Enermax GraceFun im Test: Echtglas, LED-Lüfter und 5,25-Zoll-Schacht für 44 Euro

Carsten Lissack 32 Kommentare
Enermax GraceFun im Test: Echtglas, LED-Lüfter und 5,25-Zoll-Schacht für 44 Euro

tl;dr: Mit dem GraceFun versucht Enermax die Eigenschaften gut und günstig in einem Produkt zu vereinen, das aktuell für 44 Euro zu haben ist. Geboten werden neben einem Seitenteil aus Echtglas zwei mitgelieferte Lüfter und ein ordentlich aufgebauter Innenraum. Ohne gravierende Abstriche gelingt das aber nicht.

Einleitung

Die Eckdaten des neuen Midi-Towers lesen sich auf jeden Fall schon einmal vielversprechend. Mit einem Seitenteil aus Echtglas und einer klar gestalteten Formgebung kann es auf dem Papier und Produktfotos punkten. Zwecks höherer Kompatibilität ist sogar ein inzwischen selten anzutreffender 5,25"-Laufwerksschacht anzutreffen, was den ein oder anderen sicher erfreuen wird.

Enermax GraceFun
Enermax GraceFun

Darüber hinaus sind bereits zwei 120-mm-Lüfter ab Werk vorinstalliert, die sich hinsichtlich ihrer Güte genauso wie das GraceFun selbst im Test beweisen müssen. Einer davon ist beleuchtet.

Lieferumfang und Ausstattung

Enermax legt dem GraceFun lediglich das obligatorische Schraubenmaterial und drei Aufkleber bei. Die Gebrauchsanweisung ist zwar mehrsprachig verfasst, die Texte sind jedoch nicht ausformuliert. Anhand der guten Schwarz-Weiß-Skizzen sind die einzelnen Montageschritte dennoch nachvollziehbar.

Ein Lüfter leuchtet blau, einer steckt am Netzteil

Die beiden Ventilatoren laufen mit einer maximalen Drehzahl von 1.000 U/min. Der in der Front eingesetzte Lüfter startet ab einer anliegenden Spannung von 3,2 Volt, der hintere blau leuchtende LED-Ventilator benötigt mit 3,5 Volt geringfügig mehr Spannung. Ziemlich untypisch und in der heutigen Zeit kaum noch gebräuchlich ist der Anschluss des Frontlüfters an das Netzteil. Dadurch kann die Drehzahl nicht über das Mainboard gesteuert werden.

Merkmale der vorinstallierten Lüfter
Position Größe U/min Anschluss Anlaufspannung
Front 1 × 120 mm 1.000 Molex 3,2 Volt
Heck 1 × 120 mm 1.000 3-Pin oder Molex 3,5 Volt

Mit einem äußeren Volumen von 48,67 Liter reiht sich das GraceFun klar in die Klasse der Midi-Tower ein und nimmt Hauptplatinen in den Größen ATX, Micro-ATX und Mini-ITX auf. Trotz der Mischung aus Kunststoff, Stahl und Glas bringt das Gehäuse gerade einmal 5,9 kg auf die Waage und ist damit ein echtes Leichtgewicht. Im Inneren finden bis zu fünf Festplatten im Midi-Tower passende Montageplätze, es können maximal sieben Lüfter montiert werden.

Enermax GraceFun
Mainboard-Format: ATX, Micro-ATX
Chassis (L × B × H): 520 × 208 × 450 mm (48,67 Liter)
Seitenfenster
Material: Kunststoff, Stahl, Glas
Nettogewicht: 5,90 kg
I/O-Ports: 1 × USB 3.0, 2 × USB 2.0, HD-Audio
Einschübe: 1 × 5,25" (extern)
2 × 3,5"/2,5" (intern)
3 × 2,5" (intern)
Erweiterungsslots: 7
Lüfter: Front: 2 × 140/120 mm (1 × 120 mm inklusive)
Heck: 1 × 120 mm (1 × 120 mm inklusive)
Deckel: 2 × 120 mm (optional)
Boden: 2 × 120 mm (optional)
Staubfilter: Netzteil
Kompatibilität: CPU-Kühler: 163 mm
GPU: 400 mm
Netzteil: 220 mm
Preis: ab 50 €

Gelungenes Design, veraltete Anschlüsse

Von seiner äußeren Seite zeigt das Enermax GraceFun sehr viel Stahl und Echtglas. Während der Stahl in stabilen Kunststofffassungen integriert ist und diese mit dem Korpus des Gehäuses verbunden sind, wird das Seitenteil aus Glas über vier Rändelschrauben mit dazwischen liegendem Gummiringen direkt an den Rahmen montiert.

Seitlich in den Kunststofffassungen sind zahlreiche mit Meshgitter verkleidete Lüftungsschlitze eingelassen. Sie sollen gleichzeitig als Staubfilter fungieren, doch ist das Lochgitter hierfür viel zu grob, als dass es Staub wirklich effektiv abhalten kann.

Front mit seltenem 5,25-Zoll-Einschub

Die Front ist sehr schlicht gehalten. Hier finden sich lediglich ein mit einer Blende abgedeckter 5,25"-Laufwerksschacht und das Emblem des Herstellers. Auch das rechte Seitenteil ist schlicht gestaltet. Hier wurde allerdings eine Vertiefung zur Erhöhung des verfügbaren Platzes zum Verlegen der Kabel hinter dem Mainboardtray realisiert.

An der Rückseite gibt es einen für die vertikale Höhenverstellung in Langlöchern montierten 120-mm-LED-Lüfter, sieben Erweiterungssteckplätze und die vorgesehene Position des Netzteils zu sehen. Erkennbar ist außerdem, dass das rechte Stahlseitenteil über eine Abziehhilfe verfügt.

