Xbox Game Pass: Händler streichen Xbox-Hardware aus dem Sortiment

Max Doll 73 Kommentare
Xbox Game Pass: Händler streichen Xbox-Hardware aus dem Sortiment

Das Spieleabo Xbox Game Pass erlaubt es künftig, auf alle neuen Xbox-Exklusivspiele ab dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung zuzugreifen. Dieses „Flatrate“-Feature wird von Händlern mit wenig Wohlwollen aufgenommen, weil es die Verkäufe von neuen und gebrauchten Spielen bedroht.

Schon in der vergangenen Woche kündigte gameware.at an, Microsoft-Spielkonsolen aus dem Sortiment zu streichen. Als Grund dafür wird das drohende Wegbrechen der Gewinne aus dem Verkauf der nun über den Game Pass letztlich günstiger zugänglichen Spiele genannt. Da das Unternehmen nach eigenen Angaben an den Xbox-Konsolen „null Verdienst“ und „nur Aufwand“ habe, lohne sich der Verkauf der Hardware ohne die Option auf Zusatzverkäufe nicht länger: „Wer das Geschäft allein machen will, soll auch die Arbeit allein machen“, formuliert gameware.at.

Auch in Großbritannien keine Begeisterung

Diese drastische Reaktion hat Games Industry dazu veranlasst, bei Händlern in Großbritannien nach Stellungnahmen zu fragen. Dort halten Händler explizit fest, dass der Verkauf von Hardware nur eine Investition in die Zukunft sei. Der Verkäufer hoffe auf wiederkehrende Kunden, die nach der Konsole Spiele und Zubehör am selben Ort erwerben. Entfällt diese Option, wird die Hardware zu einer „Sackgasse“.

Stimmung und Argumente fallen insgesamt ähnlich aus. Für Extreme Gamez ist das gesamte Xbox-Geschäft „über Nacht wertlos“ geworden. Kein Spieler würde für 12 bis 15 Pfund (~13 bis 17 Euro) ein gebrauchtes Spiel kaufen, wenn man „für einen Zehner einen massiven Katalog von Spielen“ bekommt. Ohne etwas zurückzubekommen, gebe es keinen Grund, Microsoft durch den Verkauf von Spielkonsolen und Zubehör zu unterstützen – auch hier wird die Spielkonsole ausgelistet.

Mehr Sony, weniger Microsoft

Sholing Video, ein kleiner Einzelhändler, wird darüber hinaus auch Xbox-Exklusivspiele wie Sea of Thieves nicht ins Sortiment nehmen. Supermärkte seien billiger, Online-Shops würden Verkaufsembargos unterlaufen und nun würde Microsoft das Spiel „für einen Zehner“ anbieten. Kunden könne so nicht vermittelt werden, den Vollpreis für eine Retail-Kopie des Spiels zu zahlen. Unter solchen Bedingungen lohne sich der Verkauf nicht länger. Vereinzelt gibt es darüber hinaus Überlegungen, abhängig von der Nachfrage auch Drittanbieter-Spiele für die Konsole aus dem Sortiment zu nehmen.

Händler planen stattdessen, sich stärker auf den Verkauf der PlayStation 4 und ihrer Spiele zu konzentrieren. Dort liege ohnehin die Masse der Verkäufe, heißt es laut Games Industry. Der Verzicht auf die Xbox stelle deshalb keinen großen Verlust dar – zumindest auf dem britischen Markt.

Game Pass passt zur Xbox-Strategie

Die Seite vernahm allerdings auch Stimmen, die den Erfolg des Angebots bezweifeln. Microsoft besitze zu wenig Exklusivspiele, um das Angebot attraktiv werden zu lassen, ließen einzelne Händler verlauten. Von einer breiten Masse seien neben anderen Abos zehn weitere Pfund viel verlangt für ein „Spiele-Netflix“ mit wenig Neuerscheinungen. Dieser Punkt ist Microsoft allerdings bewusst: Der Konzern kündigt seit längerem an, das Angebot exklusiver Eigenproduktionen ausbauen zu wollen.

Dazu sind aktuell Übernahmen im Gespräch, denn die Kriegskasse wird nach jüngsten US-amerikanischen Steuersenkungen gut gefüllt sein. Den Gerüchten zufolge soll etwa eine auch feindliche Übernahme von Electronic Arts überlegt werden. Zur Strategie des Konzerns würde das passen. EA sieht in Streaming-Abos die Zukunft der Branche und besitzt im Massenmarkt kommerziell erfolgreiche Marken. Mit Origin Access sowie EA Access konnten zudem bereits zwei Spieleabos am Markt etabliert werden.

Die Zukunft wird plattformunabhängig

Die möglichen Konsequenzen einer derartigen Erweiterung des Game Pass werden für Microsoft vorherzusehen gewesen sein. Sie hinzunehmen ergibt vor allem mit Blick auf die schon länger kommunizierte Globalstrategie Sinn. Microsoft entwickelt Xbox als zunehmend plattformunabhängigen Dienst.

Exklusivspiele sind nicht länger nur für die Konsole, sondern ebenso für Windows 10 verfügbar, Minecraft kann auch auf Smartphones und der Sony-Konsole gespielt werden. Die Etablierung eines Mietmodells als Vorstufe zum Streaming-Angebot wäre mit einem solchen langfristigen Ziel stimmig – Publisher können dann Zwischenhändler und den Gebrauchtmarkt effektiv ausschließen und sind jederzeit unumschränkter Herr ihrer digitalen Güter.