Ruler Form Factor: Künftig sehen SSDs aus wie ein Lineal

Michael Günsch 54 Kommentare
Ruler Form Factor: Künftig sehen SSDs aus wie ein Lineal
Bild: Intel

Intel hat einen neuen Formfaktor für Solid State Drives (SSDs) enthüllt. Der Name „Ruler“ – englisch für „Lineal“ – ist dabei Programm, denn das Format ist lang und schmal. Erstmals zeigt eine Abbildung eine SSD in dem neuen EDSFF-Format für Server-Systeme. Hinweise zum Ruler Form Factor gab es aber schon mehrfach im Vorfeld.

Update 11.08.2017 14:56 Uhr

Inzwischen liegt der Redaktion die angeforderte Intel-Präsentation in Gänze vor, die der Vollständigkeit halber an dieser Stelle nachgereicht wird.

Update 10.08.2017 10:01 Uhr

EDSFF: 16 bis 32 TByte mit PCIe x4/x8 auf über 30 cm Länge

Inzwischen liegen weitere Details vor. Das Design basiert auf dem Enterprise & Datacenter Storage Form Factor (EDSFF), der sich noch in Entwicklung befindet. Die EDSFF Working Group, der neben Intel auch Dell, HPE, Lenovo und Samsung angehören, arbeitet daran, aus dem Format einen Industriestandard zu machen.

Die Ruler-SSD ist über 30 cm lang
Die Ruler-SSD ist über 30 cm lang (Bild: Intel)
Der Anschluss SFF-TA-1002 unterstützt PCIe bis Gen 5
Der Anschluss SFF-TA-1002 unterstützt PCIe bis Gen 5 (Bild: edsffspec.org)

Die Abmessungen der gezeigten EDSSF-SSD betragen 325,35 × 36,8 × 9,5 mm (L×B×H) – andere Konzepte sehen auch kürzere Varianten vor. Der Anschluss nennt sich SFF-TA-1002, arbeitet mit vier oder acht PCIe-Lanes und soll neben PCIe 3.1 auch die kommenden Generationen 4.0 und 5.0 unterstützen. Im Server soll zwischen den Modulen ein Spalt von drei Millimetern zur Belüftung liegen. Bis zu 32 Ruler-SSDs sollen in einem 1U-Server Platz finden.

Momentan fasse eine Ruler-SSD 16 TByte, nächstes Jahr soll die Kapazität auf 32 TByte verdoppelt werden, womit dann 1 Petabyte pro 1U-Server möglich wird. Eine Variante mit doppelter Bauhöhe und PCIe x16 sei zudem möglich, diese hätten bereits Hersteller angefragt, wie heise online erfuhr.

Lang und schmal, eben wie ein Lineal oder Zollstock, nur etwas dicker, wirkt die SSD, die laut Aufschrift ein Ableger der DC-P4500-Serie von Intel ist. Technische Details wie Abmessungen oder die elektrische Schnittstelle werden nicht verraten. Intel-SSDs der Optane-Familie sowie 3D-NAND-basierte SSDs im Ruler-Formfaktor sollen aber „in naher Zukunft“ auf den Markt kommen, so Intel.

Eine SSD im „Ruler“ Formfaktor
Eine SSD im „Ruler“ Formfaktor (Bild: Intel via Techgage)

Laut Intels Mitteilung soll der neue Formfaktor die „höchste Storage-Kapazität“ für Server mit zugleich „niedrigsten Anforderungen an Kühlung und Strombedarf“ vereinen. Mit Intels 3D-NAND bestückt, sollen die Ruler-SSDs bis zu 1 Petabyte Speicherplatz in nur einem 1U-Server ermöglichen. Wie Techgage berichtet, sind für den gleichen Speicherplatz einhundert 10-TB-HDDs auf einen 4U-Server verteilt nötig. Ein besserer Vergleich wären aber bisherige Enterprise-SSDs, die im 2,5-Zoll-Format bereits 30 Terabyte erreichen.

Diverse Hinweise, nur wenige Details

Die wenigen Details lassen vorerst viele Frage zum Ruler-Formfaktor offen. Die Ankündigung kommt aber nicht wie aus dem Nichts, denn bereits im vergangenen Jahr gab es diverse Hinweise auf den neuen Standard. Unter anderem hatte Supermicro das neue Format bereits mehrfach erwähnt: Zur Computex 2016 war von Ruler Flash Storage die Rede, im August folgte ein weiterer Hinweis auf den „new Ruler form factor high capacity flash storage“. Auch IBM hatte kürzlich einen Ausblick gegeben und ein „NVMe 2U Ruler Storage Module“ verraten.

IBM plant auch bereits mit Ruler Storage Modules
IBM plant auch bereits mit Ruler Storage Modules (Bild: IBM (PDF))

Das „NVMe“ liefert einen Hinweis auf die Schnittstelle, denn das Protokoll Non-Volatile Memory Express ist für die Schnittstelle PCI Express bestimmt. Damit ist aber nicht ausgeschlossen, dass der neue Formfaktor auch andere Schnittstellen wie SATA oder SAS umfasst. Die Storage Networking Industry Association führt Ruler unter den SSD-Formfaktoren noch nicht auf.

Neue 3D-NAND-SSDs von Intel

Parallel hat Intel die Enterprise-SSDs der Serien DC S4500 und DC S4600 vorgestellt. Im 2,5-Zoll-Formfaktor mit 7 mm Bauhöhe werden Speicherkapazitäten von 240 GB bis 1,92 TB (S4600) beziehungsweise bis zu 3,84 TB (S4500) geboten. Über die SATA-Schnittstelle sollen sequenziell 500 MB/s lesend und 490 MB/s schreibend möglich sein. Die S4600 liefert eine höhere Leistung beim wahlfreien Schreiben (65k IOPS, S4500: 33k IOPS) und lässt sich im Rahmen der fünfjährigen Garantie dreimal pro Tag (3 DWPD, S4500: 1 DWPD) vollständig mit Daten füllen. Mehr Details liefern Intels Produktseiten.