Grafikkarten mit Polaris- (und Vega-)GPU zuletzt als nicht mehr lange effizient nutzbar, mit dem neuen Treiber sind die Leistungswerte für Polaris und Vega in späteren DAG-Epochen allerdings deutlich gestiegen und liegen auf dem aktuellen Niveau – ein Einbruch ist nicht mehr feststellbar. Die von LegitReviews beobachteten Probleme traten im Test in der Redaktion nicht auf.

Fazit: Ein Dilemma, auch für AMD

Radeon RX Vega braucht auch beim Minen von Ethereum deutlich mehr Energie für dieselbe Leistung als Pascal. Durch das Absenken der GPU-Spannung und gleichzeitiges Übertakten des für die Berechnung so kritischen Speichers lassen sich manuell allerdings deutliche Effizienzvorteile erzielen – weitere Zugewinne durch mehr Testreihen nicht ausgeschlossen. Das gilt ebenso für die Konkurrenz. Bei den aktuellen Kursen für relevante Kryptowährungen, den hohen Aufpreisen für effizientere Hardware und der schlechten Verfügbarkeit tritt dieser Aspekt aber fast schon in den Hintergrund: Geld verdienen lässt sich schließlich auch mit ineffizienterer Hardware - erst recht auf diesem Leistungsniveau. Und dennoch macht der Anschaffungspreis einen Unterschied.

Die RX Vega 56 ist besonders interessant

Die Radeon RX Vega 56 ist zum von AMD offiziell noch ausgerufenen Preis von rund 400 Euro ab Ende August 2017 definitiv als sehr attraktiv für Miner anzusehen. Mit den im Test erzielten 36,6 MH/s bei 192 Watt Verbrauch und aktuellem Kurs ließen sich im Jahr rund 330 Euro Gewinn erwirtschaften und damit die Kosten für die Grafikkarte bereits zu über 80 Prozent amortisieren. Für die Radeon RX Vega 64 liegt der erwartete Gewinn hingegen etwas darunter, weil die Effizienz geringer ist. Der Anschaffungspreis liegt wiederum – Stand 16. August 2017 – um 150 Euro höher. Doch Vorsicht: Diese Überlegungen gelten für Deutschland und einen Strompreis von um die 30 Cent. Liegt der Preis deutlich niedriger, überwiegt die maximal mögliche Leistung den Stromverbrauch immer deutlicher.

Eine Antwort auf die Frage, ob AMD den Preis von RX Vega 64 für Miner genau richtig, zu hoch oder zu niedrig angesetzt hat, ist somit ebenfalls unter Berücksichtigung der Faktoren Strompreis, Verfügbarkeit von Alternativen, gewünschter MH/s-Leistung je freiem „Anschluss im Rig“ und der Kursentwicklung zu bewerten. Sicher ist: RX Vega 64 für weniger Geld wäre nicht nur für Spieler attraktiver. In dieser Zwickmühle befinden sich Mitte 2017 offensichtlich beide Hersteller von Grafikkarten für Spieler. Und mehr Spiele in noch teureren Bundles sind keine Lösung. Treiber für Blockchain-Mining allerdings auch nicht.

AMD Radeon RX Vega
AMD Radeon RX Vega

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