MicroLED: Apple soll nach dem SoC auch das Display selbst entwickeln

Jan-Frederik Timm 39 Kommentare
MicroLED: Apple soll nach dem SoC auch das Display selbst entwickeln

Apple soll hinter verschlossenen Türen an eigenen Displays für Smartphones und Smartwatches arbeiten. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf mit dem Vorhaben vertraute Personen. Der Konzern soll dabei nicht auf LCD oder OLED sondern den potentiellen Nachfolger MicroLED setzen. Der Markt reagierte prompt.

MicroLED: Ein Nachfolger für OLED?

MicroLED setzt im Vergleich zu OLED auf Galliumnitrid und kein organisches Substrat als Werkstoff für die Leuchtdioden und soll auf dieser Basis bei höherer Effizienz deutlich heller strahlen können. Auch die von OLED-Displays heute noch bekannten und vereinzelt relevanten Alterungsprobleme weisen MicroLED-Displays nicht auf. Samsung hatte zur CES 2018 einen ersten Prototypen auf Basis dieser Technologie, die das Potential hat, OLED nachzufolgen, vorgestellt.

Die Herausforderungen bei der Entwicklung hätten das Projekt „T159“ bei Apple vor einem Jahr zwar an den Rand des Scheiterns gebracht, schreibt Bloomberg, mittlerweile seien die Arbeiten in einem unscheinbaren Industriegebäude in Santa Clara, Kalifornien, aber weit fortgeschritten. Der Korea Herald berichtet passend dazu von mittlerweile über 30 Patenten, die Apple in Südkorea mit Bezug zu dieser Technologie halten soll. Elf davon wurden selbst registriert, 23 über den im Jahr 2014 übernommenen MicroLED-Entwickler LuxVue Technology. LG und Samsung, die beiden großen Display-Hersteller, haben in Südkorea ihre Hauptfirmensitze.

Bis die Technologie in kommerziellen Produkten wie der Apple Watch oder dem iPhone zum Einsatz komme, könnten allerdings noch weitere Jahre vergehen. Wie bei den SoCs der A-Serie und den neuen Coprozessoren der W-Serie dürfte Apple die Fertigung dabei ultimativ an einen externen Dienstleister abgeben. Ziel sei es nichtsdestoweniger das technologische Wissen als zukünftig entscheidenden Wettbewerbsvorteil im Unternehmen zu halten.

Enormes Potential

Nach dem Wechsel auf eigene SoC mit dem Apple A4 im iPhone 4 im Jahr 2010 bietet auch der Wechsel auf eigene Displays für den Hersteller enormes Potential. Beim SoC konnte sich Apple nicht nur von externen Anbietern unabhängiger machen, sondern nachweislich auch ein Angebot von der Stange durch eine überlegene, auf die eigenen Produkte perfekt abgestimmte Technologie ersetzen. Bei Displays, neben dem SoC und der Kamera ein dritter wesentlicher Baustein aktueller Smartphones, ist Apple trotz eigener Anstrengungen hingegen noch stark von anderen Anbietern abhängig, die im Fall von Samsung auf demselben Gebiet sogar ganz ähnliche Ziele verfolgen.

Langfristig kann es damit in der Tat nur in Apples Interesse sein, das Display nach dem SoC als weitere Komponente im Unternehmen selbst zu entwickeln. Ob es dem Hersteller am Ende abermals so gut gelingt bleibt aber abzuwarten. Der Markt zeigte sich nach Veröffentlichung der Meldung auf Bloomberg auf jeden Fall schon einmal nervös: Die Aktien von Japan Display, Sharp und Samsung gaben alle einstellig nach.