Wird die Frontverkleidung abgenommen, kommt der zweite vorinstallierte Ventilator zum Vorschein. Auch er wurde zwecks Höhenanpassung in Langlöchern verschraubt. In der Front ist Platz für ein weiteren Ventilator. Alternativ können auch zwei 140-mm-Modelle eingebaut werden.

Nachdem die Frontverkleidung abgenommen wurde, lässt sich auch das Topcover entfernen. Hier lassen sich zwei 120-mm-Lüfter montieren. Die Pseudo-Staubfilter schützen an dieser Stelle aber nicht vor dem Eindringen von Fremdkörpern.

Gut hingegen schützen die Gummikappen im Panel vor von oben einfallendem Staub. Besonders die Kappen für die 3,5-mm-Klinkenbuchsen sind jedoch schwerer mit der Hand zu entnehmen, weshalb sie sehr wahrscheinlich nicht sehr häufig zum Einsatz kommen werden.

Eine USB-3.0-Schnittstelle und zwei veraltete USB-2.0-Anschlüsse am Panel

Das Panel des GraceFun setzt sich aus einem USB-3.0- und zwei inzwischen veralteten USB-2.0-Anschlüssen sowie zwei 3,5-mm-Klinkenbuchsen für den Soundaus- und den Mikrofoneingang zusammen. Links befindet sich ein großer Startknopf, rechts wurde ein kleiner runder Resetknopf integriert. Zwei USB-3.0-Anschlüsse wären besser gewesen.

Beim genaueren Hinschauen fällt auf, das der Stahl, der in den Kunststofffassungen integriert ist, keine perfekte Verarbeitungsqualität aufweist. Das ist auf die Befestigungsmethode der beiden Komponenten zurückzuführen. Bei einem Gehäuse dieser Preisklasse ist diese Art der Befestigung aber durchaus vertretbar, auch wenn sie das Erscheinungsbild geringfügig in Mitleidenschaft zieht.

Schade ist ferner, dass sich Enermax für herausbrechbare Slotblenden entschieden hat. Diese hinterlassen zwei scharfe Kanten und können anschließend nicht mehr eingebaut werden. Modulare Slotblenden sind selbst bei günstigeren Midi-Towern heute quasi Standard.

Ein Blick unter das Gehäuse lässt bereits einige Rückschlüsse auf Teile des Innenraums ziehen. Diverse Nieten lassen zunächst darauf schließen, das sowohl der große Raumtrenner, der durch das Glasfenster bereits von außen gut sichtbar ist, als auch der dahinter versteckte Festplattenkäfig nicht modular sein können.

Durch zusätzliche Gummiflächen unter den Standfüßen oder vergleichbares Material ist das Enermax GraceFun nicht entkoppelt. Zwar befindet sich an der Unterseite ein Staubfilter für das Netzteil, doch ist auch dieser zu grob um gut vor eingesaugtem Staub zu schützen. Zudem ist der Filter nur umständlich zu entnehmen und erfordert das Ablegen des Gehäuses auf seine Seite.

Äußerlich bietet das Enermax GraceFun gemessen an seinem Preis insgesamt trotzdem eine gute Verarbeitungsqualität. Sie weist an einigen Stellen kleine Mängel im Detail auf, grobe Einbußen sind aber nicht feststellbar. Unregelmäßige Spaltmaße oder sonstige Mängel können dem GraceFun nicht nachgesagt werden.

Konventioneller Innenraumaufbau mit Raumtrenner

Der komplett in Schwarz lackierte Innenraum des Enermax GraceFun weist im Mainboardtray insgesamt zehn Öffnungen auf, von denen neun für das Verlegen von Kabeln genutzt werden können. Die zehnte und gleichzeitig größte Aussparung ist der Kühlermontage von der Rückseite des Trays aus vorbehalten, auch wenn diese kaum noch Anwendung in der heutigen Zeit findet. Gummimanschetten, die die Kabel zusätzlich verdecken, gibt es nicht.

Unten am Boden des Midi-Towers befindet sich ein fest verbauter Raumtrenner. Unter ihm wird das Netzteil von der Rückseite aus eingebaut, wodurch es durch die Glasseitenwand nicht sichtbar ist. Auf dem Raumtrenner können zwei 120-mm-Lüfter montiert werden.

Das 5,25"-Laufwerk wird klassisch von zwei Seiten verschraubt. Die Halterung auf der linken Seite ist allerdings verkürzt, sodass das Laufwerk nur vorne angeschraubt werden kann.

Eine Festplattenentkopplung gibt es nicht

An der Rückseite gibt es neben diversen Ösen zum Fixieren der Kabel mit Kabelbindern noch den Festplattenkäfig zu sehen, der vor dem Netzteil verbaut ist. Hier können zwei 3,5"- oder 2,5"-Festplatten eingesetzt werden, die Aufnahme erfolgt in beiden Fällen ohne Entkopplung. Drei weitere 2,5"-SSDs lassen sich am Mainboardtray anbringen. Einer der Montageplätze befindet sich hinter dem Tray, die anderen beiden SSDs sind durch das Glasfenster hindurch sichtbar.

Auch der Innenraum bietet wenig Angriffsfläche für Kritik. Unterm Strich ist alles sauber verarbeitet, es finden sich keine scharfen Kanten. Lediglich die Verwindungssteifigkeit einzelner Teile, beispielsweise die der 5,25"-Halterung, ist nicht sonderlich hoch.

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