Baggen und Stammen im Test: Urbanears paart starken Klang mit schwacher Software 2/2

Michael Schäfer 52 Kommentare

Guter Klang ohne Stereo-Funktion

Während der kleinere Stammen über zwei 3/4-Zoll große Neodym-Kalottenhochtöner und einen 4 Zoll großen Tieftöner verfügt, was dem Lautsprecher laut Hersteller eine maximale Ausgangsleistung von 36 Watt ermöglichen, verfügt der größere Baggen über zwei 2,5-Zoll Full-Range-Treiber sowie einem 5,25-Zoll-Tieftöner mit insgesamt maximal 60 Watt. Beide Lautsprecher verfügen zudem über 3 Class-D-Verstärker, die nur wenig Verlustleistung aufweisen.

Beide Lautsprecher bieten ein gutes und ausgewogenes Klangbild mit klaren Höhen und druckvollem Tiefton, auch wenn der Baggen dem einen oder anderen Hörer ab Werk zu basslastig erschien. In diesem Fall kann der Klang auf Wunsch mit der App nachjustiert werden. Erst bei fast maximaler Lautstärke neigen beide Lautsprecher zu Verzerrungen, allerdings ist dann bereits der Punkt erreicht, an dem der Nachbar an der Wohnungstür klingeln dürfte.

Solide verarbeiteter und hochwertig anmutender Stoff bei beiden Lautsprechern
Solide verarbeiteter und hochwertig anmutender Stoff bei beiden Lautsprechern

Multiroom- aber kein Stereo-System

Beide Lautsprecher können als Multiroom-System bestehend aus bis zu fünf Einheiten verwendet werden, was per Definition bedeutet, dass die Möglichkeit zur Koppelung mehrere Lautsprecher in verschiedenen Räumen mit gleicher oder unterschiedlicher Musik besteht. Dies ist beim getesteten System jedoch nur bedingt möglich, denn hier kommt wieder die fehlende Bibliothek ins Spiel: Zwar kann über die verschiedenen Favoriten unterschiedliche Musik je Gruppe abgespielt werden, aber nur aus verschiedenen Quellen – welche sich wiederum nicht einheitlich steuern lassen. Soll also aus der eigenen Sammlung im Wohnzimmer Interpret ABC und im Hobbyraum Gruppe XYZ gespielt werden, geht das nur über zwei Quellgeräte. Bei anderen Systemen würden beide Ausgabegeräte über eine App gesteuert direkt auf die eigene Bibliothek zugreifen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die fehlende Kopplung zweier Lautsprecher zu einem Stereo-Set. Zwar wurde seitens Urbanears die Funktion vor ein paar Monaten per Update in Aussicht gestellt, bisher verfügt jedoch keines der beiden Modelle über diese Möglichkeit. Dabei stellen bereits viele Bluetooth-Lautsprecher aus dem niederen Preissegment diese Funktion bereit.

Fazit

Urbanears Baggen und Stammen vereinen viele gute bis sehr gute Ansätze, doch nicht alle werden konsequent bis zum Ende verfolgt. Am meisten Taktgefühl fehlt dabei ausgerechnet der Software.

Klanglich liefern beide Modelle ein ausgewogenes Bild, die vergleichbaren Lautsprecher vom direkten Konkurrenten Sonos klingen mit weniger Bass anders, aber nicht unbedingt besser. Auch die Verarbeitung ist auf den ersten Blick sehr hochwertig. Bei den Testmodellen wies der Kunststoff auf den Reglern allerdings bereits nach kurzer Lebenszeit leichte Verfärbungen und Abnutzungserscheinungen auf. Das steht weder dem hochwertigen Stoffgewandt noch den Preisen gut zu Gesicht.

Die Software schränkt ein

Wer das System bzw. dessen Möglichkeiten auch richtig ausschöpfen will, den ereilen die echten Probleme allerdings in der Software: Die sieben speicherbaren und auch ohne Quellgerät zu wählenden Favoriten sind zwar nett, können aber nicht über die fehlende Bibliotheksfunktion hinwegtäuschen. So müssen Quellen (von Spotify Connect und Chromecast einmal abgesehen) direkt vom Smartphone oder Tablet per Bluetooth oder kabelgebunden eingespielt werden, Baggen und Stammen besorgen sich die Daten nicht selbst. Über eine Funktion zur Kopplung zweier Lautsprecher zu einem Stereo-Set verfügen beide Modelle – trotz Ankündigung – weiterhin eben sowenig. Auch die Multiroom-Funktion ist eingeschränkt, weil jede Gruppe immer aus einer anderen Quelle versorgt werden muss.

Urbanears Baggen und Stammen im Test

Die Konkurrenz zeigt, wie es geht

Hier zeigt der Konkurrent Sonos, welche Bedienung ein Mehrzimmerlautsprechersystem zu bieten haben muss: Über die App können alle Lautsprecher über die zentrale Bibliothek oder Streaming-Dienste individuell mit Material gefüttert werden. Darüber hinaus können zwei Lautsprecher zu einem Stereo-Set und unterschiedliche Einheiten zu Gruppen zusammengefasst werden. Das Smartphone oder Tablet dient dabei nur als Fernbedienung und kann dank WLAN-Verbindung in der ganzen Wohnung verwendet werden.

Sonos bietet mit dem Play:3 dabei einen ähnlich guten Klang wie der Stammen, der Play:5 kostet lediglich 100 Euro mehr als der Baggen und auch wenn beide Konkurrenten ein weniger spektakuläres Äußere besitzen, verfügen sie dennoch über einen wesentlich größeren Funktionsumfang. Solange Urbanears bei der Software nicht nachbessert, gibt es also nur wenige Gründe, warum sich Kunden für einen Lautsprecher dieses Herstellers entscheiden sollten.

